Die Welten von SNK und Capcom vereint

Capcom und SNK waren mit Spielereihen wie Street Fighter, King of Fighters und Fatal Fury die prägenden Videospielfirmen im 2D-Kampfspiel-Genre der 90er-Jahre. Nach den großen Erfolgen begann um die Jahrtausendwende eine Partnerschaft zwischen den beiden japanischen Unternehmen, die in mehreren SNK vs. Capcom- sowie Capcom vs. SNK-Spielen resultierte. Während das erste Kartenspiel-Spinoff „SNK vs. Capcom: Card Fighters Clash“ für den Neo Geo Pocket Color im Jahr 1999 nicht den erhofften Qualitätsstandards entsprach, wurde der zweite von SNK entwickelte Ableger „SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium“ im selben Jahr wesentlich positiver von Fans und Medien wahrgenommen. Seit kurzem ist dieses Beat 'em up-Crossover zu einem niedrigen Preis digital für die Nintendo Switch erhältlich – macht die erste Neuveröffentlichung des Spiels über 20 Jahre später auf einer völlig neuen Konsole Spaß?


Mai Shiranui gegen Terry Bogard.

© ©SNK Corporation ©Capcom Co., Ltd.

Für ein derart altes Handheld-Spiel bietet SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium ganz schön viel Inhalt: Ihr könnt zwischen dem Tourney-Modus, dem VS-Modus, einem Trainings-Modus und einem umfangreichen Olympic-Modus wählen. Im Tourney-Modus entscheidet ihr euch für einen Charakter (oder alternativ für mehrere Kämpfer, wenn ihr Tag- oder Team-Kämpfe aktiviert habt), um in einer Reihe von Kampfduellen als Sieger hervorzugehen. Am Ende eines Turniers, bei dem jeweils auch eine kleine, aber nette, individuelle Story der Charaktere erzählt wird, erwartet euch ein Endboss, den ihr besiegen müsst. Als Belohnung habt ihr die Chance, geheime Charaktere freizuschalten, von denen es insgesamt acht gibt.


Apropos Charaktere: Das Roster besteht aus jeweils 13 SNK- und 13-Capcom-Charakteren. Während von Capcom vorwiegend Street Fighter-Kämpfer gewählt wurden, befinden sich unter den SNK-Charakteren beispielsweise Kämpfer aus Fatal Fury, Samurai Shodown, King of Fighters und Art of Fighting. Etliche bekannte Gesichter wie Ryu, Ken, Chun-Li, Morrigan, Athena, Terry, Mai oder Nakoruru lassen die Herzen von Kampfspiel-Fans höher schlagen. Jeder Charakter hat individuelle Spezial-Moves, die ihr vielleicht schon aus anderen Spielen mit den jeweiligen Kämpfern kennt und die ihr mit bestimmten Richtungseingaben und Tastenkombinationen erlernen und ausführen könnt. Doch auch ohne große Vorerfahrung lässt sich das Spiel gut steuern und ihr habt die Option, Gegner unterschiedlich stark zu schlagen, zu treten, auszuweichen, zu springen, zu blocken und Vorteile bzw. Nachteile von voll aufgeladenen Powerleisten bzw. verbrauchten Schutzleisten auszunutzen. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Eingabe-Verzögerung, die leider merkbar höher ist als bei vielen anderen Kampfspielen.


Spielt mit geteiltem Bildschirm auf einer Nintendo Switch-Konsole im Handheldmodus gegeneinander.

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Im VS-Modus könnt ihr ein schnelles 1 vs 1-Match gegen CPUs oder sogar lokal gegen einen menschlichen Spieler mit geteiltem Bildschirm starten. Der lokale Mehrspielermodus funktioniert auch im Handheldmodus, denn da nur 2 Knöpfe und ein Control-Stick zum Spielen benötigt werden, kann ein Spieler die linken Knöpfe des Handhelds bedienen, während der andere Spieler auf der rechten Handheld-Seite spielt. Euch werden eine Vielzahl an unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten geboten, so könnt ihr beispielsweise mit Handicap spielen, zwischen den 3 verschiedenen Spielvarianten „Average“, „Counter“ und „Rush“ wählen, bei denen sich der Spielstil sowie das Auffüllen und Nutzen der Powerleiste jeweils ein wenig unterscheidet, den Schwierigkeitsgrad einstellen, individuelle Namen und Sprüche festlegen, Kampfprofile speichern und vieles mehr. Auch die neue, optionale Rückspul-Funktion ist in der Nintendo Switch-Version nutzbar, die es Anfängern erleichtern kann, Kämpfe in der Kampagne zu schaffen.


Ganz besonders in SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium ist der Olympic-Modus, bei dem ihr euch entweder dem Team SNK mit Leiterin Rimururu oder dem Team Capcom mit Leiterin Karin anschließt, um bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. In sympathischer Weise wird euch eure Teamleiterin alle Regeln erklären und ist sogar für euch da, um ein bisschen zu flirten und Smalltalk zu führen. Ihr habt die Auswahl zwischen zahlreichen Events wie dem Survival-Modus, wo 100 Gegner auf euch warten und eure Ausdauer getestet wird, und dem Time Attack-Modus, bei dem ihr so schnell wie möglich 5 Gegner besiegen müsst. Für erfolgreiche Leistungen werdet ihr mit Medaillen belohnt und je besser ihr abschneidet, desto besser natürlich auch euer Medaillenrang.


Abhängig davon, ob ihr euch Rimururu oder Karin angeschlossen habt, stehen euch im Olympic-Modus zudem individuelle SNK- bzw Capcom-Disziplinen zur Verfügung, mit Gastauftritten von Charakteren und bekannter Franchises: Beispielsweise müsst ihr in „Ghost Trick“ (diesen Namen hat Capcom übrigens über 10 Jahre später für ein Nintendo DS-Abenteuerspiel verwendet) mit Arthur aus Ghost 'n Goblins einem Gargoyle-Gegner ausweichen und Schätze sammeln, während ihr in „Target 9“ mit Marco Rossi aus Metal Slug Marsmenschen aus der Distanz abknallen müsst. Diese speziellen Events sind zwar kurzweilig, fühlen sich jedoch frisch an und machen durchaus Spaß: In „Cat Walk“ könnt ihr sogar ein Rhythmus-Spiel mit Felicia aus Dark Stalkers durch das Drücken bestimmter Tastenkombinationen spielen und passend zu Musikstücken in verschiedenen Geschwindigkeiten tanzen. Habt ihr bei den Olympischen Spielen fleißig Erfolge gesammelt, dann könnt ihr zudem geheime Spezialmoves freischalten, die ihr dann im Kampf mit den jeweiligen Charakteren einsetzen könnt.


Geht mit Arthur auf Schatzsuche, während im Hintergrund die ikonische Ghost 'n Goblins-Melodie zu hören ist.

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Optisch ist das Spiel sehr simpel gehalten und hat dennoch einen schönen Pixel-Look, der seinen ganz eigenen Charme hat. Ihr könnt einen Filter aktiveren und deaktivieren, der die Helligkeit sowie die Intensität der Pixel verändert, je nachdem, ob ihr lieber ganz im Retro-Look oder im etwas moderneren Look spielen wollt. Um ein möglichst originalgetreues Spielgefühl zu erzeugen, gibt es in SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium verschiedenfarbige Neo Geo Pocket Color-Rahmen, wodurch es sich so anfühlt, als würdet ihr auf der alten Handheldkonsole spielen. Dies hat jedoch zur Folge, dass auch der Spielbildschirm wesentlich kleiner ausfällt als auf aktuellen Nintendo Switch-Spielen und vertikal höher ist als horizontal.


Es wurde jedoch eine Zoom-Funktion eingebaut, die ihr nutzen könnt, um den Bildschirm ein wenig zu vergrößern – alternativ könnt ihr auch ohne Neo Goe-Rahmen spielen, was jedoch links und rechts schwarze, leere Balken zur Folge hat. Im Intro und im Laufe des Spiels werdet ihr ein paar für die damalige Hardware beeindruckende Charakter-Animationen zu sehen bekommen. Sehr schön ist auch, dass ihr jederzeit Zugriff auf die über 40-seitige Originalanleitung habt, bei der ihr jederzeit alle Regeln zu den zahlreichen Spielmodi sowie die Richtungseingaben für die Spezialmoves der einzelnen Charaktere (in englischer Sprache) nachschlagen könnt und darüber hinaus schöne Artworks bewundern könnt.


Abschließend muss auch die Musik ausdrücklich gelobt werden, denn jeder Charakter bringt sein jeweiliges Musikthema mit und der Klang versetzt euch zurück in die 90er-Jahre. Viele bekannte Ohrwürmer sind mit dabei, die sowohl Serienveteranen als auch Spielern von Super Smash Bros. Ultimate, die das Terry-Paket gekauft haben, sofort bekannt vorkommen dürften. Besonders toll sind die Stücke von Nakoruru, Ken, Ryu, Guile, Athena und meine persönlichen Favoriten, die Lacrimosa und Dies Irae-Remixe von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem, die zuvor in diversen Fatal Fury-Spielen als Thema von Wolfgang Krauser verwendet wurden.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium war bis vor kurzem exklusiv für den Neo Geo Pocket Color erhältlich und wohl nur sehr wenige Spieler haben dieses Crossover bisher spielen können. Umso erfreulicher ist, dass nun eine breitere Masse auf der Nintendo Switch Zugang zu dem durchweg gelungenen Beat 'em up erhält: Mich hat der Neo Geo-Titel sehr positiv überraschen können und ich habe weit mehr Inhalt bekommen als ich zunächst erwartet hatte – die wichtigsten Kampfspiel-Ikonen von SNK und Capcom sind mit von der Partie, die Musik ist fantastisch, es gibt jede Menge Modi, nette Story-Segmente sowie freischaltbare Inhalte, ein Zweispieler-Modus ist integriert und der Olympic-Modus ist ein gelungenes Event, das für längere Zeit unterhalten kann. Solange ihr das Spiel nicht aus streng kompetitiver Intention besorgen wollt (die Eingabe-Verzögerung ist nämlich vergleichsweise groß und die Nintendo Switch-Steuerung ist nicht perfekt für Kampfspiele ausgelegt), solltet ihr bei Interesse auf jeden Fall zuschlagen, denn dieses Crossover ist definitiv einen Kauf wert!
Mein persönliches Highlight: Die Auswahl der Charaktere und der Olympic-Modus

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • HouWA Jihaen

    Turmknappe

    Erinnert mich stark an Pocket Fighter ;-) Schade das keine Sprachausgaube bei den Attacken vorhanden ist, aber bei dem Preis von 7,99€ habe ich nicht lange überlegt <3