Die Wiederauferstehung eines gnadenlosen Klassikers

Im Rahmen der letztjährigen The Game Awards angekündigt, erschien mit Ghosts 'n Goblins Resurrection eine Neuauflage des knüppelharten Run-&-Gun-Platformers aus den Achtzigerjahren Ende Februar exklusiv für die Nintendo Switch. Im neuen grafischen Gewand begleitet ihr den quirligen Ritter Arthur auf dessen Rettungsmission, seine Geliebte aus den Fängen fieser Dämonen zu befreien. Abseits der Optik bleibt der Titel seinen Wurzeln treu und beschert euch wieder mal ein bockschweres Abenteuer, welches pausenlos eure Frusttoleranz auf die Probe stellt. Ob die altbekannte Gameplay-Formel noch heute überzeugen kann, verrät euch der nachfolgende Test.


Es war einmal ein Ritter...


Die Geschichte zu Ghosts 'n Goblins Resurrection ist schnell erzählt, da es sich hierbei schlicht um eine simple Rettungsmission handelt, die mit dem Intro eingeleitet wird. Euer Held Arthur sonnt sich in idyllischer Landschaft, in deren Hintergrund das prächtige Königreich zu sehen ist. Kurz nach der Ankunft seiner Geliebten schlagen Flammen aus den entfernten Häusern des Hoheitsgebiets und die Szenerie verfinstert sich. Dem einst farbenfrohen Feenbaum entweicht die Lebenskraft in Form von schillernden Feen, die ihr fortan verstreut in den einzelnen Leveln wiederfindet. Als ob das nicht genug wäre, erscheint zudem eine nebulöse Gestalt, welche des sichtlich überraschten Ritters Liebste entführt. Empört über die Situation, streift sich Arthur die Rüstung über und macht sich auf den Weg, die Frau seiner Träume zu retten.


In diesem düsteren Wald müsst ihr nicht nur gegen den starken Wind ankämpfen.

© Capcom

Bevor ihr ins neue Spiel startet, werdet ihr bereits mit der ersten Neuerung konfrontiert: Die Wahl eines Schwierigkeitsgrades. Hierbei stehen euch vier zur Verfügung – Knappe, Junker, Ritter und Edelmann. Der Unterschied besteht hauptsächlich im Gegneraufkommen und der Lebensenergie von Arthur. Habt ihr euch für eine der Stufen entschieden, findet ihr euch in der Levelauswahl wieder. Ihr könnt das Spiel auf einer der zwei Routen, Friedhof oder Richtstätte, beginnen. Diese gehören zur ersten Zone, von denen es insgesamt fünf gibt. Während ihr in den ersten beiden Zonen noch zwischen zwei Leveln wählen dürft, geht es ab der dritten Zone linear weiter bis zum Schluss. Das liest sich komplizierter, als es letztendlich ist.


Habt ihr einen Weg auserkoren, geht es auch schon ohne Umschweife los. Bei der überschaubaren Palette an Fähigkeiten des Protagonistens hat man nämlich einfach mal auf ein Tutorial verzichtet. So könnt ihr euch wie für einen 2D-Plattformer üblich bewegen, einen einfachen Sprung ausführen und mit eurer ausgerüsteten Waffe angreifen.


Ganz klassisch könnt ihr initiierte Sprünge nicht mehr korrigieren und werdet bei Feindkontakt zurückgeworfen, was nicht selten in einem tödlichen Abgrund endet. Habt ihr euch erst einmal an Arthurs Bewegungsabläufe gewöhnt, manövriert ihr euch von Rücksetzpunkt zu Rücksetzpunkt bis zum abschließenden Boss eines jeden Levels. Eine begrenzte Anzahl an Leben gibt es nicht, jedoch wirkt sich häufiges Ableben negativ auf euren Highscore aus.


Auf dem Rücken eines drachähnlichen Wesens muss jeder Sprung sitzen. Sonst landet ihr im Abgrund.

© Capcom

Ghosts 'n Goblins Resurrection bleibt seinen Wurzeln treu. Nahezu alles, was euren Weg kreuzt, trachtet euch nach dem Leben. Selbst die versteckten Truhen beinhalten selten einen bösartigen Magier, der euch temporär verflucht. Das Spiel fordert eure vollständige Aufmerksamkeit und eine zügige Spielweise. Langsames Vorgehen wird mit nie endenden Gegnerwellen bestraft und führt nicht selten zum Tod.


Dank der großzügig verteilten Checkpoints dürft ihr euch jedoch ausgiebig mit problematischen Passagen auseinandersetzen und diese schrittweise kennenlernen. Was zunächst unmöglich und unfair erscheint, wird somit langsam machbar und eure Hartnäckigkeit schlussendlich belohnt. Auch die klassische Schadensanzeige bleibt in diesem Spiel erhalten. Arthur verliert nach jedem Treffer Rüstungsteile, bis dieser nur noch in seiner ikonischen, mit Herzen übersäten Unterwäsche dasteht. Und bildet euch bloß nicht ein, ihr hättet nach den ersten Credits bereits alles gesehen!


