Waffen für Wahnsinn? Klingt fair ...

Fans von Rogue-likes hatten in den letzten Monaten keinerlei Grund, sich zu beschweren. Denn innerhalb des letzten halben Jahres wurden mehrere Titel des Genres veröffentlicht, deren Qualität von akzeptabel bis hin zu einem Meisterwerk reichten – an dieser Stelle ein anerkennendes Nicken in Richtung Hades. Und der Nachschub scheint auch nicht wirklich abzureißen, denn die Entwickler von Passtech Games schicken mit Curse of the Dead Gods einen weiteren Vertreter auf die Nintendo Switch, der mit einigen frischen Ideen überzeugen möchte.


Einen aztekischen Tempel plündern? Was könnte schon schiefgehen?!


Haken wir erst einmal das Offensichtliche ab: Curse of the Dead Gods verfügt eigentlich über keinerlei Handlung. Ihr verkörpert einen namenlosen Grabräuber, den es auf der Suche nach Reichtümern, Artefakten und mystischen Mächten in einen aztekisch-angehauchten Tempel verschlägt. Doch dessen Bewohner sind alles andere als begeistert über das Eindringen des Fremden und so gilt es, sich mehrerer Monstrositäten und göttlichen Wesen zu erwehren, die euch allesamt ans Leder wollen. Und als ob das noch nicht genug ist, setzt ihr auch noch euren eigenen Verstand mit aufs Spiel. Während manche Titel wie Hades oder das kürzlich erschiene Sword of the Necromancer immer wieder auf eine begleitende und ausschmückende Handlung zurückgreifen, setzt dieses Rogue-lite seinen Fokus ganz auf die eigentlichen Spielmechaniken, ohne sich von einer narrativen Ebene ablenken zu lassen.


Das grundlegende Ziel einer jeden Partie ist es, die einzelnen Ebenen des Tempels zu erforschen. Dieser ist dabei in drei Areale eingeteilt, von denen ihr anfangs nur das Erste erkunden könnt und an dessen Ende einer von drei Bossgegnern auf euch wartet. Anstatt nun jedoch durch ein weiträumiges und großes Level zu gehen, fallen die einzelnen Ebenen des Tempels mal mehr, mal weniger weitläufig aus – manche Ebenen sind letztendlich nur zwei oder drei Räume groß. Zu Beginn blendet euch das Spiel eine Übersichtskarte ein, die ein wenig an die aus Slay of the Spire erinnert und die euch verschiedene Pfade eröffnet, die ihr begehen könnt. Dabei seht ihr von Anfang an, welcher Weg euch welche Belohnungen bietet, was euch letztendlich eine gewisse Planungssicherheit ermöglicht. Auf jeder einzelnen Ebene gilt es dann den Weg zum Ausgang zu finden, woran euch gewöhnlich mehrere Widersacher hindern wollen. Zusätzlich gibt es dazu noch tägliche Events, die euch zufällig einen der drei Pfade zu einem Bossgegner durchlaufen lassen und mit einem speziellen Regelwerk daherkommen. So startet ihr zum Beispiel mit einem Lebenspunkt und könnt nur durch Münzen geheilt werden oder ihr leidet unter Halluzinationen und müsst neben den eigentlichen Widersachern auch gegen Illusionen kämpfen. Diese kleinen Events lockern das Spielgeschehen angenehm auf und locken mit extra Belohnungen.


Licht dient nicht nur der Seelenpflege sondern schützt auch vor manchem Ungetüm.

© Focus Home Interactive

In Curse of the Dead Gods gibt es fünf Ressourcen, von denen vier so ziemlich den genreüblichen Standards entsprechen: Lebensenergie hält euch aufrecht und sollte niemals auf null sinken, eure Ausdauer ermöglicht es euch, bestimmte Attacken und Fähigkeiten einzusetzen, ehe sie sich regenerieren muss und gefundenes Gold könnt ihr mitunter an bestimmten Altären opfern, um neue Waffen oder Segen zu erhalten. Dann gibt es letztendlich noch drei Attribute, die entweder euren Schaden, euer Leben oder die Häufigkeit, Schätze zu finden, erhöhen. So weit, so bekannt.


