Musikalische Reise durch die Welten von Kingdom Hearts

Als Kingdom Hearts, ein Action-RPG, welches die Welten von Final Fantasy und Disney miteinander verbindet, im Jahr 2002 veröffentlicht wurde, war vermutlich noch nicht abzusehen, welchen Erfolg dieses Konzept einmal haben würde. Bis heute wurden auf verschiedensten Konsolen und Handhelds bereits achte Teile der Hauptreihe, mehrere HD-Remakes und Kollektionen sowie auch das ein oder andere Spin-Off veröffentlicht. Bei einer derart großen Auswahl an Spielen ist es selbstverständlich, dass sich auch eine große Menge an Musiktiteln in Form verschiedener Soundtracks angesammelt hat. Diese Lieder sind für Kingdom Hearts-Fans mindestens genau so ikonisch wie Songs aus anderen großen Videospielreihen. Zudem stammt die Musik aus den zahlreichen von Disney-Filmen inspirierten Welten, die für viele, die die Filme aus ihrer Kindheit kennen, oder vielleicht schon mit ihren eigenen Kindern angesehen haben, mit einer ordentliche Portion Nostalgie im Gepäck. Leider kamen Nintendo-Fans bisher nur selten in den Genuss eines neuen Ablegers der Serie, doch dies änderte sich kürzlich, als das Rhythmus-Spin-Off Kingdom Hearts: Melody of Memory am 13. November unter anderem für die Nintendo Switch veröffentlicht wurde. Bereits vorab konnten wir uns mithilfe einer Demoversion einen ersten Eindruck vom Gameplay des Musikspiels machen. Nun aber haben wir uns für euch auch endlich den Story-Modus und weitere zuvor noch nicht verfügbaren Elemente des Spiels ansehen können und einem gründlichen Test unterzogen.


Rhythmus-Gameplay in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Ausführungen


Das Prinzip von Kingdom Hearts: Melody of Memory lässt sich schnell erklären. Die ausgewählten Charaktere, meist ein Dreiergespann, bewegen sich auf einer Schiene, die eine einer Notenzeile nachempfunden wurde, durch verschiedene 3D-Level, während euch Gegner entgegenkommen, die ihr im Takt der Musik bezwingen müsst. Hierbei verlangt das Spiel verschiedene Eingaben von euch: Normale Noten, die durch Gegner oder Fässer bzw. Kisten dargestellt sind, trefft ihr durch Drücken von A sowie der Schulter- oder Z-Tasten – des Öfteren müsst ihr mehrere gleichzeitig treffen, indem ihr beispielsweise zwei der genannten Tasten oder auch alle drei simultan drückt. Magische Kristalle kann der Teamanführer mithilfe der X-Taste aktiveren, um stärkere oder abseits der Notenzeile schwebende Gegner aus dem Weg zu räumen. Mit dem B-Knopf kann der Teamanführer springen, um entweder feindlichen Geschossen auszuweichen, in die Luft zu springen, um dann schwebenden Gegnern eins auf die Mütze zu geben, oder durch Gedrückthalten des Knopfes durch die Luft gleiten, um grüne Noten einzusammeln. Auch wenn sich das anfangs etwas kompliziert anhören mag, so kommt man relativ schnell in das Gameplay hinein und weiß schon nach kurzer Zeit, welcher optische Input mit welchem Tastendruck verbunden ist.


Das klassische Trio: Sora, Donald und Goofy sind die bekanntesten Helden der Kingdom Hearts-Reihe.

