Doppel-Doggo trifft auf seichten Puzzle-Spaß

Koop-Titel sind für Konsolen die mitunter besten Titel, denn man kann es sich zusammen auf der Couch gemütlich machen, das Spiel starten und mit seinen Freunden oder dem eigenen Partner einige Stunden Spaß haben. Im Falle der Nintendo Switch ist alleine das hybride Modell und die Tatsache, dass man die Joy-Con jederzeit nutzen kann, prädestiniert dafür, solche Titel mit anderen zu erleben. Dahingehend überrascht es auch nicht, dass es eine Fülle an kooperativen Spielen gibt, die man auf der Nintendo Switch zusammen erleben kann. Sei es nun das bereits anfangs erschienene Snipperclips, die stressige und chaotische Overcooked-Reihe, das süße aber koordinierungstechnisch ziemlich ansprechende Biped oder eher action-orientiertere Titel wie Diablo III oder Torchlight – für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein. Die Entwickler von Bitloom Games wollen mit dem Titel PHOGS! ihren Teil dazu beitragen, euch möglichst viel kooperative Unterhaltung zu bieten. Ob PHOGS! euch auch tatsächlich einige spaßige Stunden bescheren wird, hängt letztendlich allerdings von eurer Erwartungshaltung ab. Doch eines nach dem anderen.


Die stets gut gelaunten Protagonisten, die Phogs.

© Coatsink Software

Der Ersteindruck, den PHOGS! in Trailern machte, ist derselbe, den ich bereits beim Starten des Spiels hatte: Goldig und süß. In dem Puzzle-Spiel schlüpft ihr entweder alleine oder mit einem Mitspieler in die Rolle zweier Hunde, die am Hinterteil miteinander verbunden sind und ein bisschen an den Nickelodeon-Cartoon „CatDog“ aus den frühen 2000er-Jahren erinnert. Dabei hat das Hündchen zwei Köpfe, aber keinerlei Pfoten oder gar einen Schwanz – was auch gar nicht notwendig ist, denn die beiden Strahlemänner scheinen sich ganz gut mit ihrer Lage zurechtzufinden, jedenfalls hecheln sie durchgehend fröhlich und weisen das Gemüt eines Golden Retrievers auf. Eine richtige Handlung gibt es so nicht, Ziel des Spiels ist es, in drei großen Hub-Welten diverse Level zu lösen, an deren Ende ein Mini-Ziel steht. So müsst ihr in der ersten Hub-Welt, in der sich alles um das Thema „Schlaf“ dreht, die schlafende Sonne wecken, die von einem Albtraumwesen heimgesucht wird. Dazwischen erzählen die einzelnen Level jeweils kleine Geschichten, die aber kein großes Ganzes bilden und man merkt dem Spiel ganz schnell an, dass es auch nie so etwas wie eine zusammenhängende oder komplexe Story geben sollte.


In den jeweiligen Leveln gilt es stets, das Ziel zu erreichen, um den nächsten Level freizuschalten. Optional könnt ihr noch Hundekekse sammeln, auf die ich später noch kurz eingehen werde. Um nun jedoch erfolgreich an das Ziel eures Begehrens zu gelangen, müsst ihr das hündische Duo durch diverse Puzzles und Geschicklichkeitspassagen manövrieren. Das geschieht entweder dadurch, dass ihr als Einzelspieler mit dem linken und rechten Analogstick je einen Hundekopf steuert oder, und das ist die eindeutig bessere Variante, ihr schnappt euch entweder lokal oder über den Online-Multiplayer-Modus einen Spielpartner und geht das Ganze geschehen gemeinsam an. Dabei übernimmt jeder Spieler einen Kopf, der im Endeffekt nur über drei Interaktionsmöglichkeiten verfügt: Ihr könnt euch bewegen, ihr könnt mit eurem Maul Gegenstände greifen oder ihr könnt euren Körper verlängern und somit eure effektive Reichweite erhöhen und selbiges gilt für euren Partner. All dies bringt euch das Spiel innerhalb der ersten paar Level bei und dabei lässt es sich viel Zeit und gibt euch entsprechend Raum, euch auszuprobieren. Im weiteren Verlauf der verschiedenen Level werden die altbekannten Mechaniken immer wieder erweitert und ihr werdet vor neue Herausforderungen gestellt.


Die Rätsel fallen oft recht simpel aus. Hier drehen wir an einem Uhrwerk, um eine Leuchtkugel sicher nach unten zu bewegen.