Die fünfte Ressource hingegen dürfte allen Kennern des Spiels Darkest Dungeon zumindest ein bisschen bekannt vorkommen: Die Verderbnis. Deren Leiste startet zu Beginn einer jeden Partie bei Null und glaubt mir, ihr wollt nicht, dass sie sich allzu schnell füllt. Das passiert immer dann, wenn euch bestimmte Gegner mit ihren Attacken treffen oder am Ende einer jeden Ebene, denn um die dortige Tür zu öffnen, müsst ihr ein Blutopfer tätigen, dass euren Verstand angreift und eure Verderbtheit um 20 Punkte hochsetzt. Hat dieser Wert einmal die Schwelle von 100 erreicht, geltet ihr als verdorben und ihr erhaltet einen zufälligen Fluch. Diese uralten Flüche sorgen häufig dafür, dass ihr eure Spielweise auf eine bestimmte Weise anpassen müsst, zum Beispiel indem Schatzkisten nun zwar mit mehr Gold gefüllt sind, gleichzeitig aber auch Schaden beim Öffnen verursachen oder euch permanent ein Ausdauerpunkt geraubt wird, ihr aber bei einem Kill die doppelte Menge regeneriert. Ihr könnt insgesamt bis zu fünf Flüche erhalten, doch seid gewarnt: der fünfte Fluch ist so unsagbar schrecklich, dass euch das weitere Vorankommen enorm erschwert wird und ein Sieg in weite Ferne rückt. Daneben gibt es noch ein weiteres Element, das ihr stets im Blick haben solltet. Denn die alten Azteken hatten damals selbstverständlich noch kein elektrisches Licht und so seid ihr stets darauf angewiesen, dass ihr entweder eine Fackel mit euch tragt oder eine der viele Feuerkörbe entfacht, damit euch die Dunkelheit nicht einholt.


Denn ich denke jeder von euch kann sich lebhaft vorstellen, wie es sein muss, wenn man alleine durch einen uralten Tempel irrt, umringt von Untoten und Monstern. Und so ist es fast verständlich, dass sich das mangelnde Licht negativ auf euch auswirkt, indem ihr mehr Schaden erhaltet – und das wollt ihr auf keinen Fall. Denn die Kämpfe in Curse of the Dead Gods gestalten sich so schon herausfordernd genug und ihr werdet vor allem anfangs immer öfters den einen oder anderen Treffer einstecken müssen. Jeder einzelne Widersacher verfügt nämlich über seine eigenen Angriffs- und Verhaltensmuster, die es im Laufe der Zeit zu erlernen gilt. Während die flinken ghulartigen Untoten mit einem schnellen Ausfallschritt angreifen, schlägt der wuchtige Zombie in einer Dreierfolge zu und schließt mit einem besonders schweren Angriff ab. Und wenn es dann noch mehrere Gegner gleichzeitig auf euch abgesehen haben, dann müsst ihr nicht nur vorsichtig, sondern vor allem schnell reagieren.


Selbiges gilt natürlich auch für die einzelnen Bossgegner, die mir aber nicht ganz so schwierig vorkamen. Vor allem deswegen, weil ihr euch (meistens) nur auf sie fokussieren müsst und die jeweiligen Angriffstaktiken recht schnell verinnerlicht sind. Dadurch ergibt sich jedoch ein recht faires und ausgeglichenes Spielgefühl, denn euer Fortschritt hängt allein von eurem Können ab – selbst die noch so mächtigste Waffe hilft euch letztendlich wenig, wenn ihr unkontrolliert und chaotisch versucht, auf die Gegner einzuprügeln. Zu allem Überfluss müsst ihr auch stets einen Blick auf eure Ausdauerpunkte werfen. Sinken diese nämlich auf null, könnt ihr keinerlei Angriffe vollführen oder Ausweichrollen starten, bis diese sich (automatisch) regeneriert haben. Ihr habt jedoch auch die Möglichkeit, durch ein perfektes Ausweichen oder durch ein rechtzeitiges Parieren schnell wieder ein bis zwei Ausdauerpunkte aufzufüllen, sodass ihr diese Mechaniken ebenfalls stets im Hinterkopf behalten solltet. Denn vor allem im späteren Spielverlauf kommt ihr ansonsten schnell ins Straucheln. Zudem solltet ihr euch stets bewusst sein, dass so ein alter Tempel voller heimtückischer Fallen ist, die ihr jedoch auch geschickt gegen eure Feinde nutzen könnt.


Schwere Waffen richten ordentlich Schaden an. Diese hier teilt noch zusätzlichen Donner-Schaden aus.

