Alter Wein in neuen Schläuchen

Die Abenteuer der beiden Gallier Asterix & Obelix begleiten uns im Videospielbereich nun bereits seit fast 40 Jahren. Von nur ein paar Pixeln, aus denen die beiden Protagonisten auf dem Atari 2600 bestanden, über detaillierte 2D-Sprites auf dem Super Nintendo Entertainment System bis hin zu 3D-Polygonmodellen in den aktuellen XXL-Teilen auf der Nintendo Switch, hat sich über die Jahre einiges getan. Zu Letzteren gesellt sich jetzt auch das Remaster des erstmals 2003 erschienenen ersten Teils der XXL-Trilogie, welches als „Romastered“ gebrandet und mit einigen neuen Features sowie natürlich mit aufgebohrter Technik um die Gunst der römerdreschenden Spielerschaft buhlt. Wie sich das fast 20 Jahre alte Spielprinzip heute so schlägt und ob die Römerklopperei in dem Action-Adventure noch immer so viel Spaß macht wie damals, habe ich euch in den folgenden Zeilen niedergeschrieben.


Viele Wege führen nach Rom


Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein, ein kleines Dorf leistet Widerstand. Wie man es häufig aus den Comic- oder Filmvorlagen von Asterix & Obelix kennt, kehren auch die beiden Protagonisten in Asterix & Obelix XXL: Romastered von einer erfolgreichen Wildschweinjagd in ihr Dorf zurück. Doch leider muss das köstliche Mahl erst einmal warten, denn was sie im Dorf vorfinden, beziehungsweise nicht mehr vorfinden, sind Römer anstelle ihrer geliebten Mitgallier. Zu allem Unglück erschreckt sich auch noch Idefix aufgrund eines Blitzeinschlags und Obelix rennt seinem geliebten Hündchen hinterher. Von da an übernehmt ihr die Kontrolle von Asterix und seid erstmal auf euch allein gestellt. Kurz vor den Toren eures ehemals friedlichen Dorfes trefft ihr auf Acidix Hydrochloridrix, der sich euch als ehemaliger Spion auf Seiten von Rom und unter Cäsars Herrschaft vorstellt. Ehemals deswegen, weil er einfach unehrenhaft entlassen wurde und aus Rache nun das ganze römische Imperium verraten will. Euer Schaden soll es nicht sein und fortan hilft euch der kleine schnauzbärtige Kollege mit zahlreichen Tricks und Hinweisen aus.


Manchmal ist Teamwork zwischen Asterix & Obelix angesagt, um Passagen zu meistern.

© Albert René / Goscinny – Uderzo / Microids

Am Eingang die ersten beiden Römer weg gekloppt, müsst ihr im brennenden Dorf zunächst 150 Römerhelme einsammeln, bevor euch Acidix Hydrochloridrix erklärt, wie ihr euch weiter durch das zerstörte Dorf vorarbeiten könnt. Alsbald trefft ihr dann auch wieder auf euren rundlichen Reisegefährten Obelix und natürlich auch Idefix, verdrescht weitere Römer und hangelt euch so durch das Tutorial des Spiels. Am Ende des Dorfes angelangt befreit ihr den hilflos in einem Gefängniskarren eingesperrten Miraculix. Der ehrwürdige Druide des Dorfes erklärt euch, dass Cäsar den Zaubertrank entwendet und die Bewohner verschleppt hat. Auf einer Karte, an der sich der Herrscher beim Überfall ergötzt hatte, sind die Ländereien markiert, wo ihr fortan die verschleppten Dörfler vorfinden könnt. Ihr macht euch also nach und nach auf die Reise in die Normandie, in die Schweiz, nach Griechenland, nach Ägypten und schlussendlich auch nach Rom.


Elementare Fertigkeiten und Interaktionen mit der Spielwelt, um beispielsweise Rätsel zu lösen, werden euch in den ersten Minuten des Spiels häppchenweise erklärt. Mit einer gefundenen Fackel müsst ihr diese an Feuerstellen entzünden und dann innerhalb eines kurzen Zeitraums ein Pulverfass erreichen, was euch den Weg in den nächsten Abschnitt freisprengt. Diese recht simpel gestrickte Rätselmechanik wird im Spiel sehr häufig angewandt und ist dadurch zwar zu jeder Zeit gut lesbar und verständlich, aber auch wenig herausfordernd. Gibt es eine Feuerstelle, dann gibt es auch immer irgendwo eine Fackel, welche ihr zum nächsten Pulverfass tragen müsst.


