Wundervolle Musik haucht einer toten Ratte neues Leben ein

Mad Rat Dead ist ein brandneuer Musik-Platformer des Entwicklerstudios Nippon Ichi Software, der seit 30. Oktober 2020 digital und auch als Retail-Version für die Nintendo Switch erhältlich ist. In diesem verrückten Abenteuer spielt ihr die Ratte "Mad Rat", die genug davon hat, ständig in Gefangenschaft des Menschens zu leben und für Laborexperimente missbraucht sowie schlussendlich getötet zu werden. Eigentlich bereits tot, trifft Mad Rat plötzlich ein weibliches, süßes Mäuschen namens Rattengott, das Mad Rat einen letzten Wunsch gewährt. Mad Rat muss für seinen Wunsch gar nicht lange überlegen und ihm kommt nur eines in den Sinn: Rache!


Eine Laborratte nimmt Rache am Menschen


Dank des Rattengottes darf Mad Rat den letzten Tag vor dem Tod nochmal erleben, um seinen Wunsch zu erfüllen, am Menschen Rache zu nehmen und diesen zu töten. Doch dieses Vorhaben ist für eine kleine Ratte gar nicht so leicht und erstmal muss Mad Rat aus dem Laborgefängnis entkommen, um überhaupt eine Chance zu haben, sich dem Menschen entgegenstellen zu können. Zusammen mit seinem Herz, das im Rhythmus schlägt, stürzt sich Mad Rat in ein musikalisches Abenteuer mit 6 abwechslungsreichen Welten und zahlreichen herausfordernden Level, die er nur mit dem richtigen Rhythmusgefühl meistern kann. Gelingt es Mad Rat, den Menschen zu töten und die anderen, bereits resignierenden Laborratten aus der Gefangenschaft zu befreien?


Mad Rat Dead? Das Leben einer Laborratte ist traurig und darf nicht auf diese Weise enden!

© Nippon Ichi Software, Inc. / NIS America, Inc.

In Mad Rat Dead warten insgesamt 35 Level mit jeweils unterschiedlichen Musikstücken darauf, von euch gemeistert zu werden. Fortbewegen könnt ihr euch mit dem linken Controlstick, während ihr im vorgegebenen Rhythmus der Musik jeweils eine der folgenden 4 Tasten nutzt: Mit dem A-Knopf könnt ihr nach vorne sausen, mit dem B-Knopf springen, mit dem Y-Knopf nach unten düsen und mit dem X-Knopf könnt ihr Energie aufladen, um für die nächste Aktion eine größere Reichweite zu erlangen. Euer Ziel ist es, so schnell wie möglich das Ziel zu erreichen und so oft wie möglich Tasten im richtigen Takt zu schlagen, wobei es anders als bei vergleichbaren Rhythmus-Spielen egal ist, welche Taste ihr drückt – ihr habt die freie Wahl, ob ihr als Nächstes beispielsweise springen, nach vorne sausen oder euch einfach eine kurze Pause gönnen wollt. Der Takt wird durch euer Herz vorgegeben, das ihr laut im Rhythmus schlagen seht und hört. Während anfängliche Level mit unter 120 Schlägen pro Minute relativ leicht zu meistern sind, wird es im späteren Verlauf des Spiels mit Liedern, die ein Tempo von 150 Herzschlägen pro Minute abverlangen, schon deutlich anspruchsvoller. Grüne, sammelbare Marker geben euch den Weg vor und links unten am Bildschirm könnt ihr stets sehen, wie weit ihr noch vom Ziel entfernt seid.


Am Ende eines jeden Levels werdet ihr abhängig von eurer Leistung mit Rängen belohnt, wobei der S-Rang die höchste Auszeichnung ist, die ihr nur erreichen könnt, wenn ihr in jeder Unterkategorie (Zeitlimit, perfekte Schläge und daraus resultierenden Combos) brilliert habt. Da ihr stets die Freiheit habt, wie ihr euch in den 2D-Level fortbewegen wollt, fühlt sich Mad Rat Dead überraschend frisch an und bietet ein einzigartiges Spielerlebnis, das zudem von einer sehr netten Story lebt: Nach jedem absolvierten Level kommt jeweils ein neuer Storyabschnitt, in der die Geschichte von Mad Rat Dead erzählt wird, jedoch leider nur in englischer Textsprache. Die charmant erzählte Story mit den ein oder anderen Twists weiß durchaus zu gefallen und gibt der großschnäuzigen und von sich überzeugten Ratte noch mehr Persönlichkeit. Optisch macht das Spiel einen sehr schönen Eindruck und die Charaktere sowie die flüssigen Animationen tragen zu einem runden Gesamteindruck bei.


Rhythmusgefühl ist gefragt, um gute Combos und Bestzeiten zu erzielen!

© Nippon Ichi Software, Inc. / NIS America, Inc.

