Die toten Bilder pro Sekunde erscheinen

Mit blutrotem Pfeil schoss sich das Spiel CROSSBOW: Bloodnight in das Spieleportfolio des Nintendo eShops. Seit 29. Januar 2021 lässt sich nun schon der Titel herunterladen und ich habe für euch getestet, ob es sich lohnt für dieses Spiel das Portemonnaie zu öffnen. Kreiert wurde das Spiel im Hause Hyperstrange, welches besonders durch sein Action-Rollenspiel ELDERBORN bekannt ist. Der Plot des Score-Attack-Arena-Shooters ist ziemlich simpel: dämonische Kräfte haben die Macht ergriffen und erscheinen, um das Land zu verwüsten. Als Spieler:in stellt man sich dieser Horde an unheiligen Kreaturen mit einer übermächtigen Armbrust entgegen. Der Clou hinter der Spielwelt ist, dass diese Horrorgeschichte nicht in unserer Zeit, sondern eher in einer mittelalterlich angehauchten Ambiente spielt.


Shoot – Run – Shoot – Die


Das Gameplay ist ebenfalls wie die Geschichte ziemlich einfach gehalten. In der First-Person-Perspektive befindet man sich auf einem weitläufigen, runden Areal, in welchem Monster mit verschiedenen Fähigkeiten auftauchen. Das Spiel ist in Runden eingeteilt. In einer bestimmten Runde erscheinen eine bestimmte Anzahl an Monstern und Monstertypen. In jeder Runde erscheint ein Timer, welcher nach unten zählt. Wenn der Timer null schlägt, wird die nächste Runde eingeleitet, die dann einen neuen Kreaturentyp hinzufügt und entsprechend signifikant schwerer wird. Das wichtigste Element der Selbstverteidigung ist die Armbrust, welche allerlei interessante Fähigkeiten besitzt. Hält man die ZR-Taste gedrückt, verschießt der Bogen eine Salve an Pfeilen - vergleichbar mit einer Schnellschusswaffe. Nutzt man die ZL-Taste zum Zielen und dann die ZR-Taste, verschießt man einen geladenen Pfeil, welcher dann explodiert und einen so besonders vor Monster mit viel Widerstandskraft schützt. Wenn man die ZR-Taste nur einmal kurz drückt, hat man den Pumpgun-Modus – so nenne ich ihn einfach mal. Die Armbrust verschießt dann einfach viele kleine Pfeile auf einmal mit einer gewissen Streuung, was besonders bei vielen kleinen Gegnern einem den Allerwertesten retten kann.


Neben den interessanten Gameplay-Methoden, welche die mysteriöse Armbrust zu bieten hat, kommen die verschiedenen Kreaturen mit viel Kreativität daher. Zu Beginn steht man zunächst einfachen Zombies gegenüber, welche besonders im Laufe eines Spielruns anstrengend werden können. Sie machen nichts wirklich Erschreckendes – sie laufen nur direkt auf einen zu und liefern bei einer längeren Berührung den Tod. Zu diesen Schwächlingen gesellen sich zum Beispiel noch Kreaturen, die andere kleine Monster beschwören können. Es gibt auch Monster, welche Fernangriffe nutzen und andere Monster, die so viele Pfeile schlucken, dass man fast anfangen möchte zu weinen. Glücklicherweise muss die Waffe nicht nachgeladen werden. Sie hat von Anfang an unendlich Schuss zur Verfügung. Neben der Armbrust hat man aber auch weitere Fähigkeiten, wie zum Beispiel einen Spezialangriff, welcher einen goldenen Pfeilhagel auf den Gegner niederregnen lässt oder auch das schnell nach vorne Sprinten, um Monstern in der letzten Sekunde auszuweichen. Manchen Angriffen kann man aber auch ganz simpel durch Springen entgehen.


Eine große Variation an Monstern freut sich schon darauf, einem das Mark aus den Knochen zu saugen.

© Hyperstrange

CROSSBOW: Bloodnight spielt sich im Wesentlichen wie ein Arcade-Game. Man hat einen Spieldurchlauf. Je länger man eine Runde überlebt, desto höher klettert man den Online-Highscore nach oben. Ist eine Runde beendet, fängt man wieder komplett von vorne an. Man versucht also durch viele Durchläufe seinen Rangscore weiter zu verbessern. Man stirbt, wenn man einmal oder mehrmals, je nach Typ des Monsters, getroffen wurde. Manche Monster müssen einen nur einmal berühren und es heißt schon GAME OVER.


