Ein Königreich für einen Verwalter

In den letzten Jahren haben immer mehr Anbieter eine Marktlücke für sich entdeckt und bringen limitierte physische Versionen von Spielen auf den Markt, die ansonsten nicht auf einer Softwarekarte erscheinen würden. Limited Run Games ist wohl der bekannteste Anbieter dieser Art, aber auch in Deutschland gibt es mit Strictly Limited Games und First Press Games zwei etablierte Anbieter physischer Sonderversionen von Nintendo Switch-Titeln. Ebenfalls relativ große Bekanntheit hat mittlerweile das britische Unternehmen Super Rare Games erlangt, zu dessen neuesten Veröffentlichungen – und damit kommen wir zum Gegenstand dieses Tests – Yes, Your Grace zählt. Super Rare Games hat uns freundlicherweise ein Exemplar des Spiels zur Verfügung gestellt, um den Titel für euch testen zu können.


Um erfolgreich zu sein, müsst ihr die Ressourcen eures Königreichs sinnvoll einsetzen.

© Brave At Night / No More Robots

Yes, Your Grace ist, wenn man es knapp zusammenfassen müsste, eine Management-Simulation mit Mittelalter-Szenario. Ihr schlüpft in die Rolle des Königs von Davern, der mit einer Reihe von Problemen konfrontiert ist. Dem alternden Monarchen fehlt es angesichts von drei weiblichen Nachkommen nicht nur an einem Thronfolger, ein Heer von Kämpfern braut sich jenseits der westlichen Berge zusammen und droht, das geschwächte Königreich anzugreifen. Zu allem Überfluss kommen dazu noch allerlei anspruchsvolle Vasallen, die sich ihre Hilfe gegen die Invasion durch Zugeständnisse und Gefallen erkaufen lassen. Daneben gilt es natürlich, nicht nur das Königreich, sondern auch das Familienleben intakt zu halten und den drei Töchtern bei den normalen Sorgen des Erwachsenwerdens beizustehen.


Grundlage hierfür ist eine Kombination aus Rollenspiel, Point and Click-Adventure sowie Ressourcenmanagement. Die Phasen des Spiels sind in Wochen unterteilt, die jeweils auf ein großes Ereignis ausgerichtet sind, für dessen Bewältigung ihr genügend Ressourcen sammeln müsst. Insgesamt gilt es, vier Einheiten im Blick zu behalten: die Größe eurer Armee, eure Nahrungsreserven, euren Goldvorrat sowie die Zufriedenheit eurer Untertanen. Fällt einer dieser Werte auf Null, erwartet euch ein schneller Bildschirmtod. Sinkt die Zufriedenheit eurer Untertanen beispielsweise auf einen kritischen Wert, kommt es zur Rebellion. Könnt ihr die Forderungen nach Gold und Nahrungsmitteln dann nicht decken, machen eure ehemaligen Untergebenen kurzen Prozess mit euch.


Also müsst ihr darauf achten, immer genug Ressourcen parat zu haben, um mit eventuellen Schwierigkeiten zurecht zu kommen. Ressourcen erhaltet oder verliert ihr durch die Entscheidungen, die ihr in Dialogsequenzen mit NPCs fällen müsst. In der wöchentlichen Audienz treten Bürger und potenzielle Verbündete auf, um ihre Anliegen zu vertreten. Das reicht von eher banalen Anfragen wie einer Spende für die Hochzeit der Tochter bis zu umfangreicheren Quest-Reihen, in denen ihr beispielsweise den Machenschaften einer Hexe nachgehen müsst. In der Regel stehen euch mehrere Wege zum Ziel offen. So könnt ihr beispielsweise den betroffenen Dorfbewohnern Gold geben, um Söldner zum Schutz vor der Hexe anzuheuern. Alternativ könnt ihr euren eigenen General entsenden, um die Lage zu beobachten. Jede Vorgehensweise bringt Vor- wie Nachteile mit sich. Euer General ist beispielsweise für die Dauer des Einsatzes nicht für andere, vielleicht drängendere Anliegen verfügbar. Das Gold benötigt ihr außerdem auch noch für viele weitere Gesuche, die ihr nicht alle erfüllen können werdet. Wenn ihr die Hilfe komplett verweigert, sinkt die Zufriedenheit eurer Untertanen. Yes, Your Grace stellt euer Geschick als Monarch damit immer wieder neu auf die Probe und zwingt euch, eure begrenzten Ressourcen sinnvoll zu verteilen.


