Ein komplexes Aufbauspiel für daheim und unterwegs

Aufbauspiele, insbesondere Städtebausimulationen, sind bereits seit vielen Jahrzehnten beliebt und erfolgreich. Als prominentester und erfolgreichster Vertreter der letzten Jahre dürft wohl Cities: Skylines gelten, welches allerdings auch schon über sechs Jahre auf dem Buckel hat. Eine ganze Spielereihe ähnlicher Art existiert bereits seit 1985, kommt aus Japan und heißt A-Train. Seit einigen Tagen ist die Reihe nun auch mit dem neuesten Ableger namens A-Train: All Aboard! Tourism auf der Nintendo Switch vertreten und gibt euch die Gelegenheit, auch unterwegs loszubauen. Aber kann der Titel auch überzeugen?


Als ntower Co., Ltd. steigen wir nun auch in den Eisenbahnbetrieb ein.

© Artdink

Zu Beginn sei gesagt, dass A-Train: All Aboard! Tourism nur indirekt eine Städteaufbausimulation ist. Vielmehr liegt der Fokus hier, wie es der Name erahnen lässt, auf dem Aufbau und Management eines Zugsystems – immerhin seid ihr als Spieler der Präsident eines Eisenbahnunternehmens. Besonderer Fokus liegt auf dem Tourismus. Im ersten Szenario (von insgesamt acht) ist eine eurer Aufgaben zum Beispiel, eine Strecke zu einer Burg zu verlegen, um mehr Touristen anzulocken und die Region boomen zu lassen. Um dieses Szenario zu meistern, müsst ihr aber auch die Bevölkerungszahl nach oben schießen lassen und möglichst Gewinne erzielen, um weitere Zugstrecken und Gebäude zu errichten.


Was ich gerade beschrieben habe, kratzt aber nur an der Oberfläche. Das Spiel gibt euch zahlreiche Optionen, zum Beispiel beim Zugbetrieb. Soll das Fahrzeug nur eine Minute oder stundenlang an einem Bahnhof halten? Soll es auch in der Nacht mit eher wenigen Fahrgästen fahren oder nicht? Um die laufenden Kosten sowie Investitionen in neue Strecken und Züge finanzieren zu können, benötigt ihr natürlich auch Geld, das ihr durch die Fahrgäste, aber zum Beispiel auch durch den Verkauf diverser Materialen per Güterzug oder Verkauf von Grundstücken in der Nähe von Bahnhöfen erhaltet. Aber auch weitere Möglichkeiten, wie der Aktienhandel, erschließen sich nach einiger Spielzeit. Durch viele solcher Optionen ist es nicht nur eine einfache Aufbausimulation, sondern schon fast eine kleine Wirtschaftssimulation.


Die Komplexität des Spiels erfordert natürlich auch diverse Tutorials für all jene, die mit der Reihe noch keinerlei Erfahrung sammeln konnten. Hierfür dienen die ersten Szenarien als Einstieg und erklären euch Schritt für Schritt, wie ihr als Unternehmer erfolgreich agiert. Unterstützung erhaltet ihr unter anderem von einigen Mitarbeitern eures Betriebs sowie weiteren Charakteren. Die vielen Dialoge lockern das Tutorial zwar auf, allerdings ist eben jener Einstieg auch einer der Kritikpunkte am Spiel. Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten und Funktionen des Spiels verbringt ihr zu Beginn mehr Zeit mit dem Durchlesen von Texten als mit dem Kerngameplay selbst. Für diesen zähen und langwierigen Spielbeginn müsst ihr etwas mehr Geduld sowie Begeisterung mitbringen.


Zu Beginn werdet ihr vom Spiel lange an die Hand genommen und Schritt für Schritt in das Gameplay eingeführt.

© Artdink

Wie bereits erwähnt, stehen euch insgesamt acht verschiedene Szenarien zur Verfügung. Wem das nicht reicht, kann sich theoretisch genügend Nachschub von anderen Spielern holen. Ein weiterer Teil des Spiels besteht nämlich darin, euer eigenes Szenario zu erstellen und es weltweit mit anderen Erstellern zu teilen. Von der Größe der Karte bis hin zur Häufigkeit von Kohle oder Öl stehen euch einige Optionen beim Kreieren zur Verfügung. Sobald die Karte generiert wurde, könnt ihr eurer Fantasie auch schon freien Lauf lassen. Die gesamte Karte kann mit all ihren Flüssen, Bergen, Feldern, Häusern, Zuglinien und vielem mehr genau so gestaltet werden, wie ihr es euch vorstellt. Da ihr ja spezifisch ein Szenario erstellt, könnt ihr auch bestimmen, wann dieses Szenario als abgeschlossen gilt, beispielsweise ab einer bestimmten Gewinnschwelle oder erreichter Schienenlänge. Der Schwierigkeitsgrad für andere Spieler liegt somit in eurer Hand. Falls ihr selber aber nach neuen Szenarien sucht, werdet ihr eventuell enttäuscht. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Test schreibe, wurden lediglich drei verschiedene Szenarien von anderen Spielern hochgeladen. Aufgrund der scheinbar geringen Spieleranzahl ist der Anreiz dann natürlich auch klein, selber eigene Szenarien zu erstellen, wenn sie fast keiner spielt.


