Düstere Geheimnisse kommen ans Tageslicht

MO:Astray ist ein 2D-Puzzle-Platformer des taiwanischen Entwicklerstudios Archpray, der eine düstere Geschichte erzählt, die in den Augen des Protagonisten MO erlebt wird – ein schleimartiger Tropfen, der sich durch Kriechen und Springen fortbewegen kann. MO findet sich in einer dunklen, geheimnisvollen Welt wieder, in welcher offensichtlich vor einiger Zeit ein Laborexperiment schief gegangen war, wodurch alle Labormitarbeiter in gefährliche Monster verwandelt wurden. Kann MO, der auf seinem Abenteuer von einer unbekannten, weiblichen Stimme begleitet wird, allen Gefahren trotzen und herausfinden, was damals wirklich passiert war?


Eine blutig-schöne Reise voller Puzzles und Gefahren


Das Gameplay in MO:Astray ist relativ simpel, fühlt sich jedoch dennoch sehr einzigartig an: MO kann sich mit dem linken Controlstick fortbewegen, während der rechte Controlstick wiederum dazu dient, in eine Richtung zu zielen, in welche sich MO daraufhin mit der linken Schultertaste katapultieren lassen kann. Dies ist auch bereits nahezu alles Wichtige, was ihr über die Steuerung des Spiels wissen müsst, denn viel mehr Aktionen könnt ihr in MO:Astray, das auf komplexe Mechaniken verzichtet, nicht ausführen. Im Laufe des Spiels erlernt ihr hin und wieder neue, kleine Fähigkeiten, die allerdings auf bereits bestehenden Mechaniken aufbauen, wie beispielsweise eine höhere Katapultier-Reichweite mit der rechten Schultertaste oder einen Doppelsprung. Eine Besonderheit ist jedoch noch erwähnenswert: Mit dem A-Knopf könnt ihr nicht nur Schalter bewegen und mit Objekten interagieren, sondern euch auch die Gedanken der Labormitarbeiter, welche sich nun in Monster verwandelt haben, durchlesen, sofern ihr euch auf deren Köpfe katapultiert habt. Auf diese Weise wird die Geschichte des schrecklichen Experiments erzählt, ihr erfahrt immer mehr Hintergrunddetails und es werden euch teilweise grausame Flashbacks gezeigt, die auch vor blutiger Darstellung nicht zurückschrecken und die USK 16-Freigabe rechtfertigen.


Weicht mit MO Hindernissen aus und nutzt eure Umgebung, um knifflige Rätsel zu lösen.

© Archpray Inc., Rayark Inc.

MO:Astray ist, anders als man zunächst denken könnte, kein Metroidvania-Titel, sondern ein relativ lineares 2D-Abenteuer, das euch einen klaren Weg vorgibt und nahezu nach jedem Bildschirmabschnitt automatisch speichert, sodass ihr kaum Gefahr lauft, die Orientierung zu verlieren. Während der Einstieg noch relativ unspektakulär ist, so entfaltet sich das volle Potenzial des Spiels im Laufe der Stunden und stellt euch vor immer größere Herausforderungen, die es zu meistern gilt. In den verschiedenen Untergrundabschnitten warten zahlreiche spannende Puzzles auf euch, bei denen ihr Schalter betätigen, Objekte verschieben und Mechanismen aktivieren müsst, um voranzukommen. Manchmal könnt ihr sogar zusätzlich einen zweiten Tropfen – eine Kopie von MO – steuern und abwechselnd zwischen beiden Charakteren wechseln, wodurch die Rätsel noch komplexer, kniffliger und interessanter werden.