Die Handlung des Spiels schreitet dabei stetig voran und zwingt euch, bis zu einem gewissen Zeitpunkt genug Ressourcen gesammelt zu haben, um einer gegnerischen Invasion zu widerstehen. Im Verlauf der Geschichte öffnen sich euch dabei verschiedene konkurrierende Wege, um zum Ziel zu gelangen. Ein klassisches Beispiel: Während ihr Verbündete um euch sammelt, kommen zwei Lords zu euch. Der eine deckt den Schmuggel mit einer illegalen Droge, während der andere der Substanz und ihren Verkäufern den Kampf angesagt hat. Es ist offensichtlich, dass ihr hier im Konflikt zwischen den beiden Lords nur einen für eure Seite gewinnen könnt. Die meisten der Konflikte in Yes, Your Grace laufen auf eine solche Wahl der Mittel hinaus. Nur selten nehmt ihr tatsächlich Einfluss auf den Verlauf der vorgegeben Handlung, die automatisch immer auf bestimmte Konflikte zusteuert.


Die wendungsreiche Handlung bleibt bis zum Schluss spannend.

© Brave At Night / No More Robots

Das lässt sich in diesem Fall aber gut verschmerzen, denn die Handlung des Spiels ist abwechslungsreich, gut geschrieben und überrascht immer wieder aufs Neue. Auch die Charaktere im Spiel sind allesamt überzeugend und wirken nur selten wie Abziehbilder, die man auch in jedem anderen Mittelalter-Universum antreffen würde. Die Motivationen der Akteure sind nachvollziehbar und selten einfach nur gut oder böse. Vielmehr gibt es viele verschiedene Grautöne und es liegt an euch als Herrscher, wie viele zweifelhafte Kompromisse ihr eingehen wollt, um euer Königreich und eure Familie zu beschützen. Gerade zum Ende hin wird das Ressourcenmanagement durch verschiedene Faktoren erschwert, weshalb eine weitsichtige Planung wichtiger wird.


Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels aber doch moderat. Zwar hat die ein oder andere Fehlentscheidung zum frühzeitigen Ableben meiner Spielfigur geführt. Da das Spiel aber regelmäßig zwischenspeichert, müsst ihr im Falle eines Scheiterns nur die letzten paar Wochen wiederholen, um weiterspielen zu können. Wenn ihr gerade nicht Audienz haltet, könnt ihr Gespräche mit eurer Familie führen und die Areale eurer Burg erkunden. Sehr viele Optionen habt ihr dabei aber nicht. Die gesamte Handlung findet innerhalb der Burgmauern statt und beschränkt sich auf eine Handvoll Bildschirme. Die sind zwar nett gestaltet, strotzen aber nicht unbedingt vor Geheimnissen, die entdeckt werden wollen. Insofern kann es zwischenzeitlich doch zu Spielphasen kommen, in denen ihr mit Leerlauf konfrontiert seid. Allzu lange wird euch Yes, Your Grace im Übrigen nicht beschäftigen. Je nach Spielweise solltet ihr zwischen vier bis acht Stunden brauchen, um das Abenteuer durchzuspielen.


Technisch wie audiovisuell hinterlässt Yes, Your Grace einen soliden Eindruck. Der Titel setzt auf einen typischen Pixel-Look, der in Indie-Spielen häufig zum Einsatz kommt. Das Design der Welt mitsamt einer detaillierten Heraldik für die verschiedenen Königreiche wirkt insgesamt stimmig. Auch die Animationen der Pixel-Figuren sind gelungen, daneben glänzt der Titel mit einem schönen, wenn auch oft nur dezenten Soundtrack. Nicht zu empfehlen ist leider die deutsche Sprachausgabe. Die Charaktere sprechen in einer Fantasiesprache, die in Textform übersetzt wird. Die deutsche Übersetzung strotzt allerdings vor Fehlern, weshalb ich euch zur englischen Untertitelung raten würde.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Adis Selimi

Yes, Your Grace ist eine stimmige Management-Simulation, die mit einer abwechslungsreichen Handlung, interessanten Charakteren und einer spannenden Spielwelt punktet. Auf der negativen Seite ist aber der relativ geringe Umfang sowie das häufige Wiederholen von Spielelementen zu nennen. Dennoch wird euch der Titel gut unterhalten und garantiert mit der gut geschriebenen Geschichte eine Motivation bis zum Spielabschluss. Für Mittelalterfans ist der Titel ohnehin ein Muss.
Mein persönliches Highlight: Die wendungsreiche Geschichte um das Schicksal des Königreichs Davern.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 5

  • Shyguy

    Turmbaron

    Schön. Wird im Urlaub gespielt. Meine superraregames Version kam auch erst an.

  • RatedR

    Turmbaron

    Ich fand dass Spiel ziemlich geil, nur etwas kurz.

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Und im GamePass enthalten. Also wird es gespielt.

  • kaputten10

    Turmbaron

    Hatte es mir digital geholt und hatte auch sehr viel Spaß dran. Die Superrare Version hatte ich mir auch schon für die Sammlung bestellt.

  • Shulk meets 9S

    Meister des Turms

    Sehr unsympathischer Entwickler, werde ich definitiv nicht unterstützen