Trucks, Zerstörungen und technische Schwierigkeiten

Obwohl das Racing-Genre grundsätzlich demselben Muster folgt und Wettkämpfe um den ersten Platz stets an der Spitze stehen, könnte die Vielfalt nicht unähnlicher sein. Während Spieleserien wie Grand Turismo auf Realismus sowie ein einfühlsames Fahrverhältnis setzt, lebt Mario Kart vom Chaos und schickt euch in die aberwitzigsten Schauplätze des Pilzkönigreichs. Abseits davon vermischen Monster Trucks gewissermaßen beide Grundsätze, indem das lebensechte Spielgefühl der mechanischen Riesen überzeugend simuliert wird oder brutale Zusammenstöße und gefährliche Stunts den Wahnsinn visualisieren. Wer es nicht ganz auf die doch recht bedrohliche Bedienung eines Trucks abgesehen hat, aber dennoch Interesse aufweisen kann, erhält nun mit Monster Truck Championship die Chance, einmal selbst in die modifizierten Titanen zu steigen.


Im Rennen dürft ihr nicht das Gleichgewicht verlieren.

© Nacon

Bevor es allerdings auf die Rennpiste geht, führt euch das Tutorial relativ verständlich durch die Grundsätze des Spiels und hakt Schritt für Schritt die wichtigsten Reiter des Hauptmenüs ab. Das Training ist hierbei die perfekte Einstiegsgelegenheit, um ein Gefühl für das recht eigensinnige Gameplay zu bekommen. Mit nur wenigen Handlungsmöglichkeiten, darunter das Gasgeben oder das einfache Lenken der Maschine, fallen die Optionen auf den ersten Blick mager aus, jedoch liegt genau hier der springende Punkt. Das Spielgefühl des Vehikels ist bis zu einem gewissen Grad – vor allem in der Luft – unvorhersehbar, weswegen die absolute Kontrolle über das Fahrverhalten den Truck zu einem einfachen Auto machen würde. So entscheiden behutsame Bewegungen in den meisten Fällen den Ausgang eines Rennens – letztendlich kann aber ein einziger falscher Stoß den Truck völlig aus dem Gleichgewicht bringen und ihn kopfüber stellen. Ein simpler Knopfdruck setzt das Spielgeschehen in solchen Situationen wieder in eine komfortable Position zurück und zählt dabei jeden Neuanfang mit, um widerzuspiegeln, wie oft „unfaire“ Maßnahmen ergriffen werden mussten. Wirkliche Folgen resultieren aus diesem Vorgehen nicht, allerdings ergeben sich infolgedessen interessante persönliche Aufgaben, wo das Zurücksetzen beispielsweise bis zum Schluss verboten bleibt. Leider ist es nicht möglich, nützliche Tipps noch einmal in einem gesonderten Menüreiter nachzulesen. Sind die Grundlagen aber erst einmal verinnerlicht, kann es auch schon in den Karriere-Modus gehen – der Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Hier tretet ihr in einer Reihe von unterschiedlichen Herausforderungen gegen computergesteuerte Gegner an und versucht am Ende, die besten Ergebnisse zu erzielen.


Ob man dabei jeweils eine der Etappen als Letzter oder Erster abschließt, spielt durchweg keine Rolle – das Endergebnis ist der entscheidende Faktor um Ruhm und Ehre. Bevor es aber an die Teilnahme geht, müssen entsprechende Gebühren bezahlt werden. Was zu Beginn noch wie ein geeignetes Mittel wirkt, dem ganzen Prozedere einen gewissen Risikofaktor zu geben, indem ein Turnier aufgrund des wirtschaftlichen Aspekts nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, verkommt im Verlauf der Einzelspielerkampagne zu einer nervigen Paywall, die unnötige Frustrationen auslöst. Die Turniere sind in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt, die allesamt unterschiedliche Belohnungen sowie Voraussetzungen vorgeben. Naturgemäß steigen damit auch die erforderlichen Teilnahmegebühren, die sich gerade auf der höchsten Stufe einfach nicht rentieren. Das Preisgeld mag verlockend erscheinen, betrachtet man jedoch die benötigten Gebühren, so fällt einem schnell auf, wie trivial der Gewinn eigentlich am Ende ausfällt – sollte man überhaupt gewinnen.


Das Fahrverhalten lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

© Nacon

Eingeteilt wird ein Turnier in bis zu vier mögliche Disziplinen: Race, Drag Race, Freestyle und Zerstörung. Race stellt ein einfaches Wettrennen zwischen mehreren Kontrahenten dar, während das Drag Race zwei Spieler an gegensätzliche Orte setzt, die ein gemeinsamer Zielpunkt verbindet. Obwohl es sich hierbei ebenfalls gewissermaßen um ein Rennen handelt, teilt das Drag Race einen Wettkampf in insgesamt drei Runden ein, da eine Partie nur wenige Sekunden andauert. Aufgrund dessen fällt die Strecke genauso kurz aus und stellt präzise Lenkmanöver in den Vordergrund. Der Race-Modus selbst konzentriert sich auf relativ gerade Strecken, um die gegnerischen Trucks ein wenig in den Fokus zu rücken. Brutale Stoße gegen die Kontrahenten erzeugen nämlich Schäden an eurem Fahrzeug, welche anhand einer simplen Veranschaulichung und signalisierenden Farben verdeutlicht werden. Nicht nur externe Bauteile wie Reifen können dabei Mängel erleiden – essenzielle Funktionen wie das Lenkrad oder die Bremsen können genauso in Mitleidenschaft geraten und das Spielgefühl deutlich beeinträchtigen. Schadensanzeigen, die sich auch optisch am Truck durch absplitternde Bauteile präsentieren, mögen zwar ein geeignetes Mittel sein, Tiefe in das Gameplay zu bringen, andererseits ist das Feature nicht konsequent genug umgesetzt. Selbst in späteren Herausforderungsstufen ist es mir nicht ein einziges Mal passiert, dass Reifen platzten, die Bremsen ausfielen oder ich die Kontrolle über den Truck verlor. Auf dem Papier mag die Anzeige fraglos Potenzial besitzen, schlussendlich hielten die Runden aber leider niemals lange genug an, um meinen Truck in ernsthafte Gefahr zu bringen.


Sehr viel interessanter sind der Freestyle- und Zerstörung-Modus, wo das Hauptaugenmerk auf eindrucksvolle Kunststücke sowie wütende Beschädigungen liegt. Wirklich Unterschiede zwischen den Modi lassen sich nur schwierig verdeutlichen, wobei Zerstörung das Beschädigen von Objekten präferiert, während Freestyle seinen Wert auf Stunts legt. Beide Disziplinen setzen euch aber letztendlich in die gleichen Arenen unter denselben Voraussetzungen. Mit insgesamt vier Modi, die sich zugegeben alle recht abwechslungsreich verteilen und sich mit mehreren Strecken sowie Schauorten versuchen frischzuhalten, kann die Monotonie im Verlauf des Spiels nicht verborgen werden. Irgendwann ist der Reiz der einzelnen Minispielen ausgeschöpft, weswegen ich mir wenigstens noch eine Art Battle-Modus in Form eines Battle Royals gewünscht hätte. Gleichzeitig hätte man dadurch die Kritik der unbedeutsamen Schadensanzeige ein wenig negiert, da das Zerstören der gegnerischen Trucks und die Sicherheit des eigenen Vehikels im Fokus stünde. Dass ein solches Konzept in der Nintendo Switch-Version allerdings mehr Probleme als Wohlwollen erzeugen würde, beweist traurigerweise die technische Umsetzung.


Wie in einem echten Truck ... oder?


Die aufpoppenden, schwammigen Texturen mal außer Acht gelassen, schafft es die Bildrate nur selten wirklich stabil zu bleiben. Gerade im Race-Modus ist das Geschehen aufgrund der zahlreichen Trucks, welche alle gleichzeitig agieren, fast schon unangenehm anzusehen. Vor allem der Handheld-Modus leidet extrem unter einer unheimlich unscharfen Darstellung, sodass viele Details – wenn man diese überhaupt so nennen mag – nicht zum Vorschein kommen. Selbstverständlich lässt sich die Nintendo Switch-Version nur schwierig mit anderen Plattformen vergleichen, jedoch wäre es sicherlich im Bereich des Möglichen gewesen, Feinheiten wie schmutzige Räder oder matschige Trucks visuell akkurat darzustellen. Ebenso misslungen ist der gleichsam nicht vorhandene Soundtrack und das Sounddesign. Während Ersteres oftmals einfach nicht zu hören ist und das Geschehen ehrlicherweise nur passiv unterstützt hätte, ist es nicht zu entschuldigen, wie ausdruckslos das Sounddesign erfolgt. Gefühlt ertönen Motoren unheimlich ähnlich, Zusammenstöße klingen wie der Anstoß eines britischen Nachmittagstees und rollende Räder auf nassem Schwamm erzeugen einfach keine glaubwürdige Soundkulisse. Die potenzielle Verwendung des HD-Rumbles könnte ebenfalls wahre Wunder bewirken, hätte man sich etwas mehr Mühe mit der Portierung gegeben – auffällige Rechtschreib- sowie Grammatikfehler sind dabei nur die Kirsche auf der Torte.


