Ein Drift in Reinkultur

Die Spiele des Rennspiel-Genres haben in der Regel etwas Brachiales an sich. Ohrenbetäubender Motorensound, aufreibende Musik, brutale Geschwindigkeit und die stetige Suche nach dem nächsten Adrenalinkick. Gerade die Rennspielsimulationen haben in jüngster Vergangenheit zudem den Anspruch entwickelt, neben einem realistischen Fahrgefühl auch ein möglichst realistisches Setting zu bieten. Die Forza-Titel für Microsofts Xbox oder die Gran Turismo-Spiele als Gegenstück auf Sonys PlayStation werden daher aufgrund ihres Mix aus Geschwindigkeit und imposanter grafischer Darstellung inzwischen gerne als Vorzeigetitel herangezogen, wenn es um die Darstellung des Leistungsvermögens einer Konsole geht. Und dann gibt es da auf der anderen Seite noch Absolute Drift. Der Titel von Entwickler Funselektor hat weder eine optische Imposanz noch einen wirklichen Geschwindigkeitsrausch zu bieten. Als Vertreter des Rennspiel-Genres also ein kompletter Reinfall? Nun, ganz so einfach ist es dann doch nicht.


Auf der „Oberwelt“ erwarten euch bereits kleinere Herausforderungen, die zum Lernen und Ausprobieren einladen.

© Funselektor

Absolute Drift erschien ursprünglich bereits vor einigen Jahren für den PC und die inzwischen alte Konsolengeneration bestehend aus PS4 und Xbox One. Neben einer Umsetzung für die PS5 hat es der Titel nun aber in seiner sogenannten Zen Edition auch auf die Nintendo Switch geschafft. Das Alter sieht man dem Spiel allerdings nicht an. Allen voran liegt das am minimalistischen Stil, der sich durch so ziemlich alle Facetten des Titels zieht. Da wäre zum einen der Hauch von Handlung: Startet ihr das Spiel, findet ihr euch in einem Fahrzeug wieder. Euer Ziel: Driften. Und das war’s. Für den Anfang empfiehlt es sich, das frei befahrbare Gelände zu erkunden, bevor ihr euch an die verschiedenen Herausforderungen wagt. Hier könnt und solltet ihr euch nach Herzenslust austoben, um euch mit den Eigenschaften eures Gefährts vertraut zu machen. Denn in Absolute Drift dreht sich schier alles um die perfekte Beherrschung eures Fahrzeugs.


Während in anderen Vertretern des Rennspiel-Genres häufig getreu dem Motto „Wer bremst, verliert“ gehandelt und das Gaspedal durch den Boden gedrückt wird, geht dieser Titel bewusst einen anderen Weg. Hier geht es primär um Präzision, Beharrlichkeit und Geduld – womit euch Tugenden bevorstehen, die in Rennspielen eher selten anzutreffen sind. Dadurch werdet ihr die vor euch liegenden Kurven vermutlich nicht beim ersten oder zweiten Mal und vielleicht auch nicht beim dritten Versuch meisterhaft nehmen können. Doch ihr werdet zunehmend verstehen, welche Anforderungen das Fahrzeug an euch stellt, wodurch auch schon bald die ersten vollständig durchgezogenen Drifts gelingen. Bis dahin – und auch darüber hinaus – müsst ihr euch jedoch auf diese Art des Lernens einstellen.


Das frei befahrbare Gelände ist im Übrigen so aufgebaut, dass euch stets ein begrenzter Bereich zur Verfügung steht. Wollt ihr weiterkommen, müsst ihr zunächst die vor euch liegenden Herausforderungen meistern. Dabei dient das Gelände nicht nur als Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Leveln, sondern hält an der ein oder anderen Stelle bereits kleinere Aufgaben bereit, die meist aus einem erfolgreichen Drift zwischen zwei bestimmten Punkten oder dem Springen über ein vorgegebenes Objekt bestehen. In den angesprochenen Leveln findet ihr euch dann wiederum auf einer meist kleineren Rennstrecke wieder, wo es nicht wie üblich euer Ziel ist, vor den anderen Mitstreiterin als Erstplatzierter über die Ziellinie zu fahren. Denn einerseits seid ihr stets alleine auf den Strecken unterwegs und darüber hinaus geht es nicht um Bestzeiten, sondern um die höchstmögliche Punktzahl. Diese treibt ihr wenig überraschend durch schnelle, langanhaltende und steile Drifts in Kombination mit einem durch viele erfolgreiche Manöver in kurzer Zeit steigenden Multiplikator in die Höhe. Besonders bei diesen Herausforderungen fühlte ich mich an zurückliegende Videospielsessions in Titeln der Need for Speed-Reihe zurückerinnert – abgesehen von dem sehr andersartigen Look.


Statt um Bestzeiten geht es um Höchstpunktzahlen. Diese könnt ihr durch das Bestehen von Aufgaben weiter steigern.

© Funselektor

Dieser wird bei Absolute Drift vielmehr dem eigens gesetzten Untertitel „Zen Edition“ gerecht. Knallige Farben und ein Effektfeuerwerk sucht ihr hier vergebens. Stattdessen ist alles weitestgehend in einem crèmefarbenen Weiß gehalten, das durch nur sehr spärlich vorhandene Schattierungen und den Farben Schwarz, Rot und der Hintergrundfarbe Türkis ergänzt wird. Passend dazu erwartet euch ein entspannter, wie auch treibender Soundtrack, der für ein Spiel dieser Art wie gemacht zu sein scheint – Freunde der elektronischen Musik werden hier gut aufgehoben sein. Letztlich lässt sich allerdings auch der Umfang des Titels in die Kategorie „minimalistisch“ einordnen. Denn neben der bereits erläuterten Welt steht euch im Menü nur ein weiterer Modus zur Verfügung, der euch wiederum nur bereits absolvierten Herausforderungen zum direkten Spielen auflistet.


Weiterhin ungewöhnlich ist, dass ihr das Rennspiel ausschließlich im Einzelspieler bestreiten könnt. So stehen euch weder ein lokaler Modus noch Online-Rennen zur Verfügung. Eure Highscores werden allerdings in einer weltweiten Rangliste festgehalten. Diese funktioniert jedoch nur mehr oder weniger, denn während die Toppositionen vermutlich korrekt angezeigt werden, wurden meine Höchstpunktzahlen während der Testphase nicht mit dem richtigen Rang versehen. Darüber hinaus steht euch die Möglichkeit offen, eine Herausforderung mit eingeblendetem Geist des jeweiligen Weltrekordhalters zu bestreiten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Chris Holletschek

Mit Absolute Drift hat sich Entwickler Funselektor dem Ziel verschrieben, die magische Atmosphäre des Querfahrens in spielbarer Form umzusetzen. Dabei wurde augenscheinlich der Fahrphysik ein hohes Maß der zur Verfügung stehenden Aufmerksamkeit gewidmet. Das macht sich zum einen darin bemerkbar, dass es mindestens eines ebenso hohen Maßes an Lernbereitschaft benötigt, um den ersten erfolgreichen Drift zu absolvieren. Andererseits predigt der Titel einen selten in dieser Form erlebten Minimalismus, sodass zwischen euch und der vor euch liegenden Kurve möglichst wenig kommt. Keine aufwendige Optik, kein Effektspektakel, nur wenige Modi und quasi keine Multiplayer-Optionen. Einzig die elektronischen Klänge des Soundtracks gehen in eine antreibende Richtung, tragen dem Untertitel „Zen Edition“ aber durchaus Rechnung. Es lässt sich letztlich festhalten, dass Absolute Drift kein Titel für die breite Masse ist, Rennspielenthusiasten auf der Suche nach einem entspannenden Spiel für unterwegs durchaus aber einen Blick riskieren dürfen.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • hobbit2k

    Turmritter

    Ich glaub die Lernkurve ist das was viele von dem Spiel abhält. Bei mir gammelt es seit Jahren auf der PS4 Platte rum. Mal kurz paar coole Drifts machen ist nicht und ehrlich gesagt hab ich ganz andere Spiele wo ich mich lieber reinfummel. :dk: