Arcade-Racer par ex­cel­lence

In jüngsten Jahren scheint es ganz besonders in Mode zu sein, alte Marken und Produkte zurückzubringen, um ihnen einen neuen Anstrich zu verpassen. Das erkennt man allein schon daran, dass alle paar Wochen in den Nachrichten von Remakes, Reboots und Remasters die Rede ist. Nintendo Switch-Besitzer dürften mit dieser Praxis bestens vertraut sein. Immerhin ist die Mobilität der Hybridkonsole für viele Entwickler bereits ausschlaggebend genug, um ihr Spiel darauf zu veröffentlichen. Dies gibt Nintendo Switch-Spielern zwar eine umfangreiche Auswahl an Software, resultiert gleichzeitig aber in einer regelrechten Überschwemmung an Ports – und weniger echten Neuentwicklungen für das System.


Im Strudel der unzähligen Wiederveröffentlichungen auf der Nintendo Switch sticht jedoch ein gewisses Rennspiel hervor, das nach 10 Jahren zurück auf die Bildschirme der Spieler gefunden hat. Im November brachte Electronic Arts das ursprünglich von Criterion Games entwickelte Need for Speed: Hot Pursuit Remastered für moderne Konsolen heraus. Damit kommen Nintendo-Spieler nach dem 2013 für die Wii U veröffentlichten Need for Speed: Most Wanted U endlich wieder in den Genuss eines Serienteils. Mit aufgebohrter Grafik und allerlei Quality-of-Life-Anpassungen unter der Haube verspricht Electronic Arts die definitive Version des kultigen Arcade-Rennspiels. Wir haben uns für euch auf die Straßen von Seacrest County begeben, um dem Fahrspektakel einen TÜV-Test zu unterziehen. Angeschnallt? Los geht's!


Jäger und Gejagte


Need for Speed: Hot Pursuit Remastered spielt im fiktiven Seacrest County und erinnert von seiner Umgebung an den amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. So erstrecken sich die Straßen und Wege über bewucherte Wälder und verschneite Berge bis hin zu einer staubigen Wüste und der meist regnerischen Küste. Die Vielfalt im überschaubaren, aber doch geräumigen Straßennetz konnte mich während meiner Spielzeit sehr begeistern. Anders als viele andere Rennspiele, in denen ihr in hitzige Verfolgungsjagden verwickelt werdet, lässt euch dieser Titel an beide Seiten des Steuers – als Fahrer, aber auch als Cop.


Mit dem neuen Color Picker kann ich mir jede Farbe für mein Auto aussuchen, die ich will. Das macht sich in Rennen mit identischen Fahrzeugen gut.

© Electronic Arts

In der Kampagne wählt ihr über eine Weltkarte aus, welchen Ort von Seacrest County ihr ansteuern und welche Mission ihr dort absolvieren wollt. Dabei wird grundlegend in Racer- und Cop-Missionen unterschieden. Als Racer nehmt ihr an illegalen Straßenrennen teil, rast um persönliche Bestzeiten und versucht natürlich nicht von der Polizei erwischt zu werden. Das zeigt sich am eindrücklichsten in den titelgebenden „Hot Pursuit“-Missionen, wo beide Seiten aneinandergeraten und fortschrittliche Technik einsetzen, um die Gegenseite auszuspielen.


Um der rasenden Meute gewachsen zu sein, wurde beim örtlichen Police Department aufgerüstet wie in keinem zweiten. Die Wagen stehen denen der Fahrer in nichts nach und wurden um spezielle Waffen wie Nagelbänder und EMP-Störsignale erweitert. Als Cop ist es eure Pflicht, die Straßen von Seacrest County sicher zu halten und Überschreitungen des Tempolimits sofort auf den Grund zu gehen. Die Missionen der Gesetzeshüter haben demnach häufig mit dem Vereiteln von Straßenrennen und dem Schnappen von Übeltätern zu tun. Bei einigen wenigen Missionstypen könntet ihr den Eindruck erhalten, dass sich das Gameplay im Vergleich zwischen Racer- und Cop-Perspektive kaum ändert. Hier liegt der Unterschied allerdings im Detail.