© Disney/Pixar, SQUARE ENIX

Dabei hilft vor allem die Differenzierung in drei Schwierigkeitsgrade: Anfänger, Normal und Profi. Die Faustregel hierbei ist: Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto mehr Eingaben werden bei einem Song von euch erwartet. Doch wer nun glaubt, dass die beiden niedrigen Schwierigkeitsgrade einfach abgespeckte Versionen der Profi-Songs darstellen, darf sich auf mehr Abwechslung freuen. So leicht hat es sich Square Enix nämlich nicht gemacht. Teilweise spielen sich ganze Passagen aus demselben Song auf den verschiedenen Schwierigkeitsgraden völlig unterschiedlich. Eine Stelle mit normalen Gegnern auf dem Anfänger-Schwierigkeitsgrad könnte auf Normal beispielsweise eine Gleitflugpassage sein. Dadurch ist jede Schwierigkeit an sich eine ganz eigene Herausforderung. Zugegeben, der Anfänger-Schwierigkeitsgrad ist jedoch, nachdem man das Spiel erst einmal für eine Weile gespielt hat, keine wirkliche Herausforderung mehr.


Ziel des Rhythmus-Gameplays ist es grundsätzlich, möglichst viele Töne zu treffen. Drückt ihr zu früh oder zu spät, läuft einer der Charaktere in den Gegner und nimmt Schaden. Ist die KP-Leiste, die alle Charaktere miteinander teilen, aufgebraucht, gilt das Lied als nicht geschafft und ihr müsst von vorne beginnen. Je präziser ihr die Töne trefft, desto besser fällt eure Bewertung aus. Je mehr Töne in Folge ohne Fehler getroffen werden, desto höher eure Combo-Serie und damit auch die Punkte, die ihr für jeden getroffenen Ton erhaltet. Die Gesamtpunktzahl pro Song wird am Ende als Highscore festgehalten. Besonders hoch fällt diese bei einer "Perfekten Serie" aus, also immer dann, wenn ihr alle Töne eines Songs getroffen habt. Wahre Meister können sich sogar daran versuchen, jede einzelne Note mit "Super" oder sogar "Regenbogen-Super" zu treffen. Dabei hilft euch eine Ringanzeige, die sich um die Töne herum stetig verkleinert und somit einen Hinweis auf das Timing gibt. Drückt ihr genau dann, wenn sich der Ring mit dem Notensymbol deckt, erhaltet ihr die beste Bewertung.


Bei der Weltenreise geht es per Gummischiff von Welt zu Welt.

© Disney/Pixar, SQUARE ENIX

Das Herz des Spiels ist zweifelsfrei der Story-Modus, der sich Weltenreise nennt und euch in zahlreiche Welten aus den verschiedenen Kingdom Hearts-Titeln entführt. Mit dem bekannten Gummischiff fliegt ihr auf der Weltkarte umher und könnt die Songs über die einzelnen Welten auswählen. Die 3D-Hintergründe, durch die ihr euch bei den Liedern bewegt, sind dabei den Welten aus den Kingdom Hearts-Spielen nachempfunden. Währendessen sollt ihr außerdem noch jeweils drei Missionen erfüllen, um Sterne zu verdienen. Die Auswahl an verschiedenen Missionen ist dabei recht klein, sodass sie sich immer wiederholen. Beispiele dafür wären eine bestimmte Punktzahl zu erreichen, besondere Gegner zu besiegen oder das Level auf einem bestimmten Schwierigkeitsgrad abzuschließen. Mit den verdienten Sternen lassen sich verschlossene Türen öffnen, die den Pfad zur nächsten Welt versperren. Am Ende bestimmter Welten erwartet euch außerdem eine Zwischensequenz.


