Die Mysterien des Ashmann Inn-Hotels

Mit Remothered: Broken Porcelain erschien kürzlich ein Horror-Survival-Spiel, das als Sequel des 2017 erschienenen Titels Remothered: Tormented Fathers dient. Dieser erste Titel der Reihe heimste auf dem PC, der PlayStation 4 sowie der Xbox One gute Wertungen ein, erhielt für die Nintendo Switch-Umsetzungen aufgrund technischer Mängel jedoch eher mäßige Pressestimmen. Ob die Fortsetzung aus diesen Fehlern gelernt hat und allgemein gutes Gameplay und eine interessante Story zu bieten hat, erfahrt ihr in diesem Test.


Die Geschichte wird zumeist mithilfe kurzer Zwischensequenzen erzählt.

© Modus Games

Zu Beginn bietet einem das Spiel einen Rückblick auf die Geschichte des ersten Teils an. Hat man diesen nicht gespielt, sollte man dies keinesfalls ablehnen, da die Inhalte für die übergeordnete Story wichtig sind. Bedauerlich ist, dass diese Vorgeschichte in den Versionen für die Konkurrenzkonsolen anhand von Gameplay-Szenen aus dem Vorgänger erzählt wird, auf der Nintendo Switch geschieht dies jedoch lediglich in Form einer Textbox, die durch sehr kleine Schrift erst einmal entziffert werden möchte.


Haben wir uns also über die Vorgeschichte informiert, schlüpfen wir in die Haut von Jennifer, einem Zimmermädchen im Ashmanns Inn. Nachdem sie von der Mädchenschule verbannt wird und sich mit ihrer Freundin streitet, verhält sich zu allem Überfluss ihre Arbeitskollegin Andrea plötzlich sehr sonderbar. Sie bedient Gäste, die gar nicht da sind, und greift uns unvermittelt an. Motten schwirren um sie herum, sie verfolgt uns und scheint nach unserem Tod zu trachten. Wir müssen fliegen und Hilfe finden, nicht zuletzt aber auch herausfinden, was geschehen ist. Bereits aus der Vorgeschichte wissen wir, dass die Remothered-Reihe davon handelt, dass aus gezüchteten Motten eine Droge synthetisiert wird. Wer diese nimmt, geht das Risiko ungeahnter Nebenwirkungen ein, was direkt zu Beginn unserer Reise an unserer Kollegin Andrea deutlich wird. Ist uns die Flucht vor ihr gelungen, gibt es zahlreiche Geheimnisse rund um das Ashmanns Inn, die es zu lüften gilt. Wir erleben in der Geschichte in Ausschnitten aus der Vergangenheit und der Zukunft sowie durch unsere Erlebnisse mit Jennifer in der Gegenwart, was es mit all den Mysterien auf sich hat.


Unsere Kollegin Andrea macht uns das Leben zur Hölle. Hier müssen wir unbemerkt einen Schlüssel stibitzen.

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Neben der Geschichte gehört das Survival-Gameplay zum Kern des Spiels. Wir bewegen uns vorsichtig, häufig schleichend, durch das Hotel und müssen uns mit Gegenständen ausrüsten, die im Hotel zu finden sind. Diese können wir zur Verteidigung oder zum Ablenken nutzen. Mithilfe eines einfachen Crafting-Systems können wir zwei Gegenstände miteinander kombinieren. Das Ergebnis können wir etwa auf unseren Verfolger werfen, um uns einen kleinen zeitlichen Vorsprung zu erwirken. Werden wir verfolgt, müssen wir uns in erster Linie passiv verhalten: Es gilt, den Verfolger abzuhängen, indem wir weglaufen und uns bestenfalls ungesehen in einem Schrank oder ähnlichem Mobiliar verschanzen. Hat uns der Verfolger bereits stärker verletzt, können wir mithilfe eines Messers einmal unseren Tod abwenden, der nächste Angriff unseres Gegners beschert uns jedoch das sichere Game Over. Zu den wichtigsten Gameplay-Elementen gehört im späteren Verlauf auch das Steuern einer Motte, was zum Weiterkommen an manchen Passagen notwendig ist.


So weit, so gut. Sowohl die Story als auch das Gameplay von Remothered: Broken Porcelain mögen zunächst einmal vielversprechend klingen und Lust auf den Einstieg in die mysteriöse fiktive Welt erzeugen. Doch taucht man in das Spiel ein, kommt zunächst einmal bei dem Anblick der technischen Umsetzung nur Enttäuschung auf. Ein cineastisch inszeniertes Abenteuer, wie es der Publisher uns verspricht, erwartet uns jedenfalls nicht.


Zwar besitzt Remothered: Broken Porcelain grundsätzlich einen ästhetischen farblichen und optischen Stil, doch das Spiel ist auf der Nintendo Switch bedauernswerterweise grafisch sowie technisch miserabel umgesetzt. Die Texturen sind im hohen Maße schwammig, immer wieder ploppen Grafiken in der Nähe auf oder Verschwinden und man clippt nicht selten mit der Kamera durch Wände. Einmal fror der Bildschirm für einige Sekunden ein, sodass ich dachte, das Spiel würde abstürzen; doch es handelte sich um eine Ladezeit für eine Zwischensequenz, die nun folgte. Auf dem Papier kommt das Spiel mit einer deutschen Sprachausgabe daher, diese lässt sich im Menü sogar einstellen. Dennoch sprechen die Charaktere ausschließlich auf Englisch. Zwar funktionieren zumindest die deutschen Untertitel und kommen mit einer guten Orthografie daher, doch vereinzelt fehlt auch hier mal eine Textzeile. All diese Kritikpunkte sind mir übrigens in den ersten Spielminuten aufgefallen, was für eine desaströse Portierung spricht. Man muss das Spiel mitnichten nach grafischen Fehlern und Bugs durchsuchen, sie sind allgegenwärtig. Von einem stimmigen Gesamtbild ist Remothered: Broken Porcelain somit leider weit entfernt. Tatsächlich verrät ein Blick auf die Versionen der anderen Konsolen, dass sich die Grafik hier auf einem deutlich höheren Niveau befindet, Bugs soll es hier jedoch auch zahlreiche geben, sodass es sich auch unabhängig von der Nintendo Switch nicht um ein technisch solide inszeniertes Werk handelt.


