Who let the Chickens out?

Chicken Police ist wohl eines der ungewöhnlichsten Spiele des Jahres. Wenn man zum ersten Mal Bilder oder den Trailer sieht, mag man sich durchaus fragen, was zum Teufel man da eigentlich gerade angesehen hat. Die Figuren sehen absolut grotesk aus, denn sie sind allesamt Tierköpfe auf menschlichen Körpern. Es mag zu Beginn eine Weile dauern, bis man sich an diesen Anblick gewöhnt hat, doch wenn der anfängliche Schock vorbei ist, bleibt ein Spiel übrig, das schlichtweg fantastisch ist.


Das Detektiv-Duo lässt es während ihrer Einsätze gerne mal krachen.

© HandyGames

Die Handlung dreht sich um den vom Polizeidienst suspendierten Hahn Sonny Featherland, der nun wegen seines Zwangsurlaubs sehnlichst auf seine kurz bevorstehende Rente wartet. Als er eines Abends nach Hause kommt, steht plötzlich ein weibliches Reh in seinem Zimmer. Sie stellt sich ihm als Deborah vor und erzählt, dass sie im Auftrag von Natasha Catzenko (Ich denke, ich muss nicht erwähnen, um welche Tierart es sich hierbei handelt.) geschickt wurde, um Sonny um Hilfe zu beten. Natasha bekommt seit einiger Zeit Drohbotschaften und ist überzeugt, dass Sonny ihr helfen kann. Die Klientin ist zudem die Lebensgefährtin des Unterweltbosses Ibn Wessler. Mit Widerwillen lässt sich der Hahn auf den Auftrag ein, möchte dafür aber seinen alten Partner Marty McChicken an Bord holen. Seinerzeit bildeten die beiden Hähne die legendäre Chicken-Police, ein Duo, das spektakuläre Fälle löste und großen Ruhm einfuhr. Die Fälle wurden sogar als Comics veröffentlicht, was zu ihrer Bekanntheit noch zusätzlich beitrug. Allerdings wurde es dann still um die beiden, denn die Partner zerstritten sich, was sogar dazu führte, dass Marty Sonny angeschossen hat.


Sonny ist aber bereit, sich wieder mit seinem Kollegen zusammenzuschließen und fährt in die Polizeistation, wo er nicht gerade sehnlichst empfangen wird. Trotzdem schließt sich Marty ihm an, wodurch die Chicken-Police wieder vereint ist. Gemeinsam ziehen sie nun durch Clawville, um den Verfasser der Drohbriefe zu fassen. Das Duo aus Sonny Featherland und Marty McChicken überzeugt ab der ersten Minute, das gegenseitige Necken der Kampfhähne macht beide überaus sympathisch und auch die anderen Figuren sind super geschrieben. Alle Charaktere sind zudem auf Englisch vertont und die Synchronsprecher machen einen fantastischen Job, den Bewohnern der Stadt Leben einzuhauchen. Die Story ist überaus spannend geschrieben und motiviert, die Geheimnisse der einzelnen Personen zu entdecken und ans Licht zu führen.


Was hat diese Ratte zu verbergen? Durch das Verhör finden wir es heraus.

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Im Point & Click-Stil klickt ihr euch durch die verschiedenen Ortschaften von Clawville. Mithilfe des Cursors wählt ihr diverse Gegenstände aus oder sprecht mit den vielen Bewohnern. Der wichtigste Bestandteil des Spiels liegt auf den Befragungen der Personen, verhält sich eine verdächtig oder verheimlicht etwas, schaltet sich die Option für ein Verhör frei. Bei diesem werden verschiedene Dialogoptionen angeboten, je nach Persönlichkeit des Gegenübers muss bedacht werden, ob ihr eher rabiat ins Gespräch einsteigt oder erst vorsichtig den Befragten aus der Reserve lockt. Je nach Wahl steigt oder sinkt die Stimmung des Verhörten, jedoch ändert sich nichts am Ausgang der Vernehmung bzw. an der Geschichte. Am Ende der Befragung wird die Durchführung, allem voran wie zielsicher die Fragen gewählt wurden, anhand von Sternen bewertet.


Durch die Gespräche bzw. Verhöre wird die Story vorangetrieben und neue Orte werden begehbar. Auf der Übersichtskarte wählt ihr diese aus, Symbole markieren zudem, an welchen Orten die Handlung fortgeführt wird bzw. welche optional für zusätzliche Informationen bereist werden können. Werden gewisse Voraussetzungen erfüllt, öffnen sich zuvor auf der Karte verschlossene Gebiete, die wiederum weitere Hintergrundinformationen bereithalten. Deshalb sollte bedacht werden, ob ihr nur in der Story voranschreiten oder noch mehr in die Stadt Clawville mit all ihren Bewohnern eintauchen wollt. Durch das Untersuchen von Gegenständen oder Ansprechen von Personen schalten sich so nach und nach mehr Informationen zu Ereignissen der Stadt frei oder die Notizen der einzelnen Figuren werden stetig erweitert. Die Fülle an optionalen Einträgen belebt die Spielwelt ungemein und eröffnet einen interessanten Einblick darauf. Ab und zu bringen kurze Rail-Shooter Passagen Abwechslung in die Detektiv-Geschichte, dort wehrt ihr in einer Autojagd eure Verfolger ab. Optional kann auch im Polizeirevier am Schießstand die Zielgenauigkeit verbessert werden.


