Die vier Kristalle rufen nach euch

Mit Bravely Default für den Nintendo 3DS gelang der japanischen Entwicklerschmiede Square Enix im Jahre 2013 ein kleiner Überraschungshit. Nachdem Rollenspiele der klassischen Art langsam, aber sicher Echtzeitkampfsystemen weichen mussten und ikonische Spielereihen allmählich ihre Wurzeln durchtrennten, um sich dem schnelllebigen Zeitgeist anzupassen, bewies das althergebrachte Abenteuer im Chibi-Look, dass gewisse Genre unsterblich sind. Es überraschte daher nicht, dass der eigentliche zweite Teil, Bravely Second, bereits 2015 erschien, welcher die Geschichte mit wenigen offenen Handlungssträngen abschloss. Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Spezial.


Neben den Haupttiteln erschien eine Handvoll Spin-offs für Smart Devices, die jedoch allesamt den japanischen Raum bis heute nicht verließen, aber zum Glück nur bedingt für das Verständnis der Reihe von Belang sind. Nun wandert das Franchise auf die Nintendo Switch und profitiert im Idealfall von der stärkeren Hardware. In einem fremden Universum mit völlig neuen Charakteren konnten wir das klassische Rollenspielabenteuer in den letzten Wochen ausgiebig unter die Lupe nehmen, und so viel sei vorab gesagt: Das Warten hat sich gelohnt.


Die Helden des Lichts finden zusammen


Ohne genaue Erinnerungen daran, was geschehen ist, kommt der gestrandete Seefahrer Seth wieder zu sich, nachdem eine freundliche Dame und ihr Begleiter den bewusstlosen jungen Mann an der Küste auffinden. Gloria lautet der Name der zurückhaltenden Prinzessin, die ihr Königreich Musa aufgrund einer Katastrophe verlor und seitdem auf der Suche nach Hinweisen für den plötzlichen Untergang ist. Die vier elementaren Kristalle der Welt – Feuer, Wasser, Wind und Erde – scheinen langsam in ein Ungleichgewicht zu geraten, das den natürlichen Frieden des Kontinents bedroht, und Seth scheint ein Opfer dessen zu sein. Zum Dank für die Fürsorglichkeit beschließt Seth, Gloria auf ihrer Reise zu unterstützen, und hofft, währenddessen zu erfahren, wer oder was versuchte, ihm den Garaus zu machen.


Gloria und ihre Begleiter versuchen, das Licht der Kristalle wiederherzustellen.

© Square Enix Co., Ltd.

In den ersten Minuten wird relativ schnell klar, welche Ähnlichkeiten Bravely Default II im Vergleich zum Erstling der Reihe aufweist. Gloria verliert aufgrund eines verheerenden Schicksals ihre Heimat, Seth findet sich in einem unbekannten Land ohne Erinnerungen wieder und die vier Kristalle dienen als Anlass für ein bevorstehendes Unheil. So vergleichbar die Protagonisten auf den ersten Blick auch erscheinen, unterscheiden sich die Charakterinteraktionen deutlich voneinander und wirken wesentlich reifer. Gemeint sind zum Beispiel romantische Untertöne, die wir zu Genüge in den Vorgängern erlebten und im Falle von Bravely Default II durch Abwesenheit glänzen.


Die Helden des Lichts wären allerdings kein klassisches Viergespann, wenn nicht mindestens zwei weitere Mitglieder der Truppe dazustoßen würden. Elvis – ein geselliger Magier mit Hang zu guten Tavernen – und die frei lebende Söldnerin Adele befinden sich auf der Suche nach Asteriskjuwelen, um ein verschlüsseltes Buch zu entziffern. Mit der Aussicht, weitere der mächtigen Edelsteine für sich beanspruchen zu können, schließen sie sich Gloria an und begeben sich auf ein Abenteuer, das keinesfalls so bodenständig verläuft, wie die Prämisse es vermuten lässt.


Neueinsteiger erwarten von der Geschichte des Spiels vermutlich traditionelle Rollenspielkost frei von großen Abschweifungen. Mittlerweile ist es aber ein offenes Geheimnis, dass die Reihe – ohne zu viel preiszugeben – gerne unkonventionelle Entscheidungen trifft und sich damit einen Namen machte. Selbstverständlich verraten wir an dieser Stelle nicht, ob dies auch auf den neuesten Ableger zutrifft – immerhin macht die eigene Erwartungshaltung einen wichtigen Teil des Vergnügens aus. Was sich aber definitiv sagen lässt, ist, dass die Kapitel spannend sind und zwar allesamt in sich geschlossene Geschichten erzählen, aber tatsächlich immer wieder für Überraschungen gut sind. Wo die Vorgänger meist auf einen bestimmten Punkt hinausliefen und ihr Potenzial vielleicht etwas zu sehr hinter systembedingten Gimmicks versteckten, folgt Bravely Default II einer absolut gelungenen Handlung mit einigen unerwarteten Wendungen. Zu keinem Zeitpunkt wartete ich auf eine Situation, die den Blick auf das Abenteuer verändern würde, sondern genoss stattdessen jeden Moment für sich.


