Ein auferstandener Musikgott – Jetzt erst recht?

Nach Frederic: Resurrection of Music und Frederic 2: Evil Strikes Back erschien mit Fred3ric von Forever Entertainment der Abschluss jener Trilogie. Die Veröffentlichung war dabei damals etwas überraschend, denn obwohl die Vorgänger schon zuvor auf Steam erhältlich waren, gab es von Fred3ric noch keine Spur (selbst beim DRM-Giganten ist das Spiel erst seit letztem Monat verfügbar). Fred3ric lässt euch in die Rolle des legendären Pianisten Frederic Chopin schlüpfen, der angesichts einer drohenden Katastrophe im modernen Zeitalter des Internets und der Digitalisierung wiederauferstanden ist. Als Pianist habt ihr also ein virtuelles Klavier vor euch, auf dem ihr moderne Remixe weltweit bekannter Klassiker spielt. Das Spiel empfiehlt abermals, den Touchscreen der Nintendo Switch-Konsole in Verbindung mit Kopfhörern zu benutzen.


Beethoven, aka. "Ludwig van Cyborg". Nur ein weiteres Opfer Zeitgeists.

© Forever Entertainment

Fred3ric verzichtet auf einen großen Teil der Handlungserzählung. Eine Introsequenz bleibt, die humorvollen Zwischensequenzen aus den Vorgängern verschwinden. Stattdessen beginnt jedes Level mit einer kurzen Sequenz, in der über die Grenzen der Zeit hinweg die Künstler verschiedener Epochen durch den bösen Zeitgeist zur dessen Marionetten gemacht werden, indem er sie künstlich verstärkt und dann gegen Frederic antreten lässt. Diese Handlung führt übrigens noch zu einer weiteren Differenz den Vorgängern gegenüber: Die Musikstücke selbst – auch wenn ich eher denke, dass es die Story war, die sich den Song-Ideen beugen musste.


Es werden nämlich eigentlich keine Stücke von Chopin selber mehr gespielt, sondern Remixes zu Kompositionen von eben jenen Gästen aus den verschiedenen Epochen, unter anderem Mozart, Beethoven, Strauss, und so weiter und so fort. Das gibt natürlich reichlich Platz, um den Spieler gerade die bekanntesten Symphonien spielen zu lassen. Das kann man sehen, wie man möchte. Ich persönlich finde weltbekannte Lieder ehrlich gesagt zumeist eher langweilig und habe es gemocht, in den Vorgängern Stücke zu hören, die ich zuvor noch nicht kannte. Die Remixe im Spiel sind jedoch, wie ich finde, wieder sehr schön rearrangiert und bieten eine gelungene Abwechslung. Zwar gibt es dieses Mal weniger Stages, nämlich neun an der Zahl, doch ist wohl jede etwas länger als ein durchschnittlicher Track der Vorgänger-Spiele, da sie zum Teil mehrere Stücke beinhalten oder ganze Medleys formen.


Aber was macht ihr überhaupt während eines Levels? Das zuvor erwähnte Klavier bietet euch vier weiße und drei schwarze Tasten – das ist etwas mehr als eine halbe Oktave. Die Noten, die über die Klaviersaiten auf die Tasten rollen, sind aber nur grob darauf ausgerichtet und spiegeln nicht die exakten Töne wieder. Spielt die jeweilige Taste, wenn sich die Note mittig auf ihr befindet. Das passiert natürlich synchronisiert zur Musik. Es gibt keine Funktion, um die Latenz mit jener des Fernsehers oder Monitors auszugleichen, was für die Empfehlung spricht, direkt auf der Nintendo Switch-Konsole zu spielen. Es gibt Noten mit verschiedenen Spielweisen. Normale Noten werden getippt, Noten mit einem weißen Schweif werden gehalten. In blauer Farbe werden sie schnellstmöglich wiederholt getippt, während einige Noten "gepitcht" werden und wiederum andere sogar Doppelnoten sein können.


