Großputz in der Schwerelosigkeit

Umzüge sind niemals leicht, doch zusammen angepackt, kann mit viel Arbeit aus einem reinen Chaos ein neues Heim werden. Fleißiges Kartonausräumen ist allerdings nicht nur auf der Erde angesagt, sondern auch jenseits unserer Atmosphäre im Weltall. Das ist zumindest in Out of Space: Couch Edition der Fall, einem knackigen Koop-Titel von Behold Studios, das euch auch in fremden Galaxien Möbel packen lässt. Ein gewisses Maß an Missgeschicken darf hier natürlich nicht fehlen, nicht zuletzt wegen der Alien-Plage, die das traute Heim nicht so schnell aufgeben will, weshalb ihr euch auf alles andere als einen bequemen Umzug gefasst machen solltet. Ob Out of Space: Couch Edition ein außerirdisch gutes Koop-Spiel für lustige Abende oder eher eine galaktische Enttäuschung ist, erfahrt ihr in unserem Test.


Umzüge sind auch im All anstrengend


Das Prinzip von Out of Space ist simpel: Begebt euch allein oder mit bis zu 3 weiteren Spielern in euer neues Zuhause im Weltall und richtet euch ein. Ziel des Spiels ist es letztlich, jeden Raum mit Strom zu versorgen. Hierzu habt ihr entsprechende Steckplätze in den Zimmern, die mit Batterien zu versorgen sind. Erschwert wird eure Aufgabe durch die eingangs erwähnten Aliens, die es sich in eurer Traumwohnung gemütlich gemacht haben und nicht daran denken, auszuziehen. Den Störenfrieden könnt ihr mit Putzaktionen das Handwerk legen und so beginnt mit jeder Runde ein verrückter Ausdauerkampf um die Sauberkeit des Raumschiffs. Dieses ist entweder in klein, mittel oder groß wählbar und setzt sich durch eine prozedurale Generierung jedes Mal neu zusammen. Obwohl sich die einzelnen Räume von ihrem Inhalt her nicht großartig voneinander unterscheiden, sollte man hier nicht unterschätzen, welchen Unterschied die zufällige Aneinanderreihung der Räume machen kann. Habt ihr Glück, könnt ihr eure Ausrüstung recht früh gut positionieren und euch eine gute Basis gegen die Aliens verschaffen, doch ein ungünstig gesetzter Raum genügt und ihr werdet im hoffnungslosen Stress mehr als einmal das Glück verfluchen, solltet ihr eure Ausrüstung nicht wie gewollt platzieren können.


Die zunächst noch dunklen Räume machen es schwerer, vernünftig zu planen. Was sich wohl hinter der nächsten Tür verbirgt?

© Behold Studios

Womit wir beim Herzstück von Out of Space wären, denn alles steht und fällt mit eurem Equipment. Hiervon gibt es reichlich und jedes Stück bietet andere Möglichkeiten, eure Aufräumaktion zu erleichtern. Auch dekorative Objekte leisten hier ihren Teil, denn so könnt ihr beispielsweise durch Lampen schneller laufen, euch in einer Dusche schneller von fiesem Schmutz befreien oder im Fernsehprogramm die neuesten Angebote erfahren. Und nicht nur das, denn um die Runden zu gewinnen, müsst ihr auch genug essen und fit bleiben, was ebenfalls durch Gegenstände geregelt wird. Zu Beginn zieren zudem Besen und Wassereimer euren Besitz, mit denen ihr neue Räume säubert und Batterie-Steckplätze und andere Gerätschaften vom Alien-Schleim befreit. Die miesen Wohnraumverschmutzer könnt ihr in der Regel mit eurem Besen außer Gefecht setzen und dann kein Scherz im Schredder entsorgen. Selbiges macht ihr auch mit herumliegenden Müllbeuteln oder sogar eurer eigenen, ungenutzten Ausrüstung. Hierdurch könnt ihr Münzen erhalten, die ihr im Shop, vorzugsweise bei den erwähnten Angeboten, gegen Batterien oder andere Gegenstände eintauschen könnt.


Neue Gegenstände, aber auch neue Gegnerarten, schaltet ihr über ein Achievement-System frei. Hier müsst ihr beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Runden spielen oder euch in einer bestimmten Raumschiffgröße beweisen. Insgesamt ist die Vielfalt der Runden überraschend groß und kann über eine längere Zeit motivieren. Die Gegenstände tragen merklich dazu bei, dass euer Kampf angenehmer wird, was jeden Kauf und jedes zufällig in einem neuen Raum gefundene Item zu einem kleinen Erfolgserlebnis macht. Denn Out of Space kann durchaus ziemlich knackig werden, selbst wenn ihr Unterstützung im Gepäck habt. Habt ihr ein gutes Gefühl für die verschiedenen Items entwickelt, könnt ihr außerdem einige Vorgänge automatisieren und auch einen Hund könnt ihr euch besorgen, der allerdings nicht nur Strom, sondern auch Verpflegung braucht, um euch zur Hand zu gehen. Manchmal hängt es mit dem Layout des Raumschiffs zusammen und manchmal ist es auch nur eine kleine Unaufmerksamkeit seitens der Spieler, die dafür sorgt, dass die Runde schnell verloren ist. Denn auch beim erfolgreichen Zurückdrängen der Aliens solltet ihr nicht unachtsam werden, ehe alle Räume mit Batterien versorgt sind, da die Störenfriede sonst immer wieder auftauchen. Das Spiel schafft es allerdings, sehr gut die Balance zu halten, sodass eine verlorene Runde nicht in Frust ausartet, sondern eher in den Wunsch, nochmal mit einer effektiveren Strategie heranzugehen. Denn genau dieser strategische Aspekt ist es, der Out of Space so gelungen macht.


