Von Trollen und nordischen Göttern

Geschichten aus unserer Kindheit begleiten einen meist sehr lange und mit vielen der traditionellen Märchen oder Legenden kann man irgendwie immer etwas anfangen. Doch wie sieht es mit den Geschichten aus anderen Ländern aus? Nicht nur die Kulturen sind unglaublich unterschiedlich, sondern auch die örtliche Folklore, die voller wunderschöner Geheimnisse und Kreaturen ist. In Röki taucht ihr nämlich in die nordische Folklore ein und trefft Monster und Götter, die man aus den eigenen Kindergeschichten eher weniger kennt, was das Ganze aber umso spannender macht.


Die Grafik ist und bleibt bezaubernd in Röki.

© Polygon Treehouse Ltd.

Das Spiel beginnt ganz harmlos an einem See und ihr spielt die junge Frau Tove, die mit ihrem Bruder Lars auf dem Heimweg ist. Ob vom Spielen oder von der Schule ist hier nicht wichtig, denn beide sind müde und hungrig und auch wenn Lars etwas trödelt, wollen sie doch nur nach Hause. Ein kurzer Weg durch den Wald führt bereits an einer großen, mysteriösen Statue vorbei und es fallen zunehmend viele Raben auf, die sich um einen herum tummeln. Doch Tove und Lars sind mit Verstecken spielen beschäftigt und schnell bekommt ihr ein Gefühl dafür, um welche Art von Spiel es sich bei Röki handelt. Denn um Lars hinter der Statue hervorzulocken, braucht ihr einen besonderen Gegenstand, den ihr dann auch nutzen könnt. Tove formt schnell einen Schneeball und indem ihr ihn aus dem Inventar auswählt und ins Bild zieht, könnt ihr ihn in Richtung Lars werfen, damit es endlich mal nach Hause geht. Die Point-and-Click-Spielweise begleitet euch durch das gesamte Spiel und manchmal reicht es nicht nur, einen Gegenstand aus dem Inventar zu nutzen.


Zu Hause angekommen, begleitet euch weiterhin das stetige Gefühl, dass irgendwas nicht so ganz stimmt. Wieder tummeln sich Raben um das Haus herum und euer kleiner Bruder weigert sich erneut, einfach ins Haus zu gehen. Seinem Stofftier fehlt etwas und erst muss dies repariert werden, damit sich euer Bruder endlich ins Haus begibt. Weiter geht also das Rätselraten und Suchen nach einem passenden Gegenstand, der euch zum Ziel führt. Die Rätsel fügen sich wunderbar ins Spiel ein, sind weder zu leicht noch zu schwer, was mit weiteren Spielstunden schon mal kniffliger werden kann. Doch eine nützliche Funktion gibt es natürlich, damit ihr nicht alle Gegenstände verpasst, mit denen ihr interagieren könnt. Denn durch Drücken den linken Sticks, leuchten alle Möbelstücke oder Gegenstände hell auf, die ihr nutzen könnt. So kommt ihr auch dem letzten Geheimnis auf die Schliche. Oder doch nicht?


Das Gefühl, dass einem schon am Anfang begleitet, bewahrheitet sich schnell, denn Märchen haben bekanntlich immer eine dunkle Seite. Im Haus merkt ihr nämlich, dass die Familie von Tove und Lars eigentlich nur noch aus ihnen beiden besteht. Und als in der Nacht dann unvorhergesehene Dinge passieren, liegt es an Tove, ihre Familie zu retten. Ihr begebt euch also auf ein Abenteuer, um die vier Jötna zu finden, um eure Familie wieder zusammenzuführen und dafür müsst ihr unter anderem einen Schlaftee für Trolle brauen und einer riesigen Kröte ihre drei Söhne wiederbringen, damit ihr ein Stück ihres Bartes bekommt. Klingt verrückt? Es ist schon etwas eigenartig, welche Aufgaben Tove unterwegs bekommt, doch viel zu schnell lauft ihr durch den Wald und besorgt schleimige Schnecken oder Blumen, um diese dann weiterzuverarbeiten oder lockt einen Tomte mit einer Schüssel warmen Haferbrei hervor, damit dieser euch hilft. Denn es ist ein stetiges Geben und Nehmen auf eurem Abenteuer und sobald zunächst fies aussehende Monster mitbekommen, dass auch sie etwas von euch verlangen können, sind sie meist gar nicht mehr so fies. Sammelt also weiter Gegenstände, untersucht Kisten und dunkle Höhlen, bastelt Gegenstände, indem ihr in üblicher Point-and-Click-Manier Dinge zusammenfügt, ehe ihr sie benutzt, um weiterzukommen. Das dauert auch manchmal etwas, denn natürlich liegen die benötigten Dinge nicht immer beieinander. Oft dauert es, bis ihr den gewünschten Gegenstand gefunden habt, doch das löst nur Freude darüber aus, dass man an der anderen Stelle endlich weiter kommt. Denn Frust darüber, dass man nicht weiterkommt, kommt gar nicht erst auf. Dafür sind die Rätsel zwar teilweise knackig, dennoch weiß man meist nach kurzer Zeit, was man machen muss und wer einem weiterhelfen kann, damit man sein Ziel erreicht.