Sowohl Racer als auch Cops können beispielsweise an „Vorschau“-Missionen teilnehmen, in denen sie einen neuen Wagen probefahren sollen. Auch wenn es sich dabei meistens um wirklich schicke Schlitten handelt, sollte man nicht zu viel Zeit verlieren, die Karosserie zu bewundern. Eure Probefahrt läuft nämlich auf Zeit und während ihr als Rennfahrer unbekümmert über den Asphalt heizen könnt, gilt es als zivilisierte Polizeikraft den Wagen im Top-Zustand ans Ziel zu bringen. Kollisionen und Crashes werden daher mit Zeitstrafen geahndet und können eure Bestzeit zunichtemachen, anders als bei den Racern, für die Verkehrsunfälle zum Fahren dazugehören. Sehr ähnliche Missionstypen, bei denen ihr euren fahrbaren Untersatz jedoch frei auswählen könnt, sind „Zeitfahren“ bei den Racern und „Schnelleinsatz“ bei den Cops. Der lockere Umgang bei den Racer-Missionen sagt mir dabei generell mehr zu.


Die frische Landluft tut gut!

© Electronic Arts

Wozu aber nun rund um Seacrest County düsen? Na, weil's Spaß macht, oder etwa nicht? Need for Speed: Hot Pursuit Remastered hat das Gameplay des Originals unangerührt gelassen und darf sich damit durchaus als ein Arcade-Racer alter Schule bezeichnen. Durch das erfolgreiche Bestreiten einer Mission und dem Erlangen eines Abzeichens sammelt ihr Kopfgeld, was in diesem Spiel die Funktion der Erfahrungspunkte übernommen hat. Zu gewissen Meilensteinen schaltet ihr neue Fahrzeuge frei oder könnt sogar die Wirksamkeit von Gadgets verbessern. Der Spielfortschritt ist dabei ziemlich linear gestaltet und schickt euch von Mission zu Mission. Ihr müsst eure Fahrzeuge nicht tunen oder reparieren oder weiß der Kuckuck. Es ist einfach und unkompliziert. Ihr steigt in den Wagen, zündet den Motor und schon beginnt die Freude am Fahren.


Für Langzeitmotivation und Wiederspielwert ist dabei reichlich gesorgt. Bis ihr euer Level maximiert und alle Goldmedaillen erlangt habt, werden einige Stunden ins Land ziehen. Immer wieder neue, aufregende Fahrzeuge freizuschalten und den Nervenkitzel vom Fahren neu zu erleben, sollte Ansporn genug sein, 25 Stunden oder mehr damit zu verbringen. Vielleicht wollt ihr aber auch die Bestzeit von einem eurer Freunde schlagen? Das Autolog-System hilft euch dabei, mit euren Freunden in Kontakt zu bleiben und euch gegen sie zu messen. Alternativ könnt ihr euch aber auch am Online-Spiel versuchen, welches sogar Crossplay unterstützt. Nervig ist jedoch, dass die Verbindung zu den Autolog-Servern jedes Mal getrennt wird, wenn ihr euch ins HOME-Menü begebt.


Unbeschwerter Fahrspaß


Für manche Fans von Rennspielen könnte all dies heutzutage zu wenig sein. Mittlerweile sind wir verwöhnt davon, unsere Fahrzeuge bis ins kleinste Detail zu individualisieren, durch eine offene Welt zu fahren – gerne auch einmal abseits der Straße – und immer wieder neue Events und Inhalte zu spielen. Need for Speed: Hot Pursuit Remastered bietet all das nicht und doch konnte es mir in den letzten Wochen jede Menge Spaß bereiten. Die Welt ist nicht zu klein, nicht zu monoton, bietet sogar einen aktiven Tag-und-Nacht-Wechsel sowie verschiedene Wetterbedingungen. Die Fahrzeuge sehen umwerfend aus und das Fahrgefühl bei hohen Geschwindigkeiten würde ich gegen nichts tauschen wollen. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen über Ressourcen oder Management, ich fahre einfach. Ich denke, dieser Ansatz könnte vielen gefallen, die heutige Rennspiele zu überladen oder zu mühselig finden. Ich weiß, dass es zumindest bei mir aus genau diesem Grund zünden konnte.


Selbst technisch gibt es nichts zu meckern. Die Portierungsarbeit von Studio Stellar Entertainment ist sehr gut gelungen und beschert uns stabile 30 FPS bei 1080p im TV-Modus und 720p im Handheld-Modus. An die Performance auf anderen Plattformen kommt dies natürlich nicht heran, muss es aber auch nicht. Denn schon in diesem Zustand lässt sich Need for Speed: Hot Pursuit Remastered wunderbar auf der Nintendo Switch spielen. Mein persönliches Manko wäre, dass der Text an manchen Stellen etwas klein geraten und damit schwer lesbar ist. Abseits davon könnten die analogen Schultertasten von dem ein oder anderen Rennspielfan vermisst werden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Daniel Kania

