Travis Touchdown auf Rachefeldzug

Neben dem ersten Abenteuer mit Otaku Travis Touchdown (unseren brandneuen Test zu No More Heroes findet ihr hier) wurde am 28.10.2020 auch der zuvor für die Wii exklusive Nachfolger No More Heroes 2: Desperate Struggle aus dem Jahre 2010 neu für die Nintendo Switch aufgelegt. Der zweite Teil der Reihe wurde erneut von Grasshopper Manufacture entwickelt und spielt drei Jahre nach den Geschehnissen von No More Heroes. Erneut schlüpft ihr in die Rolle von Travis, der sich diesmal nicht nur gegen die besten 10, sondern von Rang 51 aus sogar gegen die besten 50 Assassinen durchsetzen soll. Ob der mittlerweile geübte Travis dieser Aufgabe gewachsen ist?


Mehr Waffen, mehr Gegner, mehr Bosse, mehr Action!


Während Travis im erste Ableger noch als Nobody und Loser startete, hat sich der abgedrehte Attentäter in der Stadt Santa Destroy mittlerweile einen großen Namen gemacht und ist der coole Typ geworden, der er in der Vergangenheit sein wollte. Da drei Jahre vergangen sind, seitdem er in der United Assassins Association auf Platz 1 geklettert war, sind jedoch ca. 50 neue Attentäter auf das lukrative Business aufmerksam geworden, die nun eine umfangreiche Assassinen-Rangliste anführen. Nachdem Travis den abgeschnittenen Kopf seines guten Freundes Bishop in einer ihm zugeschickten Papiertüte findet und die aus Teil 1 bekannte Anführerin der United Assassins Association Sylvia Christel verrät, dass der neue CEO vom Imperium Pizza Bat, Jasper Batt Jr., hinter der Ermordung von Bishop steckt, kocht Travis vor Wut. Da Jasper Batt Jr. auf Platz 1 der Rangliste ist, muss Travis sich nun 50 Plätze vorkämpfen, um Rache nehmen zu können.


Ihr könnt in No More Heroes 2 während des Kämpfens zwischen verschiedenen Waffen wechseln.

© Marvelous Inc. / Grasshopper Manufacture Inc.

Generell ist Rache das zentrale Thema von No More Heroes 2: Desperate Struggle: Bereits im Tutorial kämpft ihr gegen den von Cloud Strife inspirierten Schwertkämpfer Skelter Helter, der Rache an Travis für den Tod seines Bruders im Vorgänger No More Heroes nehmen will. Der Start des Spiels ist verdammt gut inszeniert und lässt euch nach kurzen Zwischensequenzen sofort in die Gameplay-Action stürzen. Erneut habt ihr mit eurem Beam Katana die Wahl zwischen niedrigen Hieben, hohen Hieben, Würfen, Wrestling-Moves sowie normalen Schlägen und Tritten mit Faust und Fuß. Zusätzlich zu den aufgeladenen Schlägen könnt ihr mit dem Beam Katana auch einen Sprintangriff ausführen, der sich genau wie die finalen Hiebe und Würfe durch das Schwenken des Joy-Con in eine vorgegebene Richtung ausführen lässt. Eine weitere begrüßenswerte Neuerung ist die Tatsache, dass ihr mehrere Beam Katanas mit euch tragen könnt, die jeweils verschiedene Eigenschaften haben, und dass ihr sogar während des Kampfes zwischen den Waffen wechseln könnt, ohne dafür die Missionen verlassen zu müssen. Nachdem ein Gegner besiegt wurde, erscheint wie bereits beim Vorgänger jeweils eine Slotmaschine, bei der ihr mit etwas Glück spezielle, temporäre Fähigkeiten aktivieren könnt: Neuerdings könnt ihr euch sogar in einen Tiger verwandeln und in der Haut der Raubkatze die Gegner auffressen, was verdammt viel Spaß macht.


Alternativ könnt ihr, wie in No More Heroes, auf der Nintendo Switch komplett auf die Bewegungssteuerung verzichten und entweder mit Joy-Con-Controllern, dem Nintendo Switch Pro Controller oder im Handheldmodus spielen. Leider wird auch wie im Vorgänger ausschließlich eine der beiden Steuerungsvarianten im Tutorial erklärt und kann danach nirgendswo mehr nachgesehen werden. Wollt ihr im späteren Verlauf des Spiels etwas zur Steuerung wissen, müsst ihr bei einem neuen Spielstand das Tutorial nochmals spielen.


