Ein kleiner Schritt für den Menschen …

Es ist der 20. Juli 1969 um 20:17 UTC, als die berühmte Apollo 11 auf der Mondoberfläche landete. Nach mehrstündigen Vorbereitungen war es inzwischen der 21. Juli geworden, als Neil Armstrong als erster Mensch der Geschichte um 03:56 UTC den Mond mit eigenen Füßen betreten hatte. Kurze Zeit später verließ auch sein Partner Buzz Aldrin die Mondfähre, während der Dritte im Bunde, Michael Collins, im Raumschiff Columbia im Orbit über dem Mond zurückblieb. Dieses Unternehmen war eine gewaltige Sensation, das von 500 bis 600 Millionen Menschen weltweit live verfolgt wurde. Zudem erlang die USA damit auch endlich einen langersehnten, grandiosen Sieg über die Sowjetunion. Diese hatte nämlich schon vor den USA große Erfolge in der Raumfahrt verbuchen können. So schickten sie als erste Nation der Welt 1961 den Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin in den Weltraum, ein herber Schlag für die Vereinigten Staaten von Amerika. Denn der Kalte Krieg tobte nicht mehr nur auf der Erdoberfläche, die zwei Nationen verlagerten diesen auch über die Atmosphäre der Erde hinaus: Wer zuerst den Weltraum erobert, wird dem Gegner eine historische Niederlage bescheren.


... aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.


Mars Horizon setzt zu Beginn der Raumfahrtforschungen ein. Ihr begleitet von den Anfängen bis hin zur Erkundung der weit entfernten Planeten des Sonnensystems alle wichtigen Stationen der Weltraumforschung. Zwischen fünf Behörden darf gewählt werden: Die National Aeronautics and Space Administration (NASA), die European Space Agency (ESA), die Sowjetische Raumfahrt, die Nationale Raumfahrtsbehörde Chinas sowie die Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA). Je nach Wahl der Behörde ändern sich verschiedene Boni, die ESA bekommt zum Beispiel mehr Punkte, wenn sie mit den anderen Agenturen zusammenarbeitet.


In der Übersicht wählt ihr die verschiedenen Himmelskörper für Missionen aus.

© The Irregular Corporation

Zu Beginn können nur Forschungen innerhalb der Erdumlaufbahn bestritten werden, so wird der erste Meilenstein das Entwickeln eines Satelliten sein. Im Spiel gibt es zwei Arten von Missionen: Meilensteine sowie Aufträge. Letztere sind Missionen, die den Unterstützungsrang oder die Wissenschaft erhöhen, während Meilensteine große Errungenschaften sind, die höchste Priorität besitzen, wie beispielsweise der Abschuss eines ersten Satelliten, die erste Mondlandung oder das Sammeln von Daten weit entfernter Planeten. Als ultimatives Ziel steht die bemannte Marslandung im Fokus. Bei den Meilensteinen entsteht ein Rennen um die Vorreiterposition, denn nicht nur die selbst gewählte Behörde versucht, diese als erste zu erreichen, sondern auch die Konkurrenzbehörden tüfteln stetig, um diesen Pionierschritt vor den anderen zu absolvieren. Dadurch entsteht ein Konkurrenzdruck, auf dem Bildschirm wird stets der aktuelle Fortschritt der anderen Behörden angezeigt, ob diese die Forschung bislang schon angefangen haben bzw. wann der geplante Starttermin sein wird. Erreichen wir als Erste den erfolgreichen Abschluss, winken besonders viele Belohnungen. Diese nehmen nach unten hin ab, wenn andere Agenturen schneller waren.


Ein wichtiger Punkt zum Erreichen der Aufträge ist das Erforschen, insgesamt drei Zweige stehen hier zur Auswahl: Missionen zum Erreichen der Meilensteine, Gebäude, um die Basis zu erweitern, sowie Fahrzeuge, um immer fortgeschrittenere Raketen zu bauen. Nur ein Forschungsauftrag kann gleichzeitig gestartet werden, womit genau geplant werden sollte, was eure Prioritäten sind. Sollte zuerst alles getan werden, um als Erster einen nächsten Meilenstein zu erreichen? Sollten weitere Gebäude erforscht werden, die höhere Belohnungen einbringen oder liegt der Fokus in zuverlässigeren Raketen? Um Raketen überhaupt erst starten zu können, ist jedoch zunächst eine passende Startrampe vonnöten. Immer größer werdende Flugkörper benötigen selbstverständlich eine dazu angepasste Abschussrampe.


Im Designer wird die Rakete zusammengeschustert.

© The Irregular Corporation

Entwickelte Gebäude müssen nun auf dem Grundstück erbaut werden, hierfür dient eine in Quadranten aufgeteilte Karte. Das gewünschte Gebäude wird ausgewählt und ein passendes Fleckchen dafür gesucht, verschiedene Bauten bieten zusätzliche Synergieeffekte. Werden komplementäre Gebäude nebeneinander platziert, sinken beispielsweise zukünftige Baukosten oder die Verlässlichkeit der Raketen nimmt zu. In die andere Richtung geht es allerdings auch, so konkurrieren sich auch Bauwerke gegenseitig, sobald sie nebeneinander errichtet sind. Dadurch steigen dann auch mal die zukünftigen Kosten oder die Forschungsrate nimmt ab. Später werden Trainingseinrichtungen freigeschaltet, mit deren Hilfe Astronauten für bemannte Flüge ausgebildet werden. Zu Beginn ist es möglich, nur eine Mission gleichzeitig zu starten. Der Bau eines speziellen Gebäudes schafft hierbei Abhilfe, auch mehrere Missionen gleichzeitig zu bestreiten. Um alles am Laufen zu halten, gibt es insgesamt drei Ressourcen. Zum einen werden Gelder zum Bau der Gebäude bzw. Raketen benötigt, diese werden monatlich in die Kassen gespült und ihr bekommt sie für abgeschlossene Missionen. Daneben gibt es den Unterstützungsrang, dieser ist wichtig, um mehr flüssige Mittel in die Kassen zu spülen oder den Forscherrang zu erhöhen. Zu guter Letzt gibt es noch die Wissenschaftspunkte, je höher diese sind, desto schneller werden Forschungsaufträge abgeschlossen.


Um Missionen erfolgreich abzuschließen, wird zuerst ein passender Satellit bzw. passendes Raumschiff konstruiert. Im Anschluss ist der Bau einer Rakete erforderlich. Diese sind in zwei Teile geteilt: die Oberstufe sowie der Booster. Die beiden Bauteile können individuell zusammengesetzt werden, jedoch sind nicht alle Komponenten kompatibel. Der Booster muss genügend Kraft haben, um die Oberstufe tragen zu können, ist dieser jedoch deutlich schwerer, muss eine andere Kombination gewählt werden. Auf einer Leiste wird zudem angezeigt, wie hoch die Chance für einen erfolgreichen Start sein wird. Ist die Rakete soweit passend, wird diese gebaut. Das Spiel verstreicht in Monatsschritten, von der Planung bis zum Start können dabei mehrere Monate in die Lande ziehen, zuerst die Entwicklung, danach der Bau der Rakete und zum Schluss das Finden eines passenden Starttermins. Die richtige Auswahl des Datums bestimmt nochmals zusätzlich die Chancen für einen erfolgreichen Start. Hier gibt es entweder optimale Wetterbedingungen, um eine hohe Erfolgsrate zu haben oder suboptimale Bedingungen, was dementsprechend höhere Risiken birgt. Manche Monate sind aber auch komplett für Raketenstarts gesperrt.


Der Adler ist gelandet.


Sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen und der Abschusstag endlich erreicht ist, geht es in den spannenden Teil über. Vor dem Start seht ihr die Chancen eines erfolgreichen Starts, nun wird die letzte Möglichkeit geboten, den Abschuss abzubrechen und auf einen anderen Termin zu verschieben. In einer kleinen Animationsszene schießt die Rakete empor, im besten Fall verläuft alles ohne Komplikationen, es kann aber auch zu kleineren Pannen kommen, die die Belohnungen kürzen oder sogar die Rakete explodieren lassen. Letzteres ist natürlich am bittersten, da somit Monate der Planung sowie Ressourcengelder wortwörtlich in Luft aufgehen. Allerdings bietet der Rückschlag auch einen positiven Effekt: So lernt die Crew aus den Fehlern und gewinnt daraus wichtige Erkenntnisse, zukünftige Konstruktionen zu verbessern. Unabhängig vom Ergebnis leveln sich die verwendeten Bauteile nach jeder Verwendung auf, um bei weiterer Benutzung verlässlicher zu werden.


In diesem Minispiel müsst ihr die vorgegebene Anzahl an Punkten erreichen.

© The Irregular Corporation

Ist der Flugkörper erfolgreich im All angekommen, müssen beispielsweise in einer Forschungsmission Daten analysiert und erfolgreich zurück zur Erde übermittelt werden. Dieses Vorgehen läuft rundenbasiert ab: Ihr habt verschiedene Attribute wie Kommunikation, Navigation oder Leistung und müsst eine vorgegebene Anzahl an Punkten erreichen, bevor alle Züge verstrichen sind. Auf dem Bildschirm wird angezeigt, was ihr einsetzen müsst, um den jeweilig gewünschten Output zu erhalten. Beispielsweise setzt ihr Leistung ein, um damit einen Kommunikationspunkt zu erhalten, dieser wird wiederum eingesetzt, um Navigationspunkte zu erhalten. Die jeweilige Erfolgs- oder Misserfolgschance der Durchführung wird vorher angezeigt. Sollte etwas schiefgehen, kann der Misserfolg noch mithilfe eines Leistungspunktes abgewendet werden. Wenn mehr Punkte als vorgegeben gesammelt werden, winken zudem zusätzliche Belohnungen.


