Eine Foto-Safari mit Nostalgie-Garantie

Anlässlich des 25. Jubiläums von Pokémon und dem kommenden Release von Pokémon Snap ist es einfach mal wieder an der Zeit: Ich habe mir meinen alten Controller inklusive ausgeleiertem Analogstick geschnappt, das originale Pokémon Snap-Spielemodul durchgepustet und die entsprechende Konsole entstaubt. Ist das Spiel gut gealtert oder konnte es mich damals nur durch meine kindliche Faszination für die Taschenmonster Stunde um Stunde an den Bildschirm fesseln? In diesem kurzen Test wagt mein erwachsenes Ich einen Blick in die Vergangenheit und möchte herausfinden, was die Stärken und Schwächen des Klassikers sind.


Ihr schlüpft in die Haut von Todd und erhaltet von Professor Eich die bekannte Aufgabe: Dokumentiert alle Pokémon, die sich auf dieser Insel befinden! Dieses Mal erhaltet ihr allerdings eine Kamera anstelle von Pokédex und Pokéball und sollt bestenfalls das perfekte Foto von jedem Pokémon schießen. Ihr steigt in euren Wagen, der jeweils feste Schienen abfährt, und durchfahrt die verschiedenen Bereiche der Insel. Beginnend beim „Strand“ könnt ihr nach und nach neue Inselteile erschließen und anschließend frei wählen, welche ihr nochmals durchfahren möchtet.


Professor Eich verlangt euch mal wieder einiges ab.

© Nintendo / HAL Laboratory

In einem Bereich angekommen, eröffnet sich euch eine dynamische Welt voller Pokémon. Manche springen euch unmittelbar vor die Linse, andere müsst ihr hervorlocken. Hierbei helfen euch besonders die Äpfel oder Rauchbälle, die ihr rasch im Spiel freischaltet. Das Werfen von Äpfeln in die Nähe von Pokémon hilft beispielsweise, die Wesen anzulocken oder zusammenzutreiben, sodass sich nähere und dynamischere Motive ergeben. Mit dem Rauch könnt ihr beispielsweise Pokémon „ausräuchern“ und somit aus ihren Verstecken locken. Was am besten wirkt, müsst ihr selbst erproben. Etwas später im Spiel erhaltet ihr auch die Pokéflöte, die weitere Möglichkeiten eröffnet.


Auf dem ersten Blick wirkt das Spiel unglaublich kurz, denn im Grunde sind die sieben freizuschaltenden Strecken schnell durchfahren. Doch der Kniff des Spiels steckt im Detail: Es lohnt sich, eine Strecke etliche Male zu durchfahren und nach und nach die Geheimnisse dieser aufzudecken. Die Pokémon durchleben während eurer Fahrt einen bestimmten Ablauf, den ihr mit dem Werfen der Äpfel und Bälle allerdings maßgeblich verändern könnt. Habt ihr dies erst einmal durchblickt, eröffnen sich euch richtige kleine Storys, die ihr herbeiführen könnt. So könnt ihr die Elektrizität im „Tunnel“ wieder zum Funktionieren bringen und die Pummeluff in der Strecke „Höhle“ ein Konzert abhalten lassen, wenn ihr sie rettet. Auch das ikonische „Surfer Pikachu“ könnt ihr fotografieren, wenn ihr herausfindet, wie ihr Pikachu auf das Surfbrett bekommt. Es ist überraschend knifflig zu verstehen, wie all das funktioniert. Auch die spannenden Weiterentwicklungen wie Garados, Glurak, Dragoran und Co. schwimmen oder fliegen nicht einfach so durch die Welt, ihr müsst erst herausfinden, wie ihr die Entwicklungen herbeiführt.


Seid ihr am Ende einer Strecke angekommen, dürft ihr die besten Fotos unter all den geschossenen auswählen. Diese werden anschließend von Professor Eich professionell eingeschätzt. Er bewertet danach, wie groß das Pokémon auf dem Bild dargestellt ist, welche Pose es einnimmt, wie eure Kameratechnik ist – befindet sich das Wesen mittig auf dem Bild? – und er vergibt Boni für besonders interessante Motive. Das beste Foto von einem Pokémon wird jeweils gespeichert; euer Ziel ist es natürlich, euch stets selbst zu übertreffen und das allerbeste Foto zu schießen!


Keine Scheu vor Experimenten: Mit euren Hilfsgegenständen erschließen sich euch viele tolle Motive!

© Nintendo / HAL Laboratory

Die beschriebenen Spielmechaniken sind motivierend und sprechen den Entdeckerdrang an. Als Kind wollte ich immer und immer wieder dieselben Strecken durchfahren, um alle Geheimnisse aufzudecken und die besten Fotografien zu schießen. Es fühlte sich großartig an festzustellen, dass ich auch heute noch viele der Lösungen kenne, andere Dinge habe ich neu entdeckt. Wer Lust hat, umfangreich mit der Umgebung zu interagieren, kann durchaus viele Stunden Zeit in dieses eigentlich recht kurze Spiel stecken. Durch die kniffligen Kausalitäten hat das Spiel zudem einen gewissen Anspruch, sodass ich auch heute in meinen 20er-Jahren noch viel Vergnügen mit diesem Spiel haben konnte.


Da ich selten zu Retro-Spielen greife, haben mich die niedrige Auflösung und die etwas kantigen Pokémon erst einmal erschlagen. Überraschend schnell gewöhnte ich mich jedoch daran, da die dreidimensionalen Bewegungen der Pokémon einfach trotz der alten Grafik lebendig wirken. Zur damaligen Zeit ließ uns dieses Spiel die Taschenmonster auf eine neue Art und Weise entdecken, da sie nicht zweidimensional als Abbildung dargestellt wurden, sondern als Lebewesen, die ihren normalen Tätigkeiten nachgehen und mit der Welt interagieren. So wurden die Pokémon und die Umgebungen mit unglaublich viel Liebe zum Detail dargestellt.


