Ein innovatives Horrorabenteuer mit Altersschwächen

Vor gut 18 Jahren erschien der Nintendo GameCube in Europa. Am Ende des Jahres 2002 wurde das eigentlich für den Nintendo 64 vorgesehene Eternal Darkness: Sanity's Requiem hierzulande veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eines der wenigen Gruselspiele, welches von Nintendo vertrieben und von niemand Geringerem als Shigeru Miyamoto mitproduziert wurde. Anlässlich zu Halloween haben wir die bald volljährige Retroperle ausgegraben und einem Test unterzogen. Ob sich das Horrorabenteuer heute noch lohnt, sollen euch die nachfolgenden Zeilen verraten.


Die Finsternis naht...


Ihr schlüpft zu Beginn in die Rolle der jungen Alexandra Roivas. Diese erhält die Nachricht über den Tod ihres Großvaters und macht sich daraufhin zu dessen Anwesen in Rhode Island auf. Schockiert ob der Todesumstände durchstöbert Alexandra die Villa ihres Opas nach Hinweisen zur Gräueltat. Während ihrer Suche stößt sie auf einen verborgenen Raum. Auf dessen Schreibtisch liegt ein in Menschenhaut gebundenes und mit Knochen verziertes Buch, das sogenannte Tome of Eternal Darkness. Das kuriose Werk erzählt die Geschichte verschiedener Personen unterschiedlicher Epochen und deren gemeinsamen Kampf gegen eine böse Gottheit. Der wahre Schrecken hat noch nicht begonnen.


Ihr durchsucht als Alexandra jeden Winkel des enormen Anwesens eures Großvaters nach Antworten.

© Nintendo

Das Tome of Eternal Darkness besteht aus zwölf Kapiteln, wobei sich Alexandra zunächst unbewusst im letzten davon befindet. Jedes der anderen elf Kapitel kommt mit einer eigenen Spielfigur daher. Anders verhält es sich bei den Schauplätzen. Diese besucht ihr öfter. Allerdings vergehen zwischen den einzelnen Erkundungen nicht selten hunderte von Jahren, womit die Handlungsorte nicht an Frische verlieren. Die Kapitelstruktur verleiht dem gut zwölf Stunden langen Abenteuer eine erfreuliche Kurzweiligkeit. Zwischen den Abschnitten findet ihr euch immer wieder in der Villa wieder, wo ihr euch mit Alexandra auf die Suche nach den nächsten Buchseiten macht. Mit den zuvor in den Kapiteln neu erworbenen Fähigkeiten eröffnen sich euch neue Wege im Haus und lassen euch immer tiefer in dessen düsteres Geheimnis eintauchen. Da jedes der etwa einstündigen Kapitel über seinen eigenen Spannungsbogen verfügt, verliert die Geschichte von Eternal Darkness: Sanity's Requiem niemals an Fahrt. Ihr werdet euch dabei erwischen, wir ihr am Ende eines jeden Abschnittes gespannt darauf seid, wohin es euch als Nächstes verschlägt.


Spielerisch präsentiert sich Eternal Darkness: Sanity's Requiem als typischer Survival Horror-Titel. Ihr bewegt euch also durch die in einzelne Räume aufgeteilten Levels, greift gelegentlich zur Waffe, um euch scheußlicher Gegner zu erwehren, und löst das ein oder andere Rätsel, um weiter voranzukommen – ganz klassisch eben. Zum herkömmlichen Tagewerk gesellt sich noch die Runenmagie. Ihr findet im Laufe eures Abenteuers allerhand Runen, aus denen ihr mithilfe von Kodex-Tafeln zur Übersetzung und Schriftrollen mächtige Zaubersprüche basteln könnt. Diese sind unerlässlich für euren weiteren Weg. So könnt ihr mit deren Hilfe geheime Passagen sichtbar machen, magische Barrieren aufheben und spezielle Gegner bekämpfen. Viele von euch wird es zudem freuen, dass man das Spiel zu jedem Zeitpunkt speichern kann, solange sich kein Gegner im selben Raum wie eure Spielfigur befindet. Darüber hinaus dürft ihr in eurem Inventar grenzenlos Sachen horten und den inneren Messie ausleben.


Euch steht ein ausgewähltes Arsenal an Fern- und Nahkampfwaffen zur Verfügung.

