Eine düstere Zukunft, in der wir gerne leben würden?

Ihr habt Lust, in einer trostlosen, dystopische Zukunft einen Serienmord zu lösen und dabei eine besondere Gabe der Lügenerkennung zu verwenden? Dann dürfte der Titel Dry Drowning durchaus interessant für euch sein. Hier bekommen wir eine Visual Novel mit einem sehr düsteren Setting spendiert, das viele Entscheidungen und eine spannende Geschichte verspricht. Wie sich das Spiel schlussendlich schlägt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Das Erkunden der Umgebung gehört genauso zum Spiel wie die Konversationen mit den Figuren.

© Vigamus Leonardo

Der ehemalige Cop Mordred Foley gründete seine eigene Detektei und erlangte mit dieser großes Aufsehen, als er zwei der gefährlichsten Serienkiller überführte und auf den elektrischen Stuhl brachte. Nachdem diese exekutiert wurden, ergaben jedoch Untersuchungen, dass die Beweise, die Mordred zur Überführung der Mörder präsentierte, gefälscht waren. Somit ging die Reputation der Kanzlei in den Keller und er wurde inhaftiert. Jedoch wurde er nach einer Weile freigelassen, da die Anschuldigungen bezüglich der Fälschung nicht ausreichend bewiesen werden konnten. Für die Medien sowie den Hinterbliebenen der Exekutierten ist jedoch weiterhin klar: Mordred ist schuldig.


Obwohl die Kanzlei wieder geöffnet ist, blieben durch den Skandal neue Aufträge aus, bis eines Tages eine Klientin erscheint, die einen reizvollen neuen Auftrag im Gepäck hat. Ein Politiker, der Mitglied der extremistischen Gruppierung Black Bands ist, wurde in einen Mordfall verwickelt und gilt als Hauptverdächtiger. Falls Mordred es schafft, seine Wäsche rein zu waschen, würde es seinen Ruf schlagartig verbessern und weitere Aufträge an Land spülen. Eine überaus lohnende Geschichte, doch ist es moralisch vertretbar, einem Mitglied einer extremistischen Gruppe zu helfen? Zumal Mordreds Assistentin in der Vergangenheit genau von dieser Gruppierung diskriminiert wurde. Im Laufe des Spiels steht er vor vielen Entscheidungen, die die Geschichte verändern und zu unterschiedlichen Enden führen. Die Handlung ist überaus spannend erzählt und entfaltet sich zunehmend auf der Jagd nach dem Serienkiller, der sich bei seinen Morden auf groteske Art und Weise von der griechischen Mythologie inspirieren lässt. Mordred wird bei seinen Untersuchungen zudem wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert.


Durch die häufigen Entscheidungen wird ein hoher Wiederspielwert generiert, da es durchaus spannend ist zu erfahren, welche Konsequenzen eine andere Wahl bereithält und wie diese unmittelbar die Charaktere beeinflussen. Dry Drowning bietet englische, italienische, japanische und chinesische Untertitel an, deutsch wird jedoch leider noch vermisst. Dadurch, dass das Game sehr textlastig ist, sollten gute Sprachkenntnisse einer der angebotenen Sprachen vorhanden sein, um dieses in vollen Zügen genießen zu können. Chancen auf eine deutsche Übersetzung sind jedoch durchaus gegeben, denn die PC-Fassung von Dry Drowning bekam diese durch einen Patch nachträglich spendiert.


Sobald ein Charakter lügt, erscheint eine Maske über seinem Gesicht. Diese gilt es mit den richtigen Hinweisen herunterzureißen.

© Vigamus Leonardo

In typischer Visual Novel-Manier bereist ihr mehrere Orte und trefft auf unterschiedlichste Charaktere, mit denen ihr euch unterhaltet und nach und nach mehr Hinweise in Erfahrung bringt. Zusätzlich erkundet ihr die Umgebung nach weiteren Anhaltspunkten und etwaigen Beweismitteln, die gleich ins Inventar wandern, um bei Verhören zum Einsatz zu kommen. Nicht alle Charaktere sind direkt offen gegenüber Mordred eingestellt und lügen häufig, um wichtige Details zu verbergen, hier erweist sich die Gabe des Ermittlers als überaus hilfreich: Sobald jemand lügt, erscheint vor seinem geistigen Auge eine Maske über dem Gesicht des Lügenden. Diese gilt es nun zu entblößen und die Wahrheit ans Licht zu bringen, denn erst wenn alle möglichen Hinweise entdeckt sind, beginnt hier das eigentliche Verhör. Ähnlich wie bei Phönix Wright müssen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Hinweise präsentiert werden, um nach und nach das Lügengerüst zum Einsturz zu bringen. Insgesamt drei Versuche habt ihr, ansonsten heißt es Game Over. Während zu Beginn die Verhöre noch relativ einfach sind und euch vor keine Probleme stellen sollten, werden diese im Verlauf des Spiels knackiger. Hier wäre es nützlich gewesen, die unmittelbaren Dialoge vor der Auswahl der richtigen Beweise nochmals anzeigen lassen zu können. Zusätzlich gibt es auch abseits der Verhöre Situationen, in denen ihr den Personen durch Auswahl der richtigen Gegenstände neue Hinweise entlockt, hierfür habt ihr jedoch unendlich viele Versuche. Im Menü können in Ruhe die gesammelten Hinweise, Charakterprofile, Hintergrundinformationen zu Ereignissen in der Spielwelt, als auch der Verlauf der Dialoge nachgelesen werden. Letzteres ist jedoch wie bereits erwähnt, leider nicht während der Verhöre einsehbar. Eine kleine Abwechslung bringt ein spaßiges Puzzle-Minispiel in die Ermittlungen herein. Dort müssen aus mehreren rotierbaren Feldern alle so miteinander verbunden werden, dass eine durchgehende Linie entsteht, ohne dass eine Abzweigung ins Leere führt. Einige immer schwerer werdende Knobeleien erwarten euch dort.


