Eine Apothekerin in Ausbildung auf Abwegen

Eine Ausbildung zur Apothekerin ist gar nicht mal so einfach. Das muss auch die junge Mylne eines Tages feststellen, nachdem sie sich dazu entschieden hat, in die Fußstapfen ihres Großvaters zu treten. Doch einfach nur Zutaten sammeln und sie in einen Kessel werfen reicht nicht aus, um hervorragende Tränke zu brauen. Hinzu kommt, dass Mylne wissen möchte, was mit ihrer Mutter passiert ist. Denn das ist der eigentliche Grund, warum sich die Protagonistin auf dieses Abenteuer einlässt.


Mylne möchte Apothekerin werden und damit in die Fußstapfen ihres Großvaters treten.

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Märchen Forest ist ein japanisches Rollenspiel, dem zusätzlich Dungeon-Crawler-Elemente innewohnen, wobei man davon zu Beginn des Spiels nicht wirklich etwas merkt. Denn ihr beginnt ganz friedlich im Haus eures berühmten Großvaters, der euch nach einem gescheiterten Brau-Versuch bittet, einige Zutaten für einen Trank zu sammeln. Dabei sagt er allerdings nicht genau, welche das sein sollen, weswegen Mylne sich ohne weitere Informationen auf den Weg macht. Draußen vor dem Haus werdet ihr von einem wiederkehrenden Freund begrüßt. Der Vogel Galaxarth the Wanderer erklärt euch regelmäßig das Spielgeschehen und zu Beginn sagt er euch, wie man sich im Spiel bewegt und Dinge aufsammelt. Kurz darauf hebt ihr also alles vom Boden auf, was euch ins Auge fällt und stellt dabei relativ schnell fest, dass es sich durchaus lohnt, mehrmals hintereinander mit einem Charakter zu sprechen. Oft bedarf es nämlich mehrere Anläufe, bis eine Zutat herausgegeben oder eine andere Aktion gestartet wird. Mylne kommt auf ihrem ersten Ausflug aber nicht weit, da der Weg von einem Waldgeist blockiert wird. So treibt ihr euch zunächst im Vorgarten herum, sammelt die dort liegenden Zutaten ein und geht zurück ins Haus.


Das Mixen der Zaubertränke ist und bleibt relativ unkompliziert, da ihr einfach alle vorhandenen Zutaten in den Kessel werft, während euer Großvater kräftig umrührt. Anschließend erscheinen diverse Phiolen und Fläschchen auf einem Tisch, die den gerade gebrauten Trank beinhalten. Diesen könnt ihr anschließend im ersten Stock einsammeln, um ihn zu verwenden. Die Zutaten, die ihr eigentlich verbraucht habt, bleiben komischerweise in eurem Inventar, was zwar unlogisch ist, jedoch einiges vereinfacht. Durch das Brauen weiterer Tränke steigt ihr im Level auf, sodass ihr euch auch an schwierigere Rezepte wagen könnt. Das Ganze wird später etwas kniffliger, da ihr gewisse Zutaten zunächst aussortieren müsst, weil ihr nicht kontrollieren könnt, welche Zutaten im Kessel landen.


Im zweiten Teil des Spiels müsst ihr euch in gefährliche Dungeons wagen.

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Mit den neuen Tränken in eurer Tasche geht es erneut auf Zutatensuche. Und dieses Mal schafft ihr es sogar, den Waldgeist aus dem Weg zu räumen, indem ihr ihn mit einem Donut bestecht. Schon eröffnet sich ein neues Areal und ihr trefft auf weitere sehr kuriose Charaktere, die alle irgendwie eure Hilfe brauchen. Mal müsst ihr einen Pinguin trainieren, der unbedingt eine begehrte Pinguin-Dame mit seiner Muskelkraft beeindrucken will, oder ihr müsst eine Brücke reparieren, wofür ihr aber erst einmal Werkzeug finden müsst. Auch mit anderen Aktivitäten werdet ihr vertraut gemacht. So könnt ihr beim großen Pilz neben eurem Haus regelmäßig an einem Quiz teilnehmen und für richtig beantwortete Fragen bekommt ihr eine Belohnung. Außerdem erhaltet ihr während eures Abenteuers eine Angel, wodurch ihr an neue Zutaten kommt. Zudem könnt ihr auch schlafen gehen, um ein paar Stunden vorzuspulen oder um einfach nur die Tageszeit zu ändern, da in der Nacht ganz andere spannende Dinge passieren …


Während ihr in der ersten Hälfte des Spiels nur mit dem Sammeln von Zutaten beschäftigt seid und hier und da den verschiedenen Charakteren helft, geht es nach einiger Zeit auch ans Kämpfen! Ja, die kleine Mylne kann ordentlich austeilen, wenn es gewünscht ist. Hier kommen auch wieder die gebrauten Tränke zum Einsatz, die ihr im Kampf verwenden könnt. Diese Kämpfe häufen sich, nachdem ihr mit dem Barden durch ein mysteriöses Tor reist und zu einem neuen Abenteuer aufbrecht. In diesem zweiten Teil des Spiels kommt dann nämlich der angesprochene Dungeon-Crawler-Aspekt durch. Erneut begrüßt euch Galaxarth the Wanderer und erklärt euch in einem längeren Tutorial, wie ihr euch in dem neuen Areal bewegt und zurechtfindet. Er erklärt euch zudem, wie das Kampfsystem aussieht, sodass ihr euch kurz darauf ins Abenteuer stürzen könnt. Hier wechselt auch die Ansicht, denn nun seht ihr die Dungeons und Mylne von oben, was euch die Möglichkeit gibt, über Mauern bereits hinwegschauen zu können. In diesem Teil sind eher Gegenstände wichtig, die eure Lebenspunkteleiste wieder auffüllen, sodass ihr nicht mehr nur nach Zutaten Ausschau halten müsst. Essen solltet ihr aber trotzdem, da das eure zweite Leiste ist, die ihr im Auge behalten solltet. So ein Dungeon hat einige Tücken, also passt immer auf, wo ihr hinlauft. Auch im zweiten Teil des Spiels warten einige neue Charaktere auf euch, mit denen ihr definitiv das Gespräch suchen solltet. Bei der jungen Dame Rosetta könnt ihr zum Beispiel eure gesammelten Eicheln gegen wertvolle Items tauschen. Außerdem gibt es ein Bücherregal, an dem ihr Mylne spezielle Fähigkeiten zuordnen könnt, um sie dadurch noch stärker zu machen.