Optionale Aufträge erzählen oftmals eigene kleine Geschichten.

© Square Enix Co., Ltd.

Nebenmissionen sind unter anderem ein Grund dafür und reichen von einfachen Sammelaufgaben bis hin zu optionalen Kurzgeschichten. Dabei fällt die Menge an fakultativen Aufgaben dieses Mal deutlich höher aus und die Schwierigkeit wird nun in Form von Sternen angegeben. Je nach Tageszeit findet ihr zudem unterschiedliche Aufträge und solltet deswegen jede Stadt immer wieder sowohl am Tag als auch in der Nacht besuchen. Inwiefern sich eine Quest lohnt, zeigt die Belohnung für das Erfüllen einer Bitte. Diese kann von einfachen Geldbeträgen bis hin zu wertvollen Trainings-Items reichen, die euch das Spiel deutlich erleichtern. Daher ist es ratsam, so viele Nebenmissionen wie möglich zu machen, da ihr so zeitaufwendiges Level-Grinding umgehen könnt.


Während viele Rollenspiele freiwillige Aufgaben eher lieblos einbinden, war es überraschend zu sehen, mit welcher Mühe sie in Bravely Default II umgesetzt wurden. So verschlägt es euch teilweise in ganze optionale Gebiete mit eigenen Bosskämpfen, die allesamt für den Spielverlauf nicht relevant sind und sich trotzdem bedeutsam anfühlen. Selbst wissenswerte Hintergründe zu bestimmten Charakteren, die in der Haupthandlung keinen Platz finden, werden gelegentlich näher erläutert und stärken die Bindungen sowohl zu den Protagonisten als auch zu vermeintlich irrelevanten Figuren. Gerade die Balance zwischen einfachen, schnelllebigen Quests und umfangreichen, spannenden Aufgaben führt dazu, dass es sich niemals lästig anfühlt, ein wenig vom eigentlichen Pfad abzukommen.


Eine weitere Belohnung für das Erfüllen der Nebenmissionen sind die aus den Vorgängern bekannten Gruppengespräche. Meistens kommentieren die Helden hier das aktuelle Geschehen ernsthaft oder mit unterhaltsamen Anmerkungen. Wenn ihr diese Gespräche nicht sofort ansehen möchtet oder im Eifer des Gefechts nicht dazu kommt, gibt es die Option, sie nachträglich anzusehen. Insgesamt betrachtet besitzt der Nintendo Switch-Teil deutlich mehr Gruppengespräche und reagiert auf Umstände sehr viel regelmäßiger. Leider wurden die Dialoge erneut nicht synchronisiert, was in Anbetracht der gelungenen Texte mehr als schade ist. Vor allem der überzeugende Einsatz von Dialekten gibt jeder Figur und Metropole einen markanten Charakter und verleiht der Spielwelt einen gewissen Realismus.


Klassisch und doch neu – Das Kampfsystem


Das Herzstück des Kampfsystems bildet noch immer das ausgeklügelte „Brave/Default“-Konzept. Indem ihr entweder Runden aussetzt und euch verteidigt (also Default-Punkte sammelt) oder gleich in die Offensive geht (und Brave-Punkte ausgebt), könnt ihr mehrere Aktionen auf einmal ausführen und Kämpfe so binnen weniger Sekunden beenden. Doch aufgepasst: Verschätzt ihr euch in euren Kalkulationen und verbraucht mehr Brave-Punkte, als Default-Punkte gesammelt wurden, muss der Charakter entsprechend der Differenz aussetzen und verweilt völlig schutzlos auf dem Feld. Gerade während Bosskämpfen ist es ratsam, niemals über das Default-Konto – welches bis zu drei Aktionen sparen kann – hinauszugehen, da Gegner gleichsam in der Lage sind, ihre Runden zu variieren. Das Ergebnis ist ein dynamisches Kampfsystem, das sich trotz der klassischen Rundenstruktur noch immer lebendig sowie zeitgemäß anfühlt und im Kern keine großen Veränderungen braucht.


Asteriskträger können es ganz schön in sich haben.

© Square Enix Co., Ltd.

