Ein Hoch auf unseren Lokfahrer ...

Normalerweise bin ich kein Fan von Simulatoren, die mich einen Lkw virtuell durch die Lande fahren oder mich mein Traumhaus bauen lassen. Gespannt habe ich jedoch auf die Veröffentlichung von Tracks – Der Holzeisenbahn Simulator geschaut, da sich beim Anblick des Trailers Kindheitsgefühle einstellten. Inwiefern diese Gefühle beim Spielen erhalten blieben oder erloschen sind, lest ihr im folgenden Test.


Ich baue meine Traumstrecke


Wer eine Story sucht, welcher man folgen kann, den muss ich leider enttäuschen. Das gesamte Spiel dreht sich darum, eure Fantasie anzuregen und eure Ideen umzusetzen. In einem kleinen Tutorial bekommt man die Grundlagen des Bauens und Spielens erklärt, welche man zum Errichten der eigenen Strecken benötigt. So lernt man unter anderem in den ersten Minuten, unterschiedliche Streckenteile auszuwählen und zu verknüpfen, um sich dann selbst in die Fahrerkabine zu setzen und loszudüsen.


Nach und nach verwandelt sich die gesamte Wohnung in eine Strecke.

© Excalibur Publishing

Vor allem die vielen Freiheiten, die einem der Holzeisenbahn-Simulator bietet, sind beachtlich. Ihr habt beispielsweise die Wahl, ob ihr euch in ein vorgefertigtes Szenario wie ein Wohnzimmer stürzt, um dort eure ersten Versuche der eigenen Strecke umzusetzen, oder in einer komplett leeren Welt starten möchtet, welche ihr nach euren Vorstellungen verändern könnt. Kann ich erste Variante allen empfehlen, um ein Gefühl für die Spielmechaniken zu entwickeln, war es vor allem die freie Spielwelt, welche meinen Kopf zum Brodeln brachte.


Ihr habt nämlich nicht nur in der Hand, wie eure Bahn am Ende ihre Runden drehen soll, sondern könnt darüber hinaus auch etliche Feinheiten selbst bestimmen. Sonnige Graslandschaften sind ebenso einfach umzusetzen wie ein verschneiter Bauernhof, ein von Ufos und Raketen besetzter Planet oder eben eine klassische Großstadt. Neben unzähligen Häusern, Fahrzeugen, Menschen, Tieren und anderen Attraktionen könnt ihr auch die Wetterlage aufs Genaueste bestimmen. Schön ist hierbei auch die Auswahl an all den Teilen, welche man als Kind in der Spielzeugkiste vergeblich gesucht hat. Von Geraden über Kurven und Brücken finden sich auch mehrspurige Schienen, durch welche nach und nach ein riesiges Eisenbahnnetz entstehen kann. Voraussetzung dafür sind lediglich gute Ideen in euren Köpfen.


So gut mir all diese Möglichkeiten gefallen, so steinig ist auch der Weg dorthin. Insgesamt fällt die Menüführung nämlich anfangs unübersichtlich und wenig durchdacht aus. Nicht nur muss man sich durch mehrere Kategorien und unterschiedliche Menüs durchklicken, die Steuerung wirkt dabei auch überladen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich diese Spielweise auf dem PC deutlich besser erleben lässt, da man durch die Maus einen schnelleren Zugriff auf die gewünschten Objekte oder zum Beispiel die genaue Stärke der Sonnenstrahlen hat. Die Portierung auf die heimische Konsole ist unter diesem Aspekt daher nur mäßig gelungen. Wenn man sich jedoch einmal daran gewöhnt hat, funktioniert die richtige Auswahl meist sehr schnell.


Meine erste Strecke entstand in einem malerischen Biom.

© Excalibur Publishing

Ansonsten finden sich im Spiel auch einige kleinere Missionen wieder. In diesen müsst ihr in einem vorgefertigten Szenario Passagiere aufsammeln und zu ihrem Zielbahnhof bringen. Wirklich intuitiv sind diese nicht, jedoch helfen sie sehr gut dabei, erweitertes Wissen über die verschiedenen Bauarten von Schienen zu bekommen. Dies liegt vor allem daran, dass ihr nach und nach auf unterschiedlichen Höhen arbeiten müsst und eure Schienen passgenau vor den Fahrgästen und am Bahnhof verlegt sein müssen. Dies setzt vor allem bei einer immer größer werdenden Strecke vorausschauende Planung voraus.

Technisch gefällt mir Tracks – Der Holzeisenbahn Simulator wirklich gut. Die Landschaften, Gebäude und weiteren Objekte sind detailgetreu, jedoch durch ihre Nähe zum realen Spielzeug auch sehr einfach gehalten. Dafür können die Wettereffekte durch die Feinjustierung überzeugen. Ladezeiten sind im gesamten Spiel moderat und fallen ebenso wenig auf wie Performanceprobleme. Dies betrifft sowohl das Spielen in der mobilen Variante als auch am heimischen TV.


Was ich nicht benennen kann, ist die voraussichtliche Spielzeit. Durch eine fehlende Story bestimmt ihr letztlich, wie viel Zeit ihr mit dem Titel verbringen werdet. Ich als Neuling von Simulatoren habe jedoch allein für meine erste Welt drei bis vier Stunden investiert. Hinzu kommen das Tutorial und einige Missionen. Mindestens eine weitere Welt in einem neuen Biom werde ich ebenfalls bauen. Somit kommt man bereits auf einige Spielstunden, wobei ich mir eine Möglichkeit zum Teilen von Kreationen gewünscht hätte. So baut man all die Strecken am Ende nur für sich selbst, wodurch eine Menge Potenzial verloren geht.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Tracks – Der Holzeisenbahn Simulator ist im Kern ein wirklich gutes Spiel. Die vielen Möglichkeiten beim Bauen und Kreieren eigener Strecken und Welten sind beachtlich und die vielen kleinen Feinheiten überzeugten mich auf ganzer Linie. Auch technisch bekommen wir hier einen gelungenen Titel abgeliefert, welcher vor allem denjenigen Spaß bereiten wird, die nie im Besitz der passenden Teile für die eigenen Ideen waren. Leider fehlt es dem Titel an zwei wichtigen Komponenten: zum einen eine Steuerung, welche präzisier auf die Nintendo Switch ausgelegt ist, und zum anderen weitere und zugleich abwechslungsreichere Missionen. Mir ist bewusst, dass diese Simulatoren davon leben, sich selbst und die eigene Kreativität auszuleben. Trotzdem hätte ich mir vor allem nach dem doch gut angeleiteten Tutorial mehr davon gewünscht, um vor allem Neulinge etwas besser abzuholen.
Mein persönliches Highlight: Nie mehr über fehlende Teile klagen zu müssen!

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(