Immer wieder treten kleinere Bugs auf, so auch dieser Anzeigefehler. Die Punkte zeigen eigentlich an, wohin wir einen Gegenstand werfen.

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Doch mal abgesehen von der mangelhaften Technik, wie steht es um die Horror-Atmosphäre und um die Story? Kann das Spiel womöglich in anderen Bereichen punkten? Die sich entfaltende Geschichte ist grundsätzlich interessant erzählt. Man findet überall im Hotel kleinere Hinweise wie Bilder oder Broschüren, die einen zusätzlich mit Hintergrundwissen zum Ashmanns Inn versorgen. Leider springt der Funken nicht so ganz über, was natürlich an den technischen Mängeln liegt, die ein atmosphärisches Erlebnis kaum zulassen. Lässt man sich von diesen nicht allzu sehr frustrieren, wartet das Spiel dennoch mit einer soliden Geschichte auf, die so manches Mysterium birgt. Sie wird allerdings etwas zu hektisch und wirr erzählt, sodass ich das Gefühl hatte, inhaltlich nicht ganz hinterherzukommen. Vielleicht gelingt es Fans des Vorgängers, tief in die hier vorliegende Geschichte einzutauchen – mir fiel dies ungemein schwer.


Die Soundkulisse des Titels kommt sehr stimmungsvoll daher, authentische Horror-Vibes kommen jedoch selten auf. Dies liegt mitunter an den nicht immer realistisch wirkenden Reaktionen der Charaktere. So haben die Verfolgungsjagden bei mir zu Beginn immer lange gedauert, da die Verfolgerin mich auch dann in Schränken oder Truhen gefunden hat, wenn sie in einem anderen Raum war, als ich mich darin verschanzte. Es bedarf viel Herumprobieren und frustrierende Momente, bis man sich in das Gameplay eingefunden hat. Aufgrund der unangemessen langen Ladezeiten war jeder Tod zusätzlich frustrierend. Eine willkommene Abwechslung zu diversen Story-Abschnitten und den Verfolgungsjagden gibt es übrigens nicht, sodass das Gameplay recht einseitig erscheint. Auch der Fortschritt in der Story hat mir leichte Schwierigkeiten bereitet, so war mir nicht immer klar, was nun im nächsten Schritt zu tun ist, da die Zielvorgaben sehr oberflächlich beschrieben werden. Allgemein setzen sich die Aufgaben stets daraus zusammen, dass ich an einer Stelle nicht weiterkomme und den passenden Schlüssel oder Weg finden musste. Hat man den Dreh einmal raus, ist das Spiel jedoch nicht unbedingt schwer. Die Spielzeit hängt davon ab, wie geschickt man sich gibt und wie hoch das eigene Interesse ist, die Umgebungen sorgfältig zu erkunden; man kann grob mit einer Zeit von sechs Stunden rechnen.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Laura Strack

Auf dem Papier klingt Remothered: Broken Porcelain nach einem spannenden Vertreter des Horror-Survival-Genres, doch die Umsetzung ist voller Mängel. Aufgrund der zahlreichen grafischen und technischen Defizite konnten sich die positiven Komponenten des Spiels, etwa die vielversprechende Story und die stimmungsvolle Soundkulisse, nicht vollends entfalten. Zumal auch diese Komponenten nicht zufriedenstellend umgesetzt wurden. Das ist umso bedauerlicher, da man dem Spiel ansieht, welche Ambitionen die Entwickler verfolgt haben und welch großes Potenzial verschwendet wurde. Man kann im Groben erahnen, welch gelungenes Horror-Survival-Erlebnis sich hätte entfalten können, wenn die Entwicklungszeit länger ausgefallen wäre. In seiner aktuellen Form kann ich das Spiel nur denjenigen empfehlen, die bereits den ersten Teil der Reihe genossen haben und darüber hinaus eine gewisse Frustrationstoleranz aufweisen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Zach

    Turmheld

    Den Vorgänger fand ich eigentlich selbst auf der Switch ganz gut, sodass ich mich auf den Nachfolger eigentlich gefreut hatte.

    Schade...

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Finde es immer schade von potentiellen Titeln zu lesen, ja technisch schwach. Es bricht mir das Herz, warum nicht einfach sagen, es geht nicht und es dabei belassen, das wäre nur ein kurzer Stich aber so wirkt es wie Cashgrab und man hat ja was entwickelt und das hat gekostet, also publishen wir das so und gut ist....

    Jetzt mal abseits von dem Desaster, mittlerweile vertraue ich keinem Switch Game mehr und denke erstmal das ist eh wieder nur schlecht geportet oder schlecht programmiert extra für Switch und die Entwicklung tut mir noch mehr weh

  • rongar

    Turmbaron

    nikothemaster Ist auf der PS4 aber auch ein technischer Reinfall, nicht das die Leute meinen, es ist nur auf der Switch so.