Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen!

Berufssimulatoren sind im Laufe der Jahre immer mehr in der Spielebranche angekommen. Cooking Simulator, Landwirtschaftssimulator, Feuerwehrsimulator und Goldgräbersimulator, diese Liste könnte endlos weitergeführt werden. Selbst Berufssimulatoren für zwielichtige Geschäfte, wie der Thief Simulator und der Drug Dealer Simulator, sind vorhanden. Doch funktioniert das Konzept auch mit einem weniger aufregenden Beruf? Wie viel Spaß kann man als virtueller Busfahrer erwarten? Wenn ihr das schon immer wissen wolltet, dann könnte dieser Test genau richtig für euch sein.


Diese fünf vordefinierten Routen stehen euch in Köln zur Verfügung. Zusätzlich könnt ihr selbst welche anlegen.

© KishMish Games

Das grobe Konzept ist sehr schnell erklärt: Als Busfahrer ist es eure Aufgabe, alle Haltestellen eurer Route pünktlich anzufahren bzw. auch wieder pünktlich abzufahren. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn immerhin müsst ihr euch noch an die gängigen Verkehrsregeln halten. Nicht bei Rot über die Ampel fahren, keine Fahrzeuge oder gar Passanten anfahren und immer schön auf der Straße bleiben. Das Setzen eines Blinkers ist zwar mit den Schultertasten möglich, jedoch werdet ihr nicht bestraft, solltet ihr es einmal vergessen. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden nicht geprüft. Ihr könnt jedoch mit eurem unhandlichen Bus ohnehin nicht mit Vollgas durch die Stadt brettern ohne überall dagegen zu fahren. Pro aufgesammeltem Fahrgast bekommt ihr ein paar Rubel, die Währung des Spiels, am Ende der Fahrt gutgeschrieben. Kommt ihr zu spät an einer Haltestelle an, fahrt zu früh oder mit offener Tür los oder missachtet die Verkehrsregeln, so werden euch Rubel abgezogen. Dies wird jedoch alles innerhalb dieser Route verrechnet und ihr könnt am Ende der Route nicht mit einem negativen Betrag bestraft werden. Da ihr jedoch zwischendurch auch Tanken müsst, sind solche schlecht gelaufenen Routen dennoch ein Minusgeschäft. Dieses Konzept zieht sich durch alle zwei (drei mit Tutorial) Spielmodi durch.


Der spannendste Spielmodus dürfte der Karriere-Modus sein. In diesem könnt ihr eure Routen in der russischen Stadt Serpukhov oder in der deutschen Stadt Köln abfahren. Für Serpukhov steht zusätzlich noch der anspruchsvollere Winter-Modus zur Verfügung, der euch mit Schnee und vereisten Fahrbahnen die Fahrt schwerer macht. In beiden Städten gibt es bereits vordefinierte Routen, die immer länger und schwieriger werden. Der Zeitplan ist jedoch auch noch individuell anpassbar. Habt ihr öfters Probleme, rechtzeitig vom Kölner Krankenhaus zur WiSo Fakultät zu kommen, dann könnt ihr beispielsweise die Ankunft an der Fakultät um ein paar Minuten nach hinten verschieben. Dies muss leider für jede Station extra angepasst werden. Ein generelles Verzögern der Ankunftszeit bei allen Stationen um einige Minuten ist nicht möglich. Neben den vordefinierten Routen könnt ihr euch auch eigene Routen anlegen. Hier stehen euch alle Haltestellen der Stadt zur Verfügung, aus denen ihr dann eure Lieblingshaltestellen in beliebiger Reihenfolge auswählen könnt. Auch auf die zuvor ausgewählte Stadt seid ihr nicht dauerhaft festgelegt. Ihr könnt zu beliebigen Zeitpunkten über das Hauptmenü in die andere Stadt oder den Winter-Modus wechseln. Euer bisheriger Erfolg wird in der neuen Stadt einfach weitergeführt.


Die einzelnen Städte wurden vom Entwicklerteam in der beliebten Spiele-Engine Unity nachgebaut und mit Kartenmaterial von OpenStreetMaps aufbereitet. Entlang der Routen wurde die Wirklichkeit authentisch mit den entsprechenden Texturen ausgestattet. Dies lässt sich beispielsweise am Kölner Café Braun in der Lindenstraße sehr gut erkennen. Leider wurden nicht alle Straßen eines Stadtgebiets nachgebaut, sodass ihr nicht nach Belieben die Stadt abfahren könnt, sondern auf mehr oder weniger fest vorgegebene Strecken begrenzt seid. Dies lässt sich an roten „Verbot der Einfahrt“-Schildern, die in der Luft schweben, erkennen.


Die Nachbildung der Städte orientiert sich an der Wirklichkeit. Hier das Café Braun in Köln.

© KishMish Games

Nachdem ihr eure Fahrt im Karriere-Modus beendet habt, könnt ihr in der Stadt noch ohne festgelegte Route weiterfahren. Diese Zeit könnt ihr beispielsweise nutzen, um euren Bus noch einmal vollzutanken, oder ihr fahrt direkt zur nächstgelegenen Garage und beginnt mit der Planung der nächsten Route. Dort könnt ihr außerdem die Uhrzeit ändern und so beispielsweise auch eine Nachtfahrt durchführen. Zusätzlich könnt ihr hier auch euren Bus umgestalten bzw. einen neuen erwerben. Alternative Vorhangdesigns, eine andere Farbe, ein neuer Motor, mehr Türen und bessere Bremsen sind nur einige Beispiele für Veränderungen, die ihr vornehmen könnt. Eine teurere Investition ist es, einen neuen Bus zu kaufen. Leider könnt ihr euer altes Fahrzeug nicht in Anzahlung geben, sondern müsst den neuen Bus direkt bar bezahlen. Anschließend könnt ihr nach Belieben zwischen den Busmodellen hin- und herwechseln. Jeder Bus unterscheidet sich in der Anzahl der Passagierplätze, in der Geschwindigkeit, im Benzinverbrauch sowie in den Umgestaltungen, die ihr kaufen könnt.


Im Szenario-Modus habt ihr weniger Freiheiten als im Karriere-Modus. Ihr könnt zwar weiterhin eure Stadt auswählen, danach stehen euch aber nur feste Szenarien zur Verfügung. Diese geben euch die Route und den zu verwendenden Bus bereits vor. Auch die Anpassungsmöglichkeit bei den Haltezeiten entfällt, sodass hier euer ganzes Können gefragt ist. Jedes Szenario besteht anschließend noch aus einem Ziel. Dieses liegt in den meisten Fällen in einer bestimmten Menge an Rubel, die ihr verdienen müsst. Bei erfolgreichem Abschluss schaltet ihr so nacheinander alle Szenarien frei, wobei auch hier der Fortschritt zwischen den Städten geteilt wird. Habt ihr in Köln das erste Szenario geschafft, könnt ihr somit auch direkt in Serpukhov mit dem zweiten weitermachen.


Die Steuerung des Busses ist schwierig und unterscheidet sich teilweise auch von Bus zu Bus. Mal reagiert das Lenkrad zu genau, mal müsst ihr kurbeln ohne Ende. Innerhalb der Einstellungen findet ihr einen Regler, der die Empfindlichkeit des Lenkrads beeinflusst. Hier solltet ihr einige Versuche unternehmen, bis ihr die für euch beste Einstellung gefunden habt. Während ihr den Bus mit dem Analog-Stick steuert, betätigt ihr mit ZR das Gaspedal. Mit ZL bremst ihr, fahrt bedauerlicherweise aber auch nach dem Stillstand rückwärts. Das funktioniert zwar bei Rennspielen super, da müsst ihr aber auch nicht alle paar Meter an einer Haltestelle bremsen. So passiert es euch sehr leicht, dass ihr zwar an der Haltestelle ankommt, jedoch noch langsam rückwärts rollt. Hier ist ein Blechschaden vorprogrammiert. Besser ihr zieht zusätzlich noch mit der B-Taste die Handbremse.


Grafisch hat das Spiel leider nicht viel zu bieten. Die Texturen wirken matschig und in die Jahre gekommen. Auch bei den Fahrgästen herrscht wenig Abwechslung. Besagte Stadtbewohner verhalten sich zudem auch teilweise noch sehr merkwürdig. So starren sie beispielsweise in ihre Hände (vermutlich sollte hier noch ein Smartphone zu sehen sein), reden mit leeren Nachbarplätzen oder bewegen sich zombieartig auf den Bus zu. Auch beim Ein- und Aussteigen verhalten sie sich ungewöhnlich. So stürmen immer alle durch die gleiche Tür, auch wenn die vordere und hintere Tür offen sind. Dies verzögert die Haltezeit enorm, da immer erst alle aussteigen und danach erst die neuen Gäste durch dieselbe einsteigen. Hier wäre ein natürlicheres Verhalten wünschenswert gewesen.


Für die Nintendo Switch unterstützt das Spiel derzeit nur den englischen Bildschirmtext. Da es in der PC-Version bereits mehrere Sprachen (unter anderem Deutsch) gibt, kann man davon ausgehen, dass hier in einem der nächsten Patches Abhilfe geschaffen wird. Da die englischen Texte überwiegend nur in den Menüs zu sehen sind, stört dies aber auch nicht weiter. Als kleine Spielerei lässt sich die Hintergrund-Musik in Form eines Radios während der Fahrt jederzeit an- und abschalten. Leider werden hier nur Musikstücke abgespielt, eine gelegentliche Unterbrechung durch einen Moderator hätte hier den Eindruck eines echten Radios nochmals verstärkt.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Philipp Freibauer

Der Bus Driver Simulator zielt definitiv auf Spieler ab, die gerne Simulationen spielen. Leider fehlt diesem Simulator jedoch ein wenig die Tiefe, die anderen Genreprodukten gerade den Spielspaß verpasst. Während die ersten zwei bis drei Fahrten sich noch aufregend anfühlen, schleicht sich sehr schnell eine gewisse Monotonie ins Spiel ein. Die Hauptspielschleife ist zu eintönig. In der Beschreibung wird zwar Abwechslung in Form von Staus und Verkehrsunfällen versprochen, diese konnte ich während meines ganzen Tests aber nie erleben. Und ob dadurch so viel Abwechslung entsteht, bezweifle ich auch ernsthaft, da man nämlich nur auf den Hauptstraßen fahren kann und nicht auf beliebige Seitenstraßen ausweichen kann. Wer jedoch nach einem harten Tag abends einfach nur abschalten und zur Ruhe kommen will, kommt vermutlich in diesem Spiel auf seine Kosten. Der Bus Driver Simulator kratzt preislich allerdings bereits am oberen Limit von dem, was ein Gelegenheitssimulator kosten sollte. Kleiner Trost: Im Gegensatz zur PC-Version sind bei der Nintendo Switch immerhin schon alle DLCs enthalten.
Mein persönliches Highlight: Meine persönliche Bestleistung von 2500 Rubel auf einer Fahrt.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 2

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Also wenn das Spiel rasch monoton wird, halte ich es ehrlich gesagt für eine absolut gelungene Simulation.

  • hobbit2k

    Turmritter

    Ich fahr grad Stunde um Stunde den Train Sim auf der Xbox :ugly:. Busfahrer reizt mich weniger.