Wo aber Anpassungen vorgenommen wurden, ist der Ablauf von Zügen. Anders als in den Vorgängern agiert die Gruppe nicht mehr als Ganzes und handelt fortan unabhängig voneinander. In der Praxis bedeutet dies, dass jeder Charakter seine Aktion augenblicklich ausführt und sich die Helden und Gegner nicht mehr abwechseln. Somit greifen also auch Feinde in ihrem eigenen Tempo an und zeigen ihre Angriffsbereitschaft mit kleinen Symbolen an. Eine gelbe Leiste unter den Lebensanzeigen gibt Auskunft darüber, wann eine Spielfigur wieder handeln darf. Diese wird durch Variablen wie das Gewicht der Ausrüstung oder die Attribute des aktuellen Jobs beeinflusst.


Zu Beginn mag diese Umstrukturierung vielleicht etwas ungewohnt erscheinen, jedoch basiert das neue System weniger auf ungefähre Einschätzungen als vermutet und man gewöhnt sich zügig ein. Gerade weil sich der Kampfablauf nun sehr viel unvorhersehbarer und dynamischer abspielt, befreit sich Bravely Default II erneut etwas von den Ketten der Traditionen, ohne seine Wurzeln und eigentlichen Ziele zu verraten. Noch immer lassen sich sehr mächtige Strategien ausführen, die allesamt zuverlässig funktionieren und im Hinblick auf die kreative Community sicherlich erneut zu beeindruckend starken Kombinationen führen werden.


Die Geschwindigkeit eines Charakters hängt von unterschiedlichen Faktoren wie der Jobwahl oder der Ausrüstung ab. Dabei ist es prinzipiell wichtig, zu wissen, dass die Tragfähigkeit für Ausrüstung überschritten werden kann und sich die überflüssige Last auf sämtliche Attribute auswirkt. Nicht immer könnt ihr gedankenlos die neueste Ausrüstung auswählen – ein Gleichgewicht zwischen bereits erworbenen Items und unverbrauchter Ausstattung ist der Schlüssel zum idealen Equipment. Anstatt vermeintlich abgenutzte Ausrüstungsgegenstände nach nur wenigen Spielstunden völlig zu entwerten, umgeht das Spiel dieses Problem mit dem Gewichtsfaktor und ermutigt euch, das komplette Arsenal auf dem Radar zu behalten. Ähnlich sieht es mit Waffen aus, deren Zugänglichkeit anhand von Buchstaben gekennzeichnet wird. Die Option, ein Kriegswerkzeug entweder in die rechte oder linke Hand zu platzieren, gibt dem Gameplay Freiraum für Individualität und lässt unterschiedliche Spielstile zu.


Probiert jeden neuen Job am besten gleich aus.

© Square Enix Co., Ltd.

Mindestens ebenso dynamisch ist die Wahl des richtigen Jobs – das Herzstück des Kampfsystems. Immer wieder begegnet ihr Asteriskträgern, die primären Bosse des Spiels, und erhaltet nach dem Kampf eine von vielen verschiedenen Berufungen. Wie gewohnt präsentieren sich die Gegner von ihrer charismatischen Seite und sind in einigen Fällen – anders als in anderen Rollenspielen – keine Eintagsfliegen, die nach dem Kampf komplett aus der Geschichte verschwinden. Ein neues nettes Detail: Ist ein Asteriskträger erst einmal besiegt, reduziert sich dessen vorher ausgefallenes Design auf plumpe Alltagskleidung ohne viel Charakter.


Die Juwelen selbst spielen eine beträchtlich wichtigere Rolle in der Geschichte, als es früher der Fall war, und dienen nicht mehr nur als einfaches Verbrauchsobjekt, das nebenbei die Fähigkeiten eines Charakters begründet. Anfangs fallen die Befähigungen mit altbekannten Rollen, wie dem Schwarz- und Weißmagier beispielsweise, recht bodenständig aus, aber nehmen im Verlauf des Spiels behutsam an Einfallsreichtum zu. Nichtsdestotrotz kommt der dritte Ableger nicht ganz an die interessanten Jobs aus Bravely Second heran und verlässt sich etwas zu sehr auf bereits erforschte Konzepte. Das macht die vorhandenen Jobs allerdings nicht uninteressant – ganz im Gegenteil. Wo Bravely Default II deutlich die Nase vorn hat, ist das Design eines jeden Jobs, welches sich für jeden Charakter eigens anpasst.