Im Laufe der Weltenreise bekommt ihr die gesamte Geschichte der Kingdom Hearts-Hauptreihe nacherzählt. Diese wird von Kairi, einer der Hauptfiguren der Serie wiedergegeben, die sich in ihren Erinnerungen auf die Suche nach dem vermissten Sora begibt. Die Geschichte beschränkt sich jedoch auf den Hauptkonflikt zwischen Gut und Böse, also zwischen Sora, seinen Freunden und den anderen spielbaren Charakteren gegen die Herzlosen, Niemande und die Mitglieder der Organisation 13. Sie wird in Form von Zusammenschnitten der Zwischensequenzen aus den verschiedenen Spielen in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln veranschaulicht. An mehreren Stellen erhaltet ihr die Möglichkeit, weitere Teams freizuschalten, sodass ihr mit verschiedenen Charakteren aus den Kingdom Hearts-Spielen in den Kampf ziehen könnt. Neben dem klassischen Team mit Sora als Teamführer, gibt es das Team "Days" mit Roxas im Zentrum, das Team "3D" mit Riku in der Hauptrolle sowie das Team "Birth Before Sleep" rund um die Heldin Aqua. Alle Teams spielen sich jedoch gleich, sodass es sich lediglich um einen kosmetischen Effekt handelt. Die Handlung der einzelnen Welten, für die Kingdom Hearts so bekannt ist, wird entweder nur oberflächlich in einem Satz während einer Zwischensequenz oder auch gar nicht behandelt. Somit bietet Melody of Memory leider keinen vollständigen Handlungsüberblick, was gleichzeitig aber auch bedeutet, dass man die anderen Spiele auch nach dem musikalischen Spin-Off in vollen Zügen genießen kann. Diverse Charaktere aus den Disney-Welten, die oftmals auch in den jeweiligen Spielen dem Team beigetreten sind, sind für einzelne Songs als Gastcharaktere mit von der Partie und ersetzen dabei entweder den linken oder rechten Charakter aus dem dynamischen Trio. Am Gameplay ändert sich hierbei jedoch im Prinzip nichts, lediglich einige Gegner werden durch Freundeskugeln ersetzt, die man jedoch trotzdem treffen muss, weil sie einen beschädigen, wenn man gegen sie läuft. Mehrere Disney-Universen, die in den Kingdom Hearts-Spielen vertreten waren, fehlen jedoch auch gänzlich in Melody of Memory. Dazu gehören zum Beispiel die Welten von Winnie Puuh oder Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik.


Die Bosskämpfe sind eindrucksvoll inszeniert. Hier geht es Malefiz an die Hörner.

© Disney/Pixar, SQUARE ENIX

Für Abwechslung sorgen zudem weitere Songtypen, die mit einem etwas veränderten Gameplay daherkommen. Neben den normalen Kampftiteln, bei denen ihr euch auf der zuvor erwähnten Notenzeile gegen typische Gegner aus den verschiedenen Kingdom Hearts-Spielen behaupten müsst, warten ab und zu auch Bosskämpfe auf euch, die aus Angriffs- und Verteidigungsphasen bestehen. Leider lassen sich diese an einer Hand abzählen, sind aber dennoch eine willkommene Abwechslung zu den normalen Liedern. Außerdem gibt es noch die sogenannten "Erinnerungstauchgänge", bei denen ihr euch nicht durch eine Welt bewegt, sondern die Noten mit einer Zwischensequenz im Hintergrund über den Bildschirm fliegen. Bei beiden Varianten sind die Eingaben, die ihr tätigen müsst, etwas verändert. Die normalen Noten bleiben bestehen und können weiterhin durch Drücken von A oder den Schulter- bzw. Z-Tasten getroffen werden. Anstatt Sprünge oder Gleitziele erwarten euch hier jedoch Schiebenoten, bei denen ihr einen oder beide Controlsticks in eine bestimmte Richtung drücken müsst, oder Halteziele, bei denen ihr eine der Tasten drücken, halten und zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder loslassen müsst. Obwohl diese Level eine schöne Abwechslung darstellen, kann man sich als Spieler kaum auf das Geschehen im Hintergrund, welches so schön inszeniert wurde, konzentrieren, da man die meiste Zeit über die Noten im Auge behalten muss. Bei den Erinnerungstauchgängen entpuppen sich die Zwischensequenzen gelegentlich sogar als ein Problem beim Erkennen der nächsten Noten, weil diese gerne einmal über den Zwischensequenzen verblassen können.


