Landflix and chill?

Jump and Run-Spiele gibt es wie Sand am Meer. Es ist schwierig, besonders auf der Nintendo Switch, ein Spiel dieses Genres erfolgreich zu launchen und von der Masse abzuheben. Besonders, wenn im Hintergrund ein gewisser schnauzbärtiger Alleskönner mit seiner Prinzessin einen langen Schatten über diese Spieleart wirft. Mit dem Spiel Landflix Odyssey wird dieses Terrain ein weiteres Mal betreten. Veröffentlicht wurde das Spiel für die Nintendo Switch Ende des Jahres 2020 und es stammt von dem Entwicklerstudio Fantastico Studio. Ob es einen wirklich überzeugen kann oder doch in Vergessenheit geraten könnte, erfahrt ihr in diesem Test!


Das Spiel handelt von einer (leicht fettleibigen) Person namens Larry. Larry ist wie du und ich – Abends sitzt er gerne mit einem gekühlten Getränk mit den Streamingdiensten und seinen Lieblingsserien vor dem Fernseher. Doch eines Abends gibt seine Fernbedienung den Geist auf. In seiner Not sucht er nach neuen Batterien und findet welche unter seinem Sofa. Diese Batterien wurden jedoch von seinem Onkel, einem Wissenschaftler, und seinem Partner, welcher ein Schurke ist, entwickelt. Die Fernbedienung saugt unseren lieben, dicken Larry in seinen Fernseher in die Welt des Streamings. Die fünf Batterien verschwinden in fünf seiner liebsten Serien und nun muss er jede einzelne Serie besuchen, um die verstrahlten Batterien zu finden und sich selbst zu retten.


2D Jump 'n' Burp


Die Rahmenhandlung wird direkt zum Start der Software erklärt und durch das Einblenden von Artwork gezeigt. Ähnlich wie in den meisten Spielen dieser Art, kann man sich in einer Art Menü eine Serie aussuchen. Das erste Level ist natürlich schon freigeschaltet, wohingegen die restlichen Level einer Serie mit Münzen freigekauft werden müssen.


Manche Gegner sind zu stark für unseren unangenehmen Rülpser. Hier ist Strategie gefragt.

© Fantastico Studio

Das Spiel umfasst fünf verschiedene Themen und einen Bonusbereich. Jeder dieser fünf Bereiche ist an eine bekannte Serie aus der Streaming-Industrie angelehnt. Man erkennt viele beliebte Serien, wie Stranger Things oder auch Breaking Bad. Was die verschiedenen Serien interessant macht, ist, dass sie durch ihre Thematik die Fähigkeiten von Larry beeinflussen. Von Rülpsern, die Gegner in eine kurzzeitige Ohnmacht versetzen bis hin zu Schwerterschwingen oder Drogeneinnahme bietet dieses Spiel einige interessante Spielmechaniken. Aufgelockert wird das Ganze durch die Tatsache, dass es kein Game Over gibt, so wie man es bei ähnlichen Vertretern kennt – I'm looking at you, Mario!


Man hat in jedem Level drei Leben. Diese verliert man durch die klassischen Elemente: Ein Gegner trifft oder schlägt dich oder rülpst dich an. Natürlich darf man nicht die verschiedenen Stachelfallen und das klassische, sehr gefährliche Wasser vergessen. Hat man alle drei Leben verloren, wird man an den letzten Checkpoint, welcher ein Sessel ist, zurückgesetzt. Das alles geschieht mit sehr geringer Ladezeit und ist deshalb insgesamt kaum frustrierend.


Ein wichtiger Teil des Spiels sind die Dialoge, welche in jedem Level eingeblendet werden. In den Serien wird man mit einem Problem konfrontiert, welches gelöst werden soll. Wer hätte gedacht, dass jedes dieser Probleme mit diesen ominösen Batterien zusammenhängen? Dabei begleitet einen meist der Liebling der Serie durch die Handlung. Der Clou hierbei ist, dass eigentlich nichts über die eigentliche Serie wirklich gespoilert wird. Es werden zwar kleine Hinweise gegeben, aber letztlich bleibt das Spiel frei von Spoilern. Man sollte jedoch bedenken, dass das Spiel nur eine englische Sprachausgabe besitzt.


