Wer bremst, verliert!

Derzeit befindet sich gefühlt die gesamte Videospielwelt im Schatten von Cyberpunk 2077. Doch so manch einer ist in den Schatten geboren und aufgewachsen. Nicht nur Bane, sondern gewiss auch der Ghostrunner. Der gleichnamige Titel aus dem Hause 505 Games ist vor einigen Wochen bereits auf anderen Plattformen erschienen und versucht nun auch die Nintendo Switch-Besitzer für sich zu gewinnen. Ob das Schnetzelfest im Cyberpunk-Setting mit seinem potenziell süchtig machenden Flow überzeugen kann, sollen die folgenden Zeilen zeigen.


Der titelgebende Ghostrunner ist ein kybernetisches Wesen, das dank seines vollmodifizierten Körpers sowohl ein Meister im Parkour als auch im Töten ist. Recht früh erfahrt ihr im Verlauf der Handlung allerdings, dass ihr nicht etwa der einzigartige, unerreichte Ghostrunner seid – vielmehr gab es in einer früheren Zeit zahlreiche Runner, die als eine Art Polizeieinheit und Friedenswahrer eingesetzt, letztlich jedoch allesamt von Mara, der Antagonistin des Spiels und bösartigen Anführerin der dystopischen Welt, vernichtet wurden. Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle eines Ghostrunners, der nach jener Auslöschung von den Climbers, einer Rebellengruppe, in einer extrem gefährlichen Mission aufgefunden und notdürftig repariert wurde. So wacht ihr zu Beginn des Spiels ohne jegliche Erinnerungen und mit stark limitierten Fähigkeiten auf. Ihr seid jedoch nicht alleine.


Der Ghostrunner steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der Ninja-artige Assassine hat so einiges auf dem Kasten.

© 505 Games

Scheinbar per Funk nimmt eine Person mit euch Kontakt auf, die sich euch als „der Architekt“ vorstellt. Er sei derjenige gewesen, der die Ghostrunner einst konzipiert und gebaut hat und er erzählt euch, dass ihr nun wohl oder übel die letzte Hoffnung seid, Mara aufzuhalten. Der Architekt versorgt euch jedoch nicht nur mit Hintergrundwissen, sondern bringt euch nach und nach auch die besonderen Fähigkeiten des Runners näher. Nachdem ihr die üblichen Verdächtigen unter den Bewegungsmöglichkeiten wie Ducken, Springen, Schlittern, an den Wänden entlanglaufen und den nützlichen Greifhaken kennengelernt habt, geht es auch schon ans Eingemachte.


Durch die Kombination der linken Schultertaste mit einer Bewegung des linken Sticks könnt ihr ein blitzschnelles Ausweichmanöver in die gedrückte Richtung vornehmen. Das kommt vor allem in den vielen kürzeren Auseinandersetzungen zum Einsatz, denn auf dem blutgetränkten Pfad zu Mara stellen sich euch zahlreiche schießwütige Gegner in den Weg. Das Schwierige an der Sache: Während die miesen Fieslinge mit Gewehren und scharfer Munition ausgestattet sind, verfügt ihr ausschließlich über ein Katana, mit dem ihr euch zur Wehr setzen müsst. Die Devise lautet deshalb grundsätzlich, immer in Bewegung zu bleiben, um von den Schüssen nicht getroffen zu werden und in Schnittdistanz zu den Soldaten zu kommen. Hier empfiehlt sich eben das angesprochene, blitzschnelle Ausweichmanöver, denn die abgefeuerten Salven sind in der Regel gut sichtbar. Eine zusätzliche Schwierigkeit stellt darüber hinaus aber die fehlende Lebensleiste dar. Da auch keine Schilde zur Verfügung stehen, bedeutet jeder noch so kleine Treffer das vorzeitige Ende der Geschichte. Und das wird euch häufig ereilen. Sehr häufig.


