Amüsanter Flug mit spielerischen Turbulenzen

„Never change a running system.“ So und nicht anders haben sich die Entwickler von Huu Games das bewährte Spielprinzip der Overcooked!-Reihe zu Herzen genommen und ganz im Zeichen des chaotischen Multiplayer-Titels das Geschehen in die Lüfte verfrachtet. Anstatt kulinarische Köstlichkeiten unter einem strengen Zeitdruck zuzubereiten, verwöhnt ihr stattdessen in Shakes on a Plane Gäste während ihres Fluges und versucht, die Reise so ungestört wie möglich zu beenden. Wie erwartet spielen die Passagiere und ihre Bedürfnisse dabei nicht immer ganz in eure Karten, weshalb Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und eine Prise Wahnsinn Voraussetzungen sind, um als Steward beziehungsweise Stewardess zu bestehen. Ob das Gesamtpaket eine gelungene Alternative darstellt oder eine Bruchlandung hinlegt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Ihr solltet stets den Überblick behalten.

© Assemble Entertainment

Shakes on a Planes Spielprinzip ist einfach erklärt: In einem überschaubaren Areal bedient ihr Reisende möglichst effizient, um am Ende eine überzeugende Bewertung zu erhalten, die das nächste Level freischaltet. Dabei können die Bedürfnisse je nach Gast von einer einfachen Bestellung, wie einer Flasche Wasser, bis hin zu kompletten Menüs reichen. Hier unterscheidet das Spiel glücklicherweise zwischen den verschiedenen Mengen und gibt euch für umfangreiche Aufträge einen großzügigen Zeitraum. Dieser ist mehr als nötig, immerhin sammeln sich die Bestellungen im Verlauf einer Runde an, weshalb Tabletts eine großartige Hilfe sind, um mehrere Items gleichzeitig zu transportieren.


Anfangs mag dies nicht wirklich kompliziert erscheinen, mit der Zeit erreichen die Kurse aufgrund ihres komplexeren Leveldesigns aber eine durchaus ansehnliche Schwierigkeit, die sich gerade im Einzelspieler-Modus mehr als deutlich zeigt. Auch wenn ihr die Missionen alleine genießen möchtet, werdet ihr stets verpflichtet, eine zweite Spielfigur auszuwählen, die alternativ gesteuert werden kann. Zunächst mag dies hilfreich wirken, immerhin habt ihr damit die Option, während eines Levels zwischen zwei Figuren zu wechseln, um möglichst vorteilhaft vorzugehen, allerdings spiegelt die Realität das Gegenteil wider.


Bestellungen laufen in der Regel sehr einseitig ab, wodurch sich Multitasking nur beschränkt einrichten lässt. So müssen Fertigburger beispielsweise kurz aufgewärmt und anschließend serviert werden, woraufhin der Gast Müll hinterlässt, der entsorgt werden muss. Für diesen Ablauf reicht es meistens, einen Charakter zu steuern, womit die spielbare Alternative lediglich Löcher in die Luft starrt und nur selten wirklich zum Einsatz kommt. Dass es auch anders geht, beweist eine Handvoll Level, die aufgrund des Leveldesigns das Geschehen gewissermaßen in zwei Hälften teilen und Teamarbeit notwendig machen, um nicht zu versagen. So können Burger nur auf einer Hälfte des Flugzeugs gebraten werden, während die andere für die Getränkeversorgung zuständig ist und sich damit eine natürliche Synergie ergibt. Das Spiel ist ohnehin auf den Multiplayer aufgebaut, weshalb ein größerer Fokus auf diese Art von Missionen nicht nur das allgemeine Erlebnis bereichert hätte, sondern Shakes on a Plane auch ein wenig von Vorbildern wie Overcooked! abgehoben hätte.


Gurte anlegen – Die Unstimmigkeiten im Detail


Unterschiedliche spielbare Charaktere bringen ein wenig Eigenheit ins Geschehen und heben sich gerade durch Spezialfähigkeiten voneinander ab. Während alle Figuren standardmäßig einen kleinen Sprint ausführen können, ist der Steward beispielsweise in der Lage, Gegenstände zu werfen, was in der Theorie sicherlich nützlich klingt, in der Praxis jedoch nur mäßig funktioniert. Schuld daran ist die unpräzise Steuerung, welche teilweise einfache Befehle gerne ignoriert oder im Falle des Spielgefühls etwas zu schnell sowie grob abläuft, um flotte Manöver akkurat auszuführen. Insgesamt fühlen sich die Spezialfähigkeiten äußerst zweckdienlich an und kommen nur selten als hilfreiche Stützen zum Einsatz. Anstatt darauf nur einen scheinbaren Wert zu legen, wäre es sehr viel einfacher gewesen, alle Charaktere mit verschiedenen Attributen, wie Geschwindigkeit oder Tragkraft, auszustatten. So hätte man weitere klare Abweichungen zwischen den Protagonisten und würde gleichzeitig durch den geringen Aufwand etwas mehr Tiefe ins sonst so oberflächliche Gameplay bringen.


Bis zu vier Spieler gleichzeitig können einen Flug unsicher machen.

© Assemble Entertainment

Ungeachtet dessen lässt sich der Ansatz zu kreativen Einfällen dennoch erkennen. Das Setting wird passend eingesetzt, indem kleine Lenkmanöver des Flugzeugs die Schwerkraft im Spielfeld ein wenig beeinflussen und Flugzeugtrolleys zum Beispiel entweder ins Rollen bringen und den Weg versperren oder die Spielfigur durch einen ordentlichen Stoß für einige Sekunden außer Gefecht setzen. Genauso ist es niemals ratsam, allzu viele Gegenstände auf Tischen oder dem Boden zu platzieren, da auch hier aufgrund der Gewichtsverlagerung schnell Unordnung herrschen kann.


Wirklich chaotisch wird es erst, wenn Passagiere anfangen, ihre Plätze zu verlassen und sie hierdurch entweder zu mobilen Hindernissen werden oder beginnen, Items grundlos in die Hand zu nehmen. Gerät die Maschine nämlich erst mal in technische Turbulenzen, müssen sämtliche Gäste schleunigst wieder auf ihren Sitz verwiesen werden, da auch hier negative Bewertungen drohen, solltet ihr nicht für die Sicherheit aufkommen. Später im Spiel fallen solche Situationen selbstverständlich etwas komplexer aus und es werden weitere Ideen wie gefährliche Löcher oder Fließbänder ins Spielgeschehen eingefügt, um bisherige Spielelemente frischzuhalten. So abwechslungsreich das Ganze nun auch klingen mag, bleibt der Verlauf trotzdem recht repetitiv, sodass ich mich gerade in der zweiten Hälfte des Spiels öfter fragen musste: Habe ich dieses Level nicht schon einmal gesehen?


Ein Online-Modus hätte hier etwas Abhilfe geschaffen – leider verzichtet Shakes on a Plane aber auf diesen Schritt und leistet wie in vielen anderen Bereichen nur das Mindeste. Wer unter anderem schnelle Mehrspielerpartien mit Freunden veranstalten möchte, muss sich das Levellayout stets merken, denn es ist komischerweise nicht möglich, kleine Räume mit ausgewählten Karten zu erstellen. Nicht mal im Levelauswahlbildschirm wird die Mission mit einem kleinen Bild passend visualisiert, was letztendlich nur beweist, mit welcher „Passion“ das Spiel erstellt wurde. Ein Soundtrack ist quasi nicht vorhanden und mit gefühlt nur einem Musikstück, welches unheimlich unscheinbar ist und das Geschehen und die irrwitzige Atmosphäre, die das Spiel versucht aufzubauen, nur mäßig unterstützt. Selbst die minimalistische Grafik kann über diesen Fakt nicht hinwegtäuschen und beweist umso mehr, dass die eingesetzte Stilrichtung wahrscheinlich nur dem Mittel zum Zweck dienen sollte, anstatt einen tatsächlichen Charakter aufzubauen.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Kevin Becker

Shakes on a Plane ist ein wenig wie die Bordverpflegung auf einem Flugzeug: Es schmeckt passabel, sättigt einen für den Moment und erfüllt sicherlich den angestrebten Zweck. Beim genaueren Hinschauen dauert es aber nicht lange, bis die klaren Mängel deutlich hervorkommen und das anfangs optimistische Bild trüben. Missionen wirken im Verlauf des Spiels viel zu ähnlich, alle spielbaren Charaktere heucheln unnütze Eigenheiten in Form von Spezialfähigkeiten vor und der Soundtrack könnte nicht monotoner sein. Der Multiplayer mag für einige Minuten spaßige Momente bereiten, allerdings vermisst man einen Online-Modus sehnlichst und die fehlende Auslegung auf Einzelspieler lässt die ohnehin schon einseitige Kampagne noch zielloser erscheinen. So mühelos das Gesamtpaket auch erscheint, sind die durchdachten Ansätze in Form von immersiven Elementen, wie technische Turbulenzen oder gefährlichen Trolleys, zweifellos zu sehen, weshalb es umso enttäuschender ist, dass Shakes on a Plane nicht mehr als einfache Bordverpflegung ist und ihr lieber einen anderen Flug buchen solltet.

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