Der Hund ist der beste Freund des Fuchses? Zumindest hilft einem der kleine Kläffer beim Kampf gegen die Aliens. Natürlich muss er auch versorgt werden.

© Behold Studios

Wie schon das Grundkonzept ist auch die Steuerung des Spiels simpel gehalten, kann aber in seiner Einfachheit überzeugen. Die Steuerung ist intuitiv und fühlt sich passend an, mit einer geringen Knopfbelegung. Die Sicht aus der Vogelperspektive auf das Spielgeschehen ermöglicht einen guten Überblick über das Raumschiff und zoomt raus, je mehr Räume ihr kontrolliert. Chaotisch kann es manchmal werden, wenn viele Items auf einem Fleck liegen. Da ihr keine Möglichkeit habt, den Gegenstand eurer Begierde auszuwählen, müsst ihr bei überlappenden Items hoffen, das richtige zu treffen, beziehungsweise dieses wieder wegwerfen, bis ihr das Gewünschte in euren Händen haltet. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Musik in Out of Space, denn während es zunächst nicht einmal so wirkt, als hätten die Level Hintergrundmusik, entfaltet sich diese tatsächlich je weiter ihr mit dem Putzen kommt, sodass sie letztlich erst komplett einsetzt, sobald ihr quasi im großen Finale der Runde angekommen seid. Das sorgt für eine herrliche Atmosphäre und einfach eine Portion gute Laune in einem sonst sehr hektischen, nervenaufreibenden Spiel.


Natürlich gibt es auch in Out of Space das ein oder andere Manko, denn so fällt beispielsweise der fehlende Online-Multiplayer negativ auf, der in der PC-Version enthalten ist. Der Name der Couch Edition mag hier zwar Programm sein und grundsätzlich kommt das Feeling eines solchen Koop-Spiels so richtig zur Geltung, wenn man im gleichen Zimmer sitzt, doch generell wäre die Implementierung eines Online-Modus dem Couch-Gameplay ja nicht abträglich und würde für mehr Möglichkeiten sorgen. Hin und wieder kommt es außerdem auch zu kleineren Rucklern, was allerdings nicht sonderlich stört. Obwohl an sich gelungen, bleibt dann doch auch die Steuerung nicht gänzlich kritikfrei und sorgt in besonders hektischen Momenten für hakeliges Gewusel, wenn man gerade nicht den richtigen Gegenstand zu fassen bekommt und gleichzeitig noch einem Mitspieler helfen will, der im Schleim gefangen ist. Hier setzt dann in seltenen Fällen auch mal der Frust ein, wenn man aufgrund eines ungünstigen Items die ganze Runde verliert. Und täuscht euch nicht: Das passiert schneller, als einem lieb ist.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Robin Jung

Insgesamt ist Out of Space: Couch Edition ein sehr gelungenes Couch-Koop-Spiel, das eine schöne Vielfalt und eine gute Portion Wiederspielwert mit sich bringt. Den Schwierigkeitsgrad sollte man nicht unterschätzen und auch zu zweit kann einem das Wasser schnell mal bis zum Hals stehen. Dabei schafft es der Titel zwar hart, aber auch fair zu bleiben und spornt zu besseren Herangehensweisen an. Auch die verschiedenen Gegnertypen tragen ihren Teil zum Erlebnis bei und sorgen in heiklen Momenten schnell mal für Panik, wenn man gerade nicht das richtige Hilfsmittel zur Hand hat. Das einfache Prinzip von Out of Space: Couch Edition geht leicht von der Hand und kann grundsätzlich auch allein genossen werden. Dennoch richtet sich der Titel klar an mehrere Spieler und macht so auch viel mehr Spaß. Durch den fehlenden Online-Modus muss hier außerdem gesagt sein, dass man willige Mitspieler auch in unmittelbarer Nähe haben muss. Alles in allem ein spaßiges Multiplayer-Spiel mit kleineren Schwächen, mit dem man an einem Party-Abend in einigen Runden aber voll und ganz auf seine Kosten kommt.
Mein persönliches Highlight: Der herausfordernde Schwierigkeitsgrad und die Vielfalt der Items.

Die durchschnittliche Leserwertung

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