© Coatsink Software

So lernt ihr anfangs recht schnell, dass ein Schlüssel, der in einer Grube liegt und auf den ersten Blick unerreichbar scheint, ganz einfach erlangt werden kann: Einer der Hundeköpfe verbeißt sich in einem Pfosten, der an der Grube steht, während der andere seinen Körper ausstreckt und sich schlangenartig zum Schlüssel fallen lässt, diesen greift und sich dann hochziehen lässt. Später hangelt ihr euch zu zweit über Abgründe, hantiert mit Gewichten herum, um ein laufendes Zahnrad zum Stillstand zu bringen, rollt einen übergroßen Ball durch die Gegend, indem ihr euren langgezogenen Körper als Seil nutzt oder verwendet eine Leuchtkugel, um einen der Hundeköpfe zu einer mobilen Taschenlampe umzufunktionieren, mit deren Hilfe ihr schattenhafte Barrieren auflösen und leuchtende Konstruktionen verfestigen könnt. Das Besondere an PHOGS! ist dabei, dass das Spiel mit einer Vielzahl an neuen Mechaniken aufwartet, die allesamt mit euren limitierten Interaktionsmöglichkeiten harmonieren und so zumindest theoretisch das Feld für einige ziemlich komplexe Rätsel freiräumen.


Ich schreibe bewusst theoretisch, denn hier stehen sich PHOGS! und der Anspruch, den das Spiel an den Spieler stellen möchte, selbst im Weg. Die von mir beschriebenen Mechaniken sind nur ein Bruchteil der Rätsel, mit denen das Spiel während seines Verlaufs aufwartet. Das Problem daran ist allerdings: Kaum eines dieser Rätsel ist wirklich schwierig oder anspruchsvoll. Es gibt selten viel Raum für Interpretationen, euch wird sehr klar gezeigt was ihr machen sollt und sonderlich viele Steine werden euch auch nicht in den Weg gelegt, sodass es eigentlich so gut wie gar nicht zu Fehlschlägen kommt. Vergleicht man PHOGS! mit anderen Puzzle-Titeln wie Biped, Snipperclips oder Death Squared, wo das Scheitern und ein gewisses Versuch-und-Scheitern-Prinzip ein elementarer Teil des Spielgefühls sind, hat man eher das Gefühl, die Entwickler wollten einen Titel erschaffen, der ein Feel-Good-Erlebnis mit sich bringen soll. Das merkt man auch schon daran, dass das Potenzial für ein eher chaotisches Bildschirmtreiben nicht wirklich vorhanden ist, obwohl die Prämisse des Spiels an sich schon danach schreit: Zwei Spieler, ein Körper – zuletzt hatte ich mit Octodad ein ähnliches Konzept und das Gebrülle vor dem Bildschirm war enorm. PHOGS! hingegen entpuppt sich zumindest im lokalen Koop-Modus als recht handzahm, denn die einzigen „Probleme“ entstehen immer nur dann, wenn man sich nicht ganz einig ist, in welche Richtung man nun gehen will. Und auch diesem Problem kann man einfach entgehen, indem einer der Köpfe einfach inaktiv bleibt und der anderen die Richtung angibt. Etwas Chaos kommt erst dann auf, wenn man im Multiplayer mit jemanden zusammenspielt, ohne verbal kommunizieren zu können, denn die beiden Hunde können sich nur in Form einiger Emoticons miteinander verständigen oder indem sie auf Knopfdruck bellen. Somit bleibt die Vermutung, dass die Entwickler von Bitloom Games eher darauf aus waren, dass wirklich jeder seinen Spaß mit PHOGS! haben kann und große Frustmomente ausgespart werden. Dadurch eignet sich das Spiel vor allem für Eltern und ihre Kinder sowie für all diejenigen, die entspannt einen gemeinsamen Abend vor der Couch genießen und dabei ein eher lockeres und erfolgsversprechendes Puzzlespiel erleben wollen. Denn auch wenn PHOGS! vom Schwierigkeitsgrad deutlich einfacher ausfällt als andere Titel, so wird euch trotz allem immer wieder etwas an Grips und Geschicklichkeit abverlangt, jedoch wäre einfach noch einiges mehr möglich gewesen.


Zwischendrin wird das Spielgeschehen auch durch kleine Minigames aufgelockert.