Als willkommene Abwechslung pusten zeitweise mal eisige Winde durch eine Höhle, welche ihr geschickt abpassen müsst, damit die Flamme nicht erlischt. Hinzu kommen von Wasser umgebene Inseln oder auch Plattformen, welche ihr entweder durch simples Springen mit Asterix oder nur mit der Hilfe von Obelix überqueren könnt, ohne das die Fackel erlischt. Dazu stellt ihr euch mit dem kleinen Gallier auf einen vorchristlichen Skilift und müsst mit ihn mit Hilfe eures dicklichen Kollegen zur sicheren Seite hinüberziehen. Sobald ihr euch mit Asterix beispielweise auf eine Plattform gestellt habt, wechselt das Spiel automatisch zu Obelix und wieder zurück. Selber die Charaktere wechseln müsst ihr zu keiner Zeit, das erledigt das Spiel für euch, so dass ihr noch weniger nachdenken müsst. Je nachdem welchen Charakter ihr gerade spielt, wird der jeweils andere von der KI gesteuert. Das funktionierte im Test durchweg tadellos. Eile kommt übrigens bei den Rätseln nie auf, denn der Timer für die Fackel wird beim Wechsel der Protagonisten stets angehalten. In der Spielwelt sind zusätzlich einige Schieberätsel eingebaut und gewisse Bereiche könnt ihr vorerst nur mit Asterix erreichen, weil er klein genug ist, um sich durch bestimme Öffnungen zu quetschen. So manche Passage muss erst von Obelix freigeschlagen werden, denn nur er ist kräftig genug, um die mit Eisen beschlagenen Kisten zu zerschmettern. Besonders rätsellastig ist das Abenteuer der beiden Gallier also nicht, was einerseits den generellen Spielfluss nicht stört, aber dadurch auch wenig bis gar keinen Hirnschmalz erfordert.


Bis repetita non placent – Wiederholungen gefallen nicht


Doch das Hauptmerkmal sind die Prügeleien mit den Römern. Die Inszenierung der Kämpfe ist auch heute noch ein großer Spaß. Verpasst man einem Römer den ersten Kinnhaken, dehnt sich dieser gummiartig nach hinten weg und wird bei Ableben, begleitend mit einem lauten Aufschrei, aus dem Bildschirm gen Himmel geschossen – ein grandioser Effekt und wunderbar befriedigendes Gefühl! Liegen lässt er für euch dann nur seinen Helm, was quasi ein Sammelobjekt im Spiel darstellt und wovon Tausende in der Spielwelt darauf warten, gesammelt zu werden. Ihr findet sie überall: Einfach so in der Spielwelt verstreut, in Kisten oder eben auch bei einem verkloppten Gegner, egal ob er ein Römer ist oder nicht. In der Welt verteilte Multiplikatoren erhöhen die Menge an eingesammelten Kopfbedeckungen sogar noch. Möchte einer der Fußsoldaten euch eins auf die Mütze geben, dann zeigt dieser seine Absicht mit einem Blitz über seinem Kopf an, welcher sich langsam rot verfärbt. Etwas dümmlich verharrt der Gegner dabei allerdings bis hin zur Ausführung seiner schändlichen Tat auf seiner Position, weswegen wir eigentlich immer genug Zeit haben, um weg zu hechten. Allgemein können einem die Römer nur in der Masse wirklich Probleme bereiten und wenn sie euch umzingeln, denn alleine sind sie hilfloses Kanonenfutter und dabei ist es egal, ob ihr einen stinknormalen römischen Fußsoldaten oder einen in güldener Rüstung stolzierenden Legionär vor euch habt. Letztere vertragen einfach nur ein paar Schläge mehr, bevor sie aus den Latschen fliegen. Der kleine wuschelige Idefix unterstützt euch übrigens auf Knopfdruck und beißt sich im Hintern einer der Gegner fest, um diesen für kurze Zeit abzulenken – mehr ein lustiges Feature als eine Kampfstrategie mit Nutzen. Sollte euch doch zwischendurch mal die Energie ausgehen, dann könnt ihr einfach ein umherlaufendes Wildschwein anstupsen und es wirft freudig quiekend eine Wildschweinkeule ab, und das sogar so oft ihr wollt – eine nie versiegende Wildschweinkeulen-Quelle. Aufgenommene Schilde erweitern zudem euren gesamtheitlichen Lebensbalken, bis diese durch Treffen von Gegnern verbraucht werden. Zwischendurch bekommt ihr es zur Abwechslung auch mal mit Löwen oder Wikingern zu tun, Römer tragen zur Abwechslung Pfeil und Bogen mit sich oder rennen in Schildkrötenformation auf euch zu.