Noten spielen. Punkte kassieren. Duelle gewinnen.

© Forever Entertainment

Spielt ihr viele Noten fehlerfrei, bekommt ihr einen Kombobonus in Form höherer Punktzahlen oder sogar eine Superaktion. Letztere erlaubt es euch nach ein paar schnellen Tastenmanövern, dem Gegner einen Schlag zu versetzen, um sich einen Vorteil in der Kraftanzeige zu verschaffen. Die Kraftanzeige ist neben der Klaviatur das wichtigste Element auf dem Bildschirm. Diese zeigt euch die Balance zwischen euch und eurem Gegner. Getroffene Noten verbessern sie zu eurem Gunsten. Verfehlte Noten lassen sie abstürzen. Ihr braucht mindestens mehr als die Hälfte des Balkens, um zu gewinnen. Das ist ehrlich gesagt aber nicht besonders schwer. Wie stark die Schwankungen ausfallen, wird vom Schwierigkeitsgrad bestimmt.


Geübte Spieler können lieber versuchen, eine Drei-Sterne-Wertung im Abschlussbildschirm zu erzielen. Dafür braucht ihr eine Trefferquote von 94% auf normalem Schwierigkeitsgrad, oder 98% auf Schwer. Die Endpunktzahl, die etwa aus der Präzision der getroffenen Noten und dem Kombofaktor bestimmt wird, spielt für die Wertung keine Rolle. Es gibt im Gameplay einige Differenzen bei dem Muster der Noten. Eigentlich dienen die Schwierigkeitsgrade dazu, die Komplexität zu bestimmen, sodass je nachdem häufiger Haupt- oder Begleitstimmen gespielt werden. Doch auch der Steuerungstyp kann entscheiden, welche Notentypen gespielt werden.


Eure Aufführungen finden in schön gestaltete Szenen statt, die der Heimat und der Epoche des jeweiligen Gegenspielers nachempfunden sind. Nicht nur haben wir es wieder mit den – wenn auch simplen – Animationen in handgezeichneten Kulissen zu tun, auch kehrt hier ein wenig vom Humor ein, den ich in den Zwischensequenzen vermisst habe. Es gibt kaum einen Track ohne Vorkommen von Memes und anderen Anspielungen in der visuellen Darbietung. Ihr müsst nur während des Spielen die Gelegenheit finden, einmal einen Blick abseits der Klaviatur zu werfen.


Technisch gibt es nicht viel zu erzählen. Die simplen Grafiken und Animationen erzeugen ein schönes aber unkompliziertes Gesamtbild. Bis auf die Klaviatur mit den Noten gibt es keine dreidimensionalen Darstellungen, daher kann das Spiel lockerleicht mit durchgehenden 60 Bildern die Sekunde performen. Sollte euch die normale Tastenbelegung als Controller-Spieler übrigens nicht gefallen, könnte ihr diese auch in den Einstellungen nach Belieben ändern.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Dallherm

Fred3ric bringt einen akzeptablen Abschluss der Trilogie, auch wenn ich einige Dinge aus den Vorgängern, wie die längeren Zwischensequenzen oder die höheren Schwierigkeitsgrade, vermisse. Die stilistische Differenz, dass dieses Mal hauptsächlich Musikstücke anderer Konponisten anstelle von Chopin selbst gespielt werden, lässt sich objektiv natürlich nicht erfassen. Ansonsten gibt es nicht viel, was sich hätte ändern können. Somit ist Fred3ric ein gelungener musikalischer Zeitvertreib, um einfach mal ein wenig in die Tasten zu hauen. Wer sich aber für diesen Titel interessiert, dem würde ich empfehlen, diesen auf jeden Fall mit den Vorgängern zu vergleichen. Ich persönlich mag diese nämlich mehr. PS: Die Musik aus dem Trailer kommt im Spiel leider nicht vor...
Mein persönliches Highlight: Natürlich die Musik!

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