Die Hintergründe sehen sehr realistisch aus. Die Schwarz-Weiß-Optik versetzt euch direkt in die 1940er-Jahre.

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Chicken Police besticht durch einen einzigartigen Noir-Stil. Das Spiel größtenteils in einer schwarz-weiß Optik gehalten und versprüht einen unglaublich tollen und atmosphärischen Flair. Hinzu kommen die anfangs grotesk erscheinenden Tierfiguren mit menschlichen Körpern, die das Gesamtbild zu einem unvergleichlichen Titel avancieren lässt. Das Setting orientiert sich dabei an den Noir-Filmen der 1940er-Jahre und die Hintergründe der Ortschaften sehen passend dazu überaus realistisch aus mit viel Liebe zum Detail. Der Soundtrack fängt ebenfalls diesen Flair perfekt ein und untermalt die Geschichte mit wunderschönen, jazzlastigen Melodien, die euch sofort Jahrzehnte zurückschleudern. Die Grundstimmung des Spiels ist natürlich eher düster gehalten, was auch die fehlenden Farben gut präsentieren. Die ernsteren Themen umfassen beispielsweise Rassismus gegenüber bestimmten Tierarten, hauptsächlich gegen Insekten, Mord sowie Prostitution. Dennoch ist Chicken Police gespickt mit einem zynischen Humor, der vor allem in den Dialogen des gackernden Duos stark zum Einsatz kommt und viele komische Momente bereithält. Die Welt von Chicken Police fühlt sich trotz der Bizarrheit lebendig an und man würde gerne noch viel mehr Zeit in Clawville verbringen – genug weitere Geschichten würde es in dieser Spielwelt mit all ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten zuhauf zu erzählen geben. Nach einem circa acht- bis zehnstündigem Trip endet jedoch die spannende Geschichte und ihr dürft den Abspann bewundern.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Johannes Bausch

Chicken Police entpuppt sich für mich zu einer der Überraschungen des Jahres. Als ich zum ersten Mal Bilder davon sah, wusste ich nicht so recht, wie ich dieses Spiel richtig einordnen sollte. Die vermenschlichten Tiere hinterließen zuerst einen bizarren Eindruck, andererseits weckte das wunderschöne Noir-Setting eine große Neugier. Nach dem Starten wurde ich sofort in den Sog gezogen, die Geschichte rund um die wieder auferstandene Chicken-Police um Sonny Featherland und Marty McChicken ließ mich erst nach dem Abspann wieder los. Das Point & Click Detektiv-Abenteuer rund um das Aufklären einer bedrohten Mandantin verschlägt euch an die verschiedensten Orten von Clawville und lässt euch tief in die Stadt sowie die Geheimnisse deren Bewohner einblicken. In Verhören werden diese aus den Figuren herausgekitzelt und fügen ein düsteres Gesamtbild zusammen. Der fantastische schwarz-weiße Artstyle mit einem grandios passenden Soundtrack fängt den Flair der 1940er-Jahre Noir-Filme perfekt ein. Die vielen optionalen Hinweise sowie Notizen der Bewohner erwecken die Spielwelt zu einer glaubhaften Umgebung. Sehr gerne wäre ich noch tiefer in diese eingetaucht, nach rund acht Stunden endete die spannende Reise jedoch. Trotzdem bietet die Welt auch mit den vielen vergangenen Ereignissen zahlreiche Gelegenheiten für weitere Geschichten, denn die Chicken-Police hat noch sehr viel Potenzial auf Lager und wird hoffentlich in einer Fortsetzung weitergeführt. Das gesamte Spiel wurde zudem auf Deutsch übersetzt.
Mein persönliches Highlight: Das Zusammenwirken der legendären Chicken-Police.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • nicht_der_echte_Link

    Zocker-Spinne

    Interessant, hatte das Spiel auch neulich irgendwo gesehen... Jetzt bin ich doch recht neugierig geworden.

  • Kabuki-Ende

    noch nicht ganz am Ende...

    unterhaltung pur? könnte was werden

  • Muchs

    Turmknappe

    Ich lade mir keine Spiele herunter. Warum gibt’s das nicht physisch?

  • Brateule

    Turmknappe

    Ich lade mir keine Spiele herunter. Warum gibt’s das nicht physisch?

    Die neue Generation will das so. Klar ist das Schade, besonders wenn man verkaufen, tauschen oder verleihen möchte.. kein aber. Vielleicht streamst du sogar nur noch die Games in Abo-Form in 10 Jahren!?