Auf dem Weg, um eure gallischen Freunde zu retten, verkloppt ihr so einige römische Fußtruppen.

© Albert René / Goscinny – Uderzo / Microids

Doch so sehr die Kämpfe einem anfänglich auch Freude bereiten, nutzen sie sich auf Dauer doch ziemlich ab. Wenn ihr später im Spiel erst einmal die Hintern von 150 Römern versohlen müsst, damit sich eine Tür öffnet, dann verkommt die Klopperei zu einer lästigen Aufgabe und die Grundmechanik des Spiels wird zu einem ermüdenden Erlebnis. Dadurch wird die Spielzeit an einigen Stellen nur unnötig in die Länge gezogen. Zwar gibt es bei einem Händler für die unterwegs aufgesammelten Römer-Helme auch Kombos zu kaufen, doch diese habe ich auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade (nach dem Durchspielen kommt ein vierter „Extreme-Modus“ hinzu), nie anwenden müssen – ein einfaches Button-Gehämmere reichte vollends aus, um alle Gegnertypen zum Jupiter zu befördern. Hier hätte man bestimmt mit dem Verstellen von ein paar Stellschrauben die Kampfmechanik deutlich interessanter gestalten können, ohne das es die Essenz des Spiels und den Remaster-Gedanken dahinter zu sehr verfälscht hätte.


An Ende einer Welt bekommt ihr es dann noch mit einer großen römischen Kampfmaschine mit Stachelrollen an allen vier Seiten zu tun, welche eure gallischen Freunde bewacht und euch mit explodierenden Kanonenkugeln befeuert. Den übergroßen römischen Rasenmäher müsst ihr zwar mit Asterix und Obelix immer mit einer anderen Strategie erst aus der Reserve locken, aber besiegen müsst ihr das viereckige Monstrum auf die immer gleiche Art und Weise. Habt ihr eure Freunde anschließend aus dem Kerker befreit, erhaltet ihr das nächste Kartenstück und damit den Zugang zum nächsten Weltabschnitt.


Eine technisch gelungene Transition


Ein Feature des Remasters, welches definitiv nicht unerwähnt bleiben soll, ist natürlich der jederzeit umschaltbare Grafikmodus. Auf Tastendruck könnt ihr nahtlos zwischen der modernen und der originalen grafischen Präsenz des Spiels wechseln. Wie es scheint, wurde das gesamte Spiel von damals in eine neue Engine überführt und für beide Grafikmodi komplett neu modelliert. Denn leichte Unterschiede gibt es in dem sogenannten Retro-Modus gegenüber dem Original schon, aber diese muss man mit der Lupe suchen und die Umsetzung ist quasi 1:1 perfekt gelungen. Top!


Die Einstellungen für den Remaster- und Retro-Modus könnt ihr individuell anpassen und nahtlos im Spiel zwischen ihnen wechseln.

© Albert René / Goscinny – Uderzo / Microids

In den Optionen dürft ihr zudem individuell einstellen, wie sich der Remaster- und der Retro-Modus präsentieren. Wollt ihr neue Soundeffekte, Musik und Animationen im Remaster-Modus, ja oder nein? Wollt ihr schwarze Balken links und rechts im Retro-Modus, ja oder nein? Alles ist unabhängig voneinander einstellbar und die Umsetzung ist durch und durch gelungen. Insgesamt gibt es wenig auszusetzen an der überarbeiteten Aufmachung des Spiels, allerdings ist die allgemeine Ausleuchtung nicht immer ganz geglückt und in einigen Arealen hatte das Spiel mit der Schattengebung zu kämpfen. Flüssig lief das Spiel selbst bei großen Römermassen aber immer und im Retro-Modus sogar nochmal gefühlt mit deutlich mehr Bildern pro Sekunde. Das gilt für den portablen Modus der Nintendo Switch, als auch für den stationären am Fernseher. Für diejenigen unter euch, welche in Nostalgie schwelgen wollen, ist den Entwicklern also eine gelungene Überarbeitung geglückt, zumal selbst die überarbeiteten Soundeffekte und die Musik nur sanft angepasst und verbessert worden sind. Die originalen Stimmen der Figuren sind zudem auch wieder mit an Bord, allerdings waren diese damals auch schon nicht von den bekannten Sprechern aus den Filmen eingesprochen worden – was zugegebenermaßen auch schwierig war, da die deutschen Synchronsprecher von Obelix und Miraculix beispielsweise im Erscheinungsjahr von Asterix & Obelix XXL verstorben sind.


