Vom Jagdfieber gepackt!

Realitätsnahe Simulationen sind ein großartiges Mittel, Erfahrungen zu erleben, die aufgrund gewisser Gründe oder Umstände oftmals nur schwierig gemacht werden können. Ob es das Bedienen komplizierter Vehikel oder die einfache Landwirtschaft ist – der lehrreiche Aspekt greift passend in das Gameplay ein und vermittelt im Idealfall eine möglichst glaubwürdige Darstellung. Ähnlich sieht es in Hunting Simulator 2 aus, wo Spieler ihrem Jagdtrieb nachgehen können und in weitläufigen Flächen Tiere erlegen.


Bevor es auf die Jagd geht, werdet ihr mit den Grundlagen des Gameplays vertraut gemacht und bekommt ein Gefühl für das Verhalten der Natur. Mit einem neuen Hund an der Seite macht ihr euch auf und versucht, euer erstes Reh zu erlegen. Dafür nimmt der treue Vierbeiner erst mal die Spur des Tieres auf und sprintet augenblicklich als Wegweiser zum ungefähren Zielort los. Dort angekommen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den perfekten Schuss zu landen. Entweder versteckt ihr euch hinter Bäumen und dichtem Gestrüpp oder nimmt Platz in einem Hochsitz und erhaltet zugleich eine optimale Aussicht über das Gebiet. Ist das Tier getötet, könnt ihr euch um den Kadaver kümmern und die Überbleibsel zu einer Trophäe kreieren lassen oder die eigene Kasse etwas füllen. Hier endet auch schon das relativ kurze Tutorial, welches in nur wenigen Minuten das grundsätzliche Gameplay des gesamten Spiels einfach vermittelt.


Jede Jagd ist meiner guten Vorbereitung verbunden.

© Nacon

Selbstverständlich gehören noch mehr Nuancen dazu. So könnt ihr mehrere Hunde erwerben, die allesamt an Kommandos gebunden sind, unterschiedliche Attribute besitzen und gelobt sowie gestreichelt werden wollen. Es ist zwar möglich, auch ohne den aufmerksamen Gefährten auf die Jagd zu gehen, allerdings erweist sich seine Hilfe als überaus nützlich, wenn es darum geht, Zeit und Nerven zu sparen. Tiere können nämlich nach einem Schuss aufgrund ihres Adrenalins die Flucht ergreifen und eine Blutspur hinterlassen, welche vom Jagdgefährten ebenfalls für die Spurensuche genutzt wird. Um dieses doch recht häufig auftretende Szenario zu umgehen, ist es wichtig, das Tier an lebenswichtigen Organen zu treffen. Eine kurze Ergebnisübersicht nach dem Erhalt des Kadavers gibt Auskunft darüber, an welcher Stelle ihr das Tier getroffen habt, welches Alter und Geschlecht es besitzt sowie die Distanz eures Schusses. Gerade die Information über die Entfernung zwischen Tier und Jäger ist ein motivierender Anreiz, beim nächsten Mal den eigenen Rekord zu brechen. Weniger überzeugend umgesetzt ist der Umgang mit dem Kadaver. Auf dem ersten Blick mag es praktisch erscheinen, dass ihr die Reste sofort erhaltet und den Jagdprozess damit auch schnell beendet, jedoch hätte ich mir hier etwas mehr Realismus in dem Simulator gewünscht.


Als jemand, der noch nie auf der Jagd war, hätte es mich interessiert, wie der Transport eines Kadavers im Freien professionell aussieht und stattfindet. Die Beförderung könnte zwar auf Dauer mühselig oder eintönig werden, demgegenüber stehen aber unterschiedliche Tierarten, die allesamt auf verschiedene Art und Weise transportiert werden müssten. Des Weiteren hätte man dadurch dem Gameplay etwas mehr Tiefe und Glaubhaftigkeit gegeben, was in Anbetracht der Ausrichtung auf eine realistische Jagd durchaus zu erwarten ist. Leblose Tierkörper würden möglicherweise hungrige Fressfeinde anlocken, wodurch die bloße Beförderung gleichermaßen stets mit einer gewissen Vorsicht und Aufmerksamkeit seitens des Spielers stattfinden würde. Natürlich ist es immer einfach, nach mehr zu fragen, nichtsdestotrotz spricht es nicht gerade für einen Simulator, wenn Laien wie ich spontan auf interessante Gameplayansätze kommen, die fraglos ein wichtiger Bestandteil einer Jagd sind.


Die Vielseitigkeiten der Jagd


Dazu gehört beispielsweise die richtige Lizenz, um ausgewählte Tierarten erlegen zu dürfen. Erschießt ihr einen Fuchs, ohne dafür die dazugehörige Erlaubnis käuflich erworben zu haben, regnet es üppige Geldstrafen, die sich sehen lassen können. Selbst innerhalb der Lizenzen gibt es naturgemäß deutliche Unterschiede. Während manche Tiere mit der passenden Erlaubnis unendlich oft erlegt werden dürfen, ist die Anzahl bei selteneren Arten auf ein gewisses Maß begrenzt. Enten kommen in der Natur deutlich häufiger vor als Bären, weswegen es mehr als logisch ist, das Töten der massiven Säugetiere einzuschränken. Mächtige Tiere tauchen zudem seltener auf und können mit nützlichen Items angelockt werden. Jagdlocker imitieren den speziellen Ruf, oftmals ein Paarungsruf einer Tierart, während Urinsprays den Duft eines Weibchens andeuten. Weiterhin geben Windindikatoren Auskunft darüber, aus welcher Richtung der Luftstrom kommt, welcher das Schussverhalten gravierend bestimmt. Diese Interaktion zwischen Jäger, Tier und Natur ist genau die passende Balance, welche im Idealfall dauerhaft eingehalten wird, hier aber erneut nur teilweise das vorhandene Potenzial ausschöpft.