Es gibt so viele schöne Ecken zu entdecken.

© Polygon Treehouse Ltd.

Natürlich müsst ihr nicht nur eure Familie wieder zusammenführen, sondern auch dem großen Wald an sich helfen. Da kommt nämlich das Geben und Nehmen wieder ins Spiel, denn ohne geht es in Röki nicht. Ihr benötigt nämlich auf der doch recht großen Karte einen Weg, um schnell reisen zu können und das geht nur über das Wurzelgeflecht des großen Mutterbaumes, der allerdings erst einmal befreit werden muss. Denn die Raben – ja, die begleiten euch aus gutem Grund durch das Spiel – haben auch die Bäume in Beschlag genommen, was denen so gar nicht gefällt. Befreit sie unterwegs, sodass ihr bequeme Abkürzungen nehmen könnt. Nebenher wird auch eure Sammelleidenschaft in Anspruch genommen, denn von Beginn an trägt Tove ein Tagebuch bei sich, in dem sie alles notiert, was vorgefallen ist. Außerdem sammelt sie unterwegs diverse Sachen wie Blätter oder eine Origami-Figur, die sie in ihr Buch klebt. Auch Abzeichen könnt ihr euch durch verschiedene Aktionen verdienen, die ebenfalls in eurem Tagebuch landen. All das passiert aber wirklich während der Hauptgeschichte selbst, denn die verschiedenen Handlungsstränge greifen wunderbar ineinander, sodass ihr euch fast treiben lassen könnt von der Erzählung. Zusätzlich taucht ihr immer tiefer in die alten Geschichten der nordischen Folklore ein, lernt Trolle und andere Kreaturen kennen und wollt natürlich unbedingt wissen, was die großen Götter noch für eine Rolle spielen.


Röki bringt außerdem eine wundervolle Grafik mit, die malerischer nicht sein könnte. Alles hat seinen eigenen, liebevollen Stil, Details sind wundervoll zu beobachten und Bäume, die beim Laufen durch den Wald das Sichtfeld kurzzeitig blockieren, geben dem ganzen Spiel eine eigene Tiefe. Auch hat Röki etwas Entspannendes an sich, denn auch wenn euch schlimme Dinge widerfahren, kämpft ihr gegen keine bösartigen Monster im Zweikampf oder seid in irgendeiner Weise gezwungen, alle Aufgaben in Windeseile zu erledigen. Dafür sind die verschiedenen Charaktere, auf die ihr unterwegs trefft, viel zu interessant, sodass ihr einen Moment länger mit ihnen verweilen möchtet. Auch die Steuerung geht leicht von der Hand, auch wenn man die Geschwindigkeit der Gegenstände, die man aus seinem Inventar zieht, um sie zu nutzen, justieren sollte. Das geht zum Glück ganz leicht im Menü. Auch sollte man vielleicht die Vibration abstellen, denn die ist wirklich das einzige, was mich gestört hat. Die ist nämlich so unglaublich aggressiv, dass einem der Controller schon mal schnell aus der Hand fliegt. Röki ist kein Spiel, was einen wochenlang beschäftigt. Zumindest nicht, wenn es um die Spielstunden geht. Doch die Geschichten bleiben längerfristig bei einem, da Röki einfach ein wunderschönes, liebevoll erzähltes Spiel ist, dass Jung und Alt begeistern wird.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Kerstin Steiner

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mal eine Demo zu dem Spiel getestet hatte und es irgendwie blöd fand. Dann habe ich die Vollversion angefangen und auch wenn das Spiel ein paar Minuten braucht, um sein volles Potential zu zeigen, kann ich nun sagen, dass eine Demo niemals ein fertiges Spiel repräsentieren kann. Denn die Geschichten, die Röki erzählt, haben mich so in ihren eigenen Bann gezogen, dass ich die Zeit komplett vergessen habe. Man möchte immer weiter, immer mehr Gegenstände sammeln, dem Troll unbedingt seinen Schlaftee bringen. Außerdem hat die nordische Atmosphäre richtig dazu eingeladen, sich in eine Decke zu kuscheln und eine Kanne Tee zu kochen, um sich dann voll ausgerüstet mit Tove ins Abenteuer zu stürzen.
Mein persönliches Highlight: Die malerische Grafik und die nordische Folklore.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 2

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Danke für den Test! Werde mir das Spiel jetzt mal anschauen, hätte es ansonsten vermutlich übersehen.

  • Deny

    Turmheld

    Habe das Spiel vorgestern beendet.

    Die Geschichte hat mich total in den Bann gezogen und hat mich sehr bewegt.

    An zwei Stellen musste ich eine Lösung verwenden, weil ich manche Gegenstände (im Handheld Modus) zu klein dargestellt waren.

    Aber die Rätsel fand ich gut lösbar.
    Nur dass das letzte Kapitel so viele Laufwege mit sich brachte hat etwas die Stimmung getrübt. Wenn man eh schon auf der Suche nach einem kleinen Gegenstand ist...


    Aber Ich kann das Spiel nur empfehlen. Wie oben im Test beschrieben.