Da die Checkpoints aber ebenso sehr großzügig verteilt wurden, könnt ihr euch in Windeseile wieder ins Geschehen stürzen. Die dystopische, sehr stark am Cyberpunk orientierte Welt ist zwar grundsätzlich linear aufgebaut, ist aber wiederum so riesig und vollgepackt, dass euch dank der Parkour-Fähigkeiten des Runners häufig zahlreiche Möglichkeiten offenstehen, einen bestimmten Abschnitt hinter euch zu lassen. So sieht das Spiel eigentlich für euch vor, dass ihr einen Bereich erst von Gegnern säubern müsst, damit sich euch der Pfad zum Weiterkommen öffnet. Dieses „Öffnen“ stellt sich in der Regel aber als das Verschieben nur eines Levelelements wie einer Wand, eines Containers oder eines Stahlträgers dar, sodass darüber ein neuer Abschnitt erreicht werden kann. Die Nutzung dieses bestimmten Elements ist aber häufig nur eine Alternative und nicht etwa die einzige Möglichkeit, sodass vom Ausmerzen der Gegner auch mal abgesehen werden kann, um voranzukommen. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die verrückte Speedrun-Community, die bereits zahlreiche Strategien entdeckt und gemeistert hat, um das Spiel schneller abschließen zu können.


Bevor ihr die schießwütigen Gegner aus dem Weg räumen könnt, müsst ihr manches Mal kleine Extraaufgaben wie das Zerstören der Schilde lösen.

© 505 Games

Dass dieses Austricksen der angedachten Spielmechaniken von den Entwicklern nicht nur geduldet, sondern in gewisser Form auch gefördert wird, macht die Option deutlich, sich einen "Deathcounter" und die Zeit, die für das Abschließen eines Levels benötigt wird, anzeigen zu lassen. So schließt ihr das Spiel übrigens auch nicht in einem Rutsch ab, sondern hangelt euch von Level zu Level – was aber letztlich einer nahtlos fortlaufenden Geschichte entspricht, da ihr in einem neuen Level immer dort startet, wo ihr beim vorangegangenen Abschnitt aufgehört habt. Neben Todes- und Zeitanzeigen machen die zur Verfügung stehenden Optionen und das Interface einen soliden, nicht störenden Eindruck, sind vor kleineren Schönheitsfehlern aber nicht gefeit. So wird manches Mal deutlich, dass der Titel für allerlei Plattformen erschienen ist und nicht durchgehend für die Nutzung auf der Nintendo Switch optimiert wurde. Die verwendete Schriftart ist beispielsweise sehr klein und wird gerade im Handheld-Modus zu einer waschechten Herausforderung. Dazu ist die Tastenbelegung zwar grundsätzlich stimmig, wird im Spiel aber nicht immer korrekt angezeigt. Über die Minus-Taste könnt ihr zum Beispiel ein Menü öffnen, in welchem sich per Tetris-Mechanik Verbesserungen der zur Verfügung stehenden Fähigkeiten einstellen lassen. Grundsätzlich ein sehr praktisches Tool, das Spiel empfiehlt euch aber fälschlicherweise konsequent die Plus-Taste zum Öffnen des Menüs.


Ansonsten macht Ghostrunner aus technischer Sicht einen sauberen Eindruck. Wobei „sauber“ in einen Kontext gesetzt werden muss. Bei einem Titel, der in Bezug auf sein Gameplay so dermaßen auf einen entsprechenden Flow angewiesen ist, muss zwangsläufig auch die Bildwiederholrate stimmen. Und während diese auf den Konkurrenzkonsolen die flüssigen 60 Bilder erreicht und auf dem PC je nach Ausstattung quasi grenzenlos ist, müssen sich Besitzer der Nintendo Switch-Version mit dem veralteten Standard von 30 Bildern pro Sekunde zufriedengeben. Während der Testphase waren diese immerhin aber auch durchweg ohne merkliche Einbrüche gegeben. Dass das aber auch nicht ohne eine deutliche Reduzierung der Optik vonstattengehen konnte, wird spätestens beim Nebeneinanderlegen der verschiedenen Spielversionen deutlich. So macht die cyberpunkige Welt auf der Nintendo Switch für sich betrachtet zwar immer noch eine gute Figur, erinnerte mich aufgrund der geringeren Farben und Details sowie dem allgemein etwas trüberen Bild aber statt Cyberpunk 2077 eher an frühere Ghost in the Shell-Ableger.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Chris Holletschek

