Rendezvous mit dem Schicksal

2012 erschien das Point-and-Click-Adventure Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten aus dem Rollenspieluniversum Das Schwarze Auge für den PC. Damals überzeugte der Titel aus dem Hause Daedalic Entertainment mit einer interessanten Handlung, einer schön gezeichneten Grafik und einer guten Rätselstruktur. Nach knapp neun Jahren schafft das Adventure um den Vogelfänger Geron den Sprung auf die Nintendo Switch. Grund genug für uns, zu überprüfen, ob das viel gelobte Spiel auch heute noch überzeugen kann und die Konsolen-Umsetzung für Nintendos hybriden gelungen ist.


Wie der Name nicht anders vermuten lässt, spielt die Handlung von Chains of Satinav, im Deutschen Satinavs Ketten, im Rollenspiel-Universum Das Schwarze Auge (DSA), das oft als deutscher Gegenentwurf zum ebenfalls weit geschätzten Dungeons & Dragons gesehen wird. Solltet ihr bisher nicht mit dem DSA-Universum in Berührung gekommen seid, kann ich hier schon mal eine Entwarnung aussprechen: Die Handlung des Spiels ist auch ohne Vorkenntnisse verständlich, was schon daran zu erkennen ist, dass ich keine Probleme hatte, ihr zu folgen, obwohl ich bisher noch keine DSA-Runde gespielt habe. Die Einbettung der Geschichte in die Welt von Aventurien wird für Kenner mit Sicherheit interessant sein, da sich die Vorlage aber im Wesentlichen an Fantasy-Standards orientiert, sollten die wesentlichen Fraktionen wie Konzepte vertraut sein. Ein Ork ist ein Ork, auch wenn die Mythologie hier im Details mit Sicherheit viele Facetten bietet. Für das Verhalten der Charaktere reicht es aber zu wissen, dass man ihnen am besten aus dem Weg geht.


Geron und Nuri bereisen verschiedene Schauplätze, um den blinden Seher aufzuhalten.

© Daedalic Entertainment

Protagonist des Spiels ist der junge Geron, der als Unglückskind gilt, weil ein Blinder Seher ihm auf dem Scheiterhaufen prophezeite, das Ende herbeizuführen. In der abergläubischen Welt des Königreichs Andergast macht diese Prophezeiung Geron zu einem Außenseiter, dem die meisten Bewohner ablehnend gegenüberstehen. Der junge Vogelfänger, der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem Ziehvater und Ausbilder Gwinnling aufwächst, lässt sich davon aber nicht beirren. Sein Versuch, seine Stellung in der Gesellschaft durch die Teilnahme an der Eichblatt-Queste zu verbessern und vom König geehrt zu werden, führt zu einer Verkettung von Ereignissen, an deren Ende er die junge Elfin Nuri kennenlernt. Zusammen verschlägt es die beiden auf eine Reise durch das Königreich, denn der blinde Seher, der Gerons Schicksal voraussagte, ist zurückgekehrt und versucht mit Elfenmagie diejenigen zu vernichten, die ihn zur Strecke gebracht haben. Geron und Nuri finden sich also als Gefangene in den Ketten des Schicksalsgottes Satinav wieder und versuchen, der Bedrohung durch den Seher Einhalt zu gebieten.


Nuri und Geron verlassen sich dabei im Wesentlichen auf ihre Auffassungsgabe. In klassischer Adventure-Manier müsst ihr in der Spielwelt auf bewegliche Gegenstände achten, diese in eurem Inventar sinnvoll kombinieren und so Probleme lösen. Für die Eichblatt-Queste zu Beginn des Spiels müsst ihr beispielsweise sowohl ein Eichblatt finden als auch ein weiteres zurückerlangen, das man euch gestohlen hat. Vielleicht gibt es ja etwas, das der Dieb im Gegenzug haben möchte? Und vielleicht kann ein Bewohner der Spielwelt uns dabei helfen, das letzte Eichenblatt zu finden? In dieser Form hält sich Satinavs Ketten stark an bewährte Vorlagen des Genres, was angesichts einer nachvollziehbaren Rätsellogik und teils kniffligen Kombinationsaufgaben auch gut unterhält. Die Hürde für Adventure-Neulinge ist dank einiger Hilfsfunktionen, wie dem optionalen Anzeigen wichtiger Gegenstände in der Welt, relativ moderat. Wenn ihr wirklich nicht weiterkommt, könnt ihr mit einem Klick auf den rechten Analogstick einsetzbare Objekte aufblinken lassen. Neben dem Führen von Dialogen und dem Kombinieren von Gegenständen verfügen Nuri und Geron auch über magische Fähigkeiten. Die beiden können als Zauberwirker mit begrenzten Kräften Gegenstände reparieren oder zerbrechliche Objekte wie Vasen zerstören.


Die handgezeichneten Hintergründe des Spiels können sich heute immer noch sehen lassen.

© Daedalic Entertainment

Die Handlung des Spiels führt euch dabei durch verschiedene Landstriche des Königreichs. Vom Start in der königlichen Hauptstadt Andergast über den Roten See im Orkgebiet decken die Schauplätze des Titels sehr verschiedene Facetten des Schauplatzes Aventurien ab. Auch wenn die Motivation der Charaktere und die Konflikte nicht besonders ausgefallen sind, ist die Geschichte gut inszeniert und führt zu einer gewissen Identifikation mit dem Protagonisten. Gerons Schicksal als cleverer Außenseiter, der gegen die Widrigkeiten seiner Welt kämpft und dem blinden Seher Paroli bietet, trägt sicherlich ein gutes Stück zur Sympathie für die Charaktere bei.


In technischer Hinsicht präsentiert Daedalic Entertainment mit The Dark Eye: Chains of Satinav eine rundum gelungene Portierung. Das gilt sowohl für das eigentliche technische Gerüst als auch für die Steuerung. Bei einem PC-Titel aus dem Jahr 2012 darf man natürlich kein grafisches Wunderwerk erwarten, aber gerade die handgezeichneten Umgebungen haben bis heute nichts von ihrem Charme verloren. Auch die sehr gute deutsche Vertonung und der fantastische Soundtrack mit eingängigen Melodien tragen zur Atmosphäre des Spiels bei. Nicht so gut gealtert sind hingegen die sperrigen Bewegungsanimationen, die leider auch in den Dialogen in Erscheinung treten. Vorbildlich ist hingegen die Umsetzung der Steuerung für die Nintendo Switch. Im TV-Modus wurde die Point-And-Click-Mechanik gut auf den Controller ausgelegt. Die Navigation durch die verschieden Menüs geht da nach einer kurzen Einarbeitung gut von der Hand. Im Handheld-Modus habt ihr optional auch die Möglichkeit, den Touchscreen der Konsole zu nutzen und klassisch Objekte anzuklicken. Gerade das ist beim Spielen angenehm und lädt dazu ein, das Spiel auch in diesem Modus auszuprobieren.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Adis Selimi

The Dark Eye: Chains of Satinav​​ ist ein interessantes und anspruchsvolle Adventure, das dank einiger Komfortfunktionen auch für Genreneulinge zugänglich ist. Die Geschichte rund um Geron und Nuri bedient sich zwar gängiger Fantasy-Vorgaben, hält aber nichtsdestotrotz bei der Stange und lädt zum Verweilen im Königreich Andergast ein. Die technische Umsetzung für die Nintendo Switch kann als sehr gelungen bezeichnet werden, auch wenn das Spiel nicht in allen Aspekten gut gealtert ist. Trotzdem kann ich für Satinavs ketten eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Gerade im Handheld-Modus gemütlich auf dem Sofa ist das Spiel die perfekte Alternative zu einem guten Fantasy-Roman und hat sich daher den Titel Spiele-Hit absolut verdient.
Mein persönliches Highlight: Die sehr gute deutsche Synchronisation, die wunderbar zur Atmosphäre des Spiels beiträgt.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Die Hauptfigur Geron wird in der dt. Fassung übrigens von Sascha Draeger gesprochen, dem Tarzan/Tim aus TKKG.

  • Tsuki Uzumaki

    Turmknappe

    Phantomilars

    Oder Itachi Uchiha, oder Linda aus Bobs Burgers usw. Aber ich frage mich, was möchtest du damit jetzt sagen? Er ist ein guter deutscher Sprecher, da stimme ich zu, aber mit dem Testbericht hats ja weniger zu tun^^

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Tsuki Uzumaki

    Der Test lobt die gute dt. Synchronisation und ich habe das exemplarisch ergänzt um einen Sprechernamen, weil diese in der Regel (wie auch hier) unterschlagen werden. Falls dich das stört, bitte einfach ignorieren.

  • Tsuki Uzumaki

    Turmknappe

    Ne gestört hat es mich jetzt nicht, aber ich denke wenn man einen Sprecher erwähnt, sollte man mehrere Rollen erwähnen und wenn möglich auch mehrere Sprecher.


    Finde es gut, wenn man die deutschen Sprecher (egal ob Videospiel, Anime, Film usw.) auch mal lobt und mehr erwähnt^^