Kannst du dem Reich der Albträume entkommen?

Sagt euch die sogenannte Buchreihe „Choose Your Own Adventure“ etwas? Den Jüngeren unter euch wahrscheinlich nicht mehr unbedingt, denn durch Social-Media-Plattformen sind diese mittlerweile eher in Vergessenheit geraten. Hier eine kurze Zusammenfassung: Es waren Bücher, in denen ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst entscheiden konntet, wie euer Abenteuer weitergehen soll. Ihr musstet dann zu einer bestimmten Seite im Buch vor- oder zurückblättern und erfuhrt dann den Ausgang der Situation und eurer Entscheidung. Entweder der Lauf der Geschichte ging voran oder euer Held segnete das Zeitliche. So in etwa lässt sich auch das Spielprinzip von Crown Trick für die Nintendo Switch zusammenfassen. Allerdings mit dem Unterschied, dass ihr des Öfteren zurück zur Ausgangssituation blättern werdet und den Spielabschnitt auf ein Neues erleben müsst, auch um vermeintliche Fehler ausgleichen zu können.


Das animierte Intro beeindruckt mit wunderschönen Zeichnungen.

© Team17 Digital Ltd.

In Crown Trick schlüpft ihr in die Rolle der Protagonistin Elle, die im Reich der Albträume feststeckt und verängstigt nach einem Ausweg sucht. Glücklicherweise erhaltet ihr aber Unterstützung von einer magischen Krone, die es euch erlaubt, eure Gegner auszutricksen. Nachdem ihr einen Abschnitt des Spiels vollendet habt, kommt es oft zu Dialogen zwischen Elle und der Krone, welche euch mehr Informationen über das Reich der Albträume sowie über die beiden Hauptcharaktere zuflüstert. Dies hilft ungemein, eine engere Bindung aufzubauen, auch wenn die namenlose Krone stets geheimnisvoll bleibt und erst gegen Ende des Spiels den Grund dafür offenbart. Im Laufe der Geschichte schleicht sich besonders Elle in euer Herz, da sie eine besondere Charakterentwicklung durchläuft und stets mutiger wird. Im Gegensatz zu den Dialogen der Krone, welche euch streckenweise mit Tipps überhäuft, eure Leistung schmälert und gerne abfällige Kommentare macht. Letztlich ist es euer Ziel, möglichst viel der seltenen Beute aus den Dungeons zu ergattern, die Geheimnisse der sich ständig verändernden Traumlabyrinthe aufzudecken und aus jenen zu entkommen. Dies durchläuft ihr innerhalb von 15 bis 20 Stunden Spielzeit, könnt aber noch viele weitere Stunden in den Dungeons verbringen, wenn ihr nach seltenen Waffen und Relikten suchen wollt.


Das Genre von Crown Trick ist schwierig in eine Schublade zu stecken. Einerseits ist es ein Rollenspiel, dann aber auch Rogue-like, gleichzeitig rundenbasiert, aber auch zum Teil Echtzeit. Man sieht, sobald man das Spiel startet, sofort ein Schachbrettmuster auf dem Bildschirm, in dem man sich fortbewegen kann. Allerdings wird es oft passieren, dass ihr dieses binnen kürzester Zeit wieder vergesst und euch wie in Echtzeit bewegen wollt. Heißt im Umkehrschluss, man wird von Zaubern, Pfeilen oder Gewehrschüssen getroffen, verliert wichtige Lebenspunkte und findet sich recht schnell in der Basis wieder. Es ist wahrlich keine Seltenheit, dass mehrere Versuche pro Dungeon benötigt werden, bis man das Prinzip verinnerlicht hat. Macht euch also darauf gefasst, besonders in den ersten Spielstunden des Öfteren zu sterben – gebt aber auf keinen Fall auf, es wird sich am Ende definitiv lohnen.


Gacha! Zwischen komplexen und frustrierenden Spielmechaniken


Sobald man das Spielprinzip von Crown Trick verstanden hat, geht die Lernkurve stets steil bergauf. Zu Beginn eines jeden Levels erhaltet ihr mehrere Waffen zur Auswahl, welche allesamt unterschiedliche Attribute besitzen. Von Schwertern über Hämmer bis hin zu Gewehren wird in Crown Trick viel geboten – beachtet aber, dass jede Waffe einen anderen Angriffsradius besitzt. So besitzen Gewehre einen Radius von vier Feldern, müssen aber nach jedem Schuss eine Runde nachgeladen werden. Ein Hammer dagegen hat einen vergleichsweise niedrigen Angriffsradius, kann dafür aber alle Gegner im Umkreis treffen. Jede Waffe verfügt zudem über ein bestimmtes Element, welches Vor- und Nachteile gegenüber Gegnern aufzeigen kann. In Kombination damit werdet ihr sehr früh im Spiel auch mit den Relikten vertraut gemacht, welche die Werte eures Charakters verbessern. So können Relikte Mana-Kosten verringern oder erhöhen die Chance auf einen kritischen Treffer. Die Relikte erhaltet ihr durch das Besiegen von normalen Gegnern, sind zu Beginn aber noch rar gesät.


Die Kisten in den Dungeons dürfen natürlich auch gelootet werden!

© Team17 Digital Ltd.

In den Dungeons werdet ihr auch einige Gefährten treffen, die von den Monstern in Käfigen festgehalten werden. Sie werden sich für die Rettung erkenntlich zeigen und euch in eurer Basis mit einer Art Fähigkeitenbaum unterstützen. Beispielsweise könnt ihr so Tränke effizienter machen oder komplett neue Wirkungen hervorrufen. Dafür werden allerdings sogenannte Seelensteine benötigt, die man ebenfalls nach dem Besiegen von Monstern erhält. In jedem Dungeon gibt es bis zu zwei Minibosse sowie einen Endboss, die euch nach dem Bezwingen ihre Fähigkeiten überlassen werden. An mehreren in den Labyrinthen platzierten Kristallen könnt ihr diese dann als eure „Gefährten“ ausrüsten und flexibel mit den erhaltenen Fähigkeiten an Strategien tüfteln. Lest euch hierfür jedes Angebot genau durch und wählt weise, denn ihr dürft nämlich immer nur eins auswählen. Die wichtigste Fähigkeit habe ich mir aber für den Schluss aufgehoben: Der sogenannte Beam. Dieser ermöglicht es euch, innerhalb eines bestimmten Gebiets zu teleportieren. So könnt ihr Hindernisse überwinden, Attacken ausweichen oder euch geschickt für den nächsten Angriff positionieren. Besonders in Bosskämpfen und in größeren Gegnerwellen wird es unabdingbar sein, den Beam zu nutzen, da viele Angriffe meist Flächenschaden verursachen und ihr ansonsten nicht entkommen würdet. Verwendet den Beam also stets mit Bedacht!


Ein nettes, aber eher frustrierendes Element in den Dungeons sind sogenannte Gacha-Maschinen. Hier werft ihr eine gewisse Anzahl von Ingame-Münzen ein und schon spuckt euch die Maschine mehrere zufallsgenerierte Waffen aus. Diese sind größtenteils … sagen wir mal, mehr bescheiden, denn großzügig zu euch, zumal ihr immer nur eine Waffe bei euch tragen könnt und es meist sehr viel Gold kosten kann, bis ihr eine wertvolle Waffe erhaltet. Doch keine Sorge, die Gacha-Maschinen wollen nur eure virtuellen Münzen, einen Shop mit Echtgeld gibt es in Crown Trick nicht. Sämtliche Waffen und Relikte werden in einer von fünf verschiedenen Seltenheitsklassen angegeben, die von „Häufig“ bis zu „Legendär“ ausfallen kann – je höher die Seltenheitsstufe, desto stärker die Waffen und Relikte. Positiv hingegen fällt das Teleportationssystem innerhalb der Labyrinthe auf, da ihr ähnlich wie in anderen Genre-Vertretern wie zum Beispiel Enter the Gungeon entspannt zu anderen Wegpunkten springen und umständliches Backtracking damit vermeiden könnt.


Ein gelungenes Gesamtpaket für die Nintendo Switch


Kommen wir nun aber zum Kampfsystem von Crown Trick, welches eine der größten Stärken des Spiels darstellt. Zu Beginn ist es bewusst sehr schwierig für Einsteiger gehalten, um dem Spieler beizubringen, die Angriffsmuster der Gegner zu analysieren, ihre Bewegungen zu verinnerlichen und darauf richtig zu reagieren – oder gegebenenfalls sogar auszukontern. Dabei habt ihr stets alle Ruhe der Welt, euch die Situation anzuschauen und euren nächsten Zug zu planen, denn ein Zeitlimit in den Kämpfen gibt es nicht. Ein durchaus wichtiges Element ist hier das Schild brechen, welches den Gegner für einige Züge betäubt und euch stärkere Aktionen ermöglicht. Ihr könnt in euren Spielzügen zudem Fässer platzieren, Fallen setzen oder andere Gefahren nutzen, um Gegnern möglichst viel Schaden zuzufügen und selbst unbeschadet davon zu kommen. Dies fühlt sich zusammen mit dem rundenbasierten Kampfsystem wie ein sehr komplizierter, aber runder, schachartiger Tanz an. Wichtig ist hierbei auch den Überblick zu behalten, da es vor allem in Bosskämpfen oft zu Übersichtsproblemen kommen kann, wenn mehrere Angriffe gleichzeitig vonstattengehen oder Gegenstände explodieren.


Doch auch aus technischer Sicht gibt es bei Crown Trick nur wenig zu kritisieren. Bereits im Intro werdet ihr mit wunderschön gezeichneten Sequenzen begrüßt, die liebevoll und detailreich mit der Hand gezeichnet wurden. Dieser Stil wird in den Traumlabyrinthen mit schönen Charakterdesigns, sowie meist skurrilen Monsterartworks fortgesetzt. Es fühlt sich meist an, als würde man durch ein kleines Kunstwerk taktieren. Wenn ihr also grafisch ein charmantes, künstlerisches Spiel sucht, dann seid ihr hier genau richtig! Hin und wieder kommt es allerdings vor, dass das Spiel anfängt zu ruckeln – insbesondere, wenn vieles gleichzeitig auf dem Bildschirm geschieht. Es kam während der Testzeit aber sonst zu keinem Zeitpunkt zu gravierenden Spielabstürzen oder ähnlichen Bugs. Auch der Soundtrack wusste mit ruhigen, teils auch mystischen Tönen zu überzeugen und fügt sich stets sehr gut ins Spielgeschehen ein. Der positive Rundumschlag endet bei der Steuerung: Diese benötigt zwar besonders bei den zahlreichen Fähigkeiten und Kombinationen eine kurze Eingewöhnungsphase, im Laufe des Spielgeschehens und den steigenden Spielstunden hat man diese aber schnell verinnerlicht.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Fabian Blatt

Crown Trick entwickelte sich schnell zu einem Geheimtipp für Fans von Rogue-likes. Egal, ob Veteran oder Neuling in diesem Genre, jeder wird hier auf seine Kosten kommen und ein malerisch schönes Abenteuer erleben. Für Langzeitspaß sorgen vor allem die Jagd nach besonders seltenen Waffen und Relikten sowie das Vervollständigen der Enzyklopädie. Durch immer wieder neu auftauchende Gegnertypen bleibt Crown Trick auf lange Sicht abwechslungsreich und belohnt euch mit wertvollen Schätzen für eure Geduld. Durch die zufallsgenerierten Level fühlt sich jeder Dungeon – wie bei anderen Genre-Vertretern – stets frisch und jedes Mal wie eine komplett neue Herausforderung an. Zu den großen Stärken des Spiels gehören definitiv der Grafikstil, der wie ich finde, sehr detailliert und schön anzusehen daherkommt sowie das gut durchdachte Kampfsystem, welches euch viele Freiheiten im taktischen Bereich überlässt. Dieses Spiel sollte man unbedingt einmal ausprobiert haben, auch dann, wenn man normalerweise nicht mit diesem Genre vertraut ist! Ist die Hürde erst einmal geschafft, möchte man noch viele weitere Stunden in den Dungeons verweilen.
Mein persönliches Highlight: Der wunderschön gestaltete Artstyle sowie der stets anspruchsvolle, aber belohnende Schwierigkeitsgrad.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • rongar

    Turmfürst

    Frage: Gibt es permanente Upgrades? Oder kann man nur neue Gegenstände und Waffen frei spielen, die dann eventuell im nächsten Run auftauchen können?

    Test hört sich jedenfalls Top an. Bin seit "Has Been Heroes" auf der Switch im April 2017 absoluter Rougelite/Rougelike Fan. Kann gar nicht genug solcher Spiele geben...:coin::coin::coin::coin:

  • Prodo

    Turmknappe

    Frage: Gibt es permanente Upgrades? Oder kann man nur neue Gegenstände und Waffen frei spielen, die dann eventuell im nächsten Run auftauchen können?

    Test hört sich jedenfalls Top an. Bin seit "Has Been Heroes" auf der Switch im April 2017 absoluter Rougelite/Rougelike Fan. Kann gar nicht genug solcher Spiele geben...:coin::coin::coin::coin:

    Hallo rongar,


    Zu deiner Frage:

    Ja, es gibt permanente Upgrades.

    Diese werden in vier Kategorien unterteilt, die du dir im laufe es Spieles freischaltest.

    Anfangs muss man da etwas Geduld haben, da du einige Durchläufe brauchst um die Skillbäume aufzudecken. ;)