Leider stammt dieser Screenshot nicht aus dem portablen Modus.

© Nacon

Abseits der vielen Herausforderungen und technischen Schwierigkeiten bietet die Garage genug Möglichkeiten, den eigenen Truck fast vollständig zu individualisieren. Sei es die Farbe, das Muster, die Reifen oder technische Attribute wie die Beschleunigung, Bremsstärke und Lenkempfindlichkeit – die Optionen bieten mehr als genug Spielraum, um einen persönlichen Spielstil zu entdecken. Natürlich ist ein neuer Motor beispielsweise nicht ganz billig, weswegen anderweitige Einnahmequellen die finanzielle Situation merklich beeinträchtigen können. Die Rede ist dabei von Teams und Sponsoring – zwei Faktoren, die hauptsächlich eine passive Rolle einnehmen. Das Erstellen eines eigenen Teams erlaubt den Einsatz von professionellen Fachkräften, welche die Attribute des Trucks um ein Wesentliches verbessern können. Ganz so billig ist das Beschäftigen eines Arbeitnehmers aber nicht, immerhin besitzt er ein Recht auf den Gewinnanteil, um die entsprechende Leistung zu bringen. Das Sponsoring läuft hingegen etwas anders ab und verlangt prinzipiell lediglich überzeugende Ergebnisse während eines Turnierdurchgangs. Hierbei läuft die Partnerschaft nach einer bestimmten Anzahl von absolvierten Turnieren ab, weswegen die ständige Beobachtung der Angebote nicht vernachlässigt werden sollte.


Theoretisch eignet sich der Multiplayer für chaotische Spiele wie diese am besten. Unglücklicherweise ist es nicht möglich, das Gameplay im lokalen Mehrspieler zu genießen, lediglich eigenerstellte Regeln für schnelle Einzelspielerpartien stehen zur Verfügung. So unpassend diese Entscheidung auch sein mag, bietet der Online-Modus die Gelegenheit, sich gegen andere Spieler zu messen. So gern ich auch die Funktionalität der Online-Aktivitäten beurteilt hätte, ließen sich oftmals nur selten oder gar keine weiteren Spieler finden, weswegen eine gerechte Bewertung des Online-Modus leider ausgeschlossen bleibt.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Kevin Becker

Auf den ersten Blick wirkt Monster Truck Championship wie eine absolut gelungene Umsetzung der spektakulären Veranstaltungen. Trucks lassen sich sowohl äußerlich als auch technisch individuell modifizieren, der Turnier-Modus besteht aus mehrstufigen Herausforderungen, die allesamt unterschiedliche Fähigkeiten auf die Probe stellen und nebensächliche Aufgabengebiete wie das passende Team oder Sponsoring verleihen dem Gesamtpaket etwas mehr Realismus. Je länger man spielt, desto klarer werden aber die Komplikationen, welche mit einer lausigen Portierung einhergehen. Grafische Ungereimtheiten in Kombination mit einer detailarmen Darstellung rücken in Anbetracht der bröckelnden Bildrate das eigentlich überzeugende Gameplay in ein unschönes Licht. Gleichermaßen enttäuschend ist der auditive Aspekt, wo fehlende Musikstücke und eine zurückhaltende Geräuschkulisse für keinerlei Stimmung oder Atmosphäre sorgen. Des Weiteren wirkt die spielerische Abwechslung mit nur einer Handvoll Disziplinen mager und schöpft manchmal kaum das vorhandene Potenzial gewisser Mechaniken aus. Für kurze Runden zwischendurch und gerade im Multiplayer erfüllt Monster Truck Championship vermutlich seinen Zweck, schlussendlich sollten sich Fans aber lieber auf anderen Plattformen umsehen.
Mein persönliches Highlight: Die Gestaltungsmöglichkeiten des Trucks.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(