© Focus Home Interactive

Machen wir uns doch mal ans Eingemachte, nämlich die Waffen. Derer gibt es einige und sie alle lassen sich in drei Kategorien einteilen: Hauptwaffen, zu denen Streitkolben, Schwerter, Klauenwaffen und weitere gehören, eignen sich für schnelle Angriffskombos, die euch nur begrenzt Ausdauer kosten, dafür jedoch weniger Schaden anrichten. In eurer zweiten Hand könnt ihr eine Nebenwaffe führen, dazu gehören unter anderem Pistolen, Peitschen, Dolche und weitere Waffen. Diese Zweitwaffen dienen euch entweder als Fernkampfmöglichkeit oder kommen mit speziellen Boni daher. So kann ein aufgeladener Peitschenangriff zum Beispiel einen Gegner an euch heranziehen, wodurch dessen Angriff abgebrochen wird – Indiana Jones wäre neidisch. Zuletzt wären dann da noch die Zweihandwaffen wie das Langschwert, der zweihändige Streitkolben aber auch der Bogen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie eher langsam und träge im Angriff sind, dafür aber deutlich mehr Schaden anrichten.


An Waffennachschub kommt ihr entweder durch Beute, die getötete Gegner fallen lassen oder an den bereits erwähnten Schreinen, wo ihr entweder mit Gold oder zusätzlicher Verderbtheit bezahlen könnt. Doch selbst wenn ihr über eine Waffe stolpert, die ihr gerade nicht gebrauchen könnt, habt ihr noch die Möglichkeit, Profit daraus zu schlagen. Denn der namenlose Grabräuber kann erbeutete Waffen jederzeit opfern und erhält dafür entweder zusätzliches Gold, zusätzliche Lebenspunkte oder er lässt dadurch seine Verderbtheit verringern. Dabei gilt es auch stets abzuwägen, ob ihr eine Waffe mitnehmen wollt oder ob der Opferungs-Bonus nicht doch wichtiger ist. Dabei fühlen sich die einzelnen Waffentypen allesamt unterschiedlich an, was euch ermöglicht, eure Lieblingskombination herauszutüfteln, mit der ihr euren Feinden am besten auf die Pelle rückt. Seid ihr eher jemand, der schnell zuschlägt und mit Hit & Run-Taktiken die Gegner zermürbt oder packt ihr die schweren Kaliber aus und wägt dabei jeden Angriff ab, um möglichst viel Schaden anzurichten? Die Wahl bleibt letztendlich ganz bei euch und zumindest ich hatte recht schnell meine Favoriten unter den Waffen auserkoren, mit denen ich auch gut vorangekommen bin.


Gerade in Sachen Lebenspunkten gilt es immer wieder gut abzuwägen, ob ihr die eine oder andere Waffe nicht opfern wollt, denn im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern des Genres könnt ihr eure Lebensleiste nur in bestimmten Ebenen auffrischen. Diese bestehen aus nur einem einzigen Raum ohne Gegner, in dessen Mitte ein Brunnen steht und der fünf Aufladungen hat, von denen jede euch um 20 % eurer Lebenspunkte heilt. Was im ersten Moment verlockend klingt, hat jedoch seinen Preis: Für jede Heilung erhaltet ihr auch einen nicht gerade niedrigen Verderbtheits-Schub, was schnell dazu führen kann, dass ihr den nächsten Fluch an der Backe habt. Diese Mechanik führt letztendlich dazu, dass ihr bestimmte Risiken oder gefährliche Spielweisen gut abwägen müsst, denn es kann auch gut passieren, dass euch auf eurer Route mitunter kein Heilbrunnen begegnet und ihr eine lange Zeit ohne Aussicht auf eine größere Regeneration in Kauf nehmen müsst. Das Spiel kommt euch insofern entgegen, als dass ihr doch einige Treffer einstecken könnt, ehe ihr letztendlich den Löffel abgebt, doch früher oder später greift auch bei Curse of the Dead Gods die Rogue-lite Regel Nummer 1: Der Tod ist unausweichlich.


Heilen wir uns und nehmen dafür Verderbtheit in Kauf? eine schwierige Wahl.

© Focus Home Interactive

Damit ihr jedoch nicht jedes Mal von Neuem beginnen müsst, lassen sich drei Währungen in den einzelnen Ebenen sammeln: grüne Jademünzen sowie kristallene Schädel und goldene Rubinmünzen. Während Erstere nur von Bossgegnern erbeutet werden und dazu genutzt werden können, mächtigere Waffen freizuschalten, die ihr dann während eines Durchlaufs finden bzw. erwerben könnt. Die Kristallschädel hingegen werden zufällig von gefallenen Gegner hinterlassen und haben mehrere Anwendungsgebiete. Zum einen könnt ihr mit ihrer Hilfe eure Gunst erhöhen – ein Gunstpunkt könnt ihr zum Beispiel an Schreinen einsetzen, um die dargebotenen Waffen oder Attribute zufällig mischen zu lassen, um so ein neues Angebot zu erstellen. Viel wichtiger ist jedoch die Möglichkeit, den Vorraum des Tempels, in dem ihr vor jedem Durchlauf startet, zu verbessern. So könnt ihr Waffenaltäre beschwören, die euch jeweils eine zufällige Waffe der drei Waffenkategorien zur Verfügung stellen. Zudem könnt ihr auch jede der drei Kategorien noch einmal extra verbessern, sodass die Chance erhöht wird, dass die Waffenaltäre euch zu Beginn mit hochwertigerer Ausrüstung versehen. Des Weiteren könnt ihr noch verschiedene Segen freischalten, von denen ihr bis zu drei ausrüsten könnt und die euch verschiedene passive Boni verleihen. Zuletzt gibt es noch die Rubinmünzen, die ihr ebenfalls nur von Endgegnern erhaltet und die dazu dienen, dass ihr neue Ebenen des Tempels freischalten sowie einige mächtige Segen aktivieren könnt. Diese freischaltbaren Boni sorgen dafür, dass die Durchgänge im Laufe der Zeit etwas leichter werden, ohne euch jedoch gleich übermächtig werden zu lassen.


Licht und Schatten, die drohende Verderbnis sowie die genreüblichen freischaltbaren Extras - sorgen all diese Elemente nun dafür, dass Curse of the Dead Gods das Zeug dazu hat, Genregiganten wie Hades den Platz streitig zu machen? Dieses Glanzstück gelingt dem Spiel dann letztendlich doch nicht. Das liegt mitunter daran, dass vor allem die Rogue-lite-Elemente, also die Erleichterungen und Verbesserungen, die ihr durch die Altäre und Segen freischalten könnt, letztendlich zu marginal ausfallen. Die passiven Boni der Segen sowie die unterschiedliche Qualität eurer Startwaffen sorgen letztendlich nicht dafür, dass sich die einzelnen Durchgänge signifikant anders anfühlen und auch die freischaltbaren Waffen ändern nichts an diesem Gesamtgefühl. Trotz allem macht Curse of the Dead Gods mehr richtig als falsch; das riskante Spiel mit der Verderbtheit, das gute Waffengefühl und Balancing sowie die Tatsache, dass euer Scheitern und Vorankommen größtenteils von euch selbst abhängen, sorgen dafür, dass der Titel problemlos in der oberen Liga mitspielen kann.


Als ich das erste Mal Screenshots von Curse of the Dead Gods gesehen habe, kam mir unwillkürlich der Vergleich mit dem Artstil von Darkest Dungeon auf. Die Spielwelt wird in einem recht düsteren Comic-Look präsentiert, der ziemlich gut zum Setting passt und die einzelnen Monstrositäten recht gut darstellt. Die einzelnen Ebenen sind zwar allesamt stimmig designt worden, können jedoch lange nicht gerade mit einem allzu großen Abwechslungsreichtum punkten – was letztendlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass ihr euch durch einen Tempel bewegt aber nun ja, trotzdem wäre etwas mehr Vielfalt schön gewesen. Dafür kann das Rogue-lite mit einer guten Performance glänzen; weder im TV- noch im Handheld-Modus hatte ich spürbare Einbrüche in der Performance, auch dann nicht, wenn auf dem Bildschirm gerade etwas mehr los war. Soundtechnisch kommt das Spiel ohne Sprecher daher, die Texte wurden allesamt ins Deutsche übersetzt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Florian McHugh

Curse of the Dead Gods bringt mit seinen Flüchen etwas frischen Wind ins Genre. Das Rogue-lite richtet sich eindeutig an eher erfahrene Spiele, die schon den einen oder anderen vergleichbaren Titel gespielt und gemeistert haben. Und all diejenigen dürften mit den herausfordernden Kämpfen und den limitierten Heilmöglichkeiten durchaus ihren Spaß haben. Scheitern und Erfolg hängen in den meisten Fällen ganz alleine von eurem Können ab, was Curse of the Dead Gods zu einem sehr fairen aber doch herausfordernden Genrevertreter macht. Da kann man auch gut und gerne drüber hinwegblicken, dass eine Story eigentlich nicht wirklich vorhanden ist und dass die stimmungsvolle Optik nicht ganz so viel Vielfalt aufweist. Die aztekischen Götter schaffen es zwar nicht, Hades vom Genre-Olymp zu stürzen, doch hier haben wir einen würdigen Rivalen vor uns.
Mein persönliches Highlight: Das Fluch-System, das mich stets abwägen lässt, ob ich wirklich riskant spielen sollte oder nicht.

Awards

Spiele-Hit

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