Als Söldnertrupp zu Ruhm und Ehre

Knapp vier Jahre sind vergangen, seit Battle Brothers: A Turn Based Tactical RPG auf dem PC erschien. Nun endlich kommt der Titel auch auf die Nintendo Switch. In diesem rundenbasierten Strategiespiel des deutschen Entwicklers Overhype Studios dürft eure eigene Söldnertruppe in unzählige Schlachten schicken. Zusätzlich zum Hauptspiel wurden auch alle bisherigen DLCs ebenfalls für die Nintendo Switch veröffentlicht, welche allerdings separat erworben werden müssen. Hierfür könnt ihr wahlweise die DLCs einzeln kaufen oder ihr greift direkt zum DLC Bundlepack. Den kleinsten DLC, der euch gegen einen Lindwurm kämpfen lässt, könnt ihr kostenlos im Nintendo eShop herunterladen. Ein kleiner Wermutstropfen: Trotz deutschem Entwicklerteam ist das Spiel ausschließlich auf Englisch erhältlich. Ob ihr dennoch euren Spaß mit Battle Brothers haben könnt, erfahrt ihr hier im Test.


Auf der Weltkarte ist nur das Nötigste zu sehen.

© Battle Brothers™ & ©Overhype Studios

Bereits im Hauptmenü werdet ihr darauf hingewiesen, dass Battle Brothers ein sehr schweres Spiel ist. Dies kann ich nur bestätigen. Das Spiel nimmt euch nicht großartig an die Hand und ihr müsst selbst vieles durch ausprobieren (und scheitern) herausfinden. So fanden meine ersten drei Söldnertruppen bereits nach einigen Spieltagen ein qualvolles Ende. Um zumindest einen guten Einstieg hinzubekommen, solltet ihr die ersten Runden das Tutorial spielen. In Battle Brothers gibt es verschiedene Origins, die euch darüber aufklären, warum ihr eine eigene Söldnertruppe anführt. Zudem werden noch einige Regeln für den weiteren Spielverlauf angepasst. Im Origin des Tutorials erlebt ihr zum Beispiel, wie euer führender Kommandant das Zeitliche segnet und ihr als nächster in der Befehlskette die Zügel übernehmt. Weitere Regelanpassungen werden in diesem speziellen Fall nicht vorgenommen. Zu den schwierigeren Origins gehört zum Beispiel der Lone Wolf. In dieser Kampagne befehligt ihr eine eigene Spielfigur, die keinesfalls sterben darf, da das Spiel ansonsten vorüber ist. Insgesamt erwarten euch (wenn ihr alle DLCs besitzt) 13 unterschiedliche Origins, jede mit ihren eigenen kleinen Herausforderungen. Leider gibt es keine Möglichkeit, eine eigene Origin zu erstellen und mit individuell ausgewählten Regeln zu spielen.


Neben dem Ursprung eurer Söldnertruppe hat auch noch die Late Game Crisis einen großen Einfluss auf den Spielverlauf. Je nach Wahl kommt es im Laufe der Zeit zum Kampf zwischen den Adelshäusern, einer Ork- bzw. Untoteninvasion oder es bricht gleich ein Heiliger Krieg aus. Diese Krise formt nachträglich die Weltkarte, indem beispielsweise Siedlungen den Besitzer wechseln oder gar von Wiedergängern für immer vernichtet werden. Sollte euch die permanente Zerstörung von Städte zu hart erscheinen, könnt ihr diese glücklicherweise auch deaktivieren. Wurde die gewählte Late Game Crisis im Laufe des Spiels abgeschlossen, wird zufällig eine neue ausgewählt. Abschließend könnt ihr noch den Schwierigkeitsgrad für die Kämpfe und die Ökonomie sowie die Menge eurer Startressourcen festlegen. Danach findet ihr euch in einer komplett zufallsgenerierten Welt wieder. Durch die Kombination aus Origin, Late Game Crisis und der zufälligen Welt wird ein hoher Wiederspielwert erzeugt. Keine Kampagne verläuft gleich und die Welt will jedes Mal aufs Neue von euch erforscht werden.



Das Ziel der Reise ist die Reise selbst.


Das Spielziel von Battle Brothers lässt sich einfach beschreiben: Eure Söldnertruppe soll zur berühmtesten Söldnertruppe der Welt aufsteigen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ihr habt keine feste Questreihe oder Ähnliches, an der ihr euch entlang hangeln könnt. Stattdessen besucht ihr die unterschiedlichsten Regionen und Städte auf der Suche nach Aufträgen, kehrt in Tavernen ein, um gegen ein paar Kronen Hinweise zu interessanten Orten zu erhalten oder ihr vernichtet umherziehende Monster und andere Gefahren. Auch die Late Game Crisis kann euch dabei helfen, Ruhm zu erlangen, allerdings startet diese erst nach etwa 100 Spieltagen. Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet, ihr solltet stets eure Ressourcen im oberen Bildschirm im Blick behalten. Eure Söldner wollen täglich bezahlt werden und benötigen Nahrung für die langen Wegstrecken. Zwar ertragen die meisten Söldner das zeitweise Fehlen von Lebensmitteln und Bargeld, jedoch sinkt ihre Motivation dadurch. Je mehr die Motivation sinkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass der ein oder andere eurer Kampfbrüder sich mitsamt seiner Ausrüstung aus dem Staub macht.


Die Städte sind, je nach Region und Größe, unterschiedlich gestaltet.

© Battle Brothers™ & ©Overhype Studios

In den einzelnen Städten könnt ihr neue Söldner gegen entsprechende Bezahlung anheuern. Hier zeigt sich dann ein weiteres, komplexes System des Spiels: Jeder Söldner unterscheidet sich in seinen Statuswerten, seinem Beruf und seinen Fähigkeiten. Während ihr den Beruf noch einfach direkt vor dem Anwerben ablesen könnt, müsst ihr für seine Fähigkeiten zuerst etwas Bargeld auf den Tisch legen. Die Statuswerte selbst bleiben bis zum Anheuern unbekannt, können jedoch durch den Beruf erahnt werden. So ist beispielsweise ein Kreuzritter viel kampferfahrener als ein Bauer, dafür will natürlich der Kreuzritter auch eine wesentlich bessere Bezahlung als Letzterer. So müsst ihr hier mit euren Finanzen ein wenig jonglieren, schließlich benötigt der neue Söldner meistens auch noch Waffen und Rüstungen. Die jeweiligen Statuswerte, beispielsweise Lebenspunkte, Fernkampf, Nahkampf oder Initiative, können zudem noch Sterne aufweisen. Diese zeigen euch an, um wie viele Punkte bei einem Level Up der jeweilige Statuswert erhöht werden kann. Allerdings ist hier zusätzlich noch ein gewisser Zufallsfaktor gegeben. Insgesamt könnt ihr so jedoch Glück haben und aus einem billigen Bauern kann dennoch ein passabler Söldner werden.


Das Umherziehen auf der Weltkarte und das Besorgen von Aufträgen ist natürlich nur ein kleiner Aspekt des Spiels, denn schließlich wollen eure Aufgaben auch abgearbeitet werden. Abseits vom Auffinden bestimmter Orte oder dem Liefern von Gegenständen in eine andere Stadt, sind die meisten Aufträge kämpferischer Natur. Hierfür wechselt das Spiel auf eine Karte mit hexagonförmigen Feldern. Jeder Söldner wird nun mit einer detaillierten Büste dargestellt, die euch alle wichtigen Informationen liefert. So erkennt ihr anhand jeder Büste die Ausrüstung, die der Söldner trägt sowie seinen Gesundheitszustand. Auch eure Gegner sind durch solche Büsten dargestellt. Während ihr bei den Monstern und Untoten in der Schlacht noch problemlos die eigenen Figuren von den Gegnern unterscheiden könnt, fällt diese Unterscheidung beim Kampf gegen menschliche Widersacher nicht so leicht. Hierfür könnt ihr euch an der Blickrichtung der Büsten orientieren. Eure Gegner blicken stets nach links, während eure eigenen Figuren stets nach rechts gewandt sind.


Der Kampf ist in einzelne Runden unterteilt, wobei die Reihenfolge durch die Initiative bestimmt wird. Jede Spielfigur besitzt Aktionspunkte, die sich zu Beginn jeder Runde wieder auffüllen, sowie einem Erschöpfungsbalken. Dieser Balken füllt sich im Laufe des Kampfes immer mehr, wodurch ihr zwischendurch mit dem Charakter eine Runde aussetzen müsst, um die Erschöpfung abzubauen. Wie viel Erschöpfung eine Figur erträgt, wird hierbei durch die Ausrüstung bestimmt. So sorgen schwere Waffen oder entsprechende Rüstungen dafür, dass der Balken sehr klein ist, wogegen leichtere Gegenstände für einen längeren Balken sorgen. Die Menge der hinzukommenden Erschöpfung hängt wiederum von den Fähigkeiten ab, die ihr im Kampf wählt. Starke Fähigkeiten oder Bewegungen auf unwegsamen Terrain sorgen für eine größere Erschöpfung. Somit fordert der Kampf stets ein taktisches Vorgehen, damit euch nicht mitten im Kampf die Puste ausgeht.


An jeder Büste lässt sich die jeweilige Ausrüstung direkt erkennen.

© Battle Brothers™ & ©Overhype Studios

Auch die Positionierung eurer Einheiten stellt ein wichtiger Faktor im Kampf dar. Fernkämpfer erhalten die höchste Trefferchance, wenn sie von einer höher gelegenen Position aus angreifen. Sollten sie jedoch direkt neben einer feindlichen Figur stehen, so müssen sie entweder die Waffe wechseln oder sich wegbewegen, bevor die Armbrust oder der Bogen erneut gezückt werden kann. Nahkämpfer umzingeln die Gegner besser, da hierdurch ebenfalls die Trefferchance massiv erhöht wird. Dies gilt jedoch nicht nur für euch, sondern ebenfalls für eure Gegner, weshalb auch diese versuchen werden, euch zu umzingeln. Da ihr auch eure Kameraden verletzen könnt, solltet ihr euch zudem immer genau mit den einzelnen Fähigkeiten beschäftigen. Ein Axtwirbel kann zwar ein mächtiger Angriff sein, allerdings kann so ein Manöver auch nach hinten losgehen, falls direkt neben euch auch eigene Einheiten stehen. Gut durchdachte und nicht überstürzte Kämpfe verhelfen euch zum Sieg, sind jedoch eure Gegner in der Überzahl oder wesentlich besser ausgerüstet als ihr, hilft manchmal nur noch die Flucht. Und auch hier kann noch einiges schief gehen, da eure Figuren zunächst zum Rand des Schlachtfelds gelangen müssen.



Wurde eure gesamte Truppe ausgelöscht, endet das Spiel für euch. Habt ihr stattdessen euren Gegner vernichtet, könnt euch ans Plündern machen. Die Art der Beute hängt hierbei einerseits vom Gegner ab, andererseits aber auch von eurer Kampfstrategie. Habt ihr mit Äxten zuvor die Schilder der Gegner zerschlagen, so werdet ihr diese natürlich nicht mehr plündern können. Die meisten Gegenstände, die ihr auf diese Weise erwerbt, sind durch den Kampf in Mitleidenschaft gezogen worden. Glücklicherweise pflegt eure Söldnertruppe bei den Wanderungen auf der Weltkarte ihre Ausrüstung. Solange ihr genug Werkzeuge im Gepäck habt, werden die Waffen und Rüstungen bereits nach einigen Tagen wieder wie neu aussehen. Und auch eure Verletzten werden während der Reise dank mitgeführter Medizin wieder aufgepäppelt. Beide Vorgänge lassen sich beschleunigen, indem ihr vorübergehend ein Camp aufschlagt. Allerdings seid ihr damit auch leichte Beute für weitere Gegner - also solltet ihr auch hier eure Möglichkeiten sorgfältig abwägen. Ist eure Söldnertruppe bereits recht groß, könnte die Reservebank für die Verletzten ebenfalls eine Option sein, dann nehmen diese in den folgenden Schlachten erst mal nicht teil und können ihre Verletzungen kurieren.


Grafisch gesehen bietet das Spiel nur das Nötigste So sind beispielsweise nur relevante Einheiten und Orte auf der Weltkarte zu sehen und selbst diese werden nur in ihrer Büstenoptik präsentiert. Aus meiner Sicht ist das jedoch vollkommen ausreichend, denn der Schwerpunkt des Spiels liegt in den komplexen Spielsystemen und im detailreichen Management der Söldnertruppe. Auch im Kampf sind die Animationen auf ein notwendiges Minimum reduziert, sodass ihr euch vollkommen auf das Kampfsystem konzentrieren könnt. Ähnliches lässt sich über den Soundtrack sagen. Die musikalische Untermalung ist stimmungsvoll, jedoch gibt es keine Tracks, die tatsächlich im Gedächtnis bleiben. Größere Bugs konnte ich während meines Tests nicht feststellen, jedoch ist die Wegfindung auf der Weltkarte stark verbesserungswürdig. Immer wieder kam es vor, dass meine Truppe sehr sonderbare Wege nahm, in Sackgassen landete oder gar die komplett andere Richtung eingeschlagen hat. Nur wenn direkt einer Straße gefolgt werden soll, scheint die Wegfindung zuverlässig zu funktionieren. In den Märschen durch die Wildnis empfehle ich, lieber mehrere Ziele nacheinander anzusteuern, die nicht weit voneinander entfernt liegen. Die Maussteuerung der PC Version wurde intuitiv auf die Nintendo Switch angepasst. Während der linke Stick den Mauscursor bewegt, könnt ihr mit dem rechten die Kamera verschieben. Alle weiteren Steuerungsmöglichkeiten werden euch situationsbezogen am rechten Bildschirm angezeigt. Im Kampf könnte das Auswählen der Fähigkeiten jedoch etwas einfacher gestaltet werden. Zwar gibt es mit den Pfeiltasten die Möglichkeit, schnell auf die Fähigkeiten zuzugreifen, allerdings springt hier der Mauscursor direkt auf die Fähigkeit. Somit müsst ihr anschließend wieder den Gegner auswählen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Freibauer

Das Spielprinzip von Battle Brothers lässt sich sehr gut mit „Einfach zu verstehen, schwer zu meistern“ zusammenfassen. Bereits nach kurzer Zeit versteht ihr ungefähr, was von euch erwartet wird. Dann jedoch beginnt erst die eigentliche Arbeit. Viele Feinheiten des Kampfsystems werden beispielsweise nicht wirklich erklärt, sondern wollen von euch entdeckt und erforscht werden. Hierbei zwingt euch das Spiel fast schon eine gefährliche Spielweise auf. Denn ihr benötigt dringend Geld für eure Söldner, die einfachen Aufträge sind jedoch recht schnell abgearbeitet, wodurch euch gar nichts anderes übrig bleibt, als die Risiken größerer Aufträge einzugehen. Falls ihr euch gerne mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Statuswerte sowie dem Austüfteln der perfekten Kombination daraus beschäftigt, seid ihr bei Battle Brothers genau richtig. Mit den entsprechenden Englischkenntnissen werdet ihr jede Menge Spaß und Abenteuer erleben. Die einzelnen DLCs sind ebenfalls aus meiner Sicht ihren Preis wert. Jeder erweitert das Spiel nochmals um neue Orte, legendäre Bosskämpfe, Gegenstände und Spielprinzipien. Könnt ihr euch jedoch nicht mit komplexen Systemen und dem doch sehr offenen Spielprinzip anfreunden, solltet ihr vermutlich lieber nach etwas anderem umsehen.
Mein persönliches Highlight: Die spannenden und herausfordernden Kämpfe. Hier wird einiges an Taktik von euch abverlangt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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