Ergänzend zu der umschaltbaren Grafik haben die Entwickler dem Remaster noch zwei weitere Modi spendiert. In einigen Teilen der Spielwelt sind Stelen verteilt, in denen ihr kleine Herausforderungen auf Zeit abschließen müsst. Manche davon sind auch erst bei Abschluss des Levels verfügbar und können erst bei späterer Rückkehr in das Level begonnen werden. Im Parkour-Modus beispielsweise müsst ihr auf Zeit Münzen einsammeln, wobei einige davon nur im Remaster- und einige im Retro-Modus sammelbar sind. Ihr müsst also während der Herausforderungen zwischen den beiden Modi hin- und herschalten – eine sehr coole Idee. Je nach unterbotener Zeit winkt entweder ein Bronze-, Silber- oder Goldpokal. Weitere Belohnungen, wie etwa Helme, ein Schild, einen Zaubertrank oder sogar einen Helme-Multiplikator erhaltet ihr jedoch nicht. Dann wäre da zuletzt noch der Countdown-Modus, in dem ihr innerhalb einer gewissen Zeit eine vorgegebene Ziellinie in der Spielwelt passieren müsst. Diverse Hindernisse und auch Gegner stellen sich euch dabei in den Weg, welche ihr geschickt umschiffen müsst. Auch hier gilt das Selbige, was die Belohnungen angeht. Beide Modi sind eine nette Ergänzung, wirken aber etwas aufgesetzt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von David Kuhlgert

Man merkt dem Spiel deutlich an, dass es noch aus einer anderen Zeit stammt. Das immer gleiche Spielprinzip, die wenigen immer selben Rätseleinlagen und das allgemeine Leveldesign wirken heutzutage einfach antiquiert. Auch das übermäßige Zerschlagen von Kisten und Aufsammeln von Tausenden metallenen Kopfbedeckungen in der doch recht leeren Spielwelt hinterlassen zusätzlich einen etwas angestaubten Eindruck. Ab Mitte der zweiten Spielwelt kommen zudem quasi keine nennenswerten neuen Mechaniken mehr im Spiel hinzu und man verbringt die Zeit damit, immer mehr vom Selben zu erledigen, nur in einer etwas anderer Umgebung. Die mangelnde Abwechslung verpasst dem Spiel also leider in seiner Gesamtheit einen gut sitzenden Kinnhaken. Ein technisch neues Grundgerüst hilft halt nicht, über ein veraltetes Spielprinzip hinwegzutäuschen. Habt ihr zudem das innerliche Bedürfnis (so wie ich leider) jeden der Helme aufsammeln zu müssen, welcher in der Spielwelt hinterlassen wurde, dann quält man sich noch etwas mehr durch die Spielwelt. Und das, zumal die Helme bis auf ein paar Objekte beim Händler und einer Handvoll erwerbbarer Kombos auch quasi keinen Nutzen haben. Trotz allem habe ich auch einige vergnügliche Stunden mit Asterix & Obelix XXL: Romastered verbracht, denn die Steuerung geht gut von der Hand, das Römer verdreschen macht zeitweise durchaus Spaß und auch der durchweg gute Spielfluss machen das Spiel zu einem spaßigen Vertreter seines Genres. Für all diejenigen, die das ehemalige Abenteuer von Asterix & Obelix XXL noch mal in neuem Glanz erleben und nostalgische Gefühle in sich aufflammen lassen wollen, ist das Spiel ein absolutes Fest, denn die Überführung in das neue technische Gerüst ist gut gelungen und die sanften Anpassungen dürften selbst den härtesten Fan nicht vor den Kopf stoßen. Auch Freunde der beiden Gallier und des von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffenen Universums werden sicherlich ihre Freude daran haben. Für Spieler, die auf der Suche nach einem actionreichen Abenteuer-Spiel sind, gibt es bessere Alternativen. Was ich mich während der Reise mit Asterix, Obelix und Idefix durch das Römische Reich zudem häufiger mal gefragt habe: Was wollen die Römer eigentlich mit so vielen neuen, ungenutzten Helmen?
Mein persönliches Highlight: Der flüssige Wechsel zwischen dem Remaster- und Retro-Modus.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Dennis Gröschke

    Nerdkulturist

    Also ich werde mir alle drei Spiele auf der Nintendo Switch noch holen, ich warte allerdings auf die Collection, die im nächsten Jahr erscheinen soll.

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Oh, man kann endlich kommentieren!


    Ich wundere mich ja, das zu diesem Spiel nicht auch eine Limited Edition erschienen ist. Etwas schade.