Obwohl es die Möglichkeit gibt, das Aussehen einer Figur auf Standard zu belassen, gibt es keinen Grund dafür, denn die verschiedenen Kostüme fallen unheimlich fesch aus und sind ein klarer Fortschritt im Vergleich zu den Vorgängern. Spielerisch hat sich bis auf wenige Ausnahmen nichts am System der Jobs getan. Noch immer trainiert ihr jede Berufung individuell und erlernt dabei nützliche Fähigkeiten, die entweder passive Bonuseffekte mit sich bringen oder neue Angriffsbefehle darstellen. Ein zusätzlicher Nebenjob fungiert als unterstützende Berufung und ergänzt den eigentlichen Hauptjob im Idealfall. So ergeben der Schwarz- sowie Weißmagier eine passende Verknüpfung und teilen offensive Magieattacken aus, während gleichermaßen Gruppenmitglieder geheilt werden können. Womöglich interessant zu wissen: Magiesprüche müssen nicht mehr länger einzeln in separaten Läden erworben werden, sondern sind nun ein integraler Bestandteil des Joblevelfortschritts.


Zeit für ein Duell!


Nicht nur Nebenmissionen lenken vom stressigen Alltag der Weltrettung ab. Abseits des eigentlichen Abenteuers könnt ihr euch deswegen mit „B&D“ vergnügen – dem neu eingeführten Kartenspiel in Bravely Default II. Hier legen beide Spieler eine gewisse Anzahl von Karten auf einem 5 x 5-Feld aus, um so viele Flächen wie möglich einzunehmen. Dabei unterscheiden sich die Spielkarten in ihren Funktionen untereinander und erfüllen verschiedene Zwecke. Monsterkarten beanspruchen meistens ausschließlich benachbarte Stellen und besitzen keine passiven Effekte, während Jobkarten nicht nur Felder besetzen, sondern auch nützliche Nebenwirkungen hervorrufen. So tauscht der Glücksspieler ein zufällig ausgewähltes Feld des Gegners gegen das Basisfeld dieser Karte aus und infiltriert dadurch gewissermaßen die feindliche Seite.


Mrgrgrgr! Versucht im Rückstand, die feindlichen Felder zu flankieren.

© Square Enix Co., Ltd.

Schafft ihr es, rote Felder des Kontrahenten mit euren eigenen zu flankieren, werden in Folge alle gegnerischen Flächen blau gefärbt und gehören fortan euch. Charakterkarten fungieren als Feldbonus für beide Spieler und besetzen im Gegenzug keine Felder. Um die eigentlich fehlende Karte etwas zu kompensieren, könnt ihr euer Blatt ausschließlich auf die Vorteile der Zusatzeffekte abstimmen und somit die im Grunde genommen fehlende Möglichkeit, ein Feld zu besetzen, wieder wettmachen. Solltet ihr das Deck des Gegners nicht kennen, ist diese Taktik mehr als riskant, da ihr euch niemals sicher sein könnt, inwiefern ihr gerade dem Gegner in die Karten spielt.


Für jedes erste Match ist also eine Balance von unterschiedlichen Kartentypen essentiell, weshalb es umso vorteilhafter ist, dass mehrere Decks gespeichert werden können und ihr die Karten nicht ständig neu mischen müsst. Oberflächlich betrachtet fasst dies die verständlichen Regeln B&Ds zusammen, obwohl selbstredend einige Feinheiten dazugehören und dem in sich geschlossenen Spiel mehr Tiefe geben. Mit jedem Sieg erhaltet ihr nämlich nicht nur eine Karte des Gegenspielers für euer Deck, sondern erhöht gleichermaßen euren Rang, um stärkere Spieler herauszufordern. Doch aufgepasst: Manche Gegenspieler rauben euch nach einer Niederlage als Ausgleich eine Karte und verleihen einem Spiel den gewissen Risikofaktor.


Das Sammeln aller Karten macht überraschend süchtig und ermutigt, immer wieder verschiedene Kontrahenten herauszufordern. Leider verwenden Gegner hierbei die immer gleichen Strategien und können dementsprechend gekontert werden. Dieses überraschende, aber gleichzeitig unheimlich interessante Intermezzo im eigentlichen Abenteuer ergänzt die actionreichen Kämpfe aufgrund der taktischen Natur unerwartet gut und stellt gewissermaßen ein Spiel im Spiel dar. Tatsächlich hätte ich mir etwas mehr Präsenz des Minispiels in Form von Nebenmissionen oder kleinen Turnieren gewünscht, jedoch ist es verständlich, dass man mit dem Konzept vermutlich erst mal nicht über die Stränge schlagen wollte. Gegen einen Multiplayer-Modus oder gar eigenes Spin-off hätte ich aber absolut nichts einzuwenden.