Am Ende der Weltenreise erwartet euch dann noch ein gänzliches neues Kapitel, die sogenannte "Letzte Welt", die Fans der Reihe mit einer neuen Geschichte erwartet. Ohne das Ende spoilern zu wollen, kann ich an dieser Stelle jedoch sagen, dass ich die gerade einmal eine halbe Stunde dauernde Storyergänzung, die aus zwei Erinnerungstauchgängen, einem Bosskampf und sonst nur Zwischensequenzen besteht, als eher langweilig und belanglos empfand. Wer also glaubt, als eingefleischter Kingdom Hearts-Fan unbedingt diese neue Handlung erlebt haben zu müssen, bevor irgendwann der nächste Teil der Hauptreihe veröffentlicht wird, kann entspannt durchatmen – hier verpasst ihr nichts.


Inhalte für Jäger und Sammler sowie weitere Modi


Für die Sammler und Komplettisten unter euch gibt es in Kingdom Hearts: Melody of Memory einiges zu tun. Für den Abschluss von Musikleveln erhaltet ihr einerseits Materialien, wie sie auch aus der Hauptreihe bekannt sind, andererseits aber auch Sammelkarten und -bilder. Die Materialien könnt ihr bei einem Mogri-Schmied gegen verschiedene Items und freischaltbare Dinge eintauschen. Hierzu gehören einige weitere Songs, Bilder sowie zufällige Sammelkarten. Die Bilder, Sammelkarten und alle zuvor gesehenen Zwischensequenzen könnt ihr in einem Museum erneut genießen. Items könnt ihr mit in die Musiklevel nehmen, um euch einen Vorteil zu verschaffen. Darunter fallen beispielsweise Tränke, die die KP im Notfall auffrischen oder ein Erfahrungsboost, der die Erfahrung, die das Team für die Songs erhält, erhöht. Durch das Aufleveln der Charaktere können deren Statuswerte verbessert werden. Was genau es allerdings bringt, wenn sich der Angriff erhöht, verstehe ich nicht so ganz, da Gegner sowieso besiegt werden, wenn man die Noten trifft, aber immerhin sorgen mehr KP dafür, dass man im Zweifelsfall öfters einen Fehler begehen kann.


Alle Songs, die ihr in der Weltenreise abschließt, werden außerdem der Liedauswahl hinzugefügt. Hier könnt ihr nach Belieben alle Titel erneut spielen, auch die, die ihr beim Mogri freischalten müsst. Außerdem freuen sich Experten hier über weitere Einstellungen bezüglich des Schwierigkeitsgrades. Neben den normalen Einstellungen könnt ihr nämlich noch den Modus wechseln, um entweder im Einzel-Modus alle Aktionen durch Drücken einer einzelnen Taste auszuführen und somit die Songs entspannter genießen zu können oder in den Performance-Modus zu wechseln, in dem noch weitere Eingaben von euch verlangt werden, zum Beispiel über die bisher noch gar nicht verwendete Y-Taste, um dadurch noch mehr Bonuspunkte zu sammeln. Hier sind alle Songs nach Welten sortiert und deutlich schneller zu finden, als wenn ihr erst die Weltkarte nach der jeweiligen Welt absuchen würdet.


CPU-Kampf gegen Donald, der sich nicht besonders geschickt anstellt. Passt irgendwie zum Charakter ...

