Überzeugt der Nintendo DS Klassiker auch auf der Nintendo Switch?

Vor etwa 10 Jahren erschien Shiren the Wanderer: The Tower of Fortune and the Dice of Fate auf dem Nintendo DS - wenn auch leider nur in Japan. Weitere 6 Jahre später hatten dann Besitzer einer PS Vita die Chance, auch in Deutschland das Spiel genießen zu dürfen und jetzt wurde der Rogue-like erneut portiert, dieses Mal für die Nintendo Switch und den PC. Doch lohnt es sich, ein Spiel so oft zu portieren? Nachfolgend soll diese Frage ein wenig näher betrachtet werden und wer weiß, vielleicht stellt Shiren the Wanderer: The Tower of Fortune and the Dice of Fate ja für euch den perfekten Zeitvertreib für die Weihnachtstage dar.


Die Geschichte um Shiren the Wanderer ist schnell zusammengefasst: Ihr seid Shiren, ein Wanderer, der von seinem treuen Wiesel Koppa begleitet wird. Auf eurer Reise kommt ihr in das kleine Dorf Inori und lernt Jirokichi und Oyu kennen. Oyu ist schwerkrank und wird bald sterben, lediglich die Schicksalsgöttin Reeva kann sie noch retten. Der Legende nach lenkt sie mit drei magischen Würfeln die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jedes Menschen. Zufälligerweise befinden sich die drei Türme, in denen diese Würfel ruhen, direkt vor dem Dorf. Jirokichi zieht also aus, um diese Würfel zu besorgen und Oyu zu retten. Und ihr folgt Jirokich,i um ihm bei dieser Mission zu helfen.


Doch bevor ihr Jirokichi folgt, könnt ihr euch in Inori und dem Nachbardorf Manekineko ein wenig ausstatten. Während Inori für die Handlung von Relevanz ist, ist das Dorf für den restlichen Spielablauf eher nebensächlic, wohingegen. Manekineko für euch während des Spiels die Basis darstellt - hier starten und enden eure Dungeondurchläufe. Die meisten Geschäfte findet ihr dabei im Hotel vor. Dort könnt ihr beispielsweise gesammelte Ausrüstung und Gitan (die Währung in diesem Spiel) für spätere Durchläufe lagern, Begleiter anheuern sowie neue Items herstellen und kaufen.


Nachdem ihr euch vorbereitet habt, könnt ihr das Dorf verlassen und Jirokichi zu den Türmen folgen. Hierfür müsst ihr erst den Pfad des Schicksals nehmen, ein kleines Waldgebiet, dass euch noch einmal die Möglichkeit gibt, ein paar Gegenstände für die kommenden Türme zu sammeln. Die Hauptgeschichte selbst fällt sehr linear aus. Ihr lauft durch die fünf Ebenen des Pfads des Schicksals und kommt schließlich bei den Türmen an. Hier habt ihr zwar theoretisch die Möglichkeit, die Türme in beliebiger Reihenfolge anzugehen, jedoch legt euch das Spiel eine bestimmte Reihenfolge nahe: Vergangenheit, Gegenwart und zum Schluss die Zukunft. Jeder der Türme besteht aus sieben Ebenen, an deren Ende ihr den entsprechenden Schicksalswürfel bekommt, um dann wieder ins Dorf zurückzukehren, um euch vorzubereiten. Während der Ablauf sich simpel anhört, gibt es in der Umsetzung jedoch einen kleinen Haken: Es reicht nicht, dass ihr allein die Spitze des Turms erreicht - Jirokichi muss ebenfalls lebendig oben ankommen. Er stellt somit in der Hauptgeschichte einen festen Begleiter dar.


Koppa erinnert euch notfalls daran, dass ihr Jirokichi wiederbeleben müsst.