© Nintendo

Obwohl man sich um etwas mehr Komfort bemühte, als Resident Evil ihn seinerzeit bot, konnte man die Unzulänglichkeiten, die dem Genre um die Jahrtausendwende anhafteten, nicht vollständig ausmerzen. So fühlen sich die Kämpfe zwar weitaus dynamischer als in anderen Genrevertretern an, was nicht zuletzt daran liegt, dass man per Knopfdruck einzelne Gliedmaßen anvisieren kann, jedoch kann dies bei einer Vielzahl an Feinden auf begrenztem Raum zur Geduldsprobe werden. Die Auseinandersetzungen werden nämlich nicht selten mit Nahkampfwaffen bestritten, die gerne mal an Wänden abprallen und somit eure Kampfanimation ungewollt beenden. Und obwohl das Runenmagiesystem ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, lässt die Umsetzung aus heutiger Sicht ein wenig zu wünschen übrig. Zwar könnt ihr euch fünf der Zauber auf die dafür vorgesehenen Tasten legen, dies erspart euch allerdings nicht, des Öfteren im Hauptmenü vorbeizuschauen, denn die einzelnen Zaubersprüche können mit unterschiedlicher Intensität und Basisrune gesprochen werden, weshalb ihr sie nicht selten austauschen müsst. Auch die Karte stellt sich als wenig hilfreich heraus. Zwar könnt ihr mit dieser die Grundstruktur und Ebenen des Levels einsehen, jedoch nicht euren derzeitigen Standort. Abschließend wäre da noch die Ausdauer einiger Spielfiguren. Während sich Alexandra wie ein junges Reh durch die Villa scheuchen lässt, müsst ihr beim ein oder anderen Ahnen schon einmal Geduld walten lassen. Diese sind nach kurzem Sprint so erschöpft, dass man erst einmal im Schneckentempo vorwärts kriecht. Diesen Grad an Realismus kann man mögen, muss man aber nicht.


Was bisher nach einem soliden Horrorspiel klingt, avanciert sich dank der sogenannten Sanity-Effekte zum kultigen Geheimtipp. Neben eurer Lebens- und Magiepunkteanzeige müsst ihr auf einen weiteren Parameter achtgeben – eure geistige Gesundheit. Fällt diese, fangt ihr zunächst an, Stimmen zu hören oder Dinge zu sehen. Erreicht diese jedoch einen gefährlichen Level, durchbrechen die Erlebnisse nicht selten die vierte Wand. Und obwohl ich über die berühmt-berüchtigten Sanity-Effekte Bescheid wusste, war ich doch immer wieder überrascht ob ihrer Vielfalt. So löscht ihr vermeintlich euren Spielstand, verliert im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf oder werdet mit Unmengen Muntion belohnt, nur um sie daraufhin wieder zu verlieren. Es gibt noch viele weitere Beispiele, die man nennen könnte. Nach einer Weile möchte man die kleinen Spielereien gar nicht mehr missen und fragt sich unweigerlich, weshalb bisher kaum jemand mehr diese Idee aufgegriffen hat.


Die inneren Werte zählen


Gerade im Hinblick auf das grafisch beeindruckende Remake zum ersten Resident Evil, welches im selben Jahr zunächst exklusiv für den Nintendo GameCube erschien, muss man bei Eternal Darkness: Sanity's Requiem bezüglich der Optik trotz deren Detailreichtums etwas Toleranz mitbringen. Gebt dem Spiel ein paar Minuten, um seine Wirkung zu entfalten und die veraltete 3D-Grafik fällt gar nicht mehr auf. Am ehesten kann man das Ganze mit Resident Evil Code: Veronica vergleichen, welches sich seinerzeit erstmals von den vorgerenderten Hintergründen, wie sie bis dahin in der Reihe üblich waren, verabschiedet hat. Ansonsten kann man dem Spiel nichts vorwerfen. Es gibt nahezu keine Ladezeiten, was in Anbetracht des gelegentlich vorkommenden Backtrackings ein Segen ist. Zudem wartet Eternal Darkness: Sanity's Requiem mit einer stimmungsvollen Soundkulisse auf. Markerschütternde Schreie, düstere Ensembles und treibende Bosskampfmusik, hier werdet ihr garantiert fündig. Zudem kommt der Titel vollvertont mit englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln daher.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Lange lag Eternal Darkness: Sanity's Requiem bei mir herum. Nun im Zuge des anstehenden Halloween-Fests war die Zeit gekommen, sich dem Wahnsinn zu stellen und ich habe es nicht bereut. Auch heute noch weiß das Spiel zu überraschen und mitzureißen. Die Geschichte um die bösen Gottheiten hat nicht an Reiz verloren und ich bin geneigt, mich dem noch einmal zu stellen – allen voran deshalb, weil es offenbar drei Durchgänge benötigt, um das wahre Ende zu sehen. Klar sollte man eine gewisse Resistenz gegenüber altem Spieldesign mitbringen, denn ihr werdet mit der ein oder anderen altersbedingten Macke konfrontiert, die euch gelegentlich mit glasigen Augen und zähneknirschend vor dem Bildschirm zurücklässt. Solltet ihr etwas für schaurige Gruselunterhaltung übrig haben, sei euch Eternal Darkness: Sanity's Requiem wärmstens empfohlen.
Mein persönliches Highlight: Wenig überraschend – die Sanity-Effekte.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

11 User haben bereits bewertet

Kommentare 17

  • Cristiano

    Das ist ja sensationell :rover:

    Mir ist kurz das Herz in die Hose gerutscht, dachte schon wir bekommen ein Switch-Remake :D

    Ein wirklich einmaliges Spiel, habe es mehrmals durchgespielt, für das „Geheime Ende“. Finde solche Lovecraft-inspirierte Spiele echt klasse.


    Vielen Dank für den Test!

  • Nanashi

    Turmknappe

    Hab das Spiel zufälligerweise gestern wieder angefangen zu spielen, passend zu Halloween und weil ich derzeit eh Lust auf irgendwas Lovecraft-mäßiges hab. Aber in irgendeiner Form muss das Spiel wieder zurückkehren. Mir egal ob als re-Release im eshop, als Remake oder als Fortsetzung. Ein zweiter Teil war ja eh mal in Entwicklung, also warum den nicht endlich fertig stellen? Nintendo bräuchte nach meinem Geschmack eh mal wieder ein gescheites, exklusives Horrorspiel. Und da sind für mich die heißesten Kandidaten eben Eternal Darkness oder Project Zero.

  • Kindra

    Turmfürst

    Nette Idee, nochmal so Klassiker zu testen.


    Halte Eternal Darkness für das beste Spiel, das sich Versatzstücke von Lovecraft, Weird Fiction allgemein, Poe, aber auch noch lebenden Autoren wie Clive Barker (was ich jetzt einfach behaupte) nimmt. Klar, es ist vom Gameplay her nicht das smootheste Spiel, war es vielleicht auch zu Release schon nicht. Feste Kameraperspektiven kann ich noch verzeihen, und auch wenn das Kampfsystem an sich nett ist, weil man einzelne Körperteile anvisieren kann, lässt es ja schon so einiges zu Wünschen übrig. Es ist zu abwechslungsarm und Zauber wirken ist in dem Spiel einfach ein Graus, weil es viel zu lange dauert. Ist zwar cool, die Stimmen dann zu hören mit der Sprache der Alten, aber das ist schon recht angestaubt^^.


    Die Sanity-Effekte werden immer gelobt. Im Prinizp sind die gut, und ich hab erst vor Kurzem bei ProJared noch gesehen, dass sie selbst heute einen noch auf den falschen Fuß erwischen und funktionieren können. Trotzdem möchte ich das Sanity-System kritisieren.


    Fast alle Spiele dieser Art begehen von vorne rein den Fehler, Sanity als Balken darzustellen. Das ist schlichtweg Unsinn. Man sollte bei sowas niemals anhand eines Balkens ablesen können, wie gut es einem geht. Die Effekte könnten noch um ein vielfaches gesteigert werden, wenn Videospiele aufhören würden, diesen Fehler immer noch zu machen. Es gibt mittlerweile fast zu viele Lovecraft-Spiele, und sie alle sind eher unterdurchschnittlich und verfehlen die Essenz lovecraft'schem Horror meistens um Meilen. Bloodborne ist wohl in sämtlichen Belängen das beste Beispiel. Da hat man so vieles richtig gemacht.


    Nun muss man sich mit der Existenz des Sanity-Balkens abtun und bemerkt schnell ein weiteres Problem: Es ist viel zu einfach, Sanity zurückzugewinnen, weshalb man, wenn man gut spielt, einen zu großen Teil des Spiels mental scharfsinnig bleibt, was ja absolut nicht Sinn eines solchen Spiels sein kann. Selbst das Pen and Paper "Call of Cthulhu" von Chaosium baut Sanity als (sehr simple) Abwärtsspirale auf, die man so gut wie nicht wieder umkehren kann.


    Am Ende des Tages bleibt Eternal Darkness aber ein meisterhafter Ausnahmetitel.


    Ein Jammer, dass Nintendo die Marke versauern lässt ..

  • de Bopa

    Turmheld

    Ihr habt mit meinen Gefühlen gespielt. Durch das Bild und den Namen habe ich kurz gedacht, das Spiel könnte auf der Switch erscheinen...

    Ein Remake dieses Teils oder einen (geistigen) Nachfolger würde ich sehr feiern... :P

  • Oblomov

    32-bit

    Bin kein großer Horrorspiel-Fan, aber Eternal Darkness hat mich damals echt gut unterhalten. Vielleicht sogar mein Lieblingsspiel aus diesem Genre. :)


    Die letzten paar Spielstunden empfand ich allerdings als etwas zäh aufgrund der teils langatmigen Kämpfe.

  • Flomo

    Turmbaron

    Das Spiel war der Hammer ,

    Oh man da hätte Mal ein Nachfolger kommen können ...

  • Raveth

    Meister des Turms

    Oh man, das Spiel braucht dringend einen Nachfolger oder zumindest ein fettes Remake. Die Marke hat soviel Potenzial.


    ||

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Dieses Spiel ist für mich das beste und außergewöhnlichste Horror- Spiel aller Zeiten und ich würde mich riesig über ein Remake, HD Umsetzung oder einen zweiten Teil für die Switch freuen;)

  • MichiP

    Videogamer

    hab jetzt echt gehofft, nintendo hätt spontan ein remake rausgehauen.

  • Darksamus666

    Wall-Jump-Akrobat

    Ich finde ja, dass das eine Marke mit jeder Menge Potenzial ist. Ein Remake wäre etwas Fantastisches. Es reicht, wenn man die Spielmechanik im Großen und Ganzen beibehält, nur halt wie bei Resident Evil (HD Remaster) die steuerung modernisiert.

    Der Rest sollte aber auf Basis des Original komplett neu entwickelt werden. Die Sanity-Effekte könnte man heutzutage natürlich extrem gut gestalten...

    Natürlich kann man auch nen Nachfolger entwickeln, aber die Marke kennen nur die Wenigsten und es ist halt ein Spiel, das einen durch rund 2000 Jahre Geschichte begleitet.

    Eine Fortsetzung, bzw Dlc's zu Eternal Dakness könnte ich mir irrsinnig gut in voneinander gelösten Geschichten vorstellen, wie zb. ein Eerie-Comic, ne Episode aus Creepshow oder Tales from the Crypt.

  • flo86wtal

    Turmknappe

    Ich habe mir tatsächlich für dieses Spiel und ein paar Andere, einen Gamecube gekauft letztes Jahr. Es ist somit eines meiner Favoriten auf dem Gamecube.

  • Shulk meets 9S

    Meister des Turms

    Absolutes top Spiel, hab es vor 3-4 Jahren das erste Mal durchgespielt.


    :thumbup:


    HD Remake wäre super

  • nec3008

    Turmheld

    Ohja, das Spiel habe ich damals geliebt bzw. tue es immer noch. Gerade die angesprochenen Sanity-Effekte haben einen teilweise ganz schön kalt erwischt und ich würde mir wünschen, das sowas vermehrt in solchen Spielen genutzt wird. Spiele nämlich zur Zeit The Sinking City auf der Switch und da gibt es ja ebenfalls eine Anzeige für die geistige Gesundheit, aber die Auswirkungen sind recht "langweilig" gegenüber Eternal Darkness. Und da es gerade im Angebot ist, landete heute auch noch Call of Chtulhu auf der Switch, wo ich dann erst sehen muss, was es dort für Auswirkungen hat.

    Jedenfalls schein ich unbewusst ein Faible für Lovecraft oder davon inspirierte Werke zu haben. Finde die Spiele zumindest meist interessanter, als reine Slasher-Horrorspiele, da meist die Atmosphäre einfach bedrohlich und bedrückend ist. Besser, als wenn einem ständig Monster vor der Waffe laufen.

    War damals bei Dead Space schon so. Die Abschnitte, wo man ständig mit welchen gerechnet hat, aber keine kamen, waren schlimmer, als die, in denen man "überschwemmt" wurde.

  • Darkmariopanther

    Nintendo Freak

    Das wenn nochmal als echtes Spiel nicht als Download kommen würde, wäre es sofort in meiner Sammlung. Würde schon paar GC Spiele geben, die es verdient hätten. Aber das bleibt wohl nur ein starker Traum.

  • Sssnake36

    Old School

    Auch für mich, eines der besten Grusel-Spiele. In dem Haus herumzulaufen, und nach -und nach die Seiten des Buches zu finden , das war schon sehr spannend. Ein HD-Remaster wäre wunderbar.

  • Shulk meets 9S

    Meister des Turms

    Wird zu dieser kalten Jahreszeit jetzt eh wieder Zeit für solche Art von Spiele.


    Gibt nix besseres

  • Nexus258

    Turmritter

    Eines der besten Spiele die es gibt und warte noch immer auf ein Remake oder so