Kommen wir nun aber zum Technischen. Auch wenn das Spiel natürlich teilweise große Karten bietet und ihr sowohl in einer freien als auch isometrischen Kamera die Karte begutachten könnt, wäre bei der Grafik wohl noch deutlich mehr drin gewesen. Wenige und gleichzeitig eher matschige Texturen lassen A-Train: All Aboard! Toursim doch sehr veraltet und altbacken aussehen. Tatsächlich existiert ein Grafikmenü, in dem ihr verschiedene Einstellungen vornehmen könnt – zu einem grafischen Meisterwerk könnt ihr das Spiel trotzdem nicht verwandeln. Lediglich Optionen, wie die Sichtweite und die Reichweite des Level-of-Details, lassen sich einstellen, welche auf niedrigeren Stufen das Spiel zu sehr großen Teilen ohne gelegentliches Ruckeln laufen lassen. Leider musste ich während meiner Spielzeit auch einen mehr oder weniger gravierenden Spielfehler hinnehmen. Vom einen auf den anderen Moment war die Spielwelt nicht mehr zu sehen, lediglich das Menü konnte noch aufgerufen werden. Als ich dann speichern wollte, passierte nichts mehr und ich musste das Spiel neu starten. Aufgrund des verlorenen Fortschritts, auch wenn es eine – zugegebenermaßen eher eingeschränkte – „Auto-Save“-Funktion gibt, war das doch sehr ärgerlich. Eine weitere Sache, die ich an dieser Stelle auch noch erwähnen möchte, ist das Spielemenü. Dieses gestaltet sich im TV- und Handheld-Modus gleichermaßen als eher fummelig und verschachtelt. Selbst nach wenigen Spielstunden muss man sich daran noch etwas gewöhnen. Zum Schluss noch eine kleine Info: Das Spiel ist lediglich auf Englisch spielbar und benötigt aufgrund der generellen, eher wirtschaftlich angesiedelten Thematik, fortgeschrittene Kenntnisse.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Thomas Steidle

Mit A-Train: All Aboard! Tourism bringt Artdink eine Simulation auf die Nintendo Switch, welche vor Möglichkeiten nur so strotzt. Euch steht es völlig frei, wie ihr die Städte mit den Zügen verbinden wollt, durch welche Geschäfte ihr das große Geld macht und wie ihr die Welt entwickelt. Wer mit der Reihe soweit aber noch keine Erfahrung sammeln konnte, wird sich erst einmal durch unzählige Tutorialtexte klicken müssen, um die komplexen Mechaniken des Spiels verstehen zu können. Sollte euch sowohl das als auch die eher veraltete Grafik und die gewöhnungsbedürftige Handhabung des Spiels nicht stören, könnt ihr mit vielen Stunden Spielspaß rechnen. Wer aber nach einer simpleren Aufbausimulation sucht, wird mit Cities: Skylines deutlich mehr Spaß haben – auch wenn die beiden Spiele natürlich nicht komplett miteinander vergleichbar sind.
Mein persönliches Highlight: Die vielen verschiedenen Gameplay-Möglichkeiten, die einem das Spiel bietet.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • D. Olafson

    Turmheld

    Habe trotz der negativen Aspekte in deinem Review mega bock auf das Spiel. Das negative bezieht sich ja hier meistens auf die Komplexität, gerade diese finde ich eher positiv.

    Also man muss halt schon wissen mit welchen Erwartungen man an ein Spiel herangeht und was man eigentlich möchte.


    Das einzige was mich eigentlich am meisten an dem Titel stört, und dass würde für mich auch zu der negativen Bewertung führen:

    Kaufpreis 60€ bei einem reinen eshop Titel mit fehlender Lokalisierung :thumbdown:

  • Knusel

    Turmbaron

    Ich hätte dem Titel gern eine Chance gegeben aber ohne Deutsche Texte ist es nichts für mich

  • Switch

    Turmheld

    Kann nur zustimmen.

    Wenn es so komplex ist, würde es mich sogar freuen. Nur dann bitte auch in deutsch.
    Und bei 60€ und dazu kein Retail, da spiele ich nicht mit.