© Spike Chunsoft Co., Ltd

Solltet ihr innerhalb des Turms sterben, so bleibt Jirokichi auf der entsprechenden Ebene und wartet dort auf euch. Stirbt jedoch Jirokichi, müsst ihr ihn mit einem der heilenden Gräsern, die ihr finden könnt, wiederbeleben. Dies wird euch direkt am Anfang des ersten Turms auch in einer kleinen Zwischensequenz erklärt, denn selbstverständlich hat Jirokichi ohne euch nicht einmal die erste Ebene des Turms überlebt…


In den jeweiligen Ebenen der Dungeons könnt ihr immer wieder einige umherstreifende NPCs finden. Hier gibt es eine sehr breite Palette an unterschiedlichen Figuren: Händler, Schmiede und Schnorrer sind nur einige der möglichen NPCs, die auf eure Ankunft warten. Während ihr bei manchen Charakteren direkt im selben Durchlauf verschiedene Boni bekommen könnt, helfen euch andere bei späteren Versuchen. So gibt es beispielsweise den Schmied und die Frau des Schmieds. Der Schmied verbessert sofort euren Schild oder euer Schwert, während die Frau den jeweiligen Gegenstand erst zu ihrem Mann bringen muss und euch beim nächsten Treffen den verbesserten Gegenstand wieder aushändigt. Durch die Kombination der NPC und dem zufälligen Aufbau der einzelnen Ebenen ist somit kein Durchlauf wie der andere und jeder Anlauf ist und bleibt fordernd.


Wie bei jedem Rogue-like hängt euer Glück für den aktuellen Durchlauf meistens von den Gegenständen ab, die ihr auf dem Weg finden könnt. Die meisten Gegenstände von Shiren the Wanderer lassen sich in folgende Kategorien einordnen: Schwerter, Schilde, Armbänder, Schriftrollen, Kräuter, Zauberstäbe, Nahrung und Tontöpfe.


Schwerter und Schilde dienen euch als Waffen und Rüstungen. Je mehr Monster ihr tötet, umso stärker werden Items aus dieser Kategorie. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass sie ab einer bestimmen Stufe ihren Namen ändern. Zusätzlich besitzen diese Gegenstände auch einen sogenannten Resonanzbonus. Tragt ihr ein Schwert und ein Schild, die zusammengehören, so werdet ihr beim Anlegen des zweiten Gegenstands auf eben diesen Bonus hingewiesen. Meistens fällt dieser so aus, dass ihr zwei Armbänder tragen könnt, jedoch gibt es auch einige weitere Bonuseigenschaften. Dazu zählen unter anderem mehr Lebenspunkte, Immunität gegenüber Magie oder beispielsweise die Fähigkeit, auch nachts Schriftrollen lesen zu können.


Die Menge an verschiedenen Gegenständen kann teilweise überfordern

Die Armbänder geben euch unterschiedliche, dauerhafte Boni. Dies kann beispielsweise das Erkennen aller Monster oder herumliegenden Gegenständen sein, aber auch Immunität gegenüber Fallen oder Statuseffekte könnt ihr über Armbänder erhalten. Im Gegensatz zu den Schwertern und Schilden lassen sich die Armbänder jedoch nicht weiter aufwerten. Zusätzlich müsst ihr erst mithilfe einer Identifikationsrolle herausfinden, welches Armband ihr überhaupt gefunden habt. Bis dahin ist zwar der Bonus des Armbands aktiv, jedoch ist nicht immer ersichtlich, welcher das nun genau ist.


Schriftrollen und Zauberstäbe stellen die Magie in diesem Rogue-like dar. Erstere Gegenstandsart müsst ihr lesen, wodurch ihr direkt einen Effekt auf alle Gegner oder auf selbst gewählte Items in eurem Inventar auslöst. Die Zauberstäbe könnt ihr schwingen und somit eine Fernkampfattacke ausführen, die beim ersten getroffenen Gegner einen vom Stab abhängigen Effekt auslöst. Alle Zauberstäbe besitzen eine unterschiedliche Anzahl an Ladungen, sind diese aufgebraucht, könnt ihr den Stab zwar nicht mehr schwingen. Ihr könnt ihn jedoch immer noch auf einen Gegner werfen (was ebenfalls den Effekt des Stabs auslöst).


Nahrung und Kräuter füllen zum einen eure Sättigungsleiste. Solange diese gefüllt ist, regeneriert ihr während des Laufens Lebenspunkte. Ist die Sättigungsleiste jedoch leer, verliert ihr entsprechend bei Bewegung Lebenspunkte. Generell stellen Lebensmittel in den Dungeons jedoch kein Problem dar, ihr findet jede Menge Pfirsiche oder Onigiri, um immer satt zu sein.


