Zurück an den Anfang

Heute aus Fernost: Eine exotische Mischung aus Rail-Shooter und Dating-Sim, mit einer saftigen Portion Ecchi obendrauf. Ganz recht, knapp drei Jahre nach der Veröffentlichung von Gal*Gun 2 kehrt die ausgefallene Shooter-Spielereihe von Inti Creates zurück und hat mit Gal*Gun Returns ein Remaster des ersten Serienteils im Gepäck, um das 10. Jubiläum vom Franchise zu feiern. Da das Seriendebüt nie außerhalb Japans veröffentlicht wurde, kommen westliche Spieler mit dieser Neuauflage erstmals in den Genuss des Spiels. Ob sich die Rückkehr in das verrückte Szenario von Gal*Gun lohnt, erfahrt ihr in diesem Test.


Einige Szenen werden nun von neuen CG-Bildern begleitet.

© Inti Creates Co., Ltd.

Die Geschichte beginnt mit Patako, einer Schülerin der Angel Academy. Als Cupido in spe ist es ihre Aufgabe, einen Liebespfeil auf die ihr zugeordnete Person zu schießen und so für flatternde Herzen zu sorgen. Doch Patako versagt und verschießt gleich Unmengen an Liebespfeile, welche allesamt Tenzou treffen, den Protagonisten dieser Geschichte. Ihre Abschlussprüfung vergeigt, gibt sich das Engelsmädchen dem (un)glücklichen Burschen zu erkennen und erklärt die Lage. Aufgrund der vielen Liebespfeile ist Tenzou im „Way Too Freakin' Popular“-Zustand und wird für den gesamten Tag von allen Mädchen und Frauen angehimmelt, nur um anschließend nie wieder Liebesglück zu erfahren.


Natürlich kann unser Protagonist das nicht zulassen und macht sich mit der Hilfe von Patako auf, um noch am selben Tag die Zuneigung seines Schwarms zu gewinnen und ein glückliches Paar zu werden. Dazu wählt ihr zu Beginn des Abenteuers aus, für welches Mädchen und somit für welche Story-Route ihr euch entscheiden wollt. Mehr als kurze Angaben zur Persönlichkeit der Figur oder zum Verhältnis zu Tenzou erhaltet ihr jedoch nicht, also müsst ihr vorerst auf euer Bauchgefühl vertrauen. Die verschiedenen voneinander getrennten Routen sollen dabei ganz offensichtlich zu mehreren Spieldurchgängen einladen.


Habt ihr euer Traummädchen gefunden, ist es an der Zeit, aufzubrechen und sie für euch zu gewinnen. Dafür schlagt ihr euch in Rail-Shooter-Manier durch verschiedene Umgebungen in und rund um die Sakurazaki Academy, welche als Schauplatz von Gal*Gun Returns dient. Während der Weg also stets vorgegeben ist, übernehmt ihr die Steuerung über die „Pheromone Shot“-Kanone und schießt sich euch nähernde Mädchen ab, um ihre Sinne zu stimulieren und sie euch so von Leib zu halten. Manche versuchen euch aus nächster Nähe Liebesbriefe oder Geschenke zu geben, andere greifen durch gerufene Liebeserklärungen aus der Distanz an.


Der „Doki Doki“-Modus soll für Herzklopfen sorgen. Manche dürften dies aber eher befremdlich finden.

© Inti Creates Co., Ltd.

Damit noch nicht genug, gibt es zusätzlich den sogenannten „Doki Doki“-Modus, eine Konstante der Gal*Gun-Reihe. Hierbei geht ihr mit einer von euch anvisierten Figur auf Tuchfühlung und versucht ihre „Doki Doki“-Leiste innerhalb des Zeitlimits zu füllen. Was das bringt? Nun ja, sollten euch manche der umherlaufenden Charaktermodelle besonders zusagen, könnt ihr sie auf diese Weise genauer „inspizieren“ und ihr Profil für eure Sammlung gewinnen. Neben schmutzigen und verführerischen Sprüchen sowie verlegenem Kreischen oder Stöhnen hat das Ganze dann sogar doch noch einen spielerischen Vorteil: Nach einer erfolgreich absolvierten „Doki Doki“-Runde zündet eine euphorisierende Bombe, welche alle Figuren auf dem Bildschirm „besiegt“.


Teil jeder Route sind darüber hinaus Minispiele und Bosskämpfe, welche das Shooter-Gameplay leicht abwandeln. Hier stechen besonders die Minispiele hervor, welche mit abwechslungsreichen Szenarien und kreativen Umsetzungen überzeugen können. Gleichzeitig kann es sich aber auch als recht schwierig erweisen, einen guten Score aufzustellen. Je nach Situation werden Fehler harsch bestraft. Da lohnt es sich, einmal von den Schultertasten Gebrauch zu machen, welche euren Cursor verlangsamen oder beschleunigen. Das ist fast schon notwendig, um einerseits schnell bestimmte Bereiche des Bildschirms zu erreichen und um andererseits präzise zielen zu können. Manche werden hier die Vorzüge einer Touchscreen- oder Gyro-Steuerung vermissen, welche beide nicht angeboten werden.


Zwischen den Rail-Shooter-Leveln interagiert ihr mit den Figuren eurer gewählten Route, wobei die Dialoge einer abgespeckten Dating-Sim-Formel folgen. Das Mädchen eurer Begierde konfrontiert euch, ihr antwortet – ob „richtig“ oder „falsch“ ist am Jingle zu erkennen. Welche Antworten euch zur Auswahl stehen, wird durch vorangegangene Antworten, aber auch durch eure Werte in Intelligenz, Sportlichkeit, Style und Anzüglichkeit bestimmt. Die Gespräche sind häufig von Stereotypen geprägt, auch wenn es nicht immer so einfach ist, richtig zu erraten, was euer Gegenüber am liebsten von euch hören will. Das könnte diejenigen unter euch frustrieren, welche gerne das beste Ending erreichen wollen, aber keine Geduld aufbringen, Spielpassagen immer wieder zu wiederholen. Falsche Dialogoptionen können nämlich nicht ohne Weiteres zurückgezogen werden. Dafür ist das erneute Spielen des vorangegangenen Levels nötig. Das frisst Zeit und Nerven.


Die Antwort will wohl überlegt sein.

© Inti Creates Co., Ltd.

Persönlich vermisse ich in erster Linie aber die Entscheidungsfreiheit und Vielfalt in den Leveln. Als Spieler hat man keinerlei Einfluss auf den beschrittenen Weg, man feuert einfach nur kontinuierlich und das war es so ziemlich. Der Levelverlauf ist meistens sehr unspektakulär bis hin zu gähnend langweilig. Die Umgebungen haben kein solches visuelles Upgrade erhalten, als dass sie auf Dauer irgendwie einladend oder charmant wirken würden. Die Mechaniken beschränken sich aufs Nötigste und werden dadurch sehr schnell sehr fad. Unbegreiflich erscheint mir dann, wie von den Entwicklern allen Ernstes erwartet wird, die immer gleichen Level (oder leichte Variationen dieser) mit dem gleichermaßen eintönigen Gameplay rauf und runter zu spielen, um alle Endings zu erhalten. Selbst Genre-Fans müssen das doch bald schon lästig finden, oder?


Als Remaster bietet Gal*Gun Returns also einen einigermaßen verbesserten Look, neue CG-Bilder, eine brandneue Story-Kampagne namens „Doki Doki Carnival“, die ähnlich zum Story-Modus aufgebaut ist, und jede Menge Extras wie freischaltbare Illustrationen oder Konzeptzeichnungen und optionale Kostüme – inklusive fast aller DLCs des Originals. Leider hat es Inti Creates allerdings versäumt, Gameplay und Spielgefühl an die moderne Zeit anzupassen. Besonders im Vergleich zum technisch, optisch und inhaltlich weitaus beeindruckenderen Gal*Gun 2 wirkt Gal*Gun Returns so unambitioniert und regelrecht faul, dass Fans der Serie wohl kaum zum feiern zumute sein wird. Wieso hat man sich entschieden, einen schlecht gealterten Ableger neu aufzulegen, ohne die Mühe zu investieren, diesen grundlegend zu überarbeiten, anstatt ein völlig neues, kreatives Abenteuer zu entwickeln? Gal*Gun 2 zeigte Potenzial, von dem bei diesem Remaster nichts zu sehen ist. Wieso sollen Fans hier zugreifen, wenn das überlegene Gal*Gun 2 zum halben Preis oder weniger zu haben ist?

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Daniel Kania

Gal*Gun Returns entpuppte sich für mich als ziemliche Enttäuschung. Während ich mich bei Gal*Gun 2 noch am großen Umfang, den abwechslungsreichen Missionen, der Entscheidungsfreiheit beim Erkunden und dem zufriedenstellenden Spielefluss erfreuen konnte, bietet mir Gal*Gun Returns nichts davon. Stattdessen werde ich – und werden Fans, die sich auf den 10. Seriengeburtstag freuten – mit einer unambitionierten, faden Neuauflage abgespeist. Es wurden nicht die nötigen Schritte unternommen, um das Gameplay des ersten Serienteils auf solche Weise aufzuwerten, dass auch neue Fans langanhaltenden Spaß damit haben können. Eher hat man es mit eintönigem Button-Mashing zu tun, getränkt in einer uninspirierten Story mit flachen Charakteren und billigen Ecchi-Elementen. Wer sich wirklich überlegt, Gal*Gun auszuprobieren, ist mit Gal*Gun 2 weitaus besser beraten.
Mein persönliches Highlight: Die Minispiele und Bosskämpfe waren ein Hoffnungsschimmer im sonst einschläfernden Story-Modus.

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Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • Princess_Rosalina

    Turmfürstin

    Ist Gal Gun 2 wirklich so viel besser ? Das schockiert mich gerade. :D

    Den ersten Teil kenne ich nicht, nur das zwischen ding und der 2te Teil.


    Der 2te Teil hat ja nicht nur bei euch gute Wertungen erhalten.

    Glaube ein ganz neuer Teil wäre besser gewesen, der 2te Teil hat gute Ansetze , gerade was die Freiheit und die Charaktere angeht.


    @Daniel Kania

    Du zieht bei dem Test viele Vergleiche mit dem 2. Teil, was ja auch richtig ist. Aber gebe es den 2ten Teil nicht. Wäre dann die Wertung anders ausgefallen ? Das würde mich echt interessieren.



  • Darkseico

    Turmbaron

    Ich fand den ersten jetzt nicht allzu schlimm. Natürlich war der zweite in allen Punkten besser und hatte echt Spaß gehabt aber zu hoffen das der erste Teil gleich wie der zweite Teil ist kam mir nie in den Sinn. :/:D

  • Shikan Raider

    World Pro

    Also ich fand das Original damals ganz gut, hatte mir die PS3 Version 2012 importiert. Das Remaster habe ich bisher noch nicht gespielt, kann mir aber kaum vorstellen das dass jetzt so viel Schlechter sein soll. Werde ich mir dann demnächst mal anschauen.


    Ich persönlich finde ja Gal Gun Double Peace noch besser als Gal Gun 2, was ja eigentlich der dritte Teil in der Reihe ist.


    Ich bin mir auch ziemlich sicher das der "Doki Doki Carnival" Modus schon damals auf der PS3 vorhanden war und nicht neu ist. Es kann aber sein, das er in der originalen X Box 360 Version nicht drin war.

  • Daniel Kania

    Dösendes Obst

    Princess_Rosalina Heyo! Nein, ich bewerte Spiele größtenteils für sich allein genommen. Das geht mal besser, mal schlechter. Im Fall von Gal*Gun Returns hat es sich prima angeboten, den Vergleich zu Gal*Gun 2 zu ziehen, da dieser in allen Aspekt eine oder gleich mehrere Schippen drauf legt und einfach demonstriert, wie es besser hätte gehen können. Damit wurde mir erspart, ein hypothetisches Gerüst an Verbesserungsvorschlägen zu konstruieren, da eine verbesserte Version der gebotenen Gameplay-Mechaniken in Form von Gal*Gun 2 bereits existiert. Kurzgefasst: Gal*Gun Returns hätte so oder so die gleiche Wertung. :)