Zwischen dunklen Dungeons und pittoresken Städten


Mit dem Sprung auf die Nintendo Switch gehen selbstverständlich neben grafischen Verbesserungen einige spielerische Modernisierungen einher. Bravely Default II mag hierbei zwar nicht über das Ziel hinausschießen und beeindruckende Welten präsentieren, aber dennoch wurde sich die Power der Nintendo Switch zunutze gemacht, um die allgemeine Präsentation angemessen aufzuwerten. Dies zeigt sich schon allein in den Oberwelten, welche deutlich großflächiger erscheinen und den Fokus auf Erkundungen erhöhen. Vorbei sind die Zeiten, wo die Oberwelt lediglich als Verknüpfung zwischen den Metropolen diente und bis auf marginale Kleinigkeiten keine nennenswerten Inhalte bot. Zahlreich verstreute Schatztruhen verbergen nun nützliche Items, NPCs bewandern mit Nebenaufträgen die Landschaften und die Kamera lässt sich flexibel drehen. Selbst die Schnellreise ist relativ früh im Spiel verfügbar und umgeht lange Fußmarsche, solltet ihr ein Gebiet erneut besuchen wollen.


Packt die Laterne aus, in der Nacht wimmelt es nur so von gefährlichen Monstern.

© Square Enix Co., Ltd.

Ein dynamischer Tag- und Nachtwechsel verpasst der Spielwelt den letzten Feinschliff und beeinflusst gleichzeitig das Verhalten von Monstern. Im Dunkeln agieren diese deutlich aggressiver und bereiten euch im Kampf mehr Probleme. Diesmal wandern die Kreaturen direkt auf der Oberwelt – vorbei die Zeiten der zufälligen Begegnungen. Sobald ihr Augenkontakt mit den aufmerksamen Biestern aufnehmt, stürmen sie auf euch los, solange euer Level im Vergleich nicht zu hoch ist. Ist dies der Fall, ergreifen sie stattdessen panisch die Flucht und meiden Konfrontation weitestgehend. Kommt es dennoch zum Kontakt, während mehrere Gegner in der Nähe sind, stürzen sich die Ungeheuer in aufeinanderfolgenden Wellen auf euch und verringern die Chance auf eine erfolgreiche Flucht. Um nicht ganz so plötzlich überrumpelt zu werden, könnt ihr mit einem flotten Schwertschwung die Oberhand gewinnen und euch zu Beginn des Kampfes einen kleinen Vorteil sichern. Rote Markierungen definieren Bösewichte, die zum aktuellen Zeitpunkt wahrscheinlich zu mächtig sind, wodurch die bisherigen Levelempfehlungen für jeden Dungeon wegfallen.


Aber nicht nur Monster können Opfer eures Schwertes sein. Kleine Büsche lassen sich à la Zelda zerkleinern und geben oftmals wertvolle Items oder ganze Ausrüstungsgegenstände preis. In den Dungeons selbst fällt die Interaktion mit der Spielwelt etwas oberflächlicher aus und erinnert an die Einfachheit der Vorgänger. Weniger einfach war hingegen der Einstieg für Anfänger in den zwei bisher veröffentlichten Demo-Versionen. Glücklicherweise wurde an diesem Problem etwas geschraubt und der Start wesentlich zugänglicher gemacht. Umfangreiche Tutorials führen euch anhand von praktischen Beispielen an die Mechaniken des Spiels heran und lassen sich in einem gesonderten Bericht im Optionsmenü jederzeit nachlesen. Des Weiteren folgen euch im Verlauf des Spiels häufig vorübergehend bestimmte Charaktere und helfen im Kampf ein wenig aus. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad aber noch immer eher hoch, aber lockert sich ein wenig, je mehr Jobs und Möglichkeiten ihr zur Verfügung gestellt bekommt.


Das schneebedeckte Rimdhal in seiner vollen Pracht.

© Square Enix Co., Ltd.

Schlussendlich konnten die Entwickler wohl keine weiteren Veränderungen wagen, um Veteranen nicht zu enttäuschen, aber waren meines Erachtens in der Lage, einen geeigneten Mittelgrad zu finden, indem Anfänger mit nützlichen Tipps versorgt werden und Kenner sofort ins Spiel einsteigen können. Wer es nicht auf alle Nebentätigkeiten oder das Kartenspiel abgesehen hat, verbringt mit der Geschichte 30–40 Stunden, ansonsten können gerne ungefähr 20 Stunden dazugerechnet werden. Optisch orientiert sich das Rollenspiel noch immer am bekannten Chibi-Look und lässt die Charaktere wie kleine Puppen erscheinen.


