Euer Talent als Scharfschütze ist gefragt

Shooter waren noch nie eine Stärke von mir. Meine Reflexe sind schlicht und ergreifend zu langsam. Wenn ich erst einmal von zehn Gegnern umzingelt bin, ist der Game Over-Bildschirm nicht weit. Daher bevorzuge ich in Mehrspieler-Titeln die Position des Scharfschützen. Damit macht man sich allerdings nur bedingt beliebt. Sniper Elite 4 hingegen setzt auf genau diese Stärken. Das perfekte Spiel also, um von mir unter die Lupe genommen zu werden.


Ein italienisches Dorf ist besetzt. Zeit, es zu befreien

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Es ist Anfang der 40er Jahre in Europa. Der zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. Als Scharfschütze Karl Fairburne der Alliierten landet ihr in Italien, um mehr Informationen über eine neue Superwaffe der Nazis zu erhalten, die großen Schaden anrichten würde, sollte sie zum Einsatz kommen. Zudem ist es eure Mission, Partisanen vor Ort zu unterstützen. Als einzelner Mann ist es natürlich kaum möglich, gegen eine ganze Armee an Besetzern anzutreten. Ihr habt jedoch eine Stärke: Euer Können als Scharfschütze ist legendär. Zeit also, dieses Talent anzuwenden. Anschleichen, die Umgebung zu eurem Vorteil nutzen und den Feind ausschalten. So lässt sich das Gameplay von dem Third-Person-Shooter gut zusammenfassen.


Schauen wir uns doch mal das erste Level an. Nach eurem Eintreffen an der italienischen Küste setzt ihr gleich den ersten Feind außer Gefecht. Dazu habt ihr mehrere Möglichkeiten. Ihr könntet ihn direkt mit einem präzisen Schuss eliminieren. Die Stärke von Sniper Elite 4 ist jedoch auch die Option, die Umgebung zu eurem Vorteil auszunutzen. Zerstört ihr stattdessen ein Seil, wird euer Gegenüber von Steinen erschlagen. Solche Entscheidungen könnt ihr häufiger treffen. Zerschießt Reifen von Trucks oder löst Explosionen aus, indem ihr Fässer mit Benzin zerstört. All das hilft euch, unerkannt euer Ziel zu erreichen. Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Auf eurer Karte werden euch alle Gegner als weiße Punkte angezeigt. Haben sie euch wahrgenommen, färben sich ihre Zeichen Gelb. Dann beginnt ein Rennen gegen die Zeit. Die Feinde nutzen die Triangulierung, um eure genaue Position zu ermitteln. Diese wird euch in einem roten Dreieck dargestellt. Seid ihr in Sichtweite, verfolgt euch dieses Dreieck und die Gegner wissen zu jeder Zeit, wo ihr euch befindet. Nun heißt es, schnell zu sein. Versteckt euch in Gebäuden, Höhlen, im hohen Gras oder anderen schlecht einsehbaren Gebieten. Schafft ihr es, das Dreieck loszuwerden, verlieren die Soldaten ihr Interesse. Nicht besonders logisch, aber für das Gameplay unerlässlich. Glücklicherweise ist unser Held nicht nur an den Boden gebunden, sondern kann beispielsweise auch klettern.


Als Scharfschütze im Italien der 40er Jahre unterwegs!


Die große Stärke von Sniper Elite 4 sind die großen offenen Gebiete, auf denen die Missionen stattfinden. Neben Berglandschaften und großen Feldern seid ihr beispielsweise auch in kleinen italienischen Dörfern unterwegs. Die Ortschaften haben viele liebevolle Details. Zudem könnt ihr überall kleine Gegenstände wie Briefe aufspüren, die zeigen, wie Soldaten und Zivilisten in dieser schwierigen Zeit ihr Leben bestreiten. Für 100 Prozent-Jäger Grund genug, all diese optionalen Items zu finden. Apropos optional: Neben der Hauptmission erwarten euch auch diverse Nebenquests, die ihr erledigen könnt. So könnt ihr zum Beispiel neben eurem Hauptziel, einen General auszuschalten, optional auch mehrere Offiziere ins Jenseits befördern. Der Vorteil dieser Missionen ist es, die Karten noch weiter zu erkunden. Wollt ihr ein Level vollständig lösen, müsst ihr durchaus mehr als eine Stunde einplanen.


Sniper Elite 4 glänzt mit einer deutschen Sprachausgabe.

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Genre-typisch gibt es eine Vielzahl an Waffen, die euch zur Verfügung stehen und sich zudem aufrüsten lassen. Neben Scharfschützengewehren gibt es auch Pistolen und Maschinengewehre, die nützlich sind, wenn ihr doch einmal ins direkte Gefecht müsst. Auch Gegenstände wie Minen helfen euch, eure Gegner auszuschalten. Die Waffen spielen sich dabei logischerweise unterschiedlich. Der Fokus liegt beim namensgebenden Sniper Rifle. Dort könnt ihr euren Gegner durch ein Zielfernrohr anvisieren. Das Ganze ist jedoch einfacher gesagt als getan. Das Fokussieren ist anstrengend, euer Atmen sorgt zudem dafür, dass eure Hand unruhig wird. Um präziser zu zielen, könnt ihr eure Atmung steuern. Das geht jedoch auch nur bis zu einem begrenzten Zeitpunkt, bevor ihr euch wieder ausruhen müsst. Zudem spielt der Rückstoß eine Rolle. Schießt ihr, wandert euer Fadenkreuz nach oben. Das Ganze braucht also seine Zeit, bis ihr es gemeistert habt. Dafür ist es aber umso schöner, wenn man sein Handwerk beherrscht und einen Feind nach dem anderen ausschaltet.


