Die Freelance Police ermittelt wieder

Wer etwas Adventure-affin ist und die letzten Jahrzehnte nicht unter einem Stein gelebt hat, der wird sicherlich schon mal etwas von Sam & Max gehört haben. Das schräge Tier-Detektiv-Duo, bestehend aus Sam, dem anthropomorphen Hund im grauen Anzug, sowie seinem gewaltverliebten Kollegen Max dem Hasen, wurde von Steve Purcell erdacht und beide sind bereits in ein paar Spielen bzw. Episoden in Erscheinung getreten. Neben dem größten Wollknäuel der Welt oder auch Mount Rushmore haben die Protagonisten bereits einige (fiktive) Teile von Amerika bereist. In der aktuellen Neuveröffentlichung von Season One beziehungsweise "Save The World" begeben sich die Beiden wieder auf die Reise, um nicht weniger als die gesamte Welt zu retten.


Commissioner, wir sind auf dem Weg!


Aufgeteilt in sechs Episoden bereisen Sam und Max in dem ersten Serienteil nach Sam & Max: Hit the Road wieder diverse Örtlichkeiten in den Vereinigten Staaten von Amerika und schlussendlich sogar den Mond. Alle davon bieten eine in sich geschlossene Geschichte, aber auch noch eine Rahmenhandlung, die sich über alle hinweg erstreckt. Die Reihenfolge in der ihr die Episoden spielt, ist euch überlassen. Neben einem auf die schiefe Bahn geratenen Kinderstar, der Spielzeug-Mafia und Politikern, die Gruppenumarmungen als Bundesvorschrift erlassen, bekommt ihr es mit allerhand schäbigem Gesindel zu tun. Alles verpackt in parodistische Anspielungen auf die amerikanische Popkultur. Jede der Episoden fängt immer damit an, das sich Sam und Max in ihrem Detektiv-Büro befinden.


Jede Episode beginnt im Detektiv-Büro von Sam & Max und dem Anruf des Commissioners.

© Skunkape Games LLC and Steve Purcell

Nettes Fan-Detail am Rande: Auf dem Pappkarton auf dem Aktenschrank ist neben 03-03-04, dem Datum, wo das damalige Spiel Sam & Max: Freelance Police gestrichen worden war, nun mit 09-21-18 ein weiteres Datum hinzugefügt worden – der Tag, an dem Telltale Games seine Unternehmensschließung verkündete.


Früher oder später ruft dann der Commissioner an (welcher übrigens nie selbst in Erscheinung tritt). Dieser erklärt am Telefon kurz die aktuelle missliche Lage und mit einem poetisch anmutenden Vers, welcher die Perplexität von Max zum Ausdruck bringt, beendet er das Telefonat und ihr dürft euch in die schön gezeichnete 3D-Comic-Welt begeben. Neben eurem Büro ist Boscos Laden und Sybils Therapie-Studio sowie euer Polizeiwagen, der DeSoto, eine wichtige Konstante im Spiel. Allesamt erreicht ihr über die Hauptstraße, welche ihr vom besagten Büro aus direkt betreten könnt. In den Episoden müsst ihr an der ein oder anderen Stelle an diesen Hauptschauplätzen mit den entsprechenden Personen und Objekten interagieren. Um den Missetätern in den jeweiligen Fällen auf die Spur zu kommen müsst ihr, wie es sich in einem klassischen Adventure gehört, eure Umgebung untersuchen, mit Objekten interagieren und Leute in Konversationen verstricken. Das geht wahlweise per Touchscreen oder mit den Analog-Sticks. Ihr selbst steuert übrigens nur Sam. Der Hase Max bleibt im Hintergrund, agiert als Sidekick und kommentiert eure Aktionen und Konversationen mit derben Sprüchen. Ähnlich wie die beiden tierischen Protagonisten sind alle anderen Charaktere im Spiel schräg, überzeichnet und passen perfekt in die Spielwelt. Dasselbe gilt auch für die Rätsel.


Hier mal ein kleines Beispiel eines typischen Rätselablaufs. Auf dem Mond wollt ihr eine Audienz in einem Kloster erhalten, welches sich hinter einer roten, mit Lichtern verzierten Kiste verbirgt. Ein Türsteher in einem weißen Hugo Boss-Pressanzug verwehrt euch allerdings den Eintritt, solange ihr nicht die rote Stufe der Prismatologie erlangt habt. Auf Nachfrage von Sam, worum es sich dabei handelt, erklärt er es euch anhand der Regenbogenanalyse und überreicht euch ein kleines Einhorn. Sam freut sich über „Horny“ das Einhorn und der Türsteher erklärt Sam, dass er an dem Fabelwesen reiben soll, um sein Horn aufleuchten zu lassen. Schlussendlich entscheidet dann die Farbe des Horns, ob ihr die benötigte rote Stufe erreicht habt – natürlich ist das nicht der Fall. Doch wie nun das Einhorn dazu bewegen, dass es die korrekte Hornfarbe anzeigt? Ein kleiner Hinweis könnte sein, dass es unter Einwirkung von Wärme, nämlich durch das Reiben, seine Farbe annimmt. Doch was tun, um dem Einhorn die gewünschte Temperatur zu verpassen? Des Rätsels Lösung ist die Heimkehr in eurem Polizeiwagen zurück zur Erde und die Nutzung der Mikrowelle in Boscos Laden. Einmal „Horny“ heißgemacht, leuchtet bei der nächsten Regenbogenanalyse das Horn in strahlendem Rot auf und ihr dürft passieren.


Absurd-amüsante Rätsel und Dialoge erwarten euch in dem Episoden-Adventure.

© Skunkape Games LLC and Steve Purcell

Dies ist nur eines von vielen abstrusen, aber witzigen Rätseln, welche euch im Spiel erwarten. Auch wenn ihr häufiger Hinweise erhaltet, sei es durch Andeutung in der Spielwelt oder auch durch Kommentare von Sam und Max, so ist nicht immer direkt ersichtlich, was ihr als Nächstes erledigen müsst oder wie ihr zur Lösung gelangt. Doch das macht letztendlich ja die Rätsel aus und auch so interessant. Bedingt dadurch, dass es nur recht wenig Schauplätze gibt, ihr viele davon über die Episoden hinweg besucht und deren Inventar und Charaktere von Anfang anwählbar sind, halten sich die Möglichkeiten aber durchaus in Grenzen. Das Wiederaufsuchen vieler Orte in den einzelnen Episoden mag den ein oder anderen Spieler allerdings eher stören. Die Komplexität ergibt sich also nicht aus der Interaktion oder Kombination von Objekten, sondern eher daraus, wie der Lösungsweg beschritten wird. Je mehr man um die Ecke oder manchmal auch simpler denkt, desto schneller kommt man auf die Lösung. Schießt euch eine Ratte zum Beispiel mit einer Kanone ab, dann stopft sie doch einfach hinein, damit sie aufhört. Im Großen und Ganzen gewinnen die Geschichte beziehungsweise Episoden keinen Innovationspreis und auch beim Rätseldesign wäre mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz ist es ein launiges Abenteuer, welches zuverlässig euer Zwerchfell kitzelt. Gerade die humorvollen und fantastisch geschriebenen Dialoge zwischen Sam und Max oder auch die Konversationen mit den anderen Charakteren sind ganz klar die Stärke des Spiels. Es strotzt nur so vor feinst geschliffenen Wortwitzen. Ein weiteres Highlight sind auch die schrägen Charaktere, welche grandios inszeniert und glaubwürdig in die Spielwelt eingebettet sind.


Würdige Wiederveröffentlichung?!