Während die Charaktermodelle durchaus etwas mehr Feinschliff vertragen könnten, stechen die Städte durch wunderschön illustrierte Portraits visuell als Highlight hervor und sind gerade in der Gesamtperspektive ein wahrer Augenschmaus. Mindestens genauso hervorragend ist der Soundtrack des Komponisten Revo, der sein musikalisches Talent bereits in Bravely Default oder dem Anime Attack on Titan unter Beweis stellte. Dieses Mal legt er in meinen Augen jedoch noch eine Schippe drauf. Denn wie schon in Octopath Traveller für die Nintendo Switch erwarten euch in Bravely Default II unter anderem unterschiedliche Boss-Soundtracks und eingängige Leitmotive, die sich durch das ganze Abenteuer ziehen und einen Großteil der Stimmung ausmachen. Dazu zählen auch die Spezialfähigkeiten, welche besonders mächtige Angriffe ausführen und für zusätzliche Statusboni sorgen. Das Besondere hierbei ist die charakterspezifische Musik, die jede Hauptfigur beim Auslösen der Spezialfähigkeit erklingen lässt und für einige Sekunden anhält. Bis das jeweilige Stück endet, halten alle Statusboni an und können in einer Reihe von Spezialfähigkeiten verkettet werden. Dass die Musik ein wichtiger und qualitätvoller Bestandteil der Reihe war und noch immer ist, beweist Bravely Default II damit erneut.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Kevin Becker

Mit Bravely Default II feiert die klassische Rollenspielreihe endlich ihren musterhaften Start auf der Nintendo Switch und glättet einige grobe Kanten der Vorgänger mit großem Erfolg. Noch immer kämpft ihr in taktischen Gefechten unter Verwendung des eingängigen „Brave/Default“-Kampfsystems gegen charismatische Asteriskträger und erlebt das altbekannte RPG-Gameplay dennoch im modernen Gewand. Verantwortlich dafür ist die neue Rundenstruktur, die das Spielprinzip modernisiert, ohne dem Genre untreu zu werden. In Kombination mit der weitläufigen Oberwelt, die einen deutlicheren Fokus auf Entdeckungen setzt, hält sich das dritte Abenteuer frisch, indem unzählige kleine Anpassungen die Zugänglichkeit verbessern und das Erlebnis angenehmer machen. Ausführliche Tutorials erklären unter anderem die Grundlagen, teilweise umfangreiche Nebenmissionen belohnen euch mit wertvollen Items sowie interessanten Kurzgeschichten und ein jederzeit veränderbarer Schwierigkeitsgrad erlaubt die perfekte Abstimmung der Herausforderung. Die Jobs selbst hätten etwas einfallsreicher ausfallen können, funktionieren spielerisch jedoch einwandfrei und erlauben noch immer ausgeklügelte Strategien, die unzählige Möglichkeiten bereithalten. Erzählerisch vertraut das Spiel nicht nur auf systembedingte Wendungen, sondern bietet im Vergleich zu den Vorgängern einen sehr viel ausgearbeiteteren, durchgängigeren roten Faden voller Überraschungen. Malerische Szenerien und ein meisterhafter Soundtrack sind dabei die Kirschen auf der Torte und machen Bravely Default II zum wohl besten klassischen Rollenspiel auf der Nintendo Switch.
Mein persönliches Highlight: Die durchgehend spannende Handlung und ihre liebenswerten Charaktere.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

4 User haben bereits bewertet

Kommentare 27

  • playersdestiny

    DestinysPlayer

    Wow, was für ein langes Review! Respekt! Gut geschrieben, informativ, und trotzdem spoilerfrei!


    Allen viel Spaß mit dem tollen Spiel, und vielen Dank für den ausführlichen Test!

  • Benny85

    Turmheld

    Bevor ich die Wertung gesehen habe wusste ich das es ne 9 sein wird. 😉

  • wonderboy

    Turmbaron

    danke fur den Test!


    gibt es wieder dieses repetetive "Spielvergnügen"? das wäre für mich ein Ausschlusskriterium..

  • Sakura

    Kirschblüte

    Früher oder später werde ich mir das Spiel auch gönnen :) Scheint ja echt gut geworden zu sein, sehr schön.

  • Solaris

    Turmringträger

    Da ich die ersten beiden Spiele gespielt habe und mir vor allem die Story gefallen hat und es interessante Spielemechaniken gab, werde ich es mir wohl irgendwann holen wenn es für 40-50€ im Angebot ist. Vielleicht auch früher, hab noch ein paar Spiele die ich vorher beenden muss.


    wonderboy

    Gute Umschreibung für eine recht dreiste Spielstreckung mit Backtracking aus der Spielehölle, auch wenn es Storytechnisch Sinn ergeben hat.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Eigentlich müsste es als JRPG ein Pflichtspiel für mich sein, aber ich wurde bei den Demos einfach nicht warm mit BD2...vielleicht irgendwann später einmal.

  • Palatinum

    Turmknappe

    Du schreibst, man könne jederzeit den Schwierigkeitsgrad ändern. Wie leicht ist das leichteste?

  • mrcb

    Turmritter

    Bei der unbekümmerten Musik in der ersten Stadt musste ich irgendwie gleich an FF15 denken. :)

  • N-Switcher

    Turmheld

    Ich spiele gernr mal rundenbasierte Strategie bzw. Taktikspiele. Ich find das kampfsystem von solchen JRPG eigendlich ganz ok. Aber mir kommt es so vor als würde man lediglich es so gemacht haben, anstatt das man ein Charakter aussetzen lässt für eine runde er nun dafür punkte bekommt. Normalerweise gibt es ja immer AP für jede runde, das einzige was nun neu ist, ist das diese AP jetzt gesammelt werden kann und bei negativen Wert dann eben zwangspause ist. Das klingt jetzt nicht besonders nach "Besonders".


    Was macht den nun dieses spiel so toll außer dieses Feature?!? Ich finde das nur kämpfen oft sehr schnell langweilig wird. Ob das nun Story-Missionen sind oder Nebenmissionen ist ja egal.

  • Vala

    Turmknappe

    Ich lese in anderen Tests das sehr viel Grind gemacht werden muss. Hmm bin da sehr am zweifeln ob ich es holen oder nicht

  • Yozora

    Lucis Caelum

    N-Switcher Ob du es glaubst oder nicht, aber doch dieses System gibt den Kämpfen mehr Optionen und damit Tiefe. Und was an dem Spiel sonst toll sein soll? Die schön Optik oder die Musik z.B. oder möglicherweise auch die Story, wenn es sich irgendwie ein Beispiel an seinen beiden Vorgängern nimmt.


    Aber du könntest natürlich auch den Test hier lesen ...

  • SecretOfEvermore

    Turmknappe

    Danke für den ausführlichen Test!

    Werde mich dann morgen Nachmittag auch in die Bravely Default Welt begeben.

    Für mich als alter SNES Veteran eine echte Bereicherung was die Switch für ein tolles Lineup hat!

  • mrcb

    Turmritter

    Ein jrpg ohne Grind wäre ja kein jrpg ;)

    Also ich für meinen Teil muss sagen, dass mir Bravely Default damals sehr gut gefallen hat und ich es seeehr lange und öfter gespielt habe.

    Bravely Second konnte ich dann interessanterweise nicht beenden, da es mich trotz mehrerer Anläufe mächtig gelangweilt hat, obwohl es eigentlich nichts anderes gemacht hat auf den ersten Blick.

    Und Bravely Default 2 hat mich jetzt sofort wieder gepackt und die Zeit verfliegt :)

  • BANJOKONG

    Monster Hunter Rise Hype

    Ich freue mich auch sehr auf bravely default 2 morgen!

    Auf switch brauch man echt nicht beschweren was an jrpgs gibt.

    Einzige Wermutstropfen, ich habe nicht mehr so viel Zeit wie vor 20 Jahren :ugly-classic:

  • mrcb

    Turmritter

    BANJOKONG

    Das kenne ich nach weit über 30 Spieljahren auch (aber noch ist die 50 im Alter ja noch ein paar Jährchen entfernt ;))

  • Darksamus666

    Wall-Jump-Akrobat

    Gute review, aber die Überschrift ist etwas verwirrend. Warum "erstrahlt dieses Spiel im neuen Glanz", wenn es denn ein neues Spiel ist?

  • Loxagon

    Turmheld

    Ich hoffe ja, dass man auf die anderen zwei Teile eingehen wird. Abgeschlossen war die Handlung ja nicht, sondern ein Teil 3 angeteastert.

  • Ghostmother

    Turmknappe

    Also für mein Empfinden wirkt die Story unglaublich platt, als sei sie schon etliche Male durchgekaut worden. Ich vermute mal, dass es auf eine Geschichte hinausläuft, die Golden Sun damals schon weitaus besser erzählt hat (4 Kristalle, Elemente und so weiter und so fort).


    Das Visual Design gefällt mir auch nicht so wirklich. Die Städte, Landschaften und Umgebungen sehen zwar stilistisch und grafisch gut aus, ich kann aber mit dem Design der Figuren nichts anfangen. Allein die Kostüme sehen total kitschig und klischeehaft aus, mal abgesehen von den Körperproportionen.


    Das Gameplay hingegen gefiel mir dafür umso besser. Die erste Demo war ziemlich knackig und die Kämpfe hatten eine ordentliche taktische Tiefe und Detailgrad. Das wäre eigentlich genau nach meinem Geschmack. Naja, mal sehen. Ich werde es mir jetzt ohnehin nicht holen, da ich eh noch viel zu viele Spiele hier rumzuliegen und zu spielen habe, unter anderem Octopath Traveler, welches mich insgesamt mehr anspricht und dessen Demo mir gameplaytechnisch mindestens genauso gut gefallen hat, das Grafikdesign aber mehr zusagte.

    Vielleicht später mal...

  • sCryeR

    Turmfürst

    Wird in der nächsten Aktion gekauft.

  • Puma

    Turmheld

    hm. Gamepro sieht das ganze aus einem anderen Blickwinkel, zumindest was die Story angeht. Da heißt es, nichts besonderes und vorhersehbar. Ntower schreibt genau das Gegenteil. Geschmäcker sind eben verschieden...

    Ich werde mir mein eigenes Bild machen allerdings hole ich es mir nicht sofort.

  • SecretOfEvermore

    Turmknappe

    hm. Gamepro sieht das ganze aus einem anderen Blickwinkel, zumindest was die Story angeht. Da heißt es, nichts besonderes und vorhersehbar. Ntower schreibt genau das Gegenteil. Geschmäcker sind eben verschieden...

    Ich werde mir mein eigenes Bild machen allerdings hole ich es mir nicht sofort.

    Ich möchte mir kein großes Urteil erlauben aber die Gamepro Tests sind sicherlich genauso keine Referenz. Bei 4 Players weiß man auch nie ob sie einen Titel zerreissen oder Hypen.

    Aber warum soll der ausführlich beschriebene Test oben falsch sein?? 🤔

  • zplatUUn

    Turmritter

    Dieses JRPG passt wie Faust aufs Auge zur Switch. Geniale Geschichte ist auch die Exklusivität. TOP!

  • Erictendo

    Turmknappe

    Wow tolles Bewertung. Viel Dank für Test. Hoffentlich kehrt meine vermisstes Fechter-Jobs aus Bravely Second zurück.

  • Spielunke

    Turmritter

    Ich möchte mir kein großes Urteil erlauben aber die Gamepro Tests sind sicherlich genauso keine Referenz. Bei 4 Players weiß man auch nie ob sie einen Titel zerreissen oder Hypen.

    Aber warum soll der ausführlich beschriebene Test oben falsch sein?? 🤔

    Von allen finde ich 4Players die schlechtesten.
    Was ich in den letzten 2 Jahren dort lesen musste lässt ein schauer über den Rücken laufen. Und das nur wenn ich es als Gamer betrachte.

  • HAL 9000

    Mobbingbeauftragter

    Habe mir den Test hier, und auch diverse Andere (futurezone.at, eurogamer.de etc.) mal durchgelesen, da ich nach Octopath durchaus mal wieder Lust auf ein klassisches (J)RPG hätte.


    Leider waren alle anderen Tests nicht ganz so positiv. Kampf- und Jobsystem schnitten zwar auch da sehr gut ab, aber vor allem die Story wurde immer arg bemängelt, und statt dessen der Grind hervorgehoben. Von daher lasse ich da vorerst die Finger von. Eventuell kaufe ich es mal im Sale zum Anspielen.


    Vor allem der Abschließende Satz bei Futurezone hat da viel ausgesagt:

    Will man von einem Spiel auch unterhalten, statt nur beschäftigt werden, sucht man sich besser ein anderes Game.


    Edit:


    Das Octopath hier nur mit einer 7 bewertet wurde, ist für mich im Übrigen bis heute unerklärlich. Vor allem wenn man dann hier die 9 sieht.

  • wonderboy

    Turmbaron

    vor allem wurde die frage nach dem "Backtracking" nicht beantwortet, was die beiden Vorgänger "ausgezeichnet" hat..


    was vermelden die Spieletester der Spielemagazine hierzu?

  • Benny85

    Turmheld

    Gerade durchgespielt.

    Und ich muss sagen ein Mega Game viel besser als die meisten Wertungen es im Internet angeben. Man muss längeer Spielen und etwas Durchhaltevermögen haben um es genießen zu können. Der Anfang wirkt tatsächlich so als müsste man hier nur Jobs lvln. Aber es gibt Tricks die man endecken muss dann geht es rasent schnell.

    176 Stunden gespielt. 100 % Complete eines der wenigen Spiele die ich so gesuchtet habe. An das etwas umständliche Menü gewöhnt man sich das hätte man etwas besser machen können wahrscheinlich mit viel Aufwand, aber man gewöhnt sich dran trotzdem geht es besser.

    Und für mich als 101% Gamer fehlt mir das Questlogbuch aller gelösten Quest in meinen Augen ein riesen Spielfehler vom Entwickler.

    Trotz der schwächen eine tolle erfahrung die ich nicht missen möchte.