Erst ein zweiter Blick offenbart die Probleme

Bei „Wer wird Millionär?“ handelt es sich um eine der bekanntesten Quizshows weltweit, denn über 100 Länder haben diese Show in den vergangenen 22 Jahren adaptiert. In Deutschland wird die Show seit 1999 über den Sender RTL mit Günter Jauch als Moderator ausgestrahlt und erfreut sich hierzulande einer großen Beliebtheit. Daher habe ich mich sehr darüber gefreut, dass Publisher Microids eine mehrsprachige Version der Spielshow in Form eines Videospiel für verschiedene Plattformen, darunter auch die Nintendo Switch, herausgebracht hat. Doch ich hätte nie geahnt, was für Probleme eine solche mehrsprachige Version mit sich bringen kann.


Auch Nintendo-Fragen schaffen es ins Spiel.

© Microids

Auf den ersten Blick wirkt das Spiel wie eine ganz normale Umsetzung der Original-Quizshow. Im Menü ertönt die Titelmusik der TV-Show und auch das Design des Menüs erinnert an die Vorlage. Wie auch schon beim Original, beantwortet man 15 Fragen und kassiert, sofern man alle richtigen Antworten kennt, 1 Million Euro. Bei Bedarf können auch die traditionellen Joker eingesetzt wirken und man kann schon sagen: Auf den ersten Blick wirkt das alles gar nicht mal so schlecht. Doch dann muss ich wiederum den virtuellen Moderator kritisieren, der, abgesehen von einer schwachen Spielgrafik, mit einer noch schwächeren deutschen Vertonung und einem ziemlich geringen Wortschatz ziemlich nervtötend daherkommt. Logged ihr die Antwort einer Frage ein, dauert es gefühlt zehn Sekunden, bis euch die korrekte Lösung angezeigt wird, da der Moderator einen unnötig langgezogenen Dialog mit eurer virtuellen Figur führt - zum Glück kann man die Zwischensequenzen mit einem Tastendruck direkt überspringen. Vor dem jeweiligen Spiel habt ihr die Wahl zwischen zehn unterschiedlichen Charakteren, die alle gängigen Stereotypen vertreten sollten. Männlich, weiblich, jung, alt, weiß, schwarz und doch hätte ich mir hier einen vollwertigen Charaktereditor gewünscht, da sich nicht jeder Spieler durch die vorhandenen Figuren angesprochen fühlen dürfte.


Das Videospiel versucht gleich zwei Zielgruppen anzusprechen: Die Jüngeren als auch die Erwachsenen, weswegen die Fragenpakete in zwei Schwierigkeitsgraden angeboten werden. Während die normalen Fragen ungefähr dem Schwierigkeitsniveau der Spielshow entsprechen, waren die einfachen Fragen für mich mit Hilfe der verfügbaren Joker oftmals bis zur Millionenfrage problemlos spielbar. Zudem gibt es auf der normalen Schwierigkeitsstufe eine nicht ausschaltbare Zeitbegrenzung, die einfachen Fragen hingegen sind ohne diese Hürde. Ich hätte mir auch für den normalen Modus die Möglichkeit gewünscht, den Zeitdruck bei Bedarf abzuschalten. Im normalen Spielmodus können unterschiedliche Fragekategorien beliebig hinzu- oder abgewählt werden. Ein Ingame-Laden erlaubt es euch außerdem, neue Fragenpakete für Spielwährung (kein Echtgeld) zu kaufen. So könnt ihr euch Fragen zu bestimmten Themenpakete wie "Disney", "Fernsehserien", "Star Wars", "Harry Potter", "Manga", "Fußball" und einige mehr erwerben. Die Preise dieser Pakete fallen allerdings ziemlich unangemessen aus, denn es erfordert teilweise eine Stunde Spielzeit, um eines der teureren Fragepaketen kaufen zu können, schade. Dass ein Telefon- oder Publikumsjoker in einem Videospiel nicht gerade optimal umgesetzt werden kann, ist an sich selbstverständlich. Leider ist mir mehrmals aufgefallen, dass auf die Joker bei schwierigen Fragen kein Verlass ist, denn das Publikum entscheidet sich beispielsweise zur 80 Prozent für die falsche Antwort, was sehr ärgerlich, wenn man deswegen letztendlich scheitert.