Auch drei Jahre nach dem ersten Abenteuer von Travis geht es seiner Katze Jeane blendend!

© Marvelous Inc. / Grasshopper Manufacture Inc.

Das Spiel ist merklich einfacher als der Vorgänger und wer No More Heroes bereits durchgespielt hat, dem empfehle ich zu Spielstart den normalen und nicht den leichten Schwierigkeitsgrad auswählen. Ein schwerer Schwierigkeitsgrad kann erst nach dem ersten Durchspielen freigeschaltet werden. Insgesamt hat sich vom Gameplay her wenig geändert, jedoch fühlte sich für meinen Geschmack das Besiegen der Gegner beim Vorgänger etwas besser und intuitiver an. Die Art und Weise, wie Gegner und Travis selbst bei Angriffen zurückgestoßen werden, hat sich ein wenig geändert, wodurch das hilflose Liegen am Boden noch viel mehr eine Rolle in Kämpfen einnimmt. Besonders im späteren Verlauf des Spiels bekommt ihr es oft mit besonders vielen Gegnern zu tun, die zudem jeweils eine große Lebensleiste haben, sodass sowohl viel Geduld als auch gute Ausweichmanöver gefragt sind, um nicht am Boden liegend von der Menge an Gegnerschlägen überwältigt zu werden. Die Gegner sind allesamt Menschen, die beispielsweise mit Schwertern, Revolvern oder sogar Kettensägen ausgerüstet sind – da deutlich größere Gegnermengen als in No More Heroes auftauchen, hätte ich mir ein wenig mehr Gegnervielfalt gewünscht, die sicherlich für mehr Abwechslung gesorgt hätte. Apropos Abwechslung: Im Laufe des Spiels gibt es die ein oder andere Überraschung und ohne zu viel zu verraten, liegt der Fokus des Spiels nicht ausschließlich auf Travis und ihr könnt Teile des Spiels aus einer komplett anderen Sicht erleben, bei der euch sogar ein paar Platforming-Passagen geboten werden.


Wie bereits in der Einleitung beschrieben, muss sich Anime-Liebhaber Travis in Desperate Struggle allem Anschein nach 50 Assassinen stellen. Ihr werdet jedoch schnell merken, dass diese Zahl nicht der tatsächlichen Anzahl an Bossen entspricht, die ihr bekämpfen werdet und wieso dies so ist, werdet ihr in der Story erfahren. Dennoch bietet das Spiel fünf Bosse mehr als der Vorgänger, welche wieder größtenteils sehr zu begeistern wissen, jeweils eigene Zwischensequenzen sowie Synchronsprecher erhalten haben und die Höhepunkte des Abenteuer darstellen. Auch wenn die Bossgegner in Summe noch abgedrehter und abwechslungsreicher gestaltet wurden, so sind die Zwischensequenzen und die Geschichten hinter den Bosse nicht mehr ganz so einprägsam wie im Vorgänger. Am Ende des Spiels könnt ihr den Spielmodus "Death Match" freischalten, bei dem ihr alle Bosse nochmals herausfordern könnt, ohne euch zuvor in den jeweiligen Rangkampf-Missionen den Weg durch Gegnermengen bahnen zu müssen.


Keine Open World mehr – kürzeres und kompakteres Abenteuer


Ein großer Kritikpunkt des Vorgängers war die Oberwelt des Spiels, welche ihr zwar frei begehen und befahren konntet, die jedoch derart leer und unspektakulär war, dass sich durch die langen Anfahrtswege das Abenteuer teils unnötig in die Länge gezogen hatte. Die Entwickler haben im zweiten Ableger auf diese Kritik gehört und die Open World komplett aus dem Spiel gestrichen. Statt der frei befahrenen Stadt könnt ihr nun im Hauptmenü Orte in Santa Destroy auswählen, woraufhin die Kamera sofort zum jeweiligen Ort schwenkt und ihr diesen ohne lange Verzögerungen betreten könnt.


Der Nebenjob "Käfer-Killer" ist eines der Highlights der Retro-Minispielsammlung.

© Marvelous Inc. / Grasshopper Manufacture Inc.