© Disney/Pixar, SQUARE ENIX

Auch an Mehrspieler-Optionen haben die Entwickler gedacht. Zum einen ist es möglich, die Lieder zu zweit im lokalen Koop-Modus anzugehen. Hier könnt ihr gemeinsam den Punktestand in die Höhe treiben, um neue Highscores aufzustellen. Geht einem der beiden Charaktere die Gesundheit aus, könnt ihr euch gegenseitig mit der Vita-Magie heilen. Sollte sie doch einmal auf Null fallen, geht das Spiel trotzdem weiter und der andere Charakter wird automatisch wiederbelebt. Bereits in der Demo habe ich diesen Modus im Sakurai-Style mit zwei Controllern gleichzeitig angetestet und war nun gespannt, ob man auch den Story-Modus zu zweit spielen kann. Dem ist leider nicht so, weshalb der Koop-Modus leider gehörig an Bedeutung verloren hat. Auch der Modus "VS-Kämpfe" klingt wesentlich spannender, als er es letztendlich ist. Hier könnt ihr entweder gegen einen Computer-Gegner antreten, mit bis zu acht Spielern lokal um den besten Highscore kämpfen oder online gegen einen zufällig ausgewählten Gegner euer Können unter Beweis stellen. Zusätzlich zum Punktestand erhöht das Aufrechterhalten der Serie und das präzise Treffen der Noten eine Leiste, die vollständig gefüllt euren Gegenspieler mit zufällig ausgewählten negativen Effekten belegt. Dadurch wird das Gameplay etwas fordernder, wenn zum Beispiel die Noten unsichtbar werden oder ihr falsche Ziele präsentiert bekommt. Kämpfe gegen eure Freunde via Internet sind leider nicht möglich, was ich äußerst schwach finde. Gerade in Zeiten von Quarantäne und Kontaktverbot hätte ich eine Möglichkeit, mit Freunde über das Internet zu spielen – sowohl gegen- als auch miteinander – wesentlich sinnvoller gefunden als die Beschränkung auf ein lokales Spiel und Zufallsgegner. Zusätzlich müsst ihr euch erst einem "Idiotentest" unterziehen und zwei Kämpfe gegen die CPU gewinnen, bevor ihr online antreten dürft.


Das Vervollständigen des Museums wird leider aufgrund der Tatsache, dass man Sammelkarten und -bildchen auf Zufallsbasis erhält, sehr in die Länge gezogen, weshalb mir hier langfristig auch die Motivation zur Komplettierung fehlt. Dennoch finde ich es nett, dass man sich verschiedene Artworks aus fast 20 Jahren Kingdom Hearts sowie die gesammelten Zwischensequenzen aus der Weltenreise kompakt an einem Ort ansehen kann. Etwas merkwürdig finde ich aber auch hier wieder die Entscheidung der Entwickler, dass das Museum erst freigespielt wird, wenn man einen Song in der Liedauswahl abschließt, vor allem weil man den gleichen Song ja bereits zuvor im Story-Modus abschließen musste, um ihn überhaupt in der Liedauswahl zu erhalten. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht.


Let it go! Let it go! Oh nein, wie bekomme ich diesen Ohrwurm nun wieder los?

© Disney/Pixar, SQUARE ENIX

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die Songauswahl eingehen. Mit 150 Liedern aus den verschiedensten Kingdom Hearts-Spielen kann sich diese nämlich wirklich sehen lassen. Die Chance ist sehr groß, dass jeder Fan seinen persönlichen Lieblingstitel darunter wiederfindet. Diverse Songs kommen in verschiedenen Versionen daher, was für überraschende Momente sorgt, wenn man plötzlich feststellt, dass man die Melodie des Lieds erkennt, obgleich sich das Arrangement dieses Mal etwas anders anhört. Die Entwickler haben sich bemüht, möglichst viele Welten aus dem Kingdom Hearts-Universum zu integrieren, dabei jedoch des Öfteren auch Songs ausgewählt, die ich niemals für ein Rhythmusspiel gewählt hätte. Ich selbst habe nicht alle Titel der Hauptserie gespielt, bin aber immer wieder über Lieder gestolpert, die ich zuvor noch nie gehört hatte, aber so eine eingängige Melodie und einen klar definierten Rhythmus haben, dass ich sie auf Anhieb mit nur wenigen oder sogar gar keinem Fehler abschließen konnte. Das macht gute Musik aus, wenn man ein Lied das erste Mal hört und direkt mitsummen kann. Bei anderen Songs hingegen waren Melodie und Rhythmus so undefinierbar, dass ich sogar teilweise den Ton ausgestellt habe und nur auf die visuellen Impulse geachtet habe. Wer ein Beispiel hören möchte, kann gerne einmal nach dem Song "Space Paranoids" suchen, der einer dem über 30 Jahre alten Film Tron nachempfundenen Welt aus Kingdom Hearts 2 entstammt. Solche Lieder sind sicherlich Teil der ursprünglichen Spiele, aber vielleicht nicht gerade für ein Rhythmusspiel geeignet.


