Italienische Pasta einmal anders

Die Welt der Videospiele hat schon viele verschiedene Protagonisten mit Existenzkrisen hervorgebracht. Nun ist es an der Zeit, dass eine Nudel diese Rolle einnimmt – genauer gesagt eine Spaghetti namens Freddy.


Seit April 2020 gibt es nun schon das Abenteuer rund um Freddy Spaghetti auf dem PC. Erst seit Mitte Dezember 2020 hat es die Nudel auf die Nintendo Switch geschafft und verspricht eine interessante Story mit einer deftigen Note Geschicklichkeit. Kann ein Spiel mit einem solchen scheinbar simplen Rezept überzeugen oder ist das Ganze doch etwas zu weich gekocht?


Die Grundzutat: Einfachheit


Schon das Starten des Spiels beginnt mit einem einfachen aber genialen Witz: Laut den Entwicklern wurde bei der Produktion des Spiels keiner Nudel Schaden zugefügt. Ähnlich wie man es von vielen levelbasierten Spielen kennt, kann man sich in einem Hauptmenü ein Level aussuchen. Die Level sind hierbei auf verschiedene Kulissen, zum Beispiel das Zuhause oder die Stadt, aufgeteilt. Bereits vom Hauptmenü aus bekommt man einen ersten Überblick, an welchem Ort das aktuelle Level spielen wird.


Eine einfache Welt aber viel Symbolkraft warten in Freddys Abenteuer.

© Ratalaika Games S.L. | Playful Pasta

Die ersten Level beschäftigen sich zunächst mit den Anfängen der Nudel, welche einem noch lieb und teuer werden wird. Erschaffen in einem Experiment des Wissenschaftlers Dr. P. Starr, startet man zunächst damit, diesem zu assistieren. Hier wird dann auch die Steuerung eingeführt, welche ziemlich simpel gehalten ist. Mit den Tasten ZL und ZR hat man die Kontrolle über die beiden Ende der Pasta. Durch Gedrückthalten und Loslassen dieser Tasten kann die Pasta springen und sich fortbewegen. Der linke Joystick hilft dabei, die Richtung zu justieren.


Besonders interessant wird das Spiel dadurch, dass Freddy gekocht und deshalb elastisch ist. So gibt es verschiedene Möglichkeiten die Level zu bestehen. Das ist eine der wichtigsten Spielmechaniken. Durch die physikalischen Gesetze im Spiel kann es so zu verschiedenen Arten der Fortbewegung und damit auch verschiedene Arten von Missionen kommen.


Die Level sind alle auf eine ähnliche Weise aufgebaut: verschiebe Dinge, zerstöre etwas oder komme an eine bestimmte Stelle. Dabei können die Level auch mal ganz schön knackig werden. Fluchtversuche können manchmal sehr schwierig werden, wenn Freddy, diese widerspenstige Nudel, nicht das tut, was man ihm befiehlt. An dieser Stelle kann man dann auch die Kritik anführen. Es gibt Level, die einfach wenig spannend sind und einem eher den Spaß und die Zeit rauben, besonders wenn man scheitert und wieder den Ladebildschirm sehen muss. Das kann dann in einigen Level häufiger vorkommen und verdirbt definitiv den Spaß beim Essen – ich meine beim Spielen.


Die Würzmischung: schöne Grafik und gute Musik mit einer Prise Humor


Grafisch hat man sich bei diesem Spiel offensichtlich kein Bein ausgerissen. Dies ist aber auch nicht notwendig gewesen. So besticht die Aufmachung des Spiels durch eine simple 3D-Welt, in welcher man sich als Spaghetti bewegt. Spieler des Spiels Donut County könnten sich bei diesem Grafikstil sehr willkommen fühlen.


Was hat die Riesennudel im Park nur vor?

© Ratalaika Games S.L. | Playful Pasta

Die Animationen laufen sehr flüssig. Die physikalischen Eigenschaften der Spaghetti sind ebenfalls authentisch umgesetzt. Neben der Nudel, die sich frei im Level bewegen kann, gibt es auch menschliche NPC, die sich bewegen und meist davonrennen. Auch die Zerstörung von Umgebungsobjekten ist schön anzusehen und natürlich sehr befriedigend.


Untermalt wird das Spiel mit einer zur Atmosphäre passenden Musik. Diese Hintergrundmelodie kann von sanft-melancholisch bis spannend reichen und gibt einem den richtigen Kick, die Spaghetti durch die Gegend zu schleudern. Zur Musik gesellen sich dann noch Toneffekte hinzu. Von Autohupen bis zum Platschen der Nudel oder den angsterfüllten Schreien der Menschen ist viel geboten.


Wenn die Spaghetti-Nudel Freddy auf zerstörbare Gegenstände fällt, spielt es den entsprechenden Sound ab. Hinzu kommt dann noch eine Animation, wie der Gegenstand in tausend kleine Stücke zerfällt. Realistisch? Natürlich nicht. Lustig? Auf jeden Fall! Natürlich sind die Toneffekte nicht in einer Qualität, die man von AAA-Titeln kennt. Aber sie erfüllen in diesem Fall ihren Zweck vollständig und bieten eine Würze an Authentizität, die das Spiel nicht nur spielbar, sondern auch spielenswert macht.


Viele Spiele folgen streng ihrer Linie und versuchen bestimmte Botschaften zu vermitteln. Eine Spaghetti in einer Lebenskrise wirkt wie geschaffen für eine Philosophiestunde. Das Entwicklerteam hinter Freddy Spaghetti hat diesen Weg jedoch nicht eingeschlagen. Stattdessen wurde ein Spiel geschaffen, welches sich selbst nicht zu ernst nimmt und mit viel Humor und Witz arbeitet. Die Stimme des Erzählers gibt regelmäßig Wortwitze preis, die die Lächerlichkeit der Situation darstellen und an das Spiel fesseln.


Auch wenn das Spiel eher lustig wirken soll, bietet sich genügend Freiraum zum Nachdenken und Genießen. Herausforderungen sind gegeben und einige der Levels machen einfach Spaß. Wer möchte denn nicht einmal als riesige Spaghetti ein wenig eskalieren? Anhand der vielen kleinen Details wird deutlich, dass das Team rund um Playful Pasta und Ratalaika Games viel Liebe in das Projekt gesteckt hat.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Simon Münch

In Freddy Spaghetti ist man eine Nudel. Eine Nudel ohne Soße oder Sinn im Leben. Die Story ist einfach witzig und vielversprechend. Da die Geschichte an die Aktivitäten der jeweiligen Level gebunden ist, kann man die Handlung besser nachvollziehen. Grafisch und auch musikalisch ist das Spiel sehr schön und angemessen umgesetzt. Neben Witz und Spannung merkt man aber auch seine eigene Wut, wenn die Nudel nicht so springt, wie ursprünglich geplant. Ich denke, nach diesem Spiel hat man das tiefe Bedürfnis, im echten Leben einige Nudeln gegen die Wand zu klatschen. Aber eines steht fest – keine Spaghetti kann Freddy Spaghetti ersetzen. Insgesamt ist das Spiel für Zwischendurch eine lustige und willkommene Abwechslung, welche man für kleines Geld nicht bereuen wird.
Mein persönliches Highlight: Die lustige Geschichte rund um eine springende Spaghetti, welche zu unterhalten weiß.

Die durchschnittliche Leserwertung

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