Ein Battle Royale-Modus mit zwei Spielern ist leider nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

© Microids

Dabei ist die Möglichkeit, im Mehrspielermodus einen Familienmodus spielen zu können, deutlich angenehmer. Hier können schwierige Fragen für Erwachsene und leichte Fragen für die jüngeren Spieler abwechselnd beantwortet werden. So hat das jüngere Publikum mehr Chancen, die Erwachsenen zu schlagen, denn diese kriegen an ihr Wissen angepasste Fragen. Grundsätzlich muss ich die Mehrspielervarietät loben, denn diese ist für ein Quizspiel wie dieses nicht selbstverständlich. So habt ihr zum einen die Möglichkeit, auf einer Konsole kooperativ mit mehreren Controllern zu spielen. Ich empfinde diesen Modus für etwas überflüssig, denn schließlich wird hier die Frage erst eingeloggt, wenn alle Spieler mit ihrem Controller die gleiche Antwort ausgewählt haben - da kann man sich auch gleich im Einzelspielermodus mündlich. Interessant wird dann wiederum der Modus „Jeder gegen Jeden“, denn hier darf jeder Spieler mit seinem Controller im Geheimen die Antwort der jeweiligen Frage auswählen. Im Modus „Der Reihe nach“ beantworten die Spieler nacheinander unterschiedliche Fragen, wer eine falsch beantwortet, fliegt raus. Das Besondere an diesem Modus ist, dass er mit nur einem Controller spielbar ist, der nach jeder Frage einfach weitergereicht wird. Bis zu 10 Spieler können dabei mitspielen, also perfekt für eine Feier außerhalb von Corona-Zeiten.


Das Kernstück des Spiels ist allerdings der Battle Royale-Modus, der mit bis zu 100 Spielern online mithilfe einer Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft gegen anonyme Gegner gespielt werden kann. In der Theorie klingt das Prinzip richtig cool, denn alle Spieler beantworten die gleichen Fragen und wer eine falsch beantwortet, fliegt raus und so bleibt am Ende nur noch ein Sieger übrig. Wenn ihr eine Frage möglichst schnell beantwortet, bringt euch das zusätzliche Punkte ein, die am Ende in der Rangliste angesehen werden können. Das Problem ist allerdings, dass man so gut wie keine Spieler online antrifft. Mein Rekord lag bei 4 von 100 Spieler zur Stoßzeit an einem Samstagabend. Ich hoffe, dass zumindest zum amerikanischen Release des Spiels am 17. November mehr Spieler in den Modus einsteigen werden. Leider können alle Mehrspielermodi nicht mit den Jokern gespielt werden. Dass sogar in „Der Reihe nach“ oder „Battle Royale“ keine Joker erlaubt sind, ist leider sehr bedauerlich und macht es umso schwerer, bis zur Million zu kommen.


Ein Fragekatalog mit einigen Fehlern und doppeldeutigen Antworten


Das größte Problem des Spiels liegt allerdings im Kern und zwar bei den Fragen. Die Menge der Fragen ist nicht unbedingt das Problem, denn mit 3000 an der Zahl kriegt man hier jede Menge Abwechslung geboten. Dadurch, dass die Fragen in diesem Spiel durch den international spielbaren Battle Royale-Modus in 5 Sprachen übersetzt werden mussten, verkommen die Fragen jedoch zu einfachen, generischen Quizfragen. In der Originalshow mit Günter Jauch sind normalerweise die ersten Fragen Wortspiele, die nur in Zusammenhang mit der deutschen Sprache funktionieren, allerdings kann man diese wiederum nur schwer in eine andere Sprache übersetzen. Dadurch sind die ersten Fragen in diesem Videospiel einfach nur simple Wissensfragen, die einfach zu beantworten sind. Die Balance der Fragen ist meiner Meinung nach ebenfalls nicht angemessen, denn es tauchen manchmal schwierige 50 €-Fragen auf, während euch manch simple Fragen wiederum mit höheren Geldsummen belohnt. Abgesehen davon sind mir nach einiger Internetrecherche innerhalb einer Handvoll Fragen Fehler aufgefallen, die mich leider aus der Show gekickt haben und somit unnötigerweise für Frust sorgten. Teilweise gab es auch zwei richtige Antworten auf eine Frage, was mich dazu gebracht hat, die Antwort zu raten, beziehungsweise einen Joker einsetzen zu müssen. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass RTL an der Entwicklung des Videospiels beteiligt gewesen wäre und so Fragen direkt aus der Show hätte einbauen lassen, inklusive eines virtuellen Günter Jauch als Moderator. Da das aber nicht der Fall ist, kann ich bislang nur empfehlen, auf das Brettspiel zur Spielshow oder die offizielle iOS- und Android-App auszuweichen und sich den Preis von etwa 40 Euro zu sparen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Ilja Rodstein