Schade ist auch, dass der Weltenreise-Abschnitt zu Kingdom Hearts 3 eher dürftig ausfällt. Während andere Spiele mit deutlich mehr Liedern repräsentiert wurden, wurde der neueste Ableger der Hauptserie mit weniger als zehn Liedern nicht besonders üppig in Melody of Memory integriert. Die meisten davon sind dann auch noch Erinnerungstauchgänge, bei denen also nicht einmal die entsprechende Welt dargestellt wurde, sondern nur eine Sequenz im Hintergrund spielt. Da dieser Abschnitt gegen Ende des Story-Modus auf euch wartet, fühlte sich somit das "große Finale" nicht besonders eindrucksvoll an. Auch sonst lassen sich hier und da so einige verpasste Gelegenheiten finden. Wie bereits erwähnt, haben es nicht alle Franchises, die in der Vergangenheit als Welten in Kingdom Hearts repräsentiert wurden, in das musikalische Spin-Off geschafft. Auch leuchtet mir nicht so ganz ein, warum mehrere Songs beim Mogri-Schmied freigeschaltet werden müssen und nicht in die Weltenreise integriert wurden. Und auch bei den Bosskämpfen hätte ich mir größere Vielfalt gewünscht. Wenn es eh schon nicht so viele Bosskämpfe im Spiel gibt, ist es umso ärgerlicher, dass der ikonische Song "One-Winged Angel" vorhanden ist, allerdings nur als normales Level und nicht als Bosskampf gegen Sephiroth. Was für eine verschenkte Gelegenheit!

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

Kingdom Hearts: Melody of Memory zelebriert die Musik einer Videospielreihe, die seit 18 Jahren mit über acht Spielen zahlreiche ikonische Songs hervorgebracht hat. Dabei bietet das Rhythmus-Spin-Off mit mehreren Schwierigkeitsgraden einen leichten Einstieg für unmusikalische Spieler sowie eine ordentliche Herausforderung für Leute mit Rhythmus im Blut. Die Nacherzählung der Handlung aus Sicht von Kairi, einer der Hauptfiguren aus dem Kingdom Hearts-Universum, ist dabei jedoch eher oberflächlich und auf Zwischensequenzen, die in der Regel aus den einzelnen Spielen zusammengeschnitten wurden, beschränkt. Zwar locken die Entwickler mit einem neuen Kapitel, das einen weiteren Teil der äußerst komplexen Handlung der Spielserie erzählen soll, jedoch ist diese Handlung relativ belanglos und allenfalls für wirklich eingefleischte Fans der Serie lebensnotwendig. Die einzelnen Lieder sind im Allgemeinen gut ausgewählt und repräsentieren das Kingdom Hearts-Universum würdig. Lediglich bei manchen Liedern wirft sich mir die Frage auf, ob sich diese wirklich für das Gameplay in einem Rhythmusspiel eignen. Die ganzen Bildchen und Sammelkarten, die man in seinem Museum anhäufen kann, sind eine nette Dreingabe, um in seinen Erinnerungen aus den Spielen der Hauptreihe zu schwelgen, motivieren aber ebenfalls nur beinharte Fans zu einer Komplettierung. Dennoch bietet Kingdom Hearts: Melody of Memory nicht nur Fans der Serie ein umfangreiches und gut gelungenes Musikabenteuer. Vorsicht: Bei manchen Titeln herrscht Ohrwurmgefahr!
Mein persönliches Highlight: Manche Songs sind so gut, dass man sie auf Anhieb mitsummen und eine "Perfekte Serie" erzielen kann, obwohl man sie zum ersten Mal hört.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Zach

    Turmheld

    Nix für mich.

    Da bleibe ich lieber bei Avicii Invector und hoffe noch auf einen regulären Teil der Kingdom Hearts Reihe für Switch.