Auch Sniper Elite 4 bietet die serientypische X-Ray-Cam. So werden euch bei manchen fatalen Schüssen Slow-Motion-Cutscenes angezeigt, die präsentieren, wie sich die Kugel langsam in den Körper des Gegners bohren. Knochenbrüche und spritzende Hirnmasse inklusive. Wem das zu makaber ist, hat die Option, das Feature auszuschalten. Für Anfänger gibt es zudem mehrere Schwierigkeitsgrade. Diese verändern nicht nur die Intelligenz der Gegner, sondern erschweren beispielsweise auch das Treffen von Zielen, da Werte wie die Windrichtung und Schwerkraft mit einberechnet werden. Diese Schwierigkeitsgrade werden dann auch passend als authentisch bezeichnet, sind für Anfänger jedoch nicht zu empfehlen. Habt ihr unterschiedliche Stärken, könnt ihr die Option Angepasst verwenden. Damit lässt sich jede Option manuell auswählen. Wollt ihr einfache Gegner, aber ein komplexes Sniper-Erlebnis, ist dies möglich.


Große Gebiete laden dazu ein, erkundet zu werden!


Eine Neuerung der Nintendo Switch-Version ist die Bewegungssteuerung, die jedoch erst manuell eingeschaltet werden muss. Praktischerweise lässt sich separat zur Joystick-Steuerung die Empfindlichkeit der Bewegungen einstellen. Ich bevorzuge bei Motion Control beispielsweise eine sehr hohe Empfindlichkeit. Die HD-Vibration wird ebenfalls unterstützt.


Nutzt eure Umgebung, um unerkannt euer Ziel zu erreichen.

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Sniper Elite 4 bietet diverse Mehrspielermodi, die ich aus zweierlei Gründen jedoch nicht ausprobieren konnte. Der klassische Multiplayer-Modus ist ein Zusatzdownload, der während der Testphase nicht zur Verfügung stand. Im Koop-Modus, der Nintendo Switch-exklusiv auch über eine lokale drahtlose Verbindung zur Verfügung steht, habe ich schlicht und ergreifend keine Person gefunden. Von daher kann ich lediglich über die Funktionen berichten, die laut Hersteller enthalten sind, nicht aber, wie die Performance im Online-Modus ist. Im Mehrspielermodus an sich könnt ihr bei der Nintendo Switch-Version mit bis zu sieben weiteren Spielern auf Karten möglichst viele eurer Freunde ausschalten. Das sind vier Spieler weniger als bei den Versionen für PC, Xbox One und PlayStation 4. Eine Crossplay-Option fällt damit wohl anscheinend weg. Im kooperativen Modus könnt ihr mit einem Partner die Storymissionen abschließen. In besonderen Arenen lassen sich zudem Horden an Gegnern plätten.


Die Nintendo Switch-Version konnte mich grafisch überzeugen. Die Gebiete sehen ansprechend aus und noch wichtiger: Das Ganze läuft flüssig. Sniper Elite bietet viele verschiedene Ortschaften, sodass das Erkunden nicht langweilig wird. Die Kampagne kann um die 20 Stunden in Anspruch nehmen. Viele verschiedene Achievements sorgen zudem dafür, dass ihr den Titel auf anderen Schwierigkeitsgraden erneut probieren wollt. Gerade der Unterschied zwischen leicht und mittel ist gewaltig, da viele Features erst dann aktiviert werden. Das Spiel ist zudem komplett auf Deutsch vertont. Die Synchronisation ist dabei gelungen. Auch das Sounddesign konnte mich überzeugen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Niels Uphaus

Sniper Elite 4 ist ein durch und durch gelungenes Spiel, welches auch auf der Nintendo Switch funktioniert. Die große Stärke ist natürlich das Gameplay. Das Heranschleichen, das Nutzen des Scharfschützengewehrs und das Ausnutzen eurer Umgebung geben euch die Chance, die diversen Haupt- und Nebenmissionen auf unterschiedliche Weise zu lösen. Auch grafisch sieht das Spiel – für Nintendo Switch-Verhältnisse – gut aus und läuft fast durchgehend flüssig. Die Karten, die ihr erkundet, sind zudem recht üppig und motivieren, jede Ecke der Ortschaften in Italien zu erkunden. Seid ihr bei Third-Party-Shootern eher der strategische Kämpfer aus der Ferne, wird euch Sniper Elite 4 viel Spaß bereiten.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • Fuma

    Meister des Turms

    Der Testbericht hört sich gut an und am Black Friday werde ich mir das Spiel dann kaufen =)

  • hobbit2k

    Turmritter

    Sind die DLC Missionen mit dabei? :dk:

  • Muki

    Turmbaron

    hobbit2k


    Bei retail glaube nicht. Es gibt extra eine digital deluxe Version wo das gleich mit bei ist.

  • alfalfa

    Turmfürst

    Habe es mal im Game Pass auf der One X probiert und im Gegensatz zu früheren Teilen sprang der Funke bei mir einfach nicht über.

    Mich hätte jetzt mal interessiert, was "flüssig" technisch bedeutet.

    Auf der One X kam es mir vor wie 30 FPS und wirklich gut fand ich die Grafik nicht.


    Die Bewegungssteuerung bei der Switch würde mich schon interessieren...