Es ist tatsächlich ein Quiz-Spiel!

Der Kampf um die Aufmerksamkeit der Videospielergunst ist heutzutage kein leichter. Quasi wöchentlich werden die Shops, in denen digitale Spiele feil geboten werden, mit neuen Titeln geflutet. So etwas wie ein Quiz-Spiel aus der Masse herausstechen zu lassen und spektakulär in Szene zu setzen, ist dabei eine zusätzliche Hürde, die man als Entwickler und Publisher stemmen muss. „Herausforderung angenommen!“, haben sich the binary family, das deutsche Entwicklerstudio hinter Rette Furzi, bestimmt gedacht und neben einer unüblichen und irrwitzigen Beschreibung für ihr Spiel, sogar noch einen Fake-Trailer produziert, der schockierte Reporter rund um den Globus zeigt. Spoiler: Beide raten dringend von einem Kauf ab. Ob ihr, wie sie selber sagen, selbst Schuld seid, wenn ihr bei dem Spiel zuschlagt, oder wir beim Testen tatsächlich so etwas wie Spaß empfunden haben, dass lest ihr im nachfolgenden (nicht immer ganz ernst gemeinten) Test:


Genial daneben?! Das Quiz mit Furzi


Wie Furzi, dass kleine flauschige Küken in die missliche Lage eines tödlichen Quiz-Abenteuers geraten ist, wissen wohl nur die Entwickler selbst. Die Disco-Kugel im Hauptmenü könnte zwar suggerieren, dass sich der geplante Party-Ausflug letztendlich als verkappt sadistische Quiz-Falle entpuppt hat, aber zu viel mutmaßen wollen wir bezüglich der Hintergrundgeschichte auch nicht. Startet ihr ein Quiz, dann geht es auch ohne Umschweife direkt los und ihr werdet mit der ersten Frage und drei möglichen Antworten begrüßt. Innerhalb von 20 Sekunden müsst ihr nun die gestellte Frage korrekt beantworten, oder Furzi nimmt auf verschiedene Arten Abschied von dieser Welt. Selbiges passiert natürlich auch dann, wenn ihr eine Frage falsch beantworten solltet. Schockgefrostet, von einer Cola-Dose erschlagen, mit einem Maschinengewehr zerschossen, oder per Schweizer Messer im Rücken: Es sind vielfältig animierte Todesarten vertreten, alle jedoch völlig unblutig - einzig ein paar Federn muss das arme Vogelvieh lassen. Wie viele Fragen ihr an einem Stück schafft, ohne das Furzi draufgeht, wird euch während eines Spieldurchgangs immer angezeigt und sogar in einer Hall-of-Fame festgehalten.


Blöd gelaufen – falsch beantwortet Fragen, werden mit einem Messer im Rücken oder einen anderen Todesart von Furzi quittiert.

© the binary family & Thorsten Rauser

Wer jedoch Scherzfragen á la „Wieviel Pudding steckt in einer Kalorie?“ erwartet, der dürfte bitter vor Enttäuschung seine Nintendo Switch gen Himmel strecken. Tatsächlich sind die mehr als 5000 im Spiel enthaltenen Fragen – nein, ich habe nicht nachgezählt! – sinnvoll und ernst gemeint und könnten glatt aus einer der Quiz-Shows aus dem hiesigen TV-Abendprogramm stammen. Ein paar Beispiele gefällig? „Wie heißt eine Nordseeinsel vor der Elbmündung?“, „Wenn ein Kamel so richtig Durst hat, bis zu wie viel Liter Wasser kann es dann trinken?", oder auch „Wie hieß der erste Mensch, der in einem Raumflugkörper die Welt umkreiste?“. Die Kategorien erstrecken sich dabei von Geschichte, Wissenschaft, Literatur, Sport, Geografie, bis hin zu Sprache und vielen mehr. Zumeist mögen die Fragen zwar, aufgrund der manchmal recht offensichtlichen Antworten, einfach zu lösen sein, doch das sind die ersten Fragen bei der Quiz-Show mit einem gewissen Herrn Jauch auch. Ein interessanter Twist wurde dabei für Rette Furzi angewandt, denn die Fragen sind nicht nach ihrer Schwierigkeit hin aufsteigend sortiert. Ihr könnt also während keiner Runde sicher sein, wie stark der vorliegende Fragenteppich dieses Mal euer Hirn zum Schmelzen bringt. Ein Rogue-like-Quiz allererster Güte, welche jede neue Runde zu einer neuen Spielerfahrung werden lässt.


Solltet ihr doch mal auf eine geistige Sackgasse zu fahren oder sich ein plötzlicher Hirnfurz lösen, dann könnt ihr immer noch zu einem von drei Jokern greifen, oder sogar alle drei hintereinander für eine Frage ver(sch)wenden – was jedoch weniger schlau wäre. Neben dem üblichen 50/50-Joker, bekannt aus diversen anderen Quiz-Spielen und einem, der den Timer wieder zurücksetzt, gibt es auch noch einen Joker, der direkt die korrekte Antwort für euch auswählt. Nun könnte man voreilig „Das ist doch cheaten!“ schreien, da die Nintendo Switch zum Zeitpunkt des Erscheinens des Spiels aber keine Telefonfunktion implementiert hat, ist die Wahl der Entwickler durchaus logisch und nachvollziehbar. Außerdem muss man den Joker ja nicht verwenden, wenn man nicht möchte. Schummeln, in dem man aus dem Spiel heraus in den Home-Screen der Nintendo Switch umschaltet und damit die Zeit anhält, geht übrigens nicht. Ich hab das natürlich ausprobiert.


Es erwarten euch viele Fragen aus diversen Kategorien. Erfolgreiche Antwort-Reihen werden gebührend gefeiert.

© the binary family & Thorsten Rauser

Vom grafischen Standpunkt aus kann man natürlich nicht viel von einem Quiz-Spiel erwarten. Die Textboxen werden im stationären als auch im portablen Modus knackscharf dargestellt und jeglicher Text ist durch eine einheitlich gehaltene Schriftart – vermutlich eine serifenlose Schriftart wie Arial – immer einwandfrei lesbar. Eine gute Voraussetzung für ein Quiz-Spiel und hier haben die Entwickler ein solides Gesamtbild abgeliefert. Bei Hauptprotagonist Furzi wurde ebenfalls ganze Arbeit geleistet und selbst Erik Wernquist dürfte es beim Anblick des Kükens mit den Riesenglubschern Freudentränen in die Augen treiben. In unzähligen verschiedenen Animationen wird Furzi bei einer falsch beantworteten Frage das Leben ausgehaucht oder der kleine Federknäuel kommentiert non-verbal die korrekte Antwort - Letzteres gerne auch schlicht einfach nur mit einem Furz. Auf musikalischer Seite wird euch die deliziöseste und klangstärkste Fahrstuhlmusik diesseits der Milchstraße in den Gehörgang gehaucht. Das musikalische Dauerschleifen-Bouquet aus nur wenigen aus dem Computer generierten Instrumenten schiebt sich sanft und unaufdringlich unter das Gesamtkunstwerk. Falls ihr Fahrstuhl-Phobiker seid oder euch die Beamtenbagger-Sinfonik gänzlich missfällt, dann dürft ihr per stufenlosem Schieberegler Musik und sonstige Töne auch komplett in die unterste Etage fahren und eurem Gehörgang sanfte Ruhe gönnen.


Erwähnenswert zum Schluss wäre noch, dass man mit Rette Furzi auch noch seine Sprachkenntnisse aufbessern kann. Alle Fragen und Antworten gibt es wahlweise nämlich auch auf Englisch. Marvellous!

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Zunächst ein Dank an die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, für die Freigabe des Spiels ab 16 Jahren. Wird dem ahnungslosen Käufer ein Titel mit einem niedlichen animierten Küken auf dem Cover präsentiert, wird im Spiel das dort nett dreinschauende Furzi, auf nur jegliche erdenkliche Art zu Nuggets verarbeitet. Und das alles nur, weil man eine gestellte Frage falsch beantwortet. Grauenvolle Videospielwelt! Alle PETA-Anhänger, Liebhaber von glubschäugigen Jamba-Sparabo-Küken oder auch besonders zartbesaitete Individuen sollten den Kauf also gründlich abwägen. Solltet ihr jedoch nicht in eine dieser Kategorien fallen, unter Kakorrhaphiaphobie leiden, oder Fragen gestellt bekommen hassen, dann dürfte Rette Furzi euer Spiel sein. Viele wirklich(!) sinnvolle Fragen mit entsprechenden Antworten aus diversen Kategorien, ein schräges, lustig dreinschauender gelber Hühnervogel, welcher zwischendurch mal furzt und auf diverse brutale Weise von dannen scheidet – alles enthalten, fast wie in der Spielbeschreibung versprochen. Es gibt aber auch etwas zu meckern: Leider gibt es nur wenige skurrile Fragen und auch keinerlei Scherzfragen. Da habe ich laut Klappentext zum Spiel im Nintendo eShop eher etwas aus der You Don't Know Jack-Sparte erwartet. Wer für kleines Geld ein schnelles Quiz-Spiel ohne viel Schnickschnack sucht, allerdings mit einem gewissen Anspruch – nur was die Fragen angeht versteht sich – der dürfte in Rette Furzi sein Spiel gefunden haben. Doch eine Frage hat mich während des gesamten Spiels begleitet und diese ist leider unbeantwortet geblieben: „Können Küken überhaupt furzen?“
Mein persönliches Highlight: Die Momente in denen man sich fragt: "Wie scheidet Furzi jetzt wohl von dannen?"

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Kindra

    read this

    Das ist ja mal gold. Erstmal der Name Furzi, dann der Twist, der im Test angesprochen wird und dann auch noch Kakorrhaphiaphobie im Fazit gedroppt. Bevor ich das Wort gegooglet hab, hätte ich Geld drauf verwettet, dass du dir das Wort ausgedacht hast xD

  • David Kuhlgert

    Redakteur

    Kindra Den genauen Fachterminus musste ich auch nachschlagen :D Aber freut mich wenn dir das Lesen Freude bereitet hat!