Der Tod gehört zum Alltag

Der Weltraum symbolisiert für viele Menschen etwas völlig Unterschiedliches. Die einen sehen einen endlosen Kosmos voller ungeahnter Entdeckungen, während die anderen beim bloßen Gedanken erfrieren und den sicheren Boden unter ihren Füßen schätzen. Wo sich aber alle mit Sicherheit einig sind, ist die Thematik der scheinbaren Einsamkeit. Häufig wird dieses Szenario allen voran im Horror-Genre gerne erforscht, da es keine schlimmere Vorstellung gibt, als abgesondert im Universum – ohne Hoffnung auf eine Rückkehr – zu verweilen. So ist es wenig überraschend, dass sich schon einige Entwickler daran versuchten, die Melancholie in ihren Spielen überzeugend einzufangen. Hellpoint folgt einem ähnlichen Muster und setzt neben der besagten Ungewissheit auf einen gnadenlosen Schwierigkeitsgrad sowie einer mysteriösen Handlung. Ob der Ausflug in den Weltraum aber gelingt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Wer oder was seid ihr? Die Handlung hält viele Informationen bewusst zurück.

© Merge Games / tinyBuild / Cradle Games

Als sogenannter Abkömmling erwacht ihr ohne Kenntnisse darüber, wer ihr seid oder was das Ziel ist, in einem dunklen Raumschiff und macht euch allmählich mit der Steuerung des Spiels vertraut. In Form von grünen Handabdrücken an Wänden erhaltet ihr alle relevanten Informationen durch kurze Textboxen oder könnt diese getrost ignorieren und selbst die Eigenheiten des Spielgefühls erkunden. Dadurch entfallen glücklicherweise zwanghafte Tutorials, die multiple Spieldurchläufe unnötig bremsen und erfahrene Spieler stören würden. Ihr möchtet sofort losstürmen und die Raumstation unsicher machen? Oder vielleicht doch erst einmal die Grundlagen verinnerlichen?


Für beide Fragen gibt es jeweils die passende Antwort, was nicht zuletzt an der vorteilhaften Farbgebung der Handabdrücke liegt. Im Eifer des Gefechts könnte es durchaus passieren, dass die Hinterlassenschaften aufgrund ihrer fakultativen Natur möglicherweise verpasst werden könnten, wodurch essenzielle Hinweise im Spielverlauf untergehen. Das helle Grün der Handabdrücke sticht in den finsteren Gängen ausreichend stark hervor und ergibt einen auffälligen Kontrast zu dem generellen Grauton des Spiels.


Die Steuerung selbst besteht aus einfachen Manövern, die schnell verinnerlicht sind. Je nachdem in welcher Hand ihr einen Gegenstand ausrüstet, könnt ihr euch mit Schilden verteidigen oder mit Kriegswerkzeugen wie Klingen, Messer oder Schlagstöcken, entweder mit einem leichten oder schweren Angriff Schaden austeilen. Wer es etwas agiler mag, kann mithilfe einer Ausweichrolle zügig gegnerischen Attacken ausweichen, muss dafür aber die Bewegung selbstverständlich mit dem richtigen Timing einsetzen. Der Sprung eignet sich in den meisten Fällen lediglich dafür, größere Abgründe zu überwinden. Nur selten hatte ich das Gefühl, den Hüpfer im Kampfgeschehen zu brauchen, auch wenn er als defensive Option in Ausnahmenfällen seinen Nutzen haben kann. Um dieses minimale Problem zu umgehen, hätte es sich angeboten, das feindliche Kampfverhalten an den Sprung ein wenig anzupassen. Ob es nun Schockwellen am Boden oder gezielte Attacken gegen die Beine sind – letztendlich wurden nicht die vollen Möglichkeiten des Movesets ausgenutzt, obwohl sich der Sprung durch seine großzügige Flexibilität dafür angeboten hätte, ein wenig Eigenheit ins Genre zu bringen.


Nur mit der richtigen Vorbereitung solltet ihr ein neues Gebiet betreten.

© Merge Games / tinyBuild / Cradle Games

Wo Hellpoint aber heraussticht, sind die Möglichkeiten der Eigenversorgung. Mit einer Handvoll Medizinkapseln könnt ihr euch im Kampf jederzeit etwas regenerieren, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Anders als in ähnlichen Spielen füllen sich die Medizinkapseln erst dann wieder auf, wenn ihr Gegner komplett ausschaltet oder ihnen Schaden zufügt. Auf diese Weise seid ihr dauerhaft dazu aufgefordert, in Auseinandersetzungen zu interagieren, was „feige“ Spielweisen einschränkt und euch gewissermaßen zwingt, die offensiven Mechaniken des Spiels zu erlernen. Unabhängig davon, wie ihr im Kampf schlussendlich vorgeht, sind alle Fähigkeiten – mit wenigen Ausnahmen – an die Ausdaueranzeige gebunden. Jede Bewegung zerrt etwas an eurer Kondition, weswegen wüste Großoffensiven nur selten von Erfolg gekrönt sind.


Stattdessen setzt jede Begegnung mit einem Kontrahenten behutsames und vorsichtiges Handeln voraus – immerhin braucht es häufig nur wenige Gegentreffer, bis ihr das Zeitliche segnet. So teilt der schwere Angriff naturgemäß mehr Schaden aus, verbraucht dafür aber hingegen mehr Ausdauer und benötigt einen kurzen Moment, um auszuholen. Verbraucht ihr also die komplette Kondition, ohne euch vorher die Option offen zu halten, mithilfe einer Rolle auszuweichen, seid ihr dem Gegner schutzlos ausgeliefert und kommt im besten Fall lebend davon. Wer jetzt glaubt, seine Feinde gründlich studieren zu können, um sich ihre Verhaltensweisen einzuprägen, wird nur bis zu einem gewissen Grad erfolgreich sein. Auch wenn es eine grundsätzliche Voraussetzung ist, das Benehmen der Gegenseite verinnerlicht zu haben, passen sich Gegner je nach Positionierung an die Situation an.


In der Praxis bedeutet dies, dass Feinde beispielsweise nicht immerzu nur einmal ausholen. Befindet ihr euch in einer erreichbaren Nähe, schlagen die Monster gerne öfters zu, während sie bei einer größeren Distanz ihre Ausdauer sparen. Dementsprechend ist es notwendig, nicht auf Auto-Pilot zu schalten, sondern sich flexibel an das Kampfverhalten der Kontrahenten anzupassen. Traurigerweise mangelt es dem Spiel hierbei an Abwechslung, da sich Gegnertypen trotz unterschiedlicher Waffen oftmals häufen und sie dadurch unheimlich vorhersehbar werden. Bosskämpfe stehen einem anderen Problem gegenüber. Trotz ihrer gelungenen Designs bieten sie spielerisch nur das Mindeste und stellen nach wenigen Versuchen keine wirkliche Herausforderung dar. Die Angriffe besitzen nicht genug Abwechslung und passen sich anders als bei herkömmlichen Feinden nicht wirklich der Situation an. Somit dauert es nur wenige Minuten, bis das komplette Verhalten eines Bosses in Fleisch und Blut übergeht, was weder dem Genre noch dem eigentlichen Potenzial gerecht wird. Die besondere Uhr-Mechanik versucht hier den kreativen Gegenpart darzustellen und mischt je nach Situation die Karten neu. Kreuzen sich nämlich die zwei jederzeit einsehbaren Zeiger, können unerwartete Ereignisse, wie plötzliche übermächtige Gegner, eintreten. Grundsätzlich wirkt die Implementierung dieser Idee etwas oberflächlich und braucht nicht lange, bis sie zur Gewohnheit wird – letztendlich ist der Mut zu Neuem aber sicherlich nicht von der Hand zu weisen und sehr willkommen.


Ein Fehler, viele Folgen


Inwiefern die Handlung überzeugt, ist jedem selbst überlassen. Das Spiel setzt einen klaren Fokus darauf, die Geschichte selbst zu offenbaren, was sich in versteckten Dateneinträgen oder geheimen Schriftzeichen widerspiegelt. Ein Ansatz, der sich als simpel, aber überraschend effektiv herausstellt, ist eine kleine Prozentangabe am oberen Bildschirmrand. Immer wenn neue Informationen zur Raumstation oder anderen Dingen gesammelt werden, erhöht sich der Wert und gibt Auskunft darüber, wie viel ihr bereits erfahren oder verpasst habt. Ob einem diese Art der zurückhaltenden Erzählung zusagt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Auch wenn ich grundsätzlich etwas mit diesem Vorgehen anfangen kann, hatte ich niemals das Gefühl, dass Hellpoint in dieser Hinsicht brilliert. Weder besitzen Items oder Waffen interessante Beschreibungen, noch beeindruckt die Spielwelt mit außergewöhnlichen Schauplätzen, die das Vorstellungsvermögen anregen. Blickt man aber einmal etwas genauer auf die Umgebung, lenken vermutlich technische Schwierigkeiten sehr viel deutlicher vom eigentlichen Bild ab.


Optisch wäre deutlich mehr möglich gewesen.

© Merge Games / tinyBuild / Cradle Games

Um die hauptsächliche Problematik vorwegzunehmen: Technisch läuft das Spiel alles andere als rund. Wiederholt kommt es zu nervigen Framerate-Einbrüchen, die jeder zwar etwas anders wahrnimmt, in Hellpoint aber über Leben und Tod entscheiden. Gerade wenn mehrere Gegner auf einmal losstürmen oder die Umgebung besonders an der Leistung der Nintendo Switch zerrt, gerät das Spielgeschehen gerne ins Wanken und macht die vorausgesetzten präzisen Eingaben deutlich frustrierender. Mindestens ebenso strapaziös sind die langen Ladezeiten nach jeder Niederlage. Begreiflicherweise ist es nicht unüblich, häufig zu sterben, weswegen es umso lästiger ist, nach jedem Tod ausgedehnte Wartezeiten in Kauf zu nehmen sind. Somit überlegt man sich oftmals zweimal, ob es sich wirklich lohnt, den verlorenen Fortschritt wieder nachzuholen oder die Konsole einfach auszuschalten.


Da wir es hier mit einem relativ überschaubaren Entwicklerstudio zu tun haben und das abgelieferte Ergebnis dafür recht tüchtig ausfällt, sind wenige Spielfehler unvermeidlich. Dies soll allerdings keine Entschuldigung sein, sondern euch auf zu erwartende Ungereimtheiten, wie exotische Hitboxen beispielsweise, einstellen. Was definitiv nicht zu verzeihen ist, ist das langweilige, teilweise nicht vorhandene Sounddesign. Trotz der gelungenen Musikstücke konzentriert sich Hellpoint auf eine ungemütliche Atmosphäre, die theoretisch von einer passenden Geräuschkulisse profitiert. Unglücklicherweise ist dies nicht der Fall, was in Anbetracht des unverbrauchten Settings im Genre mehr als schade ist. So sind während eines Sprints unter anderem so gut wie keine Töne zu hören, obwohl der hallende Klang von schnellen Schritten sowohl beim Protagonisten als auch bei Gegnern fantastische Effekte erzielt hätte.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Kevin Becker

Oberflächlich betrachtet verdient Hellpoint durchaus seinen Platz im Genre und sorgt für einige unterhaltsame Spielstunden. Die Uhr-Mechanik kann jederzeit das Geschehen auf den Kopf stellen, das Spiel erzwingt keine störenden Tutorials und Heilitems wurden clever neuinterpretiert. Erzählerisch wird euch eine zurückhaltende Geschichte präsentiert, die zu einem großen Teil eigenhändig aufgedeckt werden kann und genug Spielraum für Interpretationen offenlässt. Trotz gewisser Ecken und Kanten schafft es das kleine Entwicklerteam ein, für ihre Verhältnisse, ambitioniertes Gesamtpaket abzuliefern – wären da nicht die technischen Schwierigkeiten der Nintendo Switch-Version. Seien es die Framerate-Einbrüche, schwammigen Texturen oder ordentlichen Ladezeiten – kaum ein Aspekt überzeugt in Hinsicht der Portierung und lenkt vom eigentlich gelungenen Fundament ab. Was in anderen Spielen womöglich weniger tragisch ausfällt, trägt hier unnötig zum Frust bei und verdeutlicht umso mehr, dass Hellpoint auf anderen Plattformen eine deutlich bessere Figur macht.
Mein persönliches Highlight: Der schnelle Einstieg ins Spielgeschehen.

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Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 6

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Ich werde dem Spiel trotzdem eine Chance geben...

  • SaylE

    Hier peinlichen Titel eingeben

    Tomek2000 Und? Schon Erfahrungen gemacht? Der Trailer sah schon ziemlich schnieke aus 😅

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Tomek2000 Und? Schon Erfahrungen gemacht? Der Trailer sah schon ziemlich schnieke aus 😅

    Leider immer noch nicht , aber es wird nicht mehr lange Dauern, da ich endlich ein neues Dark Souls benötige ...


    Ich gebe dir aber bescheid

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Tomek2000 Und? Schon Erfahrungen gemacht? Der Trailer sah schon ziemlich schnieke aus 😅

    Ich habe Hellpoint jetzt endlich gekauft und spiele Hellpoint schon seit ca 30 Stunden und um es kurz zu machen, es ist für mich sogar besser als Dark Souls und eines der besten Spiele der letzten Jahre.


    Es hat ein paar Performance Probleme , aber das soll hauptsächlich bei der Switch Version vorkommen…


    Aber man kann wirklich damit leben und falls du es nicht kannst, dann kaufe es für ein anderes System, denn da soll die Performance deutlich besser sein.


    Im Nachhinein würde ich sogar 60 Euro für Hellpoint ausgeben…

  • SaylE

    Hier peinlichen Titel eingeben

    Tomek2000


    Also das hört sich für mich nach einer Empfehlung an ^^


    Außer meiner Switch habe ich keine aktuelle Konsole und das bleibt eine Weile auch so denke ich mal.


    Also SwitchUp hat glaube ich auch was zum Spiel nach dem Patch gesagt, und dort wurde es auch als um einiges besser als vor dem Patch genannt. Natürlich noch mit Problemen, aber naja.


    Hmmm da komme ich jetzt ins Grübeln. Habe Dark Souls noch nie gespielt. Frage mich, ob ich erst Dark Souls oder dieses Spiel spielen sollte, wenn es denn soweit ist :/

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Also dann würde ich dir raten mit Dark Souls Remastered für die Switch zu starten, den dann lernst du alles was du für Hellpoint wissen und können musst.


    Ich habe auch nur eine Switch und Dark Souls war für mich eine der besten Videospiel Erfahrungen überhaupt und Hellpoint schließt nahtlos daran an…


    Es sind beides sehr harte Spiele , aber die Erfolgserlebnisse die durch dein Fleiß automatisch kommen, sind wirklich unbezahlbar …


    Starte am besten mit Dark Souls und mache dann mit Hellpoint weiter , es wird sich für dich lohnen …


    Lieben Gruß