Nach dem Erlegen könnt ihr mehr über das Tier erfahren.

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Mehr als einmal hätte ich es mir gewünscht, clevere Fallen aufzubauen, um wenigstens Kleintiere fassen zu können. Der Fokus mag zwar auf dem Erschießen liegen, jedoch hätte es dem Gameplay gutgetan, ein wenig spielerische sowie thematisch passende Abwechslung ins Geschehen zu bringen. Betrachtet man die relativ leeren Gebiete – welche allesamt zunächst eine schöne Erkundungsfläche bieten, mit der Zeit ihre Monotonie aber nicht verbergen können –, wird es umso unverständlicher, weshalb die Chance nicht genutzt wurde, ein Element zu entwickeln, das direkt mit der Spielwelt interagiert. Das Schießen selbst funktioniert im Großen und Ganzen zufriedenstellend, obwohl das normalerweise authentische Sounddesign hier etwas zu kurz kommt. Hierbei mag es sich um einen äußerst subjektiven Punkt handeln, jedoch besitzt ein Schuss sowie der dazugehörige Treffer nicht die Wucht oder das Spielgefühl, welches zu erwarten ist. Wer Probleme mit dem Zielen besitzt, kann am Schießstand seine Fähigkeiten mit verschiedenen Übungen trainieren. Wahlweise bietet Hunting Simulator 2 die Option, das Spiel per Bewegungssteuerung zu spielen, was in Anbetracht des verlangten Feingefühls bei einem Schuss zweifellos zu empfehlen ist.


Im Jagdhaus habt ihr Gelegenheit, zu entspannen oder euch für bevorstehende Reisen vorzubereiten. Auch wenn es etwas schade ist, dass die Individualisierung bezüglich der eigenen Spielfigur quasi nicht vorhanden ist und ihr euch lediglich für ein Geschlecht entscheidet, fällt die Kleiderauswahl umso stattlicher aus. Mit passenden Tarnmustern und geeigneten Taschen rüstet ihr euren Jäger geeignet aus und beeinflusst damit beispielsweise die Kapazitäten eures Beutels. Genauso sieht es bei den Schusswaffen aus, welche allesamt genug Unterschiede besitzen, um persönliche Spielstile zu definieren. Nahaufnahmen der Waffen wirken realistisch und geben optisch ein gutes Bild ab, während die allgemeine Grafik und Performance diesen Anspruch leider nicht ganz erfüllen können und hinter anderen Plattformen zurückstehen.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Kevin Becker

Simulatoren waren schon immer Erfahrungen für sich und zielen auf ein Gameplay ab, das nicht mit den Maßstäben herkömmlicher Spiele bewertet werden sollte. Anstatt spannende Missionen, Geschichten oder actionlastige Sequenzen einzubauen, steht die ruhige Jagd mit viel Geduld und behutsamen Zügen im Fokus. Unterstützt wird dieser Prozess von hilfreichen Jagdhunden, unterschiedlichen Ausrüstungsgegenständen sowie Schusswaffen und weitläufigen Gebieten voller wilder Tierarten. Obwohl der Jagdverlauf durch erwerbbare Lizenzen für das Töten von gewissen Spezies, dem Verhalten der Fauna und nützlichen Gegenständen ein glaubhaftes Erlebnis darstellt, hatte ich trotzdem mehr als einmal das Gefühl, dass spielerisch oftmals nur an der Oberfläche gekratzt wurde. So verschwinden Kadaver nach dem Erhalt der Überreste auf magische Art und Weise, während die Möglichkeiten an Jagdmethoden keineswegs ihr Potenzial ausschöpfen. Das Sounddesign mag ein atmosphärisches Szenario aufbauen, optisch flacht die Nintendo Switch-Version aber deutlich hinter anderen Plattformen ab. Für entspannte Stunden ohne viel Aufregung mag der Hunting Simulator 2 sicherlich seinen Sinn erfüllen, letztendlich konnte mich aber nie das Gefühl verlassen, insgesamt einen überteuerten Mod eines sehr viel größeren Spiels vor mir zu haben.
Mein persönliches Highlight: Der ruhige Ansatz bei jedem Schuss.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • Muki

    Turmbaron

    Ich hab auch teil 1 und finde teil 2 grafisch sehr viel besser und da man tiere erlegen muss um von dem geld neue waffen in verschiedenen kalibern zukaufen ist es spielerisch für mich besser als wie in teil 1 eine Missions reihenfolge abzuarbeiten.


    Ich find es auch gut das diese aktioncam wie aus sniper elite nicht mehr vorkommt. Wahlweise kann man ein Trefferindikatore aktivieren oder eben nicht. Ob man getroffen hat sieht man dann erst wenn das Tier blutet und auch die Größe der blutspur gibt gute Auskunft daruber ob es nur leicht oder schwer getroffen ist. Der hund ist hier dann echt praktisch weil man ihn dann auf die Blutspur ansetzen kann.


    Und die jagd mit dem bogen ist was völlig anderes wie mit dem Gewehr. Natürlich ist es motivierend mirbden Gewehr aus immer größerer Entfernung zu treffen, mit dem Bogen muss man aber näher ran und das ist schwerer als mit dem Gewehr.