Berührungen mit schädlichen Objekten, wie Stacheln, giftigen Pflanzen oder herabfallenden Decken, resultieren in einem sofortigen Tod, während Berührungen mit Gegnern euch meist nur Teile eurer Lebensleiste abziehen. Diese könnt ihr im Laufe des Abenteuers stets vergrößern und sie regeneriert sich zudem nach gegnerischen Treffern innerhalb weniger Sekunden wieder automatisch. Ganz perfekt fühlt sich das Balancing dadurch nicht an, da ihr bei regulären Passagen nur selten in die Gefahr kommt, durch das Auslaufen der Lebensleiste zu verlieren, während sofortige Tode durch Berührungen mit den eingangs erwähnten Objekten viel häufiger zu Stande kommen. Mehrere zig Tode innerhalb eines Abschnitts waren bei meinem Spieldurchlauf keine Seltenheit, jedoch sind die Speicherpunkte glücklicherweise meistens derart großzügig verteilt, dass ihr selten längere Passagen erneut bewältigen müsst. Des Weiteren bietet euch das Spiel vier verschiedene Schwierigkeitsstufen, zwischen denen ihr jederzeit wechseln könnt, sodass sich auch Anfänger gerne an MO:Astray wagen dürfen.


Erfahrt nach und nach die dunklen Geheimnisse, die sich in der Laborfirma abgespielt haben.

© Archpray Inc., Reyark Inc.

Am Ende eines jeden Kapitels (und manchmal auch zwischendrin) erwarten euch anspruchsvolle Bosse, welche eine tolle Abwechslung zum ansonsten sehr puzzlelastigen und wenig gegnerfokussierten Spiel bieten. Beispielsweise müsst ihr euch beim ersten Bossgegner auf die Köpfe von Gegnern katapultieren, die in eurer Umgebung erscheinen, um von dort aus früher oder später auch auf die Schwachstelle des großen Bosses springen zu können. Bei anderen Bossen seid ihr wiederum unter Beschuss und müsst durch geschicktes Springen den Strahlen ausweichen, um im richtigen Moment kontern zu können. Während die meisten normalen Gegner im Spiel relativ unspektakulär sind, können die Bosskämpfe auf voller Linie überzeugen und stellen mitunter den anspruchsvollsten Part des Spiels dar.


Grafisch macht MO:Astray im Pixel-Look einen hervorragenden Eindruck und weiß durch abwechslungsreiche Umgebungen wie Ruinen, Unterwasserlevel und Fabrikabschnitte sowie sehr schönen Hintergrunddetails und flüssigen Animationen zu punkten. Nur sehr selten gibt es leider kleine Framerate-Einbrüche, die den positiven Gesamteindruck jedoch nur wenig trüben. Etwas schade ist die fehlende deutsche Sprachunterstützung – MO:Astray ist lediglich auf Englisch sowie auf Japanisch, Chinesisch und Koreanisch spielbar. Die recht einzigartige, manchmal aber auch etwas konfuse Geschichte wird nicht nur durch die Flashbacks und Erinnerungs-Fragmente der Labormitarbeiter bzw. Monster erzählt, welche ihr im Menü jederzeit nachlesen könnt, sondern auch durch Comics, die ihr nach jedem Kapitel freischalten könnt. Auch in Sachen Umfang bietet euch das kostengünstige Abenteuer jede Menge Spielspaß und kann mehr als 10 Stunden unterhalten, bis ihr das Ende erreicht und die Geschichte ganz durchgelesen habt. In Sachen Sound wird auf eine atmosphärische Musikuntermalung gesetzt, die sehr gut zum Spiel passt und für ein immersives Spielerlebnis sorgt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Eder

MO:Astray ist ein durchwegs gelungenes Adventure, das mit einer schaurigen Atmosphäre, einzigartigem Gameplay und einer kreativen Erzählweise punkten kann. Ist der Anfang noch relativ unspektakulär, so entfaltet sich die volle Schönheit und Gameplaytiefe im Laufe des Spiels und schafft es, die Spieler in den Bann zu ziehen. Seien es die toll umgesetzten Puzzles, die schaurigen Flashbacks der tragischen Protagonisten, die tollen Bosskämpfe oder die abwechslungsreichen Platforming-Passagen – in vielerlei Hinsicht wird in MO:Astray mehr geboten als man zunächst annehmen würde. Ich kann jedem, der am Überlegen ist, sich das Spiel zu holen, wärmstens empfehlen, dies auch zu tun und dieser Indie-Perle eine Chance zu geben.
Mein persönliches Highlight: Die herausragenden, kreativen und intensiven Bosskämpfe waren die größte Überraschung für mich.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • SvenIsHere

    Lord des Donners

    Schon auf meiner Wunschliste. Vielen Dank für den Test. Toll geschrieben und Lust gemacht.