Die letzte Gegenstandsart sind die Tontöpfe, die in diesem Spiel sehr speziell sind. Generell ist euer Inventar auf 24 Plätze begrenzt. Ihr könnt jedoch Gegenstände in Tontöpfe legen und so euer Inventar erweitern. Habt ihr nur einen gewöhnlichen Tontopf gefunden, so könnt ihr die Gegenstände nicht mehr aus dem Topf nehmen. Stattdessen müsst ihr den Topf werfen, wodurch er zerbricht und seinen Inhalt auf dem Boden verteilt. Wesentlich besser sind die konservierenden Tontöpfe. Einerseits wird gelagerte Nahrung in den Töpfen nicht schlecht und zum anderen (und viel wichtiger) könnt ihr aber auch die eingelagerten Gegenstände jederzeit aus dem Topf entnehmen. Daneben könnt ihr noch zahlreiche andere Töpfe finden. So gibt es welche, die ihren Inhalt automatisch verkaufen, Gegenstände miteinander kombinieren oder sogar in zufällige andere Gegenstände umwandeln.


Mit all diesen Gegenständen könnt ihr versuchen, die Kämpfe zu euren Gunsten zu wenden. Das ist bei den späteren Ebenen auch dringend notwendig, denn in den Türmen erwartet euch eine Vielzahl von Monstern, die alle ihre eigene Herangehensweise erfordern. Jedes Monster bringt dabei ein eigenes Set an Fähigkeiten und Verhaltensweisen mit sich. So sammeln manche Gegner beispielsweise herumliegende Kräuter auf und verwenden sie gegen euch als Waffe. Andere Feinde verursachen Statuseffekte oder legen Fallen. Nur wenn ihr die Monster gut kennt, könnt ihr die höheren Ebenen ohne größere Probleme erreichen.


Im Kampf könnt ihr von bis zu vier Verbündeten unterstützt werden.

© Spike Chunsoft Co., Ltd

Der Kampf selbst läuft im Wechsel ab. Zuerst könnt ihr und eure Verbündeten eine Aktion ausführen, danach führen alle Gegner eine Aktion aus. Das kann das Verwenden eines Gegenstands, eine Bewegung oder ein Angriff sein. Da ihr keinen Zeitdruck habt, könnt ihr euren Zug stets in Ruhe durchplanen. Solltet ihr von Feinden umzingelt sein, kann gerade dies den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten. Auch ein taktischer Rückzug mit einem Warpkraut solltet ihr immer in Betracht ziehen.


Grafisch zeigt sich Shiren the Wanderer immer noch im alten Nintendo-DS-Gewand. Der Stil selbst passt jedoch zu diesem Genre aus meiner Sicht sehr gut. Das japanische Setting wird zusätzlich mit passender Musik und Soundeffekten ergänzt. Leider gibt es keine deutschen Bildschirmtexte, jedoch sollte man auch mit einfachen Englischkenntnissen das Spiel voll umfänglich genießen können. Solltet ihr den Verlust von Gegenständen nicht verschmerzen können, so könnt ihr im Dorf auch bereits sehr früh ein Kraut kaufen, dass euch beim Tod zurück ins Dorf teleportiert. Eure Gegenstände könnt ihr auf diese Weise behalten und direkt zu einem neuen Versuch aufbrechen. Den Schwierigkeitsgrad könnt ihr damit ein wenig anpassen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Freibauer

Meine anfängliche Skepsis gegenüber Shiren the Wanderer: The Tower of Fortune and the Dice of Fate konnte ich sehr schnell ablegen. Zwar ist die Optik eher im nostalgischen Bereich angesiedelt, der Umfang des Spiels und der Spaßfaktor kann sich aber dennoch trotzdem sehen lassen. Selbst die hier im Test angesprochenen Funktionen stellen nur einen Bruchteil von dem dar, was ihr im Laufe des Spiels kennenlernen werdet. Immer wieder lädt euch das Spiel zum Ausprobieren und Experimentieren ein. Habt ihr die Hauptstory durchgespielt, erwarten euch noch jede Menge weitere optionale Dungeons, die ihr dann auch ohne Jirokichi spielen könnt. Durch das zuvor angesprochene Rettungskraut könnt ihr euren Frustfaktor erheblich senken, jedoch wird das Spiel damit auch sehr einfach. Fans des Roguelike Genres sollten Shiren the Wanderer unbedingt ausprobieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr enttäuscht werdet.
Mein persönliches Highlight: Der Sidekick Koppa ist einfach nur mega niedlich.

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