Von technischer Seite her gibt es bei Sam & Max Save the World nichts zu bemängeln. Das kann man allerdings von einem vor mehr als 10 Jahren erschienenen Spiel auch erwarten. Die Umgebungsgrafiken wurden leicht angepasst und dessen Kanten haben ebenso wie bei den Charakteren ganz fein gezeichnete schwarze Linien verpasst bekommen, um den Comic-Look hervorzuheben. Das steht dem Spiel sehr gut und verleiht ihm in Verbindung mit einer verbesserten Ausleuchtung der Spielwelt auch deutlich mehr Plastizität. Auffällig ist, dass manche Texte bzw. Texturen auf Deutsch übersetzt worden sind, aber lange nicht alle. Das wirkt leider inkonsequent und ein wenig schludrig. Eine etwas stärkere Glättung der Kanten wäre an der einen oder anderen Stelle ebenfalls wünschenswert gewesen, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Die englische Vertonung der Charaktere ist durchweg exzellent gelungen und nun merklich lippensynchroner als noch im Original. Unverständlicherweise ist die englische Sprachausgabe aber leider auch die einzig wählbare. Eine deutsche Übersetzung war in der damaligen Veröffentlichung bereits enthalten und die Original-Sprecher vom Ur-Spiel, Hans-Gerd Kilbinger für Sam und Sandra Schwittau für Max, konnten dafür sogar engagiert werden. Weshalb diese es also nicht in die Wiederveröffentlichung des Spiels geschafft haben, ist nicht nachvollziehbar. Einziger Wermutstropfen: Ihr könnt deutsche Untertitel wahlweise an- oder ausschalten.


Vom Gesamtbild her ist es also eine etwas aufpolierte Neuauflage des damaligen Adventure-Hits und bietet inhaltlich praktisch nichts Neues. Zugegebenermaßen ist es zwar gerade bei Adventures mit einer abgeschlossenen Handlung schwierig, zusätzlichen Inhalt wie neue Episoden mit einzubinden, aber ein bisschen mehr Fan-Service in Form von nie veröffentlichten Zeichnungen oder Ähnlichem wäre ein nettes Bonbon gewesen. Gemessen am Preis ist das Gebotene mit einer Spielzeit von ca. 11–14 Stunden für eine übliche Neuauflage heutzutage aber mehr als fair.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Was habe ich mich gefreut! Ich liebe einfach das Detektiv-Duo bestehend aus dem Sprüche klopfenden Hund Sam und dem leicht psychopathischen und gern zu Gewalt neigenden Sidekick-Hasen Max. Mehr als 10 Jahre nach dem ersten Erscheinen von Sam & Max Season One (so war der damalige Titel, bis er später in Sam & Max Save the World umbenannt wurde), habe ich mich sehr auf die Rückkehr in die irrwitzige Welt der Beiden gefreut. Viele der Rätsel sind mir noch im Gedächtnis geblieben, weshalb der erneute Ausflug schneller vorbei war als ich „Ach du grünlich grausam grell geschminkte Gefahr!“ sagen konnte. Hier liegt aber auch der eigentliche Hund begraben und der Hase im Pfeffer, denn für alle diejenigen unter euch, die bereits das Spiel innerhalb der letzten Jahre gespielt haben, lohnt sich der Re-Release leider nur sehr bedingt. Denn lässt man die fünf neuen Jazz-Musiktitel, die leichte grafische Überarbeitung und den Widescreen-Support mal außer Acht, dann bietet Sam & Max Saves the World keinerlei spielerische Neuerungen. Es sind weder neue Rätsel und auch keine neuen Episoden enthalten. Meine Empfehlung kann ich daher nur an Serien-Neulinge aussprechen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit dem Franchise hatten. Diejenigen unter euch erwartet dann ein unfassbar schräges und humorvolles Abenteuer mit zwei einzigartigen Charakteren, deren Sprüche und Unterhaltungen euch des Öfteren einen Lacher ausprusten lassen werden. Die Rätsel sind teils herrlich bekloppt und sinnbefreit – auch wenn sie bei Weitem nicht an das 1993er Lucas Arts-Adventure Sam & Max Hit the Road heranreichen –, wer aber etwas kreativere Lösungsansätze verfolgt und um die Ecke denkt, der wird wenig Schwierigkeiten haben mit Sam und Max die Fälle zu lösen. Und bitte Steve Purcell: Du hast offiziell deinen Segen für einen Re-Release der ehemaligen Telltale-Reihe gegeben, jetzt gib ihn bitte auch noch für einen gänzlich neuen Teil – danke!
Mein persönliches Highlight: Die derben Sprüche von Max und die herrlich skurrilen Rätsel.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • iZen

    Turmritter

    Das komische ist, man kann als Sprache Deutsch wählen, bzw. ist voreingestellt. Im Spiel ist es aber halt englisch. Ob ne deutsche Synchronisation geplant war? 🤔 Jedenfalls ein cooles Spiel. Das Original von LucasArts ist aber schöner 😜