Need for Speed: Hot Pursuit Remastered versetzt euch zurück in die Blütezeit der Arcade-Rennspiele. Als Racer oder Cop düst ihr mit den beeindruckendsten Fahrzeugen durch das abwechslungsreiche Straßennetz von Seacrest County, immer auf der Suche nach dem nächsten Geschwindigkeits-Kick. Der Aufbau ist damals wie heute unkompliziert. Ihr schlagt euch von Mission zu Mission, erhöht euer Kopfgeld und schaltet damit neue, aufregende Fahrzeuge frei. Als Racer nehmt ihr an Rennen teil und flüchtet vor der Polizei, während ihr es als Cop auf ebendiese Racer abgesehen habt und versucht, sie mit allen Mitteln von der Straße zu kriegen. Der Sprung zwischen Gesetzesbrecher und Gesetzeshüter hält das Gameplay frisch und stellt euch vor immer neue Herausforderungen, ob am Tag oder in der Nacht, bei Regen oder Sonnenschein. Auch technisch ist die Nintendo Switch-Version einwandfrei, selbst wenn sie nicht mit Umsetzungen auf anderen Konsolen mithalten kann. Fans von Arcade-Racern sollten sich diesen Titel nicht entgehen lassen!
Mein persönliches Highlight: Die fantastisch aussehenden Fahrzeugmodelle!

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

6 User haben bereits bewertet

Kommentare 12

  • Icefox

    Turmbaron

    Scheint ja eine gute Umsetzung auf der Switch zu sein. Sehr schön, denn gute Rennspiele gibt es noch nicht viele.

    Werde ich mir mal im Angebot holen.

  • Rye

    GBA-Freak

    Kein Splitscreen MP ?


    :(

  • Ehefrau

    Turmzarin

    Leider gibt es in diesem NFS kein Cockpit-Perspektive (Ansicht Modus) dann wäre es für mich eine +1 mit * (Stern) gewesen.

  • aveiro23

    Thx4 Switch, Iwata-san!

    Schöner Test, verdient:)

    Ich freue mich riesig mein Lieblingsrennspiel in verbesserter Form auf der Switch zu genießen:*


    Rye

    Leider nicht;(

    Das ist echt das einzige, was dem Spiel fehlt. Sonst wäre es perfekt.

  • AndReh

    Turmknappe

    Gönn ich mir zu Weihnachten :mario::thumbup:

  • AlexWoppi

    Turmheld

    Ist nen geiler Port, habe ich nie gespielt damals, daher war es für mich neu. Nach 30 Stunden hab ich alles erledigt, jedoch fehln mir noch paar Autos und 3 Ränge zur letzten Stufe 20. Online läufts auch sehr gut, manchmal zu gut und schnell, aber auch nur wenn Crossplay aktiviert ist. Einzig nervig ist die Gummiband KI, die einem echt manchmal den Kopf schütteln lassen. Aber ansonsten Top Game!

  • Seymour

    Turmheld

    "Blütezeit der Arcade-Rennspiele" ... Wenn der Tester weder Bleifuß, noch die ersten Need for Speeds oder Burnouts kennt ^^'

  • Nischenliebhaber

    Turmheld

    Icefox

    Würde ich nicht sagen! Mindestens zwei Hand voll guter Racing Spiele gibt es IMO für die Switch. Man muss da nur etwas flexibel sein. 😉

  • Zach

    Turmheld

    Need for Speed gefällt mir wie auch schon Burnout Paradise sehr gut und ist zur Zeit mein Lieblings Racer für Switch.

  • Zettmaster

    Turmbaron

    Echt Klasse Portierung! Kann es nur wiederholen. Das Game sieht nicht nur gut aus, es fesselt einfach. Echt nicht überladen und für ein wenig Nervenkitzel in der Pause Ideal.

  • Icefox

    Turmbaron

    Nischenliebhaber


    Welche wären das?

    Mir fallen da nur NfS, Burnout und Grid ein ;)

  • Nischenliebhaber

    Turmheld

    Nischenliebhaber


    Welche wären das?

    Mir fallen da nur NfS, Burnout und Grid ein ;)

    Also gerade im Arcade Racing Bereich gibt es einiges:


    - Inertial Drift:

    - Hotshot Racing:

    - Rise: Race The Future:

    - Rush Rally 3:

    - Horizon Chase Turbo:

    - Fast RMX:

    - Redout:

    - Riptide GP Renegade:

    - Mantis Burn Racing:

    - Super Arcade Racing: