Unterwegs mit einer sprechenden Sanduhr ...

Ich war noch nie ein riesiger Fan davon, Videospiele auf Smart Devices zu spielen. Zwar gibt es Ableger wie Mario Kart Tour, welche durchaus Spaß machen, das liegt aber aller Voraussicht nach an der Bindung, die ich zur Spielereihe habe. Seven Knights -Time Wanderer- ist zwar kein Spiel für Smartphones, orientiert sich jedoch an seinen Vorgängern, welche für eben diese erschienen sind. Wie gut der Sprung auf die Konsole geklappt habt, erfahrt ihr in unserem Test.


In Seven Knights -Time Wanderer- schlüpft ihr in die Haut von Vanessa, welche durch ein Missgeschick ein Dimensionstor durchschreitet. Hierbei trifft sie auf die magische Sanduhr Sandy, mit welcher sie sich auf den Weg macht, zurück nach Hause zu finden. Dabei betreten sie immer wieder neue Dimensionen und freunden sich nach und nach mit dort ansässigen Charakteren an, welche sich zum Großteil eurer Gruppe anschließen. Erzählt wird die gesamte Story zum größten Teil durch Textboxen, nur selten kommen auch kleinere Sprachsequenzen vor. Das hat zur Folge, dass die Story einen nicht wirklich mitreißt, da man nur schlecht eine echte Bindung zu den Charakteren aufbaut.


Ein Spielerlebnis mit Höhen und Tiefen


Einteilen kann man das Spielerlebnis in insgesamt zwei Phasen. Zum einen gibt es eine Art Hauptquartier, in welchem ihr eure Energie auffrischen, neue Rüstungen und Waffen erwerben oder eure Fähigkeiten verbessern könnt. Den zweiten Teil des Spiels machen die Reisen durch die einzelnen Dimensionen aus, in welchen ihr nicht nur eure Heimat sucht, sondern auch Schatztruhen findet, weitere Charaktere rekrutiert und vor allem Kämpfe bestreitet. Leider ist die Reise durch die Dimensionen nicht so spannend, wie sie klingt, da diese nicht frei erkundbar sind. Stattdessen bewegt ihr euch nur über eine Art Spielbrett fort. Das führt leider schnell zu Monotonie, auch wenn man versucht hat, dies durch kleinere Nebenquests aufzulockern.


Vor allem die Kämpfe zeigen deutlich, dass es sich eher um ein Spiel für Smart Devices handelt.

© Netmarble

Das für mich beste Feature sind letztlich die Kämpfe, wenngleich auch diese ihre Probleme haben. Trefft ihr in den Dimensionen auf einen Feind, könnt ihr diesem mit eurer selbstdefinierten Gruppe aus bis zu fünf Mitgliedern entgegentreten. Jeder eurer Charaktere verfügt hierbei über zwei normale Fähigkeiten und eine Spezialattacke, welche sich jedoch erst aufladen muss. Das Repertoire ist hierbei kein unbekanntes. Manche Charaktere können ordentlich Schaden austeilen, andere heilen die Gruppe und wieder andere sorgen für spezielle Buffs, die die eigenen Reihen noch weiter stärken.


Warum die Kämpfe mir so viel Spaß gemacht haben, liegt an zwei Komponenten. Zum einen gehört jeder Charakter und jeder Feind einem von vier Elementen an. Jedes dieser Elemente ist gegen ein anderes sehr effektiv oder sehr schwach. Im Kampfgeschehen erfährt man jedoch nicht von Anfang an, welcher Feind welchem Element angehört. Darüber hinaus laufen die Kämpfe komplett in Echtzeit ab. Verpasst ihr es, einen Angriff eines Charakters auszuwählen, kommt es nicht selten vor, dass man in einer Runde gar nicht zum Angriff kommt. Dies sorgt für ordentliche Spannung, welche vor allem in den Bosskämpfen ihren Zenit erreicht.


Geht ihr siegreich aus den Kämpfen hervor, sammelt ihr nicht nur Ausrüstungen für euer Team, sondern RPG-typisch auch Erfahrungspunkte. Diese verhelfen euch nach und nach zum Anstieg eures Spielerlevels, wodurch sich eure Werte erhöhen. Ab bestimmten Leveln werden außerdem eure Fertigkeiten verstärkt, sodass es durchaus Sinn macht, vor schwierigen Bossen nochmals den Kampf gegen kleinere Schergen zu wagen.


Die Charaktere können dank toller Zeichnungen allesamt glänzen.

© Netmarble

Wirklich nervig ist hingegen die Auswahl einer Attacke im Kampf. Pro Runde kann immer nur ein Kämpfer zum Gegenschlag ausholen. Problem hierbei ist, dass die Beschreibung der Attacken nur per Tastendruck eingeblendet werden kann. Dies wäre nicht sonderlich schlimm, wenn die Riege der Kämpfer klein bleibt. Bei über zehn spielbaren Charakteren, wovon jeder zwei normale und einen speziellen Angriff ausführen kann, kommt das Gedächtnis an seine Grenzen. Darüber hinaus stört der eingeblendete Text leider sehr, da er das Kampfgeschehen überlappt. Als Spieler hat man also die Wahl, ob man die Kämpfe sehen möchte und dafür blind Attacken auswählt oder eben auf das Kampfgeschehen verzichtet.


Technisch ist Seven Knights -Time Wanderer- wie erwartet, wenn man den Ursprung der Reihe als Mobilegame bedenkt. Im Kern gefallen mir die Charaktere jedoch sehr, da sie leicht an das Bravely Default-Setting erinnern. Darüber hinaus läuft das Abenteuer flüssig und kommt meist ohne großen Ladezeiten aus. Für schnelle Runden zwischendurch, die bei der Nintendo Switch ja wie bei Smart Devices möglich sind, ist der Titel somit zu haben.


Motivieren kann der Titel durchaus, was nicht zuletzt auf das Kampfsystem zurückzuführen ist. Trotz der genannten Schwächen macht dieses nämlich Spaß, was ich unter anderem auch auf deren Länge zurückführe. Mit ein bis zwei Minuten pro Kampf sind diese für schnelle Runden super geeignet. Leider ist das Abenteuer nach wenigen Stunden auch schon wieder vorbei. Danach kann man sich zwar selbst die ein oder andere Herausforderung im Spiel suchen, für einen zweiten Durchgang bekommt man im Kern aber zu wenig geboten.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Seven Knights -Time Wanderer- war am Ende genau das, was ich erwartet habe. Ein Titel, der damit beschrieben wird, sich an mobilen Vorgängern orientiert zu haben, kann einfach kein vollwertiges Erlebnis bieten. Zwar können einzelne Aspekte des Titels überzeugen und vor allem das Kampfsystem machte mir eine Menge Spaß, jedoch fühlt es sich von Beginn bis zum Ende des Abenteuers an, als wäre die Nintendo Switch nicht die richtige Plattform für den Titel. Schade ist auch, dass trotz toller Charaktere die Inszenierung unter der technisch nicht einwandfreien Arbeit leidet, da man hier ein wirklich grundsolides Paket geschaffen hat. Trotz aller Kritik können Genre-Fans einen Blick riskieren, da die wenigen Stunden Spielzeit nichtsdestotrotz unterhaltsam sind.
Mein persönliches Highlight: Die gut inszenierten Bosskämpfe, welche den gesamten Bildschirm füllen.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • Rei

    Turmheld

    Zitat

    Erzählt wird die gesamte Story zum größten Teil durch Textboxen, nur selten kommen auch kleinere Sprachsequenzen vor. Das hat zur Folge, dass die Story einen nicht wirklich mitreißt, da man nur schlecht eine echte Bindung zu den Charakteren aufbaut.

    Wie kommt man denn zu so einer Schlussfolgerung? Früher gab es nur Textboxen und teilweise überhaupt keine Grafik und trotzdem kann man Bindungen zu Charakteren und eine tolle Story erzielen. Das Medium Buch arbeitet größtenteils nur mit Textboxen, ab und zu gibt es vielleicht Grafiken und nur ganz wenige Ausnahmen haben sogar Sprachsequenzen.

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Rei auch wenn ich dir im Kern deiner Aussage zustimme, hinkt dein Vergleich in meinen Augen. Das Medium Buch lebt davon, die Fantasie des Lesers anzusprechen, wohingegen ich ein Videospiel spiele, um eben auch visuell in den Bann gezogen zu werden, vor allem, wenn ein Titel damit wirbt. Natürlich geht das beispielsweise bei Visual Novels auch anders und ich hätte es im Test eindeutiger formulieren müssen, dass die Texte wenig bis gar nicht eine Bindung zu den Charakteren ermöglichen, weshalb kleineren Sequenzen dem Spiel gut getan hätten. Meine Aussage bezieht sich rein auf das getestete Spiel und sollte nicht als allgemeingültig verstanden werde. :-)

  • Rei

    Turmheld

    Dann sollte es auch so geschrieben werden, dass es hier nicht passt.