Wer wird Millionär? hätte ein wirklich tolles Spiel der beliebten Spielshow werden können und auf dem Papier klingt das Konzept nach einem fantastischen Spiel. Mehrspielermöglichkeiten, die bis zu 10 Spieler offline und maximal 100 Spieler online begeistern können, klingen an sich großartig, allerdings ist die Online-Community kaum vorhanden. Das größte Problem neben der technischen Umsetzung ist allerdings der Fragenkatalog: Er entspricht kaum dem der originalen Spielshow. Die Balance der Fragen ist kaum gelungen, zudem sind einige Antworten doppeldeutig und teilweise auch einfach falsch. Da die Fragen vermutlich aus dem Englischen übernommen wurden, machen diese in deutscher Sprache teils wenig Sinn. Ich bin ziemlich enttäuscht und würde jedem, der nicht unbedingt auf den lokalen Mehrspielermodus setzt, empfehlen, das Spiel zu meiden und auf Alternativen von Wer wird Millionär? über andere Plattformen zuzugreifen.
Mein persönliches Highlight: Der Battle Royale-Modus hätte ein Highlight werden können, allerdings ist niemand online...

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 8

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Schade... Hab ja nicht viel erwartet, aber es klang echt gut...

  • arminius73

    Turmfürst

    Für dieses Fazit fällt die Wertung aber noch human aus. ;) Habe mir das Spiel dank 20% Müller-Aktion und noch vorhandenem Amazon-Guthaben auch gegönnt, da ich ein großer Fan von Quiz-Games bin (BTW wäre es auch mal wieder Zeit für ein neues BUZZ!). WWM läuft nach dem relativ großen Update um einiges besser. Auch die Stimmen der Teilnehmer und des Moderators tragen jetzt deutlich zu einer besseren Atmosphäre bei. Dass die Fragen nicht vorgelesen werden, lässt sich verkraften.

  • Switch

    Turmheld

    3000 Fragen? Nur noch?

    Ich hatte mal was von 30.000 gelesen.

    Wegen 3000 Fragen kaufe ich mir solch ein Spiel nicht.


    Man fängt es Freitags an...

    ...JA tolles Spiel, alles super... !!

    und Samstags "die Frage hatten wir schon"....


    lass stecken.

    Ohnehin gehen mir diese "Light" Spiele auf den Sack.

  • Ilja Rodstein

    Redakteur

    arminius73 Na gut davor gab es weder einen Battle Royale-Modus noch überhaupt welche Stimmen :D

  • Micha-Teddy93

    SEGA & Nintendo = ♡

    Manchmal scheitern die Spiele auch beim Preis. Umfang und so ist schon Wert, aber es wäre cool gewesen das für einen zwanziger anzubieten und für den MP mit Cross Play.


    Schade und verschenktes Potenzial.


    Kann sich noch jemand an TV Show King erinnern von WiiWare? Das war echt gut für einen zehner.

  • KingDDD

    Turmbaron

    Micha-Teddy93

    Gabs damals glaube ich auch auf Mobile war echt lustig

  • Jennifer G

    Turmknappe

    Hört sich nicht gut an 😑

  • arminius73

    Turmfürst

    Ich bin mittlerweile auch mit zwei haarsträubenden Fehlern konfrontiert worden: