Illegale Rennen, illegal schlecht

Ein Videospiel zu spielen kann verschiedene Motivationen haben. Vielleicht wollt ihr zusammen mit Freunden etwas Spaß haben, oder ihr sehnt euch nach einem mitreißenden Abenteuer, in das ihr euch verlieren könnt. Zu anderen Spielen greift man wiederum als kurzen Zeitvertreib, wenn gerade sonst nichts anderes ansteht. Die letztgenannte Art an Spielen ist besonders auf Smart Devices populär, da sich die Geräte aufgrund ihrer Portabilität optimal für kurze Spielrunden eignen. Die Nintendo Switch schneidet sich von diesem Konzept eine Scheibe ab, weshalb wir bereits unzählige Ports von, böse gesagt, „simplen“ Mobile-Spielen zu Gesicht bekommen haben.


Indem ihr knapp an anderen Fahrzeugen vorbeirast, füllt sich eure Nitro-Anzeige.

© Jandu Soft

Street Racer Underground – ein so generischer Titel für ein Videospiel, dass ich ihn regelmäßig vergesse – steckte ich zuerst in die gleiche Schublade, musste dann aber überrascht feststellen, dass es sich um kein Mobile-Spiel handelt, obwohl jede Facette danach schreit. Tatsächlich ist das Spiel ausschließlich auf Konsolen verfügbar. Da hören die Überraschungen aber noch nicht auf. Wer bei Street Racer Underground mit einem Rennspiel gerechnet hat, liegt knapp daneben. Eher handelt es sich um einen Endless-Runner auf vier Rädern. Das Gameplay besteht nämlich aus nicht mehr, als den näherrückenden Fahrzeugen auszuweichen und den Nitro-Turbo zu zünden. Euer Vehikel fährt ganz von selbst und an Bremsen will gar nicht erst gedacht sein. Auf der endlosen Geraden gibt es kein Stoppen – zumindest bis denn der Timer abgelaufen ist.


Das Spielprinzip könnte simpler und stumpfer nicht sein. Ich fühle mich an billige Happy-Meal-Spielzeuge oder simple Flash-Games aus meiner Kindheit zurückerinnert, welche so ziemlich das gleiche Gameplay boten. Diese sahen per se schlechter aus, doch auch die Optik von Street Racer Underground ist alles andere als zeitgemäß. Niedriges Nintendo GameCube-Niveau allerhöchstens. Hinzu kommt, dass sich gar nicht erst bemüht wurde, irgendwelche visuelle Abwechslung zu bieten. Ihr fahrt die immer gleiche Straße entlang und seht dabei die immer gleichen Autos aus der sich nie ändernden Kameraperspektive. Mehr als dieses eine Level gibt es nicht, lediglich einen alternativen Rennmodus gegen computergesteuerte Gegner, der sich aber wenig abhebt. An besonderen Effekten oder Licht- und Schattenverhältnissen wurde gespart. Das ist spannend, denn beworben wird das Spiel ganz anders.


Welcher Menüpunkt ausgewählt ist, erkenne ich auch erst bei wiederholtem Hinschauen.

© Jandu Soft

Bei meiner Recherche für den Test fiel mir auf, dass die offiziellen Screenshots zur Vermarktung von Street Racer Underground mit Entwicklertools erstellt worden sein müssen, da diese besseres Shading, eine dynamischere Kamera sowie actionreichere Gameplay-Situationen zeigen. Im Endeffekt werden Konsumenten hier eiskalt hinters Licht geführt. Das Spiel kann jedoch so oder so keinen allzu guten Eindruck erwecken. Das fing für mich persönlich schon beim ohrenbetäubenden Motorengeräusch an, welches beim ersten Start des Spiels auf voller Lautstärke abgespielt wird. Auch das restliche Sound-Design kann nicht überzeugen. Meistens habe ich die Musik sogar ganz ausgeschaltet. Lustigerweise ist das Stummschalten von Musik und Tönen die einzige Option, die euch das Spiel gibt. Danke, dass hier mitgedacht wurde!


Die einzige Motivation, sich durch das repetitive, schnell langweilig werdende Gameplay zu beißen, ist es, Geld zu sammeln, um neue Fahrzeuge freizuschalten und bereits gekaufte zu individualisieren oder aufzutunen. Eine simple Auswahl von Farben steht für die Karosserie, die Glasscheiben, die Felgen und weitere Zusätze bereit. Zudem kann das Muster der Räder angepasst werden und sonst bleibt euch, die Geschwindigkeit, das Handling und den Nitro-Turbo zu verbessern, welches alles eine gute Menge der In-Spiel-Währung und euch somit viel Zeit kostet.


Durch den Endlos-Modus lässt sich nur beschwerlich Geld erlangen und bei Rennen werdet ihr euch nicht allzu erfolgreich schlagen, bevor ihr euch nicht einen vernünftigen fahrbaren Untersatz verdient habt. Zudem müsst ihr es erst einmal schaffen, euch durch das Menü zu navigieren, was selbst schon zur Herausforderung wird, da wichtige Menüpunkte nicht immer angezeigt werden und schwierig zu erkennen ist, welcher Menüpunkt aktuell ausgewählt ist. In kurz: Absolute Zeitverschwendung. Das Auto kann grün oder blau sein, das Gameplay bleibt gleichermaßen enttäuschend.

Unser Fazit

2

Enttäuschend

Meinung von Daniel Kania

Wie hieß das Spiel noch gleich? Ach ja! Street Racer Underground ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wieso man sich vor digitalem Schrott im Nintendo eShop fürchten muss. Wöchentlich werden mindestens eine Handvoll neuer Spielchen auf die Server geladen, welche ihren Platz darauf nicht verdient haben. Nicht nur, dass man sich hier einem aus videospielhistorischer Sicht antikem Spielprinzip bedient, man versucht darüber hinaus die Konsumenten hereinzulegen, indem das Werbematerial im Nintendo eShop verschönert wird, um einen marginal besseren Eindruck zu erwecken. Das ist einfach nur dreist. Mit den verschiedenen freischaltbaren Fahrzeugen, Upgrades und Farben wurde bereits der Raum für Langzeitmotivation geschaffen, allerdings macht das repetitive, platte Gameplay dies völlig zunichte. Das grauenvolle Sound-Design und die umständliche Menü-Handhabung besiegeln die Katastrophenwertung schließlich komplett.
Mein persönliches Highlight: Die Individualisierung der Fahrzeuge ist nett.

Die durchschnittliche Leserwertung

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