Bürger aller Welten versammelt euch!

Was haben ein Vizepräsident, der zuhause bei Mutter wohnt und ein Botschafter für die galaktische Föderation gemeinsam? Beide versuchen die Welt zu retten! Ihre Abenteuer könnt ihr in Citizens Unite!: Earth x Space miterleben. Hinter diesem kürzlich für die Nintendo Switch erschienenen Rollenspiel stecken eigentlich zwei Spiele. Einerseits das bereits 2015 für mehrere Plattformen, unter anderem dem Nintendo 3DS und der Nintendo Wii U erschienene Citizens of Earth und andererseits Citizens of Space aus dem Jahre 2019. Zwei Spiele zum Preis von einem, was kann da schon schief gehen? Genau das will dieser Test herausfinden.


Während eures Abenteuers erwarten euch die seltsamsten Gegner, wie hier das Keksmonster. Zum Glück haben wir einen Bäcker im Team.

© Eden Industries Inc. Published by KEMCO.

Die Geschichte von Citizens of Earth beginnt in einer kleinen Vorstadt. Der Vizepräsident der Erde, also ihr, wird von seiner Mutter am Morgen nach der Wahl geweckt und beginnt seinen ersten Arbeitstag. Leider wird das Haus von Demonstranten belagert, es wird also Zeit für Diplomatie! Mit eurem Bruder und eurer Mutti bringt ihr die Demonstranten wieder zur Vernunft, notfalls mit etwas Gewalt. Doch bevor sich die Situation zu sehr entspannt lernt ihr einen verrückten Verschwörungstheoretiker kennen, der euch von den dunklen Machenschaften der Moonbucks Kaffeekette erzählt. Als immer mehr Bewohner durch die neue Spezialmischung durchdrehen und dann auch noch der Moonbucks in der Nachbarschaft in einem Krater verschwindet, erkennt ihr, dass hinter der wirren Verschwörungstheorie vielleicht doch mehr steckt. Gemeinsam mit immer mehr Bürgern versucht ihr dem Ganzen auf den Grund zu gehen und die Erde vor dem hinterhältigen Kaffeekonzern zu beschützen.


In einer fernen Zukunft spielt sich in Citizens of Space eine anfangs ähnliche Geschichte ab. Hier verkörpert ihr den neuen Botschafter der Erde, der zu seiner Antrittsrede vor der galaktischen Föderation aufbricht. In deren Hauptquartier angekommen hat jedoch niemand von dieser „Örde“ wirklich was gehört und schlimmer noch: Der Planet Erde ist verschwunden. Auf seinem Trabanten, dem Mond, lernt ihr dann die Astronomin kennen. Von ihr erfahrt ihr, dass die Erde in viele Teile zerschlagen wurde, die ihr nun finden müsst. Gemeinsam mit eurem kindlichen Assistenten, der Astronomin und eurem Raumschiffkapitän brecht ihr auf, alle Teile wieder zusammen zu sammeln, egal wie groß oder klein. Im Gegensatz zum sehr linearen Citizens of Earth dürft ihr hier jedoch nach freiem Willen das Weltall und die unterschiedlichen Planeten bereisen und so in beliebiger Reihenfolge die Einzelteile der Erde wieder zusammensammeln.


Eine verbindende, spielübergreifende Handlung muss her!


Doch damit nicht genug. Nicht eine, nicht zwei, nein ganze drei Geschichten will Citizens Unite! euch erzählen. Denn neben den beiden Hauptgeschichten wurde eine weitere kleinere Storyline integriert. Diese verbindet die Handlungen von Citizens of Earth und Citizens of Space. Egal welchen der beiden Teile ihr zuerst anfangt, nach kurzer Zeit werdet ihr auf den mysteriösen, rotgekleideten Chromy treffen. Dieser fordert euch zum Kampf heraus und als Belohnung winkt ein sonderbares Buch. Bringt ihr dieses zu einem der vielen Bibliothekskästen zurück, so werdet ihr in die Erste Intertemporale Bibliothek gebracht, die in allen Zeiten existiert. Der Bibliothekar klärt euch auf, dass Chromy jede Menge Bücher gestohlen hat, die nun in den beiden Zeitlinien verteilt sind. Nur wenn ihr alle Bücher findet, könnt ihr die Beweggründe von Chromy erfahren und seinem Treiben ein Ende setzen. Hierfür könnt ihr im Spiel zu jeder Zeit mit der Minustaste in die andere Zeitlinie (also das andere Spiel) wechseln und dort die jeweilige Handlung voran treiben oder besagte Bücher suchen.


In Citizens of Space müsst ihr im Kampf Minispiele absolvieren. In diesem Fall müsst ihr schnell mehrmals die A-Taste betätigen.

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Das Kampfsystem von Citizens of Earth ist ein lustiges und erfrischendes Konzept. Da ein Vizepräsident sich niemals selbst die Hände schmutzig macht, setzt ihr eure treuen Bürger, Bruder, Mutter, Meteorologin, Verschwörungstheoretiker, Polizist, Rettungsschwimmer, Schulmaskottchen und viele mehr ein. Insgesamt auf 44 verschiedene Bürger könnt ihr im Laufe des Spiels zugreifen. Jeder mit eigenen Fähigkeiten, Ausrüstungsgegenständen und Talenten. So besitzt euer Bruder als FedUPS Mitarbeiter das Talent, Gegenstände zu bestellen, die dann nach einiger Zeit direkt zu euch geliefert werden. Im Kampf setzt er eher auf normale oder physische Angriffe. Durch seine hohen Lebenspunkte und die Widerstandsfähigkeit ist er der perfekte Beschützer. Anders sieht es bei eurer Mutter aus. Sie ist vergleichsweise gebrechlich, verteilt verbale Angriffe und heilende Umarmungen. Und welches Talent wäre wohl besser als die mütterlichen Ratschläge, die euch durch das Spiel begleiten?


Wie ihr vielleicht herauslesen konntet, gibt es in Citizens of Earth (und Space) Elementangriffe. Diese umfassen: Hitze, Wasser, Strom, Bio, Muskel und Verbal. Jeder Bürger kann mindestens ein Element für die Angriffe verwenden, manche zwei und nur sehr wenige kommen auf drei oder mehr Elemente. Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen gibt es jedoch keinen klassischen Kreislauf. So kann nicht generell gesagt werden, dass ein Hitzeangriff immer gut gegen Biomonster ist. Die Gegner haben in der Regel stets eigene Stärken und Schwächen, sodass man hier öfters experimentieren muss. Da jeder Bürger getrennt gelevelt werden muss und auch die Talente nur durch aktiven Kampf besser werden, findet ihr euch häufig in mühsamen Auflevelphasen wieder. Dies wird auch nur bedingt durch das Talent des Lehrers besser. Er schickt gegen Bezahlung einzelne Bürger auf Schulung, wodurch diese für eine festgelegte Zeit nicht zur Verfügung stehen. Leider wirkt sich die Schulung nur auf das wirkliche Level, nicht jedoch auf das Talentlevel aus.


Hier ändert sich auch nicht viel in Citizens of Space. Auch der Botschafter lässt lieber Bürger für sich kämpfen. Neu ist jedoch, dass in Citizens of Space die 44 (anderen) Bürger in drei Kategorien eingeteilt wurden. So gibt es hier Kampfbürger, Partnerbürger und Hilfsbürger. Die Kampfbürger sind vergleichbar mit den bisherigen Bürgern von Citizens of Earth. Sie stehen euch aktiv im Kampf mit ihren Fähigkeiten zur Verfügung. Partnerbürger wie euer Assistent mischen nicht direkt im Kampf mit. Sie werden einem Kampfbürger zugewiesen und geben diesem bessere Statuswerte und weitere Kampffähigkeiten. Die Hilfsbürger können im Kampf zu Hilfe gerufen werden. Am besten kann man sich diese wie Beschwörungen aus anderen Spielen vorstellen. Egal ob Kampf-, Partner- oder Hilfsbürger, jeder hat auch hier Talente, die euch außerhalb des Kampfes zur Verfügung stehen.


In Citizens of Earth hat jeder Bürger seine eigenen Gegenstände, die nur er anlegen kann und die zu seinem individuellen Spielstil passen. Bei Citizens of Space gibt es fast nur allgemeingültige, charakterübergreifende Gegenstände.

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In beiden Spielen laufen die Kämpfe rundenbasiert ab. Ihr wählt nacheinander aus, welche Fähigkeit der aktuelle Charakter ausführen soll. Die einzelnen Fähigkeiten lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Fähigkeiten, die Energie erzeugen und Fähigkeiten, die Energie kosten. Jeder Charakter besitzt noch eine unterschiedliche Energiekapazität. So kann eure Mutter oder die Astronomin mehr Energie sammeln als euer Bruder oder der Raumschiffkapitän. Für das Energiemanagement sind die Schwächen und Stärken eurer Gegner ebenfalls sehr wichtig. Greift ihr einen Gegner mit einem Element an, gegen das er empfindlich ist, so erzeugt ihr einen weiteren Energiepunkt. Dies ist auch bei Fähigkeiten der Fall, die euch Energie kosten. Auf diese Weise können beispielsweise Angriffe energieneutral und so dauerhaft im Kampf verwendet werden. Umgekehrt kosten euch Angriffe mit einem Element, gegen das der Gegner stark ist, einen Energiepunkt mehr.


Citizens of Space unterscheidet sich in zwei Punkten wesentlich von seinem Vorgänger. Einerseits werden besiegte Bürger automatisch durch lebendige ausgetauscht (der Kampf endet also erst, wenn wirklich alle eure Kampfbürger besiegt sind). Andererseits wurden in den Kampf Minispiele eingebaut. So entscheidet bei jeder Fähigkeit ein kleines Spielchen, wie viel Schaden ihr austeilt, erhaltet oder heilt. Bei der Verteidigung besteht das Minispiel immer darin, im richtigen Moment eine angezeigte Taste zu drücken. Mehr Abwechslung bieten da eure eigenen Fähigkeiten. Je nach Bürger und Fähigkeit müsst ihr hier ein anderes Minispiel spielen. So muss der Parkwächter in der Regel dann die A-Taste drücken, wenn eine Energiekugel einen Kreis betritt. Andere Minispiele sehen das Loslassen bestimmter Tasten oder unterschiedliche Tastenkombinationen vor. Ist das alles anfangs noch unterhaltsam, ist es ab etwa der Hälfte des Spiels nur noch eine Tortur. Die einzelnen Kämpfe ziehen sich hierdurch massiv in die Länge und zerstören so den Spielspaß. Zwar bietet euch das Talent des Assistenten die Möglichkeit, die Minispiele abzuschalten, jedoch war mein Eindruck, dass diese dann einfach nur als „gescheitert“ gewertet werden. So sind alle eure Angriffe in diesem Modus schwächer und gleichzeitig bekommt ihr auch noch mehr Schaden vom Gegner. Eine doppelte Bestrafung, die euch so manchen Bosskampf kosten kann.


Durch den Comicstil ist Citizens Unite!: Earth x Space sehr hübsch anzusehen. Die Bildschirmtexte stehen euch in vielen Sprachen, unter anderem Deutsch, zur Verfügung, während die Sprachausgabe auf Englisch beschränkt ist. Die Hintergrundmusik passt sich stimmungsvoll an die jeweiligen Gebiete an und sorgt stellenweise für richtige Ohrwürmer, die ihr in Gedanken öfters einmal mitsummt. Von größeren Bugs wie in der PC-Version scheint die Nintendo Switch-Fassung verschont geblieben zu sein. Während meines Abenteuers auf der Erde und im Weltraum sind mir bis auf einige sonderbare Übersetzungen keine aufgefallen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Philipp Freibauer

Citizens Unite!: Earth x Space ist wirklich ein unterhaltsames Spiel bzw. zwei unterhaltsame Spiele. Durch die insgesamt 88 Bürger steht euch eine extrem breite Palette an Fähigkeiten und Talenten zur Verfügung. Die meisten hiervon werden über Nebenmissionen abseits der Wege rekrutiert, wodurch ihr sehr schnell abgelenkt werden könnt. Nur noch kurz hier drüben die Biene für die Imkerin einsammeln… War nicht die Aufgabe der Bäuerin hier in der Nähe? Oh, den Bürger kenn ich noch gar nicht, vielleicht kann ich ihn ja direkt rekrutieren? Und schon sind wieder zwei Stunden vergangen, ohne das ihr euch um das Böse in Moonbucks kümmert. Der dritte Handlungsstrang um Chromy konnte mich zwar nicht mitreißen, die beiden Hauptgeschichten lassen sich aber definitiv sehen. Habt ihr die Spielreihe bisher übersehen, solltet ihr nun unbedingt die Gelegenheit nutzen und das Nachholen.
Mein persönliches Highlight: Das Sammeln der unterschiedlichen Bürger! Jeder bringt wieder neue Fähigkeiten und Möglichkeiten mit, die man unbedingt ausprobieren sollte.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Fabinho84

    Turmbaron

    Hört sich gut an aber habe noch den ersten Citizens of Earth Teil ungespielt auf Steam .Vlt sollte ich erstmal da anfangen :)

  • Weird

    Turmfürst

    Klingt als, ob sich Unite nicht lohnen würde, wenn man Earth und Space bereits besitzt. Earth hab ich schon auf der Wii U durchgespielt und Space bei nem Sale auf der Switch mitgenommen. Schade, dass Unite dann doch nur quasi nen Bundle mit kleinem Extra ist. Hatte gehofft, dass es nen vollwertiger dritter Teil sei, der die beiden vorherigen Spiele miteinander lediglich verbindet^^

    Wer die beiden Hauptspiele noch nicht hat, wird hier natürlich fantastisch bedient. Earth war auch wirklich gutes Spiel. Ich liebte de Humor! Leider gabs auf der Wii U einige Bugs bzw Freezes. Die scheinen auf der Switch aber glücklicherweise gefixt zu sein, so wie das klingt :)

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Costa quanta? Diese Info sollte mal generell in den Tests aufgenommen werden.


    Weiß man schon was, über eine physische Version?