© Coatsink Software

Ein wenig mehr Herausforderung kommt immer dann auf, wenn ihr versucht, eine der vielen optionalen Hundekekse zu sammeln, die in jedem Level verteilt sind. Um an diese zu gelangen, müsst ihr euch oft etwas geschickter anstellen oder den einen oder anderen zusätzlichen Umweg in Kauf nehmen. Habt ihr genügend der Leckerbissen gesammelt, könnt ihr diese in einem kleinen Laden gegen verschiedene Kopfbedeckungen eintauschen – die obligatorischen kosmetischen Gegenstände lassen sich also auch hier finden. Und da es dem Spiel noch einen leicht höheren Schwierigkeitsgrad verpasst, ist die Suche nach den Keksen auch für all diejenigen interessant, die einfach ein bisschen mehr an Herausforderung suchen.


Was man PHOGS! jedoch auf keinen Fall vorwerfen kann, ist, dass es nichts aus der verwendeten Unity-Engine herausholt. Die verschiedenen Level kommen allesamt mit einer niedlichen und knudelligen Optik daher, die voller kleiner Details steckt und mit deutlicher Liebe und Hingabe gestaltet wurde. Denn während mittlerweile gefühlt jeder zweite Unity-Titel so aussieht, als ob die Entwickler sich einfach nur bei bereits fertigen Assets bedient haben, kommt PHOGS! mit seiner ganz eigenen Optik und kunterbunten Farbenpracht daher. Das wirkt recht kindlich und passt auch gut zum omnipräsenten Gute-Laune-Gefühl, welche das Spiel nonstop verbreitet. Selbst die Bösewichte wirken auf ihre eigene Art und Weise ziemlich niedlich. Dabei kam es während meiner Testphase auch zu keinerlei Rucklern oder Einbrüchen der Performance und auch ansonsten läuft das Spiel angenehm fehlerfrei. Es kam nur ab und an zu ein paar Momenten, bei denen mein langgezogener Hund sich irgendwo verfangen hat und plötzlich durch die Wand gefallen ist oder ein Ball, den ich in einem Golfparcour simultan mit einem zweiten einlochen sollte, direkt noch in das zweite Loch gehüpft ist und sich das Rätsel somit einfacher lösen ließ – ein Glitch über den man sich ausnahmsweise freut. Die Steuerung fällt manchmal etwas träge und widerspenstig aus. Meine Spielpartnerin und ich hatten gerade in den Passagen, in denen man sehr vorsichtig manövrieren muss, immer wieder das Problem, dass Bewegungen etwas verzögert ausgeführt wurden oder einer der beiden Hundeköpfe nach Druck auf den entsprechenden Knopf seinen Gegenstand zunächst nicht loslassen wollte. Doch diese Momente sind zum Glück eher Ausnahme statt Regel und somit stand dem seichten Spielvergnügen nicht viel im Weg. Die musikalische Untermalung fällt harmonisch und melodisch aus, kann aber jetzt nicht so enorm überzeugen, dass mir eine der Melodien im Kopf geblieben wäre.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Als ich Phogs! das erste Mal in Form eines Trailers gesehen hatte, habe ich mir einiges an chaotischer Koop-Action ausgemalt, die ich zuletzt so vielleicht in Octodad oder Biped erleben durfte. Letztendlich ließ mich das Spiel dann doch etwas ernüchtert zurück, denn PHOGS! ist um einiges einfacher als ich anfangs erwartet hätte. Das Spiel richtet sich nicht nur optisch an ein eher jüngeres Publikum, auch der Schwierigkeitsgrad ist recht familienfreundlich und für all diejenigen, die mit ihrem Spielpartner nicht allzu viel Frustmomente erleben wollen. Doch wer nach einem solchen „Feel-Good“-Titel sucht, der wird mit PHOGS! viel Spaß haben, denn euch wird ein großes Repertoire an Puzzle- und Platformereinlagen geboten, die letztendlich allesamt etwas anspruchsvoller hätten ausfallen können. Davon abgesehen beweisen die Entwickler mit der Optik eine deutliche Liebe zum Detail, denn die einzelnen Level sind allesamt schön gestaltet und kommen in einer kunterbunten Optik daher, die oft einfach nur „niedlich“ schreit – das muss man allerdings mögen. Insgesamt kann PHOGS! also überzeugen, all diejenigen, die nach einer großen Herausforderung suchen und gefordert werden wollen, sollten sich jedoch anderweitig umsehen.
Mein persönliches Highlight: Das wirklich knuffige Weltendesign

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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