Rosetta versorgt euch unter anderem mit Items und neuen Ausrüstungsgegenständen.

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In den Kämpfen selbst werden eure Reflexe getestet, da ihr vor allem das Parieren draufhaben müsst. Alles andere ist wiederum selbsterklärend. Sobald ihr auf ein Monster trefft, wechselt die Ansicht und ihr seid in einer klassischen Kampfansicht, in der ihr in Ruhe eure Angriffe wählen könnt. Dennoch solltet ihr immer auf Gegenangriffe schnell reagieren können, da das Geschehen doch recht zügig von der Hand geht. Am Ende des Kampfes erhaltet ihr Erfahrungspunkte und es kann weiter gehen. Unterwegs findet ihr auch neue Ausrüstung, die eure Defensive verbessert, sowie Waffen, die eure Angriffskraft steigen lassen. Am Ende eines Dungeons wird euch eine Übersicht eingeblendet, die euch zeigt, wie ihr abgeschnitten habt. Danach geht es auf die nächste Etage. Der Schwierigkeitsgrad der Dungeons kann im Menü übrigens angepasst werden, sodass ihr euch auf Dauer oder bei erneutem Durchspielen nicht langweilt.


Die Steuerung ist allgemein recht passend, obwohl diverse Perspektivenwechsel vor allem im ersten Teil manchmal nicht ganz so sauber funktionierten. Den Soundtrack finde ich ganz angenehm und er wird nicht langweilig. Das Spiel ist zudem vor allem in den Abschnitten synchronisiert, die die Story voranbringen. Ansonsten geben die Charaktere eher irgendwelche Laute von sich, statt richtig miteinander zu sprechen. Dabei ist das Gesprochene nur auf Japanisch verfügbar und das Spiel sonst ist nur auf Englisch. Wer damit Probleme hat, sollte sich an Märchen Forest vielleicht nicht heranwagen. Was mich zu Beginn zu dem Spiel hingezogen hatte, war das wunderschöne Anime-Artwork, das man vor allem in Dialogfenstern stets zu sehen bekommt. Die Charaktere an sich sind auch relativ gut im Spiel ausgearbeitet, jedoch muss ich sagen, dass der Rest der Grafik eher unfertig aussah. Vor allem im ersten Teil des Spiels kam es mir so vor, als hätte man dort nur vorgefertigte Elemente wie Bäume einer Sorte hingesetzt, ohne Details oder ähnliches auszuarbeiten. Selbst die Monster im Dungeon-Teil waren da schöner ausgearbeitet als die Bewohner des Waldes. Dahingehend muss man aber bedenken, dass es sich bei Märchen Forest um ein Ein-Mann-Projekt handelt, was das Ganze durchaus erklären würde. Dennoch hätte ich mir da ein bisschen mehr erhofft.


Die Spielmechanik an sich finde ich sonst ganz gut, auch wenn es insgesamt irgendwann eintönig wird. Ich habe nicht so ganz verstanden, warum man das Spiel in solche deutlich unterschiedlichen Teile einteilen muss, da dem Ganzen etwas Abwechslung durchaus gut getan hätte. Es ergibt in sich zwar Sinn, da es die Story hergibt, aber dennoch fand ich das sehr merkwürdig. Trotz alledem schafft es Märchen Forest auf eine ganz eigenartige Art und Weise einen an die Konsole zu fesseln.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kerstin Steiner

Märchen Forest verbindet zwei Spiele in einem und auf eine sehr eigene Art und Weise funktioniert das ganz gut. Während ihr euch zu Beginn noch in einem JRPG befindet, in dem es keine Gefahr zu geben scheint, prescht die Protagonistin im zweiten Teil des Spiels durch dunkle Dungeons und legt sich mit fiesen Monstern an. Die Grafik ist anfangs etwas dürftig, doch das bessert sich vor allem im zweiten Teil, sodass man darüber fast hinwegsehen kann. Wer also eine Mischung aus JRPG und Dungeon Crawler sucht, der ist hier gut bedient. Selbst die Story entfaltet sich nach und nach und spätestens, wenn man weiß, warum Mylne sich auf die Reise gemacht hat, will man auch wissen, wie es zu Ende geht.
Mein persönliches Highlight: Die teilweise völlig absurden Nebencharaktere sowie das Artwork der Hautpcharaktere.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Ely

    Turmheld

    Ich kann mir nicht helfen — wenn ich solche Figuren mit Tierohren sehe, weiß ich nicht, ob ich lachen, weinen oder mich gleich übergeben soll. Wie Gartenzwerge. Die würde ich auch am liebsten in den Orbit treten :ugly-classic:


    Bei einem Bild mit derartigen Figuren an anderer Stelle, wo die Figur Katzenohren hatte und einen Kopfhörer so trug, als wären menschliche Ohren da, war die Lächerlichkeit formvollendet. Ein Traum.