Mit seinem treibenden Soundtrack, dem Cyberpunk-Setting und dem rasanten Gameplay kann Ghostrunner an den Bildschirm fesseln. Dafür ist aber eine gewisse Frustrationstoleranz und der Wille zum Lernen von Mechaniken vonnöten. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, aber ebenso belohnend, wenn die ausgeguckte Route funktioniert und man wie im Rausch in einer fließenden Bewegung einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg räumt. Die Handlung funktioniert zunächst gemäß dem Prinzip von Engelchen und Teufelchen, hält im Verlauf den einen oder anderen Twist bereit, erfindet letztlich das Rad aber nicht neu – und gerät im Zuge des rasanten Gameplays auch zunehmend zur Nebensache. Weniger nebensächlich ist die imposante Optik, die für sich betrachtet zwar durchaus zu gefallen weiß, im Vergleich mit den Versionen der Konkurrenzkonsolen aber doch deutliche Unterschiede erkennbar werden lässt. In diesem Zusammenhang kommt schmerzlich hinzu, dass die Nintendo Switch-Version trotz der reduzierten grafischen Darstellung nur mit 30 Bildern pro Sekunde aufwarten kann, die aber immerhin durchgehend gehalten werden. Letztlich ist Ghostrunner trotz allem für all jene zu empfehlen, die eine hübsche Herausforderung für unterwegs suchen. Solltet ihr allerdings das Setting in vollen Zügen genießen wollen, lohnt es sich, einen Blick auf die Versionen für PC und Konkurrenzkonsolen zu werfen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 8

  • BjDude64

    Turmknappe

    Danke für den ausführlichen Test.

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    "Solltet ihr allerdings das Setting in vollen Zügen genießen wollen, lohnt es sich, einen Blick auf die Versionen für PC und Konkurrenzkonsolen zu werfen."


    Immer wieder interessant dass geglaubt wird dass man verschiedene Plattformen zuhause hat.

    Denke die Mehrheit entscheidet sich für ein System und das wars.

    Für mich würde sich es definitiv nicht lohnen weil dann ein weiteres System her müsste was mit kosten und noch viel schlimmer weiteren Platz verbunden ist.

    Das ist alles aber sicher nicht lohnen wert.

    Und vollen Zügen genießen?

    Wer entscheidet das?

    Immer man selber?

    Kann ich es in vollen Zügen genießen sowohl unterwegs als auch zuhause in the fly bei der Konkurrenz?

    Ich denke nicht.


    Nicht falsch verstehen ich möchte hier mit nur auf diesen Denkfehler der öfters in verschiedensten Test gemacht wird (nicht nur auf ntower sonder allgemein) hinweisen.


    Switch version sollte man nicht so kritisch jedes mal betrachten sondern man sollte eher die Eigenarten viel mehr heraus stechen, stadessen wird jedes mal 1:1 verglichen was ich für einen großen Fehler halte.


    Ansonsten schöner test,spiel finde ich so lala.

    Irgendwie macht es vieles richtig lässt aber auch einiges liegen da es sich auf sein Gameplay ausruht und man nach 5min weiß was abgeht bis zum schluss.

    Wenig überraschungen.

  • Domme

    Turmritter

    DLC-KingAmen, sehe ich genau so :thx:

  • Ravenyard

    Turmknappe

    Naja DLC-King, das Game ist ab 18 und daher der Test auch an ältere Gamer gerichtet und PC haben die meisten. Ich hab PS4, PC, Switch, 3DS, New 3DS... und bin kein Hardcore Gamer....also es gibt tatsächlich sicherlich einige, die mehrere Systeme haben und der Hinweis darauf ist schon nice. Ich zocke auch nur Switch, weil meine Freundin nicht allein vorm TV sitzen will ^^ ansonsten würde ich diese leistungsschwache Konsole eher nicht verwenden.