Bei diesem Test habe ich mich zusätzlich entschlossen, das Spiel auch mit einem guten Freund auszuprobieren. Ich denke, dass ist genau der Weg, um das Spiel in vollen Zügen genießen zu können. Durch die eigenen Spielefähigkeiten kann es zu relativ kurzen Spielerunden kommen. Mit Freunden kann man daraus einen richtig lustigen Wettkampf gestalten. Das Spiel verfügt über keinen Mehrspielermodus aber das Durchwechseln ist nicht besonders unangenehm. So hat man Zeit, auch mal nur zu beobachten, was in diesem Spiel alles passiert. Wieso ist diese Spielweise es wert, sie besonders zu betonen? Freundlich gesagt, langweilt das Spiel, wenn man es allein gespielt hat. Vielleicht setzt man sich für einige Runden hin und ist dann entweder frustriert oder einfach nach diversen Runden gelangweilt. Dadurch, dass man den Anfang immer wieder von vorne machen muss und die Monster häufig genau an der selben Stelle spawnen, ist nicht viel Abwechslung oder Unterhaltung geboten. Natürlich ist es spannend, wenn man einige Runden weiter ist und eine Art Boss-Fight-Feeling bekommt – aber das ist nach einer bestimmten Zeit auch nicht mehr wirklich packend. Für meinen persönlichen Geschmack war es zwar ein kurzzeitiges und spannendes Vergnügen – aber nur, um eines Highscores Willen zu spielen, ist für mich nicht motivierend genug, um sich weiter damit auseinanderzusetzen.


Auch wenn es vielleicht nicht für eine lange Spielzeit lohnenswert ist, sollte man definitiv allein wegen der Grafik und der Details der Monsterdesigns einen Blick auf das Produkt werfen. Der Kontrast des hellen Vollmondes und dem finsteren, schimmernden Pflaster der Straße mit den wandelnden, blutrot glühenden Monstern, die nur darauf warten einem das Fleisch von Knochen zu pulen, ist eine Augenweide. Wer mal einen wirklich schlechte Tag hat, kann sich in diesem Spiel gerne austoben. Blut spritzt in Strömen durch die Gegend, die Monster werden von Runde zu Runde spannender und schwerer zu töten und ein falscher Schritt und du bist Zombiefutter. Perfekt zu diesem Gothic-Horror-Style ist auch die Abmischung von Spezialeffekten und der Hintergrundmusik. Man fühlt sich dabei mitten im Kampfgeschehen, gefesselt an die unheiligen Ausgeburten der Hölle. Die Armbrust wirkt im Sound ziemlich authentisch. Diese Effekte vermitteln ein wenig die Stärke und das Gewicht der Armbrust und verstärkt so das Gefühl, tatsächlich etwas zu erleben.


Der letzte Punkt, den ich nun leider ansprechen muss, ist die Framerate. Je nach Runde kann es dazu kommen, dass viele Schattenkreaturen den Weg ins Kampfgeschehen finden. In einigen meiner längeren Runden ist mir aufgefallen, dass ab einer gewissen Zeit sich so viele Monster auf dem Feld versammelt haben, dass die Framerate stark darunter leidet. Je nach Situation ruckelt nur das Bild, wenn es aber mal wirklich viele Monster sind, was in einer Runde schnell geschehen kann, ist das Spiel unspielbar. Man kann nicht mehr vernünftig zielen, das umblicken wird unmöglich und die Monster springen hin und her. Das ist einfach furchtbar. Sinn des Spiels ist nicht nur das sinnlose Geballer, es geht auch um den Highscore, den man weiter nach oben befördern will. Dieser Framedrop verhindert es oft, eine erfolgreiche Spielrunde zu haben und über sich selbst hinauszuwachsen – wie ein unmöglicher Endgegner ...

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Simon Münch

Schöne Grafik, Arcade-Feeling und ganz viel Blut! Wer Spaß daran hat, ohne viel Grübeln ein paar Köpfe einzuschießen, ist bei diesem Spiel genau richtig. CROSSBOW: Bloodnight bietet kurzzeitigen, gedankenlosen Spaß, welcher besonders für eine kleine Runde mit Freunden geeignet ist. Auch wenn einzelne Runden spannend sein können, muss man sich darauf gefasst machen, dass auch Monotonie seinen Weg findet, einem den Pfeil ins Hirn zu schießen. Nichtsdestotrotz präsentiert sich das Spiel in Sachen Soundqualität und Grafik auf einem überraschend hohen Niveau und kann so einen an die jeweiligen Spielerunden fesseln und authentisch wirken lassen. Für Krieger:innen, die es lieben, den Gipfel von Highscores zu erklimmen, ist es wichtig zu bedenken, dass die aktuelle Version für die Nintendo Switch es ziemlich schwer macht, da die Framerate je nach Anzahl der Gegner im Verlauf einer Runde stark runtergeht und das Spiel so fast unspielbar wird. Fans dieser Art der Spiele sollten zuschlagen und in den dunklen Krieg ziehen. Andere Spieler:innen, die vielleicht nicht mit solchen Spielen vertraut sind, sollten sich vielleicht erstmal ein Gameplay-Video zu Gemüte führen und dann eine Kaufentscheidung treffen. Denn auch wenn dieses Indie-Game sehr günstig zu haben ist, sollte man nicht wie ein Matschhirn sein Geld zum Fenster rauswerfen.
Mein persönliches Highlight: Die schwächsten Zombies, die einen in den Rücken fallen, weil man zu dumm ist, sich umzudrehen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • AnimalM

    SR388 Cleaner

    Da hat sich doch mal gleich mein Eindruck von dem Trailer bestätigt. Vielen Dank für den Test.