Eine weitere Neuerung dürften die sammelbaren Feen darstellen. Diese sind in den Leveln verteilt und zumeist nicht ganz so einfach zu finden, geschweige denn zu fangen. Habt ihr eine gewisse Anzahl erbeuten können, dürft ihr diese beim Feenbaum für spezielle Fähigkeiten eintauschen. Darunter finden sich hilfreiche Zaubersprüche, wie die zeitweise Verdoppelung eurer Spielfigur, womit ihr ein Vielfaches an Schaden austeilen könnt, oder zwei schwer überwindbare Flammenwände zu beiden Seiten eures Heldens, die für einen begrenzten Zeitraum anrennende Gegner schlicht verbrennen.


Nach eurem ersten Durchgang werden die einzelnen Level in Schatten getaucht und um neue Gefahren erweitert.

© Capcom

Zum Sortiment gehören jedoch auch passive Fähigkeiten, wie ein kurzer Schadensboost, nachdem Arthur sein letztes Rüstungsteil gelassen hat, oder sogar die geringe Chance auf Wiederbelebung samt vollständiger Rüstung, solltet ihr das Zeitliche gesegnet haben. Ihr dürft euch zudem mit einem weiteren Spieler in Arthurs Abenteuer stürzen, der dann jedoch nur eine unterstützende Rolle in Form eines Geistes übernimmt.


All das funktioniert wahnsinnig gut, wenn man eine gewisse Frusttoleranz mitbringt. Lediglich ein paar Punkte stechen negativ hervor. So könnt ihr innerhalb der Level auf verschiedensten Wegen neue Waffen finden, allerdings wird mit dem Aufsammeln eure aktuelle Ausrüstung einfach ersetzt, habt ihr noch nicht zuvor die passive Fähigkeit freigeschaltet, die es euch erlaubt, zwischen mehreren Waffen zu wechseln. Es kann also passieren, dass ihr im Eifer des Gefechts einen unliebsamen Gegenstand versehentlich aufsammelt und euch so lange mit einer ungeeigneten Waffe herumquälen müsst, bis ihr die Möglichkeit bekommt, diese wieder auszutauschen.


Auch das System um die Rücksetzpunkte ist nicht gerade optimal gelöst. So gibt es zwei unterschiedliche Checkpoints, spielt ihr auf dem Schwierigkeitsgrad Ritter oder darunter. Blaue, die einen gesamten Abschnitt markieren, und rote, die kleine Passagen zwischen zwei blauen Fahnen abstecken. Jetzt passiert es schon mal in voller Aufregung, dass man im fummeligen Menü nach dem Ableben, versehentlich am blauen statt dem roten Banner einsteigt, was euren Fortschritt irreversibel auf das blaue Banner zurücksetzt. Da kann einem schon mal die Hutschnur platzen und man stellt kurz das persönliche Dasein infrage.


Eine Präsentation, die sich sehen lassen kann


Ansonsten hinterlässt das Spiel einen sehr guten Eindruck. Sowohl Level als auch Gegner sind abwechslungsreich gestaltet und bieten die ein oder andere Überraschung. So führt euch euer Weg durch gruselige Friedhöfe, verwunschene Wälder, finstere Zitadellen oder über scharfkantige Gebirgsgipfel und eure Widersacher setzen sich aus allem zusammen, was man in einer herkömmlichen Geisterbahn wiederfindet. Man könnte schon fast von einem charmanten Setting sprechen, wenn euch nicht alles in der Welt von Ghosts 'n Goblins Resurrection nach dem Leben trachten würde.


Auch die neue Optik ist schick und transportiert den Märchencharakter des Spiels gekonnt. Zudem läuft der Titel die meiste Zeit in butterweichen 60 Bildern pro Sekunde, was in Kombination mit der direkten Steuerung eures Helden für ein tolles Spielgefühl sorgt. Beim Soundtrack handelt es sich vorwiegend um neu aufgelegte Versionen der alten Musikstücke, was besonders Nostalgikern gefallen wird.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Nach kurzer Eingewöhnungsphase konnte mich Ghosts 'n Goblins Resurrection vollends überzeugen. Trotz des knackigen Schwierigkeitsgrades – in meinem Fall Ritter – ging eine gewisse Sogwirkung vom Spiel aus, die mich immer wieder an Arthurs Seite zog. Unter anderem die präzise Steuerung gepaart mit der zumeist einwandfreien Technik sorgen für die nötige Motivation, das bockschwere Abenteuer durchzustehen. Wer zudem noch eine Leidenschaft für Horror hegt, darf sich zusätzlich am Geisterbahnflair des Spiels erfreuen. Eine klare Empfehlung an alle, die wissen, worauf sie sich einlassen.
Mein persönliches Highlight: Das unvergleichliche Gefühl, einen Level nach unzähligen Toden zu beenden.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Super Test und super Wertung ... ich freue mich auf das Spiel ...

  • DLC-King

    Schönes geschriebener Test.

    Gut gemacht,ne 8 kann man sicher geben.

    Für mich ist es eher ne 9 und schon jetzt eine moderne Legende.


    Geiles Teil

  • Knoso

    sTÜRMER

    Guter Test, danke dafür.

    Scheint ja angesichts zweier leichterer Schwierigkeitsgrade sogar was für mich zu sein. :) Ich kenne den Port aus den 80ern noch - aus den 80ern.