Nicht lange fackeln, sondern immer zuerst nach dem Manager fragen.

© Vigamus Leonardo

Dry Drowning verschlägt euch in eine nahe dystopische Zukunft in einen Stadtstaat im Jahre 2066, in dem nicht alles zum Positiven verlaufen ist. So sind beispielsweise Überwachung als auch Ausgrenzung gegenüber Neulingen sowie bestimmten Gruppen gang und gäbe. Passend zum Thema wird das Spiel mit sehr wenigen Farben präsentiert, die Charaktere sind alle in Grautönen gehalten, während im Hintergrund ein paar wenige Farben das Gesamtbild ein kleines bisschen aufhellen, was in Kombination einen sehr schönen Flair verleiht. Die Artworks der Hintergründe sind detailliert ausgearbeitet und auch das Design der Charaktere kann sich sehen lassen. Der Soundtrack stellt jedoch das i-Tüpfelchen dar, dieser ist unglaublich gut und untermalt das Geschehen der Geschichte und die Tragik dahinter phänomenal gut. Bereits das Lied im Titelbildschirm lässt einen direkt in diese düstere Welt von Dry Drowning versinken. Viele der Melodien werden von packenden Klavierklängen begleitet. Ein paar Melodien generieren teils auch ein bedrückendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit.


Leider gibt es jedoch auch Sachen zu bemängeln, abgesehen davon, dass gelegentlich Leerzeichen zwischen Wörtern gefehlt haben, was noch im Rahmen ist, hatte ich leider einmal den Fall, dass meine Spielstände kurzzeitlich komplett ins Nirwana abgetaucht sind. Etwa zur Hälfte des Spiels wollte ich abspeichern und ging in das entsprechende Menü, den Cursor konnte ich zwar noch bewegen, jedoch wurden sämtliche Tasteneingaben ignoriert und ich konnte zudem den Bildschirm nicht mehr verlassen. Über das Switch-Hauptmenü musste ich deshalb das Spiel beenden und von dort aus neu starten, doch waren dann sämtliche Speicherstände, die ich zuvor angelegt hatte, verschwunden und ich musste die Geschichte von Neuem beginnen. Als ich jedoch ein neues Spiel gestartet hatte und von dort aus in den Ladebildschirm ging, waren plötzlich die alten Speicherstände wieder da. Auch wenn im Endeffekt alles doch nicht verloren war, war es ein kurzzeitiger Schockmoment. Zum Glück kam dieser Fehler auch nur einmalig vor, ansonsten lief das Spiel jederzeit ohne Probleme.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Johannes Bausch

Dry Drowning verschlägt euch in eine dystopische Zukunft, die in der trostlosen und fiktiven Stadt Nova Polemos spielt. Als Privatdetektiv Mordred Foley jagt ihr nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit nach einem Serienmörder. Dabei muss er sich ebenfalls seinen eigenen Problemen stellen und sich damit auseinandersetzen. In der textlastigen Visual Novel untersucht ihr Mordschauplätze und sammelt Hinweise, um diese den verschiedenen Charakteren des Spiels zu präsentieren und Lügen aufzudecken. Im Laufe des Spiels wird Mordred mit mehreren Entscheidungen konfrontiert, welche die Handlung bzw. das Schicksal der Figuren teils gravierend ändern. So gibt es Dutzende verschiedene Erzählstränge, die wiederum zu mehreren Enden zusammenlaufen. Das lässt den Wiederspielwert enorm steigen, ein einmaliges Durchspielen dauert ca. sechs bis acht Stunden, je nach Lesegeschwindigkeit. Momentan bietet die Nintendo Switch-Fassung noch keine deutschen Übersetzungen, es ist jedoch durchaus möglich, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt noch nachgereicht werden, denn die PC-Fassung hat kürzlich durch ein Update die deutsche Übersetzung nachgereicht bekommen. Stand jetzt sind aber gute Englisch-, Italienisch-, Japanisch- oder Chinesischkenntnisse vonnöten.
Mein persönliches Highlight: Der Soundtrack sowie die packende Story.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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