Bei meiner ersten Anspielsession wollte ich eigentlich nur kurz für eine Stunde reinschnuppern, nachdem ich mich durch das Tutorial geklickt hatte und so langsam immer mehr Fuß in der Materie fassen konnte, waren plötzlich vier Stunden in Nullkommanichts verschwunden. Nur noch eine Mission, nur noch einen Forschungsauftrag dachte ich mir während des Zockens und die Zeit verstrich. Wie ein Schwarzes Loch hat mich Mars Horizon in eine kleine Sucht gezogen, die mich den Controller nicht weglegen ließ. Hobbyastronauten können deshalb unzählige Stunden in die Simulation stecken. Ein „Spacepedia“ bietet zudem eine umfassende Enzyklopädie mit vielen informativen Fakten rund um die Astronomie sowie der bisher erreichten Errungenschaften der Menschheit. Hier zahlt sich vor allem die Zusammenarbeit mit der ESA sowie der UK Space Agency aus, die den Entwicklern mit umfassenden Informationen rund um die Erkundung des Weltalls zur Seite standen.


Die Steuerung des Strategietitels auf der Nintendo Switch kann mitunter etwas fummelig ausfallen, so ist es manchmal schwierig, den Cursor entsprechend auf dem gewünschten Feld landen zu lassen. Eine Steuerung auf dem PC sollte hierbei deutlich besser ausfallen als auf der Konsole. Auch tauchen öfters kleinere Textfehler, beispielsweise fehlende Leerzeichen oder eingeblendete Programmiercodes, auf. Die Grafik ist auch auf das Allernötigste beschränkt und kein Augenschmaus, eine Touchsteuerung hätte dem Titel ebenfalls nicht geschadet. Zu Beginn erscheint die Menüführung etwas überladen und unübersichtlich, bis man sich an diese gewöhnt hat. Der Soundtrack rückt dezent in den Hintergrund, viele verschiedene Tracks hat das Game leider nicht zu bieten, dennoch trägt die Musik passend zur Weltraumthematik sehr zur Stimmung bei.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Für Hobbyastronauten und Fans von Strategie-Simulationsspielen könnte Mars Horizon eine kleine Offenbarung sein. Das Spiel entwickelt ein immenses Suchtpotenzial, dass die Stunden nur so im Flug verstreichen lässt. Ihr durchlebt die Anfänge der Raumfahrt Ende der 1950-er Jahre und begleitet die Fortschritte und Entwicklung bis zum finalen Ziel der bemannten Marslandung. Zwischen fünf Raumfahrtbehörden dürft ihr wählen, unter anderem die ESA oder NASA, und unterstützt diese fortan beim Erreichen der vielen Meilensteine sowie beim Gewinnen des Space Races gegen die anderen Agenturen. Dabei erweitert ihr eure Raumfahrtbasis mit unzähligen Gebäuden, erforscht und baut Raketen, erreicht einen Meilenstein nach dem anderen und versucht, eure Behörde zu der Besten der Welt aufzubauen. Mit der Zusammenarbeit der Entwickler mit der ESA sowie der UK Space Agency, wurde eine realistische Simulation erschaffen, die zudem ein einem „Spacepedia“ interessante Informationen rund um die Raumfahrt bereithält. Wenn ihr ein starkes Interesse für die Raumfahrt besitzt, ist Mars Horizon uneingeschränkt zu empfehlen. In der Steuerung sehe ich allerdings die PC-Fassung etwas vor den Konsolen-Versionen, mit einer Maus ist die Auswahl in den Menüs deutlich einfacher. Nichtsdestotrotz geht die Steuerung auf der Nintendo Switch nach einer kurzen Eingewöhnung ebenfalls gut von der Hand. Schade ist jedoch, dass eine Unterstützung des Touchscreen nicht gegeben ist.
Mein persönliches Highlight: Einen weiteren wichtigen Meilenstein vor den anderen Agenturen zu erreichen.

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Kommentare 3

  • BSnake

    Club Nintendo Mitglied

    Danke für den Test, hab ich drauf gewartet :-)

  • wonderboy

    Turmbaron

    super Test!


    schon die Einleitung, die die frühe Raumfahrthistorie schildert, hat mich in den Kosmos eintauchen lassen..


    für mich ein Pflichtkauf!

  • Killerklausi

    Turmknappe

    Danke für den Test.

    Das sieht aus als wäre es perfekt für mich ;-)