Spannend ist die Tatsache, dass ihr jederzeit nach einem Tod die Uhr um ein paar Schläge zurückdrehen könnt, sodass ihr stets schwierige Passagen direkt erneut probieren könnt, ohne ganz am Anfang vom Level beginnen zu müssen. Ähnlich wie beim Nintendo DS-Hit Ghost Trick: Phantom Detektiv könnt ihr durch diese Fähigkeit sogar Tode von anderen Charakteren verhindern, sollte es dazu kommen. Weniger schön ist die Tatsache, dass Tode oftmals schwer vermeidbar wirken, da Hindernisse oder Gegner derart plötzlich auftauchen, dass es kaum möglich ist, beim ersten Versuch darauf reagieren zu können. In manchen Level bewegt ihr euch derart schnell voran, dass ihr nicht rasch genug auf Hindernisse reagieren könnt und somit euch nach mehreren Toden einprägen müsst, wo welche Gefahren lauern, um das Level schaffen zu können. Selbiges gilt für die Muster bei Bosskämpfen, welche nicht immer vorhergesehen werden und zu frustrierenden Toden führen können, die sich nicht fair anfühlen. Schwer ist es zwar in den meisten Fällen nicht, dank der Rückspulfunktion die Level oder Bosse zu schaffen, doch ein fahler Beigeschmack bleibt dennoch. Während der Großteil des Spiels sehr flüssig läuft, so sind zudem bei den ansonsten kreativ gestalteten Bosskämpfen stellenweise heftige Verzögerungen spürbar, die bei manchen Bossen vor allem dann auftreten, wenn gerade eine andere Phase des Kampfes beginnt.


Ein weiteres Problem stellen die Sprungangriffe dar, bei welchen Gegner anvisiert und im Stile von Sonic the Hedgehog in der Luft attackiert werden. Nicht immer werden die Eingaben richtig erkannt und Stürze in den Abgrund infolgedessen sind keine Seltenheit. Im späteren Verlauf des Spiels gibt es zudem Level, bei denen oftmals mitten während des Liedes das Tempo der Herzschläge geändert wird – zwar erhöht sich dadurch einerseits der Schwierigkeitsgrad, andererseits fühlen sich die Rhythmusänderungen stellenweise derart plötzlich an, dass es schwer ist, sich so schnell an das neue, kurzfristige Tempo zu gewöhnen und der Spielfluss darunter leiden kann. Beispielsweise ist "Heartless being" ein wundervolles Musikstück, das beim vorletzten Level des Abenteuers gespielt wird und euch durch die ständigen Rhythmusänderungen im ohnehin bereits anspruchsvollen Level voller Gefahren und Gegner vor große Herausforderungen stellen wird. Wem all dies immer noch nicht schwer genug ist, der kann sich am Hard-Mode versuchen, wo zwischendurch Tasten gehalten werden müssen, um Befehle ausführen zu können.


Das Herzstück des Spiels ist der herausragende, 36 Stücke umfassende Soundtrack, den ich nicht genug loben kann: Euch werden jede Menge moderne, eingängige Musiktracks von unterschiedlichen Interpreten geboten, die von fetzig westlichen bis hin zu wunderschön asiatischen Melodien reichen, bei denen verschiedene Instrumente verwendet wurden. Zu meinen absoluten Favoriten zählen vor allem die Werke von "a_hisa" wie beispielsweise "Neuchatel", "Chaource", "Cheddar Chaser", "Passion in Blue" und "Emmental Catalepsy". Abgesehen vom Story-Modus habt ihr auch die Wahl, die jeweiligen Stages einzeln erneut zu spielen, auf Highscorejagd zu gehen und dabei jeweils ein Musikstück eurer Wahl im Hintergrund abspielen zu lassen, das euch den Rhythmus vorgibt. Auch Achievements könnt ihr erlangen, was für etwas mehr Langzeitmotivation sorgt. Schlussendlich könnt ihr den Sound Check aufrufen, um euch die fantastischen Lieder als Hintergrundmusik anzuhören – dies ist jener Modus, in dem ich mittlerweile die meiste Zeit verbracht habe. Zu schade ist jedoch, dass es keine Shuffle-Funktion, keine Stand-by-Funktion zum Musikhören und keine Möglichkeit gibt, die Songs automatisch hintereinander abspielen zu lassen, sodass ihr stets manuell die gewünschten Tracks auswählen müsst.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

Mad Rat Dead ist ein einzigartiges Musik-Abenteuer, das durch einen hervorragenden Soundtrack und eine nett erzählte Story glänzen kann. Das Gameplay, das euch viele Freiheiten lässt, geht schnell in Fleisch und Blut über und bereitet viel Spaß, wenngleich unvorhersehbare Gegner, Hindernisse, Boss-Muster und Rhythmusänderungen den Spielfluss leicht trüben könnten und eine hohe Frusttoleranz vorhanden sein sollte. Auch wenn der Spielehit-Award nur ganz knapp verpasst wurde, kann ich allen Fans von Rhythmus-Spielen ans Herzen legen, diesem skurrilen und zugleich charmanten Abenteuer, das im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Herz hat, eine Chance zu geben. Die musikalische Geschichte von Mad Rat, seinem Herz und dem Rattengott wird mir trotz kleinerer Macken noch lange in positiver Erinnerung bleiben.
Mein persönliches Highlight: Die herausragende Musik ist mein persönlicher Favorit auf den NT Award 2020 in der Kategorie "Bester Soundtrack"

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    War damals heiss drauf, hab dann die Demo gezockt und es zündete bei mir nicht.


    Style cool, musik geil, Gameplay meh... Schade

  • Felix Eder

    #PhoenixWright4Smash

    DLC-King So ähnlich ging es mir aber ehrlichgesagt auch - als ich das Spiel anfing, dachte ich nach den ersten paar Levels, dass es auf eine 6 hinauslaufen würde, auch da das Gameplay doch recht simpel und unspektakulär wirkte. Aber im Laufe des Spiels konnte ich immer mehr in den Bann gezogen werden und die Level wie auch die Musik und Story begannen sich richtig zu entfalten. Die Demo gibt da mMn nicht den besten Eindruck wieder und im Nachhinein bin ich doch sehr positiv überrascht vom Spiel :D

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    Felix Eder


    Ah OK interessant zu wissen, ich schaue mal.

    Eventuell wenn die Sterne in einer Reihe stehen kommt es dann doch noch in die Sammlung.