Die Wiederkehr ins „La Soleil“

Zuvor bei NEKOPARA: Längst ist in der Konditorei „La Soleil“ der Alltag eingekehrt. Bereits einiges an Zeit ist vergangenen, seitdem Kashou Minaduki dem sicheren Nest seines Elternhauses entflohen ist, um seine eigene Zukunft aufzubauen. Unerwartet erhielt er dabei nicht nur Unterstützung von seiner anhänglichen kleinen Schwester Shigure, sondern auch von allen Katzenmädchen der Minaduki-Familie. In einer Welt, in der humanoide Katzen Seite an Seite mit den Menschen leben, gehört es zur Norm, die sogenannten „Nekos“ in alle Bereiche des Lebens zu integrieren: als Freunde, als Angestellte, als Wegbegleiter und in manchen Fällen sogar als Liebespartner. Nach und nach öffneten sich die felinen Damen dem charmanten Konditor und wurden schließlich zu seinen „Catpanions“, denen er trotz anstrengender Konditorsarbeit nach bester Kraft liebend zur Seite steht.


Weitere Einzelheiten zur bisherigen Handlung der NEKOPARA-Serie erfahrt ihr in unseren Tests zu NEKOPARA Vol. 1, NEKOPARA Vol. 2 sowie NEKOPARA Vol. 3.


Auf der Suche nach dem Sinn


Nach einem zärtlichen Morgen mit Chocola und Vanilla geht es für Kashou auch schon zurück in den Alltag von „La Soleil“. Anders als es sich der angehende Meisterkonditor zuerst gedacht hat, geht es in seiner Stube voller Leckereien äußerst lebendig zu. Das hat er vor allem den Katzenmädchen zu verdanken, die sich um so ziemlich jede Facette der Konditorei kümmern und ihr zu großem Erfolg verholfen haben. Während er tagein, tagaus in der Küche schmackhafte Torten und Desserts zubereitet, schmeißen die anderen so ziemlich das ganze Geschäft: Chocola und Cinnamon arbeiten als Bedienung, Coconut erledigt diverse Lieferungen, Maple regelt die Kasse und Vanilla sowie Azuki helfen schon einmal in der Küche aus, wobei letztere als ältestes Katzenmädchen häufig die Zügel in die Hand nimmt und im Laden für Ordnung sorgt.


Die ganze Bande ist versammelt.

© NEKO WORKs

Dunkle Wolken ziehen über das Katzenparadies auf, nachdem sich Schwesterherz Shigure eine Geburtstagstorte für ihre Mutter wünscht. Etwas für das Elternhaus zu backen, würde eine Konfrontation mit Kashous Vater bedeuten, der die Backfertigkeit seines Sohns bislang nicht anerkannt hat. Entschlossen stellt sich der frisch gebackene Konditor der Herausforderung, nur um am entscheidenen Tag von seinem Paps gedemütigt zu werden. Etwas scheint mit der Art, wie Kashou Torten zubereitet, nicht zu stimmen. Das weiß sein Vater und dämmert so langsam auch ihm selbst. Frustriert flüchtet er nach Hause, um über seine nächsten Schritte zu grübeln.


Damit ist der Rahmen für die Geschichte von NEKOPARA Vol. 4 gesetzt. Nachdem in vorherigen Ablegern die Ursprünge, Probleme und Besonderheiten der einzelnen Katzenmädchen thematisiert wurden, ist es nun an der Zeit, den Blick auf Kashou und seine Familie zu richten. Dabei wird man Zeuge einer durchaus spannenden, kleinen Story, in der sich Kashou auf eine Selbstfindungsreise begibt, um die Flamme der Leidenschaft für das Konditor-Sein neu zu entfachen. Nach einem Wohlfühl-Ausflug zu einer heißen Quelle geht es spontan auf Frankreich-Reise, noch bevor die geschäftigte Weihnachtssaison „La Soleil“ in Atem hält.


Während mir die gegenwärtigen Themen und der Geschichtsverlauf gut gefallen haben, konnte mich das Skript selbst weniger überzeugen. Wichtige Dialoge werden zu sehr mit unnötigen Wiederholungen und stetig wiederkehrenden Konzepten ausgeschmückt und verfehlen, den Figuren ausreichend Tiefe und Nuance zu verleihen. Dahingehend ist mir eine konkrete Situation im Kopf geblieben, in der Kashou versucht, ein tiefgründiges Gespräch mit Chocola und Vanilla zu führen, was jedoch daran scheitert, dass die Figuren ihre ziemlich eindimensionalen Stereotypen beibehalten und nicht aus ihrer Schale herausbrechen. Das ist insofern bedauernswert, da damit auch eine ausgearbeitete Charakterisierung von Kashou verhindert wird.


Maple und Vanilla liefern sich ein heißes Tischtennisduell.

© NEKO WORKs

Die vielen humorvollen Anteile der Geschichte und die allgemein spaßige Dynamik zwischen all den Persönlichkeiten der NEKOPARA-Serie sind hingegen als große Stärke zu betrachten. Nach drei Spielen, in denen der Fokus so eng auf nur wenige Figuren gelegt wurde, ist es erfrischend, in NEKOPARA Vol. 4 alle Hauptfiguren oder zuvor unerforschte Kombinationen gleichermaßen miteinander interagieren zu sehen. Dass ich noch dazu ein Faible für Feiertags- oder Reise-Szenarien habe, hilft mir bei meiner Entscheidung, den vierten Teil als wohl meinen bislang liebsten zu küren.


Auch wenn es durch vorangegangene Ableger bekannt sein sollte, folgt eine kurze Übersicht der Spielstruktur. NEKOPARA zählt zu den Kinetic Novels, einer Unterart von Visual Novels, welche dem Spieler keine Entscheidungen erlaubt und sich stattdessen wie ein interaktives Buch „spielen“ lässt. Ihr erlebt die Geschichte in nacheinanderfolgenden Kapiteln, die durch Textboxen erzählt werden und mit animierten 2D-Artworks der Charaktere sowie starren Hintergründen ausgeschmückt sind. Eure Interaktion mit dem Spiel beschränkt sich demnach auf dem „Umblättern“ durch den A-Knopf, wobei die Textwiedergabe automatisiert werden kann, sodass selbst diese Art der Interaktion wegfällt, wenn ihr noch bequemer spielen wollt.


Aufgrund seiner Abstammung als „Eroge“-Serie scheut NEKOPARA nicht vor Fanservice und Zweideutigkeit zurück. Das gilt für vergangene Titel wie für den neuesten. Auf Konsolen erscheinen die Spiele aber wohlgemerkt in einer beschnittenen Variante ohne pornografische Inhalte. Anders als bei den vorherigen Volumes, welche erst deutlich später für Konsolen portiert und angepasst wurden, erschien NEKOPARA Vol. 4 jedoch nur kurze Zeit nach dem PC-Release. Das Spiel wurde somit also bereits mit den beschnittenen Konsolenversionen im Hinterkopf entwickelt. Das hat zur Folge, dass aufreizende Storyevents nur noch abgeschwächt, nicht aber komplett ersetzt wurden. Nichtsdestotrotz bleiben Küsse und Kuschelei das höchste der Gefühle.


In Frankreich gibt es ein Aufeinandertreffen mit dem Katzenmädchen Fraise.

© NEKO WORKs

Von einer audiovisuellen Perspektive hat sich trotz dreijähriger Lücke zwischen dem dritten und vierten Teil nicht sonderlich viel getan. Es gibt weiterhin die seit eh und je bekannten Orte zu sehen und Musikstücke zu hören, wobei die in diesem Ableger hinzugekommenen Szenerien wie die Hot-Spring-Stadt und Paris eine gelungene Abwechslung bieten. Auch die Reihe an komplett neuen Figuren, allen voran das neue Katzenmädchen Fraise, bringt frischen Wind hinein.


Die zur Animation der Figuren eingesetzte E-mote-Technik empfand ich einmal mehr als besonders beeindruckend und als essentiell für die qualitativ hochwertige Gestaltung und Inszenierung von Charakter-Interaktionen. Es haucht der sonst so starren Visual-Novel-Optik so viel mehr Leben ein und lässt die Macher mit den Positionen der beteiligten Gesprächspartner spielen. Nachdem ihr einmal NEKOPARA gespielt habt, würdet ihr euch wünschen, dass Figuren in diesem Genre immer auf diese Weise miteinander interagieren. Schaltet man den Auto-Modus ein, ist man nicht mehr weit entfernt von einer gewöhnlichen Anime-Show.


Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Neben dem Mobile-Ableger NEKOPARAITEN steht derzeit noch nichts am Horizont. Wie lange es wohl dauern wird, bis wir euch hier bei unserem Test von NEKOPARA Vol. 5 begrüßen dürfen?

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Daniel Kania

Nach drei Jahren liefert NEKO WORKs mit NEKOPARA Vol. 4 endlich die Fortsetzung seiner herzerwärmenden Katzen-Komödie. Wie auch schon bei den Vorgängern kommen Fans der Serie mit dem vierten Teil voll auf ihre Kosten und dürfen sich auf weitere spannende und lustige Momente mit ihren liebsten Katzenmädchen einstellen. Auch dieses Mal bleibt man seinen Wurzeln treu und erzählt die Geschichte im Format einer Kinetic Novel. Das heißt, euch sind keinerlei Entscheidungen überlassen und ihr könnt euch einfach nur von der Handlung berieseln lassen. Nach wenigen Stunden ist der Spaß dann auch leider schon zu Ende. Für Visual-Novel-Verhältnisse handelt es sich also eher um sehr leichte Kost, die aber einmal mehr durch Charme und Witz überzeugt – und weniger durch Charaktertiefe oder komplexe Handlungsstränge. Wer mit der Serie unvertraut ist, sollte lieber beim ersten Teil beginnen, wobei Kenntnisse aus der Anime-Adaption genügen würden, um NEKOPARA Vol. 4 vollstens genießen zu können. Die Wahl bleibt bei euch!
Mein persönliches Highlight: Die Fülle an detailreichen und schicken CG-Bildern, deren Anzahl sich dieses Mal auf satte 70 beläuft.

Die durchschnittliche Leserwertung

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