Aus meiner Sicht ist diese Änderung durchaus begrüßenswert, wenngleich ich verstehen kann, dass manche Spieler eine richtige Open World vermissen werden. Es ist jedoch besser, die Oberwelt ganz zu streichen, anstatt diese schlecht auszuführen, wie dies bei No More Heroes der Fall gewesen ist. Auch die Nebenjobs in Form von Minispielen sind nun nicht mehr wie im Vorgänger verpflichtend, sondern optional, wodurch euch mehr Möglichkeiten geboten werden und ihr wirklich jene Aspekte des Spiels genießen könnt, die ihr gerne spielen wollt. Durch diese weitreichenden Änderungen ist die Spielzeit in No More Heroes 2: Desperate Struggle deutlich kürzer als beim Vorgänger und wollt ihr ausschließlich die für die Geschichte relevanten Rangkampfmissionen spielen, so werdet ihr nicht viel länger als 6 oder 7 Stunden dafür benötigen. Ich empfehle aber sehr, auch die optionalen Nebenjobs und Rachemissionen zu machen, die eine gute Abwechslung zu den Rangkämpfen darstellen, euch Geld für bessere Attribute liefern und die Spielzeit auf über 10 Stunden schrauben können.


Insbesondere die Minispiele, die neuerdings im 8-Bit-Arcadestil präsentiert werden, sind eine deutliche Verbesserung gegenüber jenen aus dem Vorgänger – manche der Aufgaben machen verdammt viel Spaß und fühlen sich wie eigenständige Spiele aus der NES-Ära an. Beim süchtig machenden Nebenjob "Käfer-Killer" müsst ihr beispielsweise verschiedene Käfer- und Tier-Arten mit einem Sauggerät einsaugen, ohne euch davon treffen zu lassen. Beim Nebenjob "Kacheln mit Stil" arbeitet ihr mit tetrisartigen Blöcken, die ihr so anordnen müsst, dass ein Quadrat zur Gänze ausgefüllt wird, was leichter klingt als es tatsächlich ist. Bei "Müll im Mond " müsst ihr wiederum das Weltall von Müll befreien und verhindern, dass Müllstücke die Erde treffen. Man merkt, dass sich die Entwickler bei den Minispielen deutlich mehr Mühe gegeben haben und tatsächlich hatte ich jede Menge Spaß, auf Highscore-Jagd zu gehen und nebenbei Geld zu verdienen, das in Klamotten, verbesserte Trainingsattribute oder bessere Waffen investiert werden kann.


Neuerdings könnt ihr euch in Gebäuden und eurem eigenen Zimmer frei bewegen, wo ihr beispielsweise witzige Minispiele mit der Katze Jeane oder am TV spielen könnt. Schade ist jedoch, dass die Freikampf-Missionen und die individuellen Attentäter-Missionen aus dem Vorgänger nicht mehr vorhanden sind, bei denen ihr oft spezielle Bedingungen auferlegt bekommen hattet, wie beispielsweise Gegner ausschließlich mit Würfen zu besiegen oder nur mit reflektierten Basebällen. Auch gibt es viel weniger Individualisierungsmöglichkeiten und Sammelobjekte als beim ersten Ableger und ihr könnt nicht mehr besondere Fähigkeiten für den Kampf erlernen.


Aufreizende Zwischensequenzen mit dieser mysteriösen Frau ziehen sich durch das gesamte Spiel.

© Marvelous Inc. / Grasshopper Manufacture Inc.

Ähnlich wie der erste Teil wurde auch No More Heroes 2 grafisch aufgebessert und erstrahlt nun in HD-Optik sowie in 60 FPS, die für ein flüssiges Spielerlebnis sorgen und nur selten große Einbrüche zu verzeichnen haben. Die Texturen vom Gras und von manchen Umgebungen sind jedoch weiterhin etwas detailarm und in der Hinsicht kann das Spiel natürlich nicht ganz mit Neuerscheinungen der aktuellen Generation mithalten. Während die Story in No More Heroes wohl die Nase vorne hat und etwas ausgereifter war, hat in Sachen Sound und Musik No More Heroes 2: Desperate Struggle nochmals eine deutliche Schippe draufgelegt und weiß sehr zu überzeugen. Die Hauptmelodie ist noch immer genügend oft zu hören, wurde jedoch nicht derart exzessiv im Laufe des Spiels recycelt wie beim Vorgänger und stattdessen wird euch eine enorm große Vielfalt an unterschiedlichen, hochwertigen Tracks geboten. Manche der Songs besitzen sogar Lyrics und sind auch abseits vom Spiel allemal wert, angehört zu werden, wie beispielsweise "Philistine" und "It's Kill or be Killed".


Sowohl die Brutalität, viel Blut als auch der Humor sind glücklicherweise weiterhin Kernmerkmale in No More Heroes 2: Desperate Struggle und anders als der Vorgänger ist das Spiel sowohl von der USK als auch von PEGI mit 18+ eingestuft worden. Im Spiel gibt es übrigens deutlich anzüglichere Inhalte als im ersten Ableger, mit Vulgärsprache wird in keinerlei Hinsicht gespart und die Entwickler scheinen einen besonders großen Fokus auf Brüste in den Zwischensequenzen und auch abseits davon gelegt zu haben.


No More Heroes bietet eine englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel, welche deutlich weniger fehlerbehaftet als beim Vorgänger sind, auch wenn bei manchen Wörtern Buchstaben verschluckt wurden. Bei der ersten Stufe des Minispiels im Trainingsraum, wo ihr eure Ausdauer am Laufband verbessern könnt, hat sich zudem ein folgenschwerer Fehler eingeschlichen und euch wird erklärt, dass ihr im Minispiel den Z- und B-Knopf abwechselnd drücken müsst. Macht ihr dies, werdet ihr jedoch sofort verlieren – erst nach vier Versuchen und jeder Menge verschwendetem Geld habe ich gemerkt, dass ich die L- und R-Taste hätte drücken müssen, welche auf der Wii-Steuerung dem Z- und B-Knopf entsprechen. Störend ist zudem, dass die deutschen Untertitel nicht immer synchron zu den Stimmen der Charakteren sind und oft Sekunden vorher eingeblendet werden, bevor die englischen Stimmen überhaupt erst ertönen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Eder

No More Heroes 2: Desperate Struggle ist ein kompaktes Abenteuer, das sich auf die Stärken fokussiert hat, die bereits den ersten Ableger so gut gemacht haben und die meisten Schwächen eliminiert hat. Es ist zwar hinsichtlich der Story und Charaktere empfehlenswert, den ersten Teil zu spielen, jedoch nicht zwingend erforderlich, um das Spiel genießen zu können. Euch werden jede Menge Gameplay-Action, die volle Dosis Travis-Humor und tolle Bosskämpfe geboten, die von fetzigen Liedern begleitet werden. Zwar gefallen mir nicht alle Aspekte des Spiels – wie beispielsweise die Kampfphysik und die Story – besser als im Vorgänger, doch in Summe habe ich an No More Heroes 2 deutlich weniger auszusetzen und hatte verdammt viel Spaß mit dem Spiel. Nachdem die Oberwelt im ersten Ableger sehr schwach war und sie daher in No More Heroes 2 komplett entfernt wurde, wünsche ich mir aber für No More Heroes 3 die perfekte Lösung, nämlich eine schöne, kompakte Oberwelt, die es wert ist, sie zu erkunden und auf diese Weise das Spielerlebnis stark bereichern kann.
Mein persönliches Highlight: Einige der Retro-Minispiele genauso wie der gesamte Soundtrack konnten mich sehr positiv überraschen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 7

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Ich wiederhole mich: Blasphemie!!1! :D

    Ich habe bisher nur den ersten gekauft für die Switch aber der zweite folgt auch bald. Und ich freue mich sehr auf den dritten Teil.

  • Sib

    Master of Desaster

    Abgesehen von der Open World finde ich diesen besser als den Erstling. Er fühlt sich runder an^^

  • pHs

    Turmknappe

    fand den ersten auf der Nintendo Wii schon klasse trotz 480p Auflösung.

    Warte auf einen guten Sale Preis dann werden alle nochmal auf der Switch gekauft !

  • Crimsmaster_3000

    Bastardo de Crimson

    Fand Teil 1 besser... Vielleicht auch interessanter. Aber nachdem ich endlich 1/2 nachgeholt habe verstehe ich den Hype und bin auf NMH 3 gespannt :moneylink:

  • FrogBook

    Turmknappe

    Hab Teil 1 und 2 durch auf der switch einfach großartig


    Crimsmaster_3000 so geht es mir auch mit dem hype bin gespannt auf teil 3

  • Flomo

    Turmbaron

    Versteh wer will.das da keine retail Versionen kommen . Soviel Mist kommt auf Karte und sowas Nicht

  • Shulk meets 9S

    Meister des Turms

    Flomo hätte das auch gerne Retail, ebenso verstehe ich es bei Devil May Cry und Resident Evil nicht, aber kannst nix machen, immer noch besser als gar nicht und geil ist es ja schon wenn man nicht ständig cartridges wechseln muss