  • Domme

    Turmritter

    Ravenyard Man sollte aber auch bedenken, dass solche Vergleiche bei 90% aller Titel immer auf das selbe Ergebnis kommen:

    1. Grafik ist auf der Switch immer schlechter.
    2. FPS ist immer weniger
    3. Die Switch ist im Vergleich die Leistungsschwächere Konsole


    Und sind wir mal ehrlich: Das ist doch jedem im Vorfeld klar.

    Wer stark/extrem auf Grafik steht, der kauft nicht für die Switch wenn er eine andere Konsole/PC zur Auswahl hat. Mich interessiert zum Beispiel bei der Switch nicht, wie gut/schlecht sie im Vergleich ist, sondern wie gut sie ihr potential Nutzt und wie die Grafik auf der Konsole an sich aussieht ( sprich, über Videos/Bilder ). Und vor allem auch der Handheldmodus ( wobei ich hier bei Jurrasic World ziemlich auf die Schnauze mit gefallen bin, weil ich mir die Tests dazu nicht angeschaut habe <.< )

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    Naja DLC-King, das Game ist ab 18 und daher der Test auch an ältere Gamer gerichtet und PC haben die meisten. Ich hab PS4, PC, Switch, 3DS, New 3DS... und bin kein Hardcore Gamer....also es gibt tatsächlich sicherlich einige, die mehrere Systeme haben und der Hinweis darauf ist schon nice. Ich zocke auch nur Switch, weil meine Freundin nicht allein vorm TV sitzen will ^^ ansonsten würde ich diese leistungsschwache Konsole eher nicht verwenden.


    Einen Gaming PC haben erwachsene die meisten 🤔 erzähl mir bitte mehr.

    Bitte eine Quelle die das belegt.


    Ich sage dass das absoluter Blödsinn ist den du schreibst.

    Die wenigsten haben mehrere Plattformen was einfach in der Natur der Sache ist.

  • LaGeaR

    Turmknappe

    DLC-King


    Was ist daran schlimm, dass man anmerkt, dass es auf den anderen Plattformen besser aussieht und wahrscheinlich sich auch mehr lohnt.


    Ich kann mir auch schlecht einen Shooter unterwegs mit 720p, 30fps, schlechter Grafik, kurze Weitsicht und ohne Pro Controller vorstellen. Unterwegs schlafen einem ja die Hände ein.


    Und das on the fly ist schön und gut aber dafür muss man vieles an Performance, Auflösung und Grafik einbüßen. Am Ende entscheidet jeder für sich selbst was einem wichtiger ist. Finde du nimmst diesen Satz viel zu persönlich. Es gibt einfach keinen Grund so einen Satz zu kritisieren und mittlerweile weiß glaub jeder, dass der Vorteil der Switch das unterwegs und zuhause am TV zocken das tolle an der switch ist. Nichts desto trotz, wollen einige Leute wissen, ob es auf der Switch vielleicht doch einigermaßen sich mit den anderen Versionen blicken lassen kann.


    Für mich persönlich ist Ghostrunner ein Spiel, was ich auf meiner Playstation spielen werde. (habe keinen gaming PC aber Nintendo und Sony Geräte)

    Hades z. B. ist ein Spiel, was ich mir auf der Switch super vorstelle und es eventuell dafür holen werde, da die Switch Version keine Nachteile hat, sondern nur Vorteile gegenüber den anderen Versionen.

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    LaGeaR


    Kannst deine Ansicht haben, ich habe meine.

    Halte deine für grundlegend falsch aber diskutieren bringt glaube ich hier gar nichts mehr, einfach weil alles gesgat wurde. Sowohl von dir als auch von mir.



    Peace