Test zu Pikmin 3 Deluxe - Nintendo Switch
Können die Pikmin auch auf der Nintendo Switch überzeugen?
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28. Oktober 2020 um 14:00 - Erik Radtke
Wer die Pikmin-Reihe kennt, assoziiert damit wahrscheinlich vor allem die kleinen Wesen, welche nicht nur absolut niedlich sind, sondern auch euer Leben innerhalb des Spiels vereinfachen und dabei fast keine Anforderungen an euch stellen. Auch in Pikmin 3 auf der Wii U konntet ihr eure Sklaven, äh Pikmin, nutzen, um auf dem Planeten PNF-404 Nahrung zu eurem Raumschiff zu bringen, gegen Monster zu kämpfen und vor allem abwechslungsreiche Rätsel zu lösen. So musstet ihr verschiedene Hindernisse überwinden, um die Welt weiter entdecken zu können. Nun hat es der beliebte dritte Ableger der Reihe als Deluxe-Version auch auf die Nintendo Switch geschafft. Warum dies ein voller Erfolg ist – oder auch nicht –, erfahrt im Folgenden. Dabei versuche ich, den Abenteuer-Modus so wenig wie möglich zu spoilern!
Vorneweg: Neu in Pikmin 3 Deluxe sind im Vergleich zur Wii U-Version unter anderem der Koop-Modus und verschiedene Schwierigkeitsgrade für den Abenteuermodus, das Bonus-Abenteuer „Olimars neue Abenteuer“, die Piklopädie und eine Anvisierungs-Funktion für Gegner, Hindernisse und Früchte. Ebenfalls mit dabei sind alle später hinzugekommenen DLC-Inhalte des Wii U-Teils wie zum Beispiel das Bingo-Duell.
Die Geschichte des Abenteuermodus ist leicht erklärt: Die drei Protagonisten Alph, Brittany und Charlie befinden sich auf einer wichtigen Mission, um ihren Heimatplaneten Koppai zu retten, dessen Nahrungsvorräte zugrunde gegangen sind. Mit ihrem Raumschiff, der Drake, landen sie mit einer Bruchlandung auf dem Planeten PNF-404, welcher der Erde stark ähnelt. Blöderweise sind die drei auf dem Planeten verstreut und ihr werdet einige Zeit benötigen, bis sie wieder zusammenfinden. Auf der Insel findet ihr dafür Lebewesen, die sogenannten Pikmin, welche sich von euch einsammeln lassen und euch unterstützen, wo sie nur können. Sie hören aufs Wort und folgen euch überall hin. Ihr könnt sie zu ihrem „Einsatz“ werfen, damit sie gegnerische Kreaturen erledigen und diese dann in ihre Raumschiffe bringen, Früchte in die Drake befördern oder Hindernisse, wie Barrieren aus Erde, zerstören. Passt aber unbedingt auf, dass ihr eure Pikmin keinen tödlichen Gefahren aussetzt und zum Beispiel aus Versehen rote Pikmin ins Wasser werft, da diese dort elendig ertrinken – und niemand möchte, dass die kleinen Pikmin sterben! Die Geschichte bleibt immer relativ spannend, wobei ihr keine filmreife Story erwarten solltet. Trotzdem sind die Szenen extrem süß umgesetzt und ihr bekommt einen kleinen Einblick in das Leben der Charaktere. Das Ende ist leider meiner Meinung nach ziemlich unbefriedigend – doch darüber lässt sich streiten und ich möchte aus Spoilergründen nicht weiter ins Detail gehen.