Die grünen Batterien des Spiels


Viele Platformer leben nicht nur von schwierigen und vielseitigen Leveln. Da man oft Teile eines Levels wiederholen muss, ist es auch bedeutsam, dass die Musik einigermaßen passt. Landflix Odyssey überzeugt auf dieser Ebene wirklich. Die Musik ist an den vielerorts beliebten 8-Bit-Stil angelehnt. Die Musikstücke sind rhythmisch sehr gut auf das Spiel abgestimmt und geben den richtigen Kick mit. Oft ist es aber leider nur die Musik, die einen in manchen Leveln überzeugt. Die Schwierigkeit des Spiels ist überschaubar, letztlich sind es oft nur Level, bei denen es auf den Moment ankommt, wann man nun springt oder jemandem ins Gesicht rülpst. Die Musik macht diese Level dann wenigstens auf einer Ebene spielbar.


Jede Serie bietet seine Besonderheiten. Manchmal blickt man dem lebenden Tod direkt ins faulige Auge.

© Fantastico Studio

Das Spiel lebt davon, dass man tatsächlich manche oder am besten alle dieser Serien kennt. Denn nur dann sind die Insider-Jokes wirklich zu verstehen. Man kann also sagen, dass das Spiel eher als eine Hommage an die verschiedenen Serien und weniger als ein wirklich ausgereiftes Jump 'n' Run-Game zu betrachten ist. Auch wenn das Spieldesign selbst schön anzusehen ist und man sich im Produktionsteam echte Gedanken um die Umsetzung gemacht hat, kommt es gegen konkurrierende Spiele einfach nicht an. Verschiedene Waffensysteme in dieser Art der Spiele sind nicht neu. Natürlich sind das Drogen nehmen oder das Rülpsen ein interessanter und lustiger Scherz, aber reicht das wirklich aus? Das Spiel bietet nicht unbedingt viel Spielzeit. Wenn man nicht gerade zu den Komplettierern gehört, ist das Spiel schnell vorbei. Besonders trainierte Spieler:innen werden kaum Probleme haben und das Spiel schnell abschließen können.


Für Spieler:innen ist das Spiel letztlich nur wegen der verschiedenen kleinen Dialoge interessant. Die Idee wirkt auf dem ersten Blick witzig, ist aber nicht unbedingt das, was wirklich begeistert. So wie es bei Streamingdiensten richtige Blockbuster gibt, gibt es auch weniger gute Serien oder auch solche, die eher für eine kleine Gruppe von Zuschauern interessant ist. Genau das ist Landflix Odyssey – ein Spiel, das sich eher für Fans des Genre oder der Materie lohnt, aber nicht für jeden den richtigen Spaßfaktor bereithält. Bei vielen Spielern heißt es schlicht, dass das Spiel es nicht wert ist, um unter dem Sofa nach den Batterien zu suchen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Simon Münch

Der Action-Platformer Landflix Odyssey spielt mit viel Humor mit dem Genre und den verschiedenen weltbekannten Serien des Streaming-Universums. Die Spielmechanik ist zwar nicht bahnbrechend innovativ, bietet aber genügend Abwechslung, um insgesamt nicht zu langweilen. Besonders glänzt das Spiel durch die Dialoge und die Musik, die genügend Abwechslung für das Spiel einbringt. Wenn man nach einer kleinen, entspannten Abwechslung vom Leben eines Zockers sucht, kann man sich mit diesem Titel Abhilfe verschaffen – Landflix and chill eben.
Mein persönliches Highlight: Der gute Witz und die wunderbar abgemischte Musik.

Die durchschnittliche Leserwertung

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