Die Schönheit des Jump ’n’ Runs

Seit dem 18. Februar 2021 gibt es nun schon den schrillen Action- Platformer Glam im Nintendo eShop zu kaufen. Die Produzenten hinter dem Studio Three Legged Egg versprechen ein buntes Abenteuer mit gehöriger Würze Girl-Power. Kann ein weiterer Platformer für die Nintendo Switch wirklich überzeugen? Hier gibt es den Test!


Mit Schwung ins Ziel. Bei Glam sitzt die Frisur in jedem Augenblick perfekt.

© Three Legged Egg

Im Jump 'n' Run-Abenteuer Glam spielt man eine Protagonistin, die sich durch eine verrückte Welt mit sarkastischen Monstern kämpft. Ähnlich wie bei bekannten Titeln wie der klassischen „Super Mario“-Reihe handelt es sich bei diesem Spiel ebenfalls um einen 2D-Platformer. Es geht in erster Linie darum, von einem Punkt zum nächsten zu kommen. Kernelemente des Gameplays sind das klassische Springen, Abstoßen von Wänden und Überwinden von verschiedenen Gegnern, die schon mit breitem Grinsen auf die kämpferische Schönheit warten. Neben dem einfachen Erfolgsrezept wird aber auch ein besonderes Gameplay-Element geboten: Haare. Das mag zwar zunächst wie ein Scherz klingen, aber die Haare der Protagonistin sind der seidenweiche Kern des Spiels, denn an bestimmten Stellen lassen sich diese nutzen, um sich an Punkten zu fixieren und wie an einem Seil hin und her zu schwingen. Dadurch ist es möglich, an Orte zu kommen, die sonst nicht erreichbar wären. Ich persönlich weiß nicht, mit welchen Haarpflegeprodukten man so was hinbekommt, aber das ist schon ein sehr cooles Feature. Außerdem gibt es neben der Haarpracht auch die Möglichkeit, an bestimmten Wandtypen zu klettern oder mittels Flaschenzugsystemen die Rätsel der Spielwelt zu lösen.


Anders als in anderen sinnverwandten Spielen gibt es bei Glam keine Lebensanzeige. Stirbt man in einem Level, wird man direkt an den Anfang zurückgesetzt. Dies geschieht zum Glück ohne lange Wartezeiten, denn je nach Level kann das vorzeitige Ende häufig kommen. Die Level selbst gehen nahezu nahtlos ineinander über. Nach jedem Level befindet sich ein mysteriöses Portal, welches euch an den nächsten Ort mit neuen Herausforderungen sendet. Zu Beginn werden einige grundlegende Mechaniken des Spiels erläutert, was besonders Neuankömmlingen hilft, sich schnell in der Welt von Glam zurechtzufinden. Das Motto des gesamten Spiels ist wohl: Bleib entspannt, solange deine Frisur noch ordentlich sitzt.


GLAMuröse Grafik und Musik


Wie kann man sich gut von bekannten Platformern abheben? Es gäbe unter anderem die Möglichkeiten, die Schwierigkeit stark zu erhöhen oder neue Mechaniken einzubauen. Man kann aber auch einfach auf eine sehr gute Grafik und Tonqualität setzen. Was Glam von vielen anderen Spielen innerhalb des Genres abhebt, ist die gut durchdachte grafische Umsetzung. Die gewählten Farben sind satt und strahlen regelrecht. Man möchte schon fast eine stylische Sonnenbrille aufsetzen, um sich nicht blenden zu lassen. Die verschiedenen Level sind mit einigen schönen Details ausgeschmückt, sodass es nicht langweilig wird, die Umgebung während des Spielens zu beobachten. Dies gipfelt in kleinen, lustigen Details, zum Beispiel lachen die Monster einem dreckig ins Gesicht, wenn man gerade dabei ist, das Zeitliche zu segnen. Zudem wird einem die Möglichkeit gegeben, seine Spielfigur zu gestalten und Accessoires und andere äußerliche Merkmale zu ändern. Es ist ebenfalls möglich, die Hautfarbe anzupassen, was eher ungewöhnlich bei dieser Art von Spielen ist. Es sind gerade diese Kleinigkeiten, die das Spiel in meinen Augen zu einer richtigen Perle in der Schatzkammer der Platformer machen. Die Mischung an vielseitigen Spielwelten und vielen Details schafft ein hochwertiges Spielerlebnis, das nach einer gemütlichen Runde vor dem Fernseher oder im mobilen Modus der Nintendo Switch ruft. Zur Freude von Mehrspieler-Freunden gibt es auch die Möglichkeit, das Abenteuer lokal zu zweit zu genießen.


Das sarkastische Scheusal unten scheint sich besonders über den Tod des Spielers zu freuen. Was für ein „liebevolles“ Detail.

© Three Legged Egg

Die grafische Schönheit reicht aber nicht aus, wenn die Musik eine eintönige Aneinanderreihung von Takten ist. Glücklicherweise zählt Glam nicht zu der Kategorie „langweilige Musik“. Man wird von Anfang an mit mitreißenden Rhythmen durch die verschiedenen Level und Rätsel getragen und bekommt hier einen Hauch 8-Bit-Musik gemischt mit modernen Tönen. Das lockert das Spielgeschehen auf und hebt sich damit auch von vielen Spielen ab, die eher klassische 8-Bit-Melodien verwenden. Glam nutzt die Wurzeln der Platformer und interpretiert diese mit einem modernen Touch neu und das grafisch und auditiv. So vergeht die Zeit beim Spielen wie im Flug. Man bekommt das Gefühl, eine wirklich gut genutzte Spielzeit verbracht zu haben, und genau darauf kommt es bei solchen Platformern meiner Meinung nach an.


Zusammenfassend kann ich zu diesem Spiel sagen, dass es sich lohnt, einen Blick darauf zu werfen. Klassische Elemente von Jump ’n’ Run wurden nicht nur blind kopiert oder leicht abgewandelt. Nein, man bekommt wirklich das Gefühl, dass ein ganzes Team hinter diesem Projekt steht und sich ernsthafte Gedanken darum gemacht hat. Prinzessin in die Tonne – jetzt sind die Frauen an der Reihe, einmal richtig zu zeigen, wie ein Jump ’n’ Run gespielt wird. Neben den Möglichkeiten, das Aussehen zu variieren, gibt es auch scherzhafte Spielereien mit Haar-Lianen, mit denen man sich durch Level kämpft. Aber ganz können die vielen positiven Punkte über ein Problem nicht hinwegtäuschen, denn hin und wieder hat man das Gefühl, dass die Steuerung nicht rechtzeitig reagiert. Ich bin mir dabei ziemlich sicher, dass es nicht nur an mir liegen kann. Vergleichbare Spiele wie „Super Meat Boy“ sind da wesentlich präziser, weshalb ich glaube, dass das Spiel selbst hin und wieder einem guten Sprung einen Strich durch die Rechnung macht. Aber insgesamt wird man sich zum Glück viel mehr den Kopf über die Rätsel der Spielwelt zerbrechen müssen als über Sprung-Ungenauigkeiten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Simon Münch

Glam glänzt als 2D-Platformer mit Puzzle-Abenteuer-Elementen nicht nur sprichwörtlich. Mit diesem Spiel verwandelt man seine Switch in eine quirlig-bunte Party, welche gefeiert werden will. Neben herausfordernden Gegnern werden viele Rätsel geboten, die auch mal einige Minuten des Grübelns in Anspruch nehmen können. Talent im Springen allein reicht hier definitiv nicht aus. Grafisch hat das Produktionsteam von Glam tief in den Schminkkasten gegriffen und präsentiert entsprechend viele schöne Details. Ein Highlight hierbei ist wohl die Möglichkeit der Gestaltung des Hauptcharakters. Musikalisch wird man mit modernen Rhythmen begleitet, welche auch einen Hauch 8-Bit mit sich bringen. Zum Leidwesen der Spieler gibt es manchmal Ungenauigkeiten beim Springen – diese kann man aber schnell überwinden. Empfehlenswert ist dieses Spiel für Fans von Frisuren, die immer sitzen, und Freunden von guten, kreativen Jump ’n’ Runs.
Mein persönliches Highlight: Die stabilsten Haare im Mutliversum der Videospiele.

Die durchschnittliche Leserwertung

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