Ein Rätsel, Zwei Geschichten

Bei The Dark Eye: Memoria, handelt es sich um das zweite Point-And-Click-Adenture in der Rollenspielwelt des Schwarzen Auges, das beim Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment entstanden ist. Das Abenteuer ist als direkte Fortsetzung von The Dark Eye: Chains of Satinav konzipiert und erzählt die Geschichte um den Vogelfänger Geron weiter, der das Königreich Andergast im Vorgänger vor einer dunklen Zukunft bewahrte. Das ist in zweierlei Hinsicht für die Geschichte von Memoria interessant. Zum einen solltet ihr Satinavs Ketten unbedingt gespielt haben, bevor ihr euch an dieses Abenteuer wagt. Wer nur rätseln will und nicht an der (spannenden) Geschichte des Nachfolgers interessiert ist, wird zwar auch so seinen Spaß haben, aber die Motivationen der wichtigsten Figuren und die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind, bleiben euch dann verborgen. Zum anderen bleibt die Spielmechanik aus dem Vorgänger im Wesentlichen unverändert, weshalb ihr Gerons Abenteuer nahtlos fortsetzen könnt.


Gerons Mission ist diesmal sehr persönlich.

© Daedalic Entertainment

Eben dieses Abenteuer beginnt, als Geron nach den Ereignissen in Satinavs Ketten einen fahrenden Händler aufsucht, um eine persönliche Mission zu erfüllen. Welche das ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn sein Auftrag hängt unmittelbar mit dem Ende des Vorgängers zusammen. Nur so viel sei verraten: Geron ist auf der Suche nach einem Zauber, mit dem er einer nahestehenden Person helfen möchte. Einen solchen Zauber soll nach Aussage des Feenforschers Jacomo, den wir ebenfalls aus dem Vorgänger kennen, der Händler Fahi aus einem fernen Land kennen, der sein Lager in der Nähe von Andergast aufgeschlagen hat. Im Gespräch mit Fahi bietet der Händler seine Hilfe gegen eine Bedingung an. Er wird schon seit Monaten von einem Traum geplagt, in dem er die Geschichte der Abenteurer-Prinzessin Sadja erlebt. Das Skurrile daran: Eben diese Prinzessin gab es wirklich, und ihr Kampf gegen ein Dämonenheer vor 450 Jahren war entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte Aventuriens. Im Verlauf ihres Abenteuers war Sadja mit einem Rätsel konfrontiert, das jetzt Geron für Fahi lösen soll: „So wie der Stein über den Skarabäus, so herrscht der Skarabäus über den Stein. Wisst ihr die Antwort, so tretet ein. Wisst Ihr sie nicht, so sei euer Leben auf ewig mein.“


Der Clou an der Sache: Für die Lösung des Rätsels schlüpft ihr diesmal nicht nur in die Rolle von Geron, sondern übernehmt auch die Kontrolle über Sadja. Beide Charaktere machen sich daran, in ihren jeweiligen Zeitdimensionen die uralte Herausforderung zu meistern. Sadja und Geron greifen dabei auf die bewährten Spielmechaniken des Vorgängers zurück. Ihr bewegt euch also über die immer noch schönen und handgezeichneten Areale, um Gegenstände zu finden, mit denen ihr interagieren könnt und sprecht mit anderen Charakteren, um Hinweise und Informationen zu sammeln. Während ein Großteil der Aktionen für beide Charaktere gleich ist, verfügen sowohl Geron als auch Sadja über Spezialfähigkeiten, die beim Lösen von Rätseln gebraucht werden. Geron kann nach wie vor Sachen zerbrechen lassen und reparieren, daneben erhält er im Verlauf der Handlung beispielsweise einen Ring mit einer magischen Linse, die Verborgenes sichtbar macht. Sadja hingegen findet in ihrer ersten Erkundungsmission einen sprechenden Zauberstab, der nicht nur mit seiner charmant-schleimigen Art zu überzeugen versucht, sondern auch Licht entfachen und steinerne Wächter kontrollieren kann.


Sadja zögert nicht, ihren etwas zu charmanten Zauberstab zurechtzuweisen.

© Daedalic Entertainment

Der Wechsel zwischen Sadja und Geron ist sinnvoll in die Handlung eingebunden und sorgt sowohl für spielerische wie audiovisuelle Abwechslung. Nicht nur die Rätselpassagen unterscheiden sich durch die verschiedenen magischen Talente der Protagonisten, auch die bereisten Schauplätze sind angenehm abwechslungsreich. Das ist vor allem Sadjas Spielabschnitten zu verdanken. Während Geron in Teilen auch Orte aus dem Vorgänger bereist, weichen die von Sadja bereisten Schauplätze deutlich von den bisherigen Ortschaften ab. Grund hierfür ist die stark von der orientalischen Architektur und Mythologie geprägte Vergangenheit, in der Sadjas Passagen spielen. Im direkten Vergleich zum Vorgänger bietet Memoria damit noch eine ganz eigenen stilistische Komponente, die sich sehr gut in die Rahmenhandlung und Welt einfügt.


Technisch und in der Präsentation setzt Memoria auf die Stärken des Vorgängers, erbt aber auch einige von dessen Schwächen. Noch immer präsentieren sich die zu erkundenden Orte in einer schönen handgezeichneten Grafik, die sehr gut gealtert ist. Auch die alten und neuen deutschen Synchronsprecher schlagen sich wieder ausgezeichnet und tragen mit ihrer Leistung zur Atmosphäre des Spiels und der Charakterisierung der Figuren bei. Eine Schwäche des Vorgängers, die Memoria nicht behebt, sind die sperrigen Bewegungsanimationen, die leider auch in den Dialogen auffallen. Daneben ist die angepasste Steuerung für die Nintendo Switch-Fassung ebenfalls von der Portierung von Satinavs Ketten übernommen und nach einer kurzen Eingewöhnung eingängig. Auch hier habt ihr wieder die Option, im Handheld-Modus optional per Touchscreen zu steuern, was sich bei diesem Genre natürlich besonders anbietet. Abgerundet wird die Präsentation erneut durch einen tollen Fantasy-Soundtrack, der auch den Wechsel zwischen den zwei Zeitzonen gut aufgreift.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Adis Selimi

The Dark Eye: Memoria ist eine klassische Fortsetzung, die dem Motto „Mehr vom Selben“ folgt. Hattet ihr am direkten Vorgänger Satinavs Ketten euren Spaß, bekommt ihr hier eine spannende Fortsetzung der Geschichte rund um Geron und Nuri, die mit der neuen und sympathischen Protagonistin Sadja auch eigene Akzente setzt. Wieder machen die Rätsel Spaß und sorgen dank unterschiedlichen Charakterfähigkeiten für genügend Abwechslung. Auch die neuen Schauplätze überzeugen mit der orientalischen Architektur und Mythologie, die andere Facetten der Welt von Das Schwarze Auge präsentieren. Wenn ihr Interesse an dem Spiel habt, würde ich euch aber nochmal dringend dazu raten wollen, zuerst den Vorgänger zu spielen. Die beiden Titel sind am besten als eine zusammenhängende Erzählung zu sehen, die Fans der Rollenspielvorlage und Fantasy-Interessierte bestens unterhalten wird.
Mein persönliches Highlight: Die schroffe Art und Weise, mit der Sadja ihren sprechenden Zauberstab zurechtweist.

Awards

Spiele-Hit

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