Der Abenteuermodus umfasst die Hauptstory des Spiels und ist im Gegensatz zur Originalversion auch im Koop-Modus spielbar, welcher eine der größten Neuerungen der Deluxe-Version darstellt. Schon damals wurde die Abwesenheit eines solchen Modus oft bemängelt, da er sich in diesem Spiel anbietet, da ihr sowieso mit zwei bzw. drei Charakteren gleichzeitig spielen müsst, um im Spiel voranzukommen. Denn nicht alle Hindernisse kann ein Charakter allein bewältigen. Gelöst wurde der Koop mit einem Splitscreen-Modus. Die Umsetzung ist wirklich gut gelungen, wobei es an manchen Stellen ein Problem gibt: Manchmal werden alle Pikmin zu einem Charakter zurückgesetzt (gerade vor Boss-Kämpfen), sodass einer der beiden Spieler dann keine Helfer mehr in seiner Truppe hat und diese erst mühsam wieder zurückgeworfen werden müssen. Dies fällt aber kaum ins Gewicht, da man die Häufigkeit dieses „Fehlers“ an der Hand abzählen kann. Sonst ist der Koop-Modus eine extrem gute und sinnvolle Ergänzung und macht meiner Meinung nach den größten Kaufanreiz aus. Gerade mit meiner Freundin hatte ich so viel mehr Motivation, die Geschichte durchzuspielen, und einige lustige, aber auch frustrierende Momente.
Der Abenteuermodus ist sehr abwechslungsreich und wird zu keiner Zeit langweilig. In verschiedenen Gebieten müsst ihr versuchen, alle Früchte zu sammeln, und hin und wieder bestimmte Aufgaben erfüllen. Dabei seid ihr permanent unter Zeitdruck, denn der Abend kommt immer näher. Solltet ihr bis zum Sonnenuntergang nicht alle Pikmin in Sicherheit gebracht haben, werden diese nachts kaltblütig gefressen, was sich ziemlich brutal anhört – und auch ist. Während ihr euch in die Drake zurückzieht, haben die Pikmin ihre eigenen kleinen Raumschiffe, auch „Zwiebeln“ genannt. In diesen finden sie Schutz und können sich dort vermehren. Dafür müssen sie lediglich getötete Kreaturen zu ihrer Zwiebel bringen und sie von dieser einsaugen lassen.
Pikmin 3 Deluxe bietet euch fünf Gebiete, die ihr erkunden könnt. In jedem von ihnen gibt es bestimmte Eigenheiten, die das Areal ausmachen. Auch die Vegetation ändert sich je nach Gebiet und hat seinen eigenen Charme. So seid ihr im „Wald des Anfangs“ in einem tropischen Urwald und werdet später in die „Eisöde der Verwirrung“ reisen, welche, wie der Name schon sagt, eine Schneelandschaft ist. Die Gebiete sind alle liebevoll gestaltet und bieten jede Menge zum Entdecken. Außerdem bietet euch jedes Areal einen Bossgegner, den ihr besiegen müsst. Hier werdet ihr wohl nicht drumherum kommen, den ein oder anderen Pikmin zu verlieren.
Um euch vor den nächtlichen Gefahren von PNF-404 zu schützen, verlasst ihr den Planeten nachts gemeinsam mit euren treuen Begleitern.
© Nintendo
Am Ende jedes Tages erhaltet ihr eine kleine Übersicht über alles, was ihr gesammelt habt, und wie viele eurer Pikmin noch leben. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, eine kleine Rückblende anzuschauen, die euch auf einer 2D-Karte zeigt, welche Wege ihr gegangen seid – ein cooles Gimmick, mehr aber auch nicht. Die gesammelten Früchte werden in der Nacht von euch in der Drake zu Tagesrationen verarbeitet. Solltet ihr jemals in die Notlage kommen, dass ihr keine Tagesrationen mehr übrig habt, heißt es Game over. Normalerweise sollte das aber nicht passieren, da es immer genug Früchte zu finden gibt. So habe ich am Ende über 48 Rationen übrig gehabt. Für bloßes Durchspielen der Story, ohne dass ihr alles zu 100 % sammelt, solltet ihr ungefähr acht bis zehn Stunden einplanen. Das wirkt sehr kurz, aber die verschiedenen Schwierigkeitsgrade geben einen Anreiz, das Abenteuer ein weiteres Mal zu erleben, und sind auf der schwierigsten Stufe, die erst nach Abschluss eines Durchganges freigeschaltet wird, sehr knackig. Zudem hat das Spiel noch einige andere Inhalte, zu denen ich noch kommen werde.
Damals neu in Pikmin 3 waren die Stein- und Flugpikmin, welche ihr im Laufe eurer Reise finden werdet. Insgesamt habt ihr eine relativ große Auswahl an Pikmin, die alle eigene Fähigkeiten haben. So können die roten gut gegen Gegner kämpfen und die gelben sind resistent gegenüber Strom und können weiter geworfen werden, was bei speziellen Monstern und Hindernissen von großem Vorteil ist. Dann gibt es noch die blauen Wasser-Pikmin, die weißen Gift-Pikmin und die lilafarbenen starken Pikmin, wobei es die letzten beiden nicht im Abenteuermodus gibt.
Neu in Pikmin 3 Deluxe ist die Piklopädie, die es zuvor nur in Pikmin 2 gab und nun zurückkehrt. In dieser könnt ihr einen Blick auf die einheimischen Kreaturen werfen, die euch begegnet sind. So könnt ihr mehr über diese erfahren und diesen Vorteil im Kampf gegen sie ausnutzen. Aber um ehrlich zu sein: Ich habe die Piklopädie nur einmal schnell überflogen. Für mein Abenteuer habe ich sie weder benötigt noch benutzt.
Zusätzlich zum Abenteuermodus gibt es wieder verschiedene Missionen, die perfekt für zwischendurch sind. So gibt es zum einen den „Sammle Schätze“-Modus, in dem ihr in einer bestimmten Zeitvorgabe versuchen müsst, viele Schätze aus einer von zehn Welten zu sammeln. Dann habt ihr die Möglichkeit im „Besiege die Kreaturen“-Modus eure Fähigkeiten im Monsterjagen auf zehn verschiedenen Karten unter Beweis zu stellen. Im „Besiege die Bossgegner“-Modus könnt ihr erneut gegen die Bosse antreten, die ihr bereits im Abenteuer-Modus erledigt habt. Bei allen drei Modi könnt ihr für eure Leistung sogar Medaillen sammeln: Das Ziel ist es natürlich, die Platin-Medaille zu erhalten. Für zwischendurch auf jeden Fall eine super Ergänzung, die ich bereits häufig mit meiner Freundin genutzt habe, da auch diese Missionen alle im Koop-Modus bewältigt werden können. Es gibt sogar eine Online-Rangliste, in welcher ihr euch um die schnellsten Zeiten battlen könnt. In meiner Testphase schienen diese Ranglisten aber noch nicht öffentlich zu sein, zumindest habe ich sie alle angeführt. Mal schauen, wie lange das so bleibt!
Sammelt im Missions-Modus in kurzer Zeit alle Schätze ein, um so viel Geld wie möglich zu verdienen.
© Nintendo
Das Bingo-Duell ist eine gute Abwechslung, sollte euer Teamgeist einmal versagen. Denn hier müsst ihr verschiedene Kreaturen, Früchte und weitere Schätze sammeln, um eine Bingokarte zu füllen. Habt ihr vier in einer Reihe, seid ihr der Sieger. Aber ihr solltet immer aufpassen, was euer Gegner gerade tut, denn seine Pikmin greifen eure Pikmin an und so können diese relativ schnell sterben. Zwölf verschiedene Karten habt ihr zur Auswahl, die alle komplett unterschiedlich sind. So seid ihr zum Beispiel einmal in einer düsteren Höhle, beim anderen Mal auf einer Art Spielplatz. Ihr könnt zwischen dem 1-vs.-1- und 2-vs.-2-Modus wählen, im letzteren steuert ihr dann nicht nur einen Charakter, sondern direkt zwei. Dieser Modus ist wirklich gelungen und war schon damals ein sehr beliebter Zeitvertreib.
Die neuen zusätzlichen Bonus-Abenteuer lassen euch in die Rolle von Louie und Olimar schlüpfen, welche die Hauptcharaktere in Pikmin und Pikmin 2 waren. Auch im Abenteuer von Pikmin 3 werdet ihr auf die beiden treffen, in welcher Form, dürft ihr aber gerne selbst herausfinden. Jedenfalls unterscheiden sich die Bonus-Abenteuer grundlegend von der Hauptgeschichte, denn sie wirken eher wie ein Minispiel. So müsst ihr immer verschiedene Objekte sammeln, wie Früchte oder Goldklumpen, und werdet dabei mit kurzen Einspielern aus Olimars Tagebuch versorgt, die euch einen kleinen Einblick dazu geben, was ihr gerade tut. Mit dem Sammeln von Objekten verdient ihr Münzen. Solltet ihr eine bestimmte Anzahl erreicht haben, steigt ihr zu immer besseren Medaillen auf. So könnt ihr auch hier die Platin-Medaille sammeln. Das erinnert stark an die anderen Missionen, ist aber durch Olimars Tagebuch sehr interessant, da es zeitlich vor und nach der Geschichte des Abenteuer-Modus spielt.
Fans, die Spiele gerne komplettieren und Errungenschaften sammeln, ist mit einer weiteren Medaillen-Funktion geholfen. Denn hier könnt ihr, egal welchen Modus ihr gerade spielt, Medaillen sammeln. Diese gibt es für Erfolge wie das Sammeln einer Frucht bis hin zur Komplettierung des Abenteuer-Modus auf „Ultra-Motiviert“. Dies ist eine zusätzliche kleine Herausforderung, die motiviert, das Spiel auch weiterhin zu spielen. Denn irgendwie möchte man ja doch alle Medaillen sein Eigen nennen.
Grafisch ist Pikmin 3 Deluxe leider eine Enttäuschung. Versteht mich nicht falsch, das Spiel ist immer noch ganz ansehnlich, aber es scheint so, als hätte es zum Vorgänger auf der Wii U keinerlei Veränderung gegeben. Manche Texturen sehen matschig aus und eine Kantenglättung sucht man an manchen Stellen vergeblich. Doch eines muss ich dem Spiel lassen: Es hat mich zu keiner Zeit gestört, denn die Story war so abwechslungsreich, dass ich gar nicht groß dazu kam, die Grafik zu beachten. Auch die Musik fällt leider relativ wenig auf und rutscht sehr in den Hintergrund. Aber die Stücke, die es gibt, sind wirklich sehr schön, gerade die Titelmusik, die ich mir des Öfteren angehört habe!
Auch wenn die Grafik veraltet ist: Immer wieder werdet ihr wie hier schöne Flecken im Spiel finden!
© Nintendo
Die neue Steuerung hat einige von unseren Lesern anscheinend verunsichert, wie sich in Diskussionen hier auf ntower zeigte. In Pikmin 3 für die Wii U hattet ihr zwei Steuerungsmöglichkeiten: Die Stick-Steuerung mit dem Gamepad oder die Wii-Remote und Nunchuck-Steuerung, welche von vielen Fans favorisiert wurde, obwohl beide Arten der Steuerung einen entscheidenden Nachteil mit sich brachten. Während ihr mit der Stick-Steuerung keinen Gegner fokussieren konntet, wenn ihr von diesem weggerannt seid, hattet ihr bei der Steuerung mit Wii-Remote und Nunchuck keine Möglichkeit, eure Kamera zu bewegen, da ihr keinen rechten Stick zur Verfügung hattet.
Diese Probleme gehören in Pikmin 3 Deluxe zum Glück der Vergangenheit an, denn Nintendo hat dem Spiel eine neue Funktion spendiert, mit welcher ihr mit der ZR-Taste Gegner, Früchte oder Hindernisse anvisieren könnt. Somit könnt ihr, solltet ihr z. B. mit dem Pro-Controller spielen, beim Wegrennen eure Gegner bewerfen. Zusätzlich habt ihr die Möglichkeit, mit allen Controller-Varianten auf eine Bewegungssteuerung umzustellen, mit welcher ihr den Pointer bewegen könnt. Solltet ihr die Nunchuck-Steuerung vermissen, könnt ihr zwei einzelne Joy-Con in die Hände nehmen. So habt ihr, wie damals, zwei Controller in der Hand. Hierbei fungiert der rechte Joy-Con ähnlich wie bei der Wii U als eine Art Pointer, welcher über die Gyro-Steuerung emuliert wird. Dies funktioniert in der Praxis wirklich gut und lässt einen vergessen, dass man Pikmin 3 nun nicht mehr auf der Wii U spielt!
Unser Fazit
9
Geniales Spiel