Nur ein bitterer Beigeschmack bleibt: Wer sie alle schnappen möchte, wird enttäuscht sein. Viele der Wesen könnt ihr gar nicht finden oder zumindest nicht zur Entwicklung bringen – so etwa Bisasam, Schiggy oder Evoli. Insgesamt gibt es lediglich 63 verschiedene Taschenmonster. In Anbetracht der komplexen Arbeit, für jedes Pokémon auf den Strecken eine individuelle kleinere oder größere Geschichte zu designen, ist diese Entscheidung vielleicht nachvollziehbar. Hier spielt zudem mit hinein, dass die Spielmodule der N64-Ära aus heutiger Sicht eine sehr knapp bemessene Speicherkapazität aufwiesen, sodass ein größerer Umfang als der vorliegende womöglich nicht umsetzbar war. Das Implementieren von einigen weiteren Strecken mit insgesamt allen 151 Pokémon hätte das Sammlerherz natürlich dennoch höher schlagen lassen und auch die Spiellänge positiv beeinflusst. Vielleicht können wir uns hier von dem kommenden Ableger mehr Umfang erhoffen.


Während die Vertonung von Eich und Todd auf ein absolutes Minimum beschränkt wurde, klingen die Pokémon authentisch. Im Gegensatz zu den technischen Sounds in den Hauptspielen erhielten sie in diesem Spiel richtige Vertonungen, sodass sie charakteristisch ihren Namen oder einen passenden Sound von sich geben. Die Strecken sind passend zur Umgebung mit Hintergrundsound untermauert. Allgemein ist die musikalische Untermalung des Spiels unaufdringlich und somit gelungen eingebettet worden; abgesehen von der fetzigen Menü-Musik, die einfach gute Laune bereitet.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Laura Strack

Pokémon Snap bot damals die geniale Möglichkeit, die Taschenmonster in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und mit ihnen zu interagieren. Anstelle des Fangens und Kämpfens tritt das eingehende Beobachten der einzelnen Wesen, wobei kleine Geschichten erzählt werden und die Pokémon so mehr Charakter erhalten. Besonders große Freude kommt auf, wenn eines der versteckteren Geheimnisse in der überraschend dynamischen Welt aufgedeckt wurde. Pokémon-Snap macht fast alles richtig – abgesehen vom Umfang des Contents. Das Sammlerherz leidet, wenn nicht einmal die Hälfte aller 151 Pokémon aufgefunden werden können. Natürlich ist die Grafik nicht mehr zeitgemäß, doch in Anbetracht des Erscheinungsjahres – 1999 in Japan und 2000 in Europa – ist die lebendige Darstellung der Pokémon eindrucksvoll gelungen. Trotz dieses Wermutstropfens des etwas zu geringen Umfangs bin ich gerne auf die Jagd nach dem besten Foto in diese bunte Welt der Pokémon zurückgekehrt und freue mich nun umso mehr auf den neuen Ableger.
Mein persönliches Highlight: Die vielen kleinen Geschichten, die beim näheren Hinsehen entstehen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

24 User haben bereits bewertet

Kommentare 6

  • BuckUbel

    Tower of Earth

    Ein großartiges Game!

    Der geringe Umfang lag glaub ich vorrangig daran, dass die 3D Modelle dieser 63 Pokemon zuerst da waren (Durch Pokemon Stadium 1 in JP). So hatte man mit diesen die meiste Zeit zum Animieren.

    Und gerade durch die vielen kleinen Geschichten bzw. Geheimnisse konnte ich mit dem Spiel Stunden verbringen. Gerade wenn man mit anderen Spielern sich dann live zu Hause messen konnte, wer denn das beste Foto schießt :D


    Allgemein find ich diese Themenwoche sehr gut :) Sehr viel N64 Content so wie sich das gehört :awesome:

  • Dennis RPGKING.FOREVER

    Turmfürst

    Dafür wird New Pokémon Snap sehr viel besser an.

  • Zowser

    Turmheld

    Werde nie vergessen als ich es gekauft habe von mein Taschengeld und war Anfang so was enttäuscht und hatte was anderes erwartet das man frei rum laufen konnte und war mega angepisst aber als ich immer mehr das System verstanden habe und welche Geheimnisse versteckt waren . War ich Feuer und Flamme und freue mich schon mega auf den neuen Teil <3

  • Solaris

    Nostalgiebrillenträger

    Da war die Pokémon Welt noch in Ordnung. Das Spiel habe ich damals echt sehr gerne gespielt. Schade, dass es nie einen Nachfolger für den Spielewürfel. Mittlerweile habe ich an einem neuen Teil längst das Interesse verloren.

  • Tsuki Uzumaki

    Turmknappe

    Ich verstehe nicht wie ihr dem Spiel und Stadium eine 8 von 10 geben könnt, da ich persönlich dieses hier etwas besser finde. Ja, es sind leider nur wenige Pokemon, aber die Grafik, die Animationen und die Geheimnisse waren damals wirklich gut^^

    Deswegen freue ich mich auf den neuen Teil^^

  • zplatUUn

    Turmheld

    Ich glaube daß Nintendo seinen Fans zuliebe dieses "Spiel" fortgesetzt hat. Es ist relativ schnell und einfach zu produzieren und alle Kinder der 90er Jahre kaufen es automatisch für Ihre Kinder. Kein Mensch würde dem Ding Beachtung schenken